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Unser Dorf liest

Arbeitskreis "Unser Dorf liest"

Kolumnen - Archiv 2026


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1237. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 29.5.2026

Wie kommt das Mädchen an die Perlenohrringe?
Es war im Frühjahr des Jahres 1653. Die Delfter Turmuhren beginnen in unterschiedlichen Tönen zu schlagen. Die Schallwellen klingen feierlich tief, dann hoch und dünn, bis der letzte Ton verschwebt. Es ist die Hochzeitsfeier des Malers Jan Vermeer mit Catarina Bolnes aus Gouda. Einer der Trauzeugen ist der Maler Leonard Bramer. Er erhebt seine Stimme, die Spannung steigt. „Liebes Brautpaar, liebe Hochzeitsgäste. Seht auf Catarina, unsere entzückende Braut.“ Genießerisch hebt er sein Glas, lässt den Wein über die Zunge laufen. „Auf Venus, die Göttin der Schönheit und Liebe.“ Bramer fingert aus der Tiefe seiner Tasche ein Lederkästchen hervor und öffnet den Verschluss - ein Perlenohrgehänge. „Gestattet, dass ich es der Braut überreiche, zur Erhöhung ihrer Schönheit und zur Erinnerung an diesen Tag. Möge es euch Beiden ein Glückbringer sein.“ Die Gäste sind gegangen. Catarina fragt Jan: „Jan, hast du nie gehört, dass fast jede Braut während der Trauung weint. Rate mal warum? Weil so viel Schicksalhaftes darin liegt, in dem Versprechen: auf Lebenszeit. Es beglückt und bestürzt zugleich. Jan, du hast als einziger mein Ohrgehänge noch nicht bewundert, gefällt es dir nicht?“ „Es würde mir besser gefallen, wenn ich es dir hätte schenken können – sie stehen dir ausgezeichnet.“ Die Lesung erzählt Vermeers Leben in einem Zeitraum von nur fünf Jahren. Diese fünf Jahre prägten Vermeer, und er empfand sie als die bedeutendsten seines Lebens. So wechselte er aus Liebe zu seiner Frau zum katholischen Glauben über. Die Lesung „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ findet statt am Sonntag, 14. Juni 2026, um 15 Uhr in der Dorfwerkstatt Bordenau, Birkenweg 3a. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung wird erbeten unter Tel. 05032-4434 oder mail: johanna.korte@bordenau.de


1236. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 22.5.2026

Welch unverdientes Glück!
„Du bist ein Mensch -
Vorübergehender -
Berührst meine Kreise
Und färbst sie ein.
Was hat dich bewogen
So auf mich zu schauen?
Ein Beliebiger ohne Kompass
Stürzend in Sehnsucht.
Ich wollte nicht Halt machen,
Nicht verortbar sein,
Sondern frei wie ein Vogel
Die Wolken besingen.
Nun sind es schon viele Jahrzehnte;
Gebändigt zähle ich die Stäbe
Und weine über mein Glück
Geborgen in perlender Wirklichkeit.“
(Paul Cornelius)


1235. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 15.5.2026

Endlich wieder genug wilde Tiere in Bordenau!
„Der Mensch ist da nur ganz Mensch, wo er spielt!“ (Friedrich Schiller). Und so wird in der Dorfwerkstatt Bordenau am Birkenweg 3a nicht nur gelesen, gebastelt und gefeiert, sondern am Montag, dem 18. Mai ab 15.00 Uhr, auch gespielt: „Strategiespiele für Erwachsene" mit Annette Borchers. Diesmal geht es um „Cascadia“, ein neues klassisches Legespiel: „Das Ziel des Legespiels ist, Lebensräume für Wildtiere in Cascadia zu erschaffen. Dafür Wildnisplättchen aussuchen und an die jeweilige Landschaft anlegen. Pro Partie liegt für jede der 5 Tierarten eine Wertungskarte aus. Sie geben an, wie die Tiere bestmöglich angesiedelt werden sollen. Danach entscheidet sich die Höhe der Punktzahl. Außerdem gilt es, möglichst große zusammenhängende Gebiete in jeder Landschaftsart zu erschaffen.“ (aus dem Verlagsprospekt) „Was für ein wunderbares Spiel! Hier treffen auf ganz harmonische Weise Siegeswillen, Strategie und Spielfreude in hohem Maße aufeinander. Endlich einmal ein Spiel ohne gegnerische Attacken, hinterhältiges Vorgehen und lauerndes Pläne-Zerstören. Ein Spiel, bei dem selbst der Verlierer am Ende stolz auf sein geschaffenes Naturgebiet blickt! Und obendrein wird ein Wissenszuwachs und Naturverständnis erzielt. Die Materialien sind in Form und Größe gut handbar, zweckentsprechend und anschaulich. Fazit: Mein neues Lieblingsspiel und sehr weiterzuempfehlen.“ (aus einer begeisterten Zuschrift) Und so wächst weitere Flora und Fauna nicht nur im sagenumwobenen Cascadia vom Pazifischen Ozean bis zu den Rocky Mountains, sondern auch vom Hohen Ufer bis zum Badesee in Bordenau. Der Eintritt ist frei; Spiellaune, strategisches Denken und Liebe zur Natur müssen allerdings mitgebracht werden. Anmeldung wäre schön bei : amuellerneust@aol.com.


1234. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 8.5.2026

„Gedichte sind gemalte Fensterscheiben!
Sieht man vom Markt in die Kirche hinein,
Da ist alles dunkel und düster;
Und so siehts auch der Herr Philister.
Der mag denn wohl verdrießlich sein
Und lebenslang verdrießlich bleiben.
Kommt aber nur einmal herein,
Begrüßt die heilige Kapelle!
Da ists auf einmal farbig helle,
Geschicht´ und Zierrat glänzt in Schnelle
Bedeutend wirkt ein edler Schein.
Dies wird euch Kindern Gottes taugen,
Erbaut euch und ergötzt die Augen!“
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)


1233. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 1.5.2026

Zum Muttertag!
Okay, es ist noch eine Woche hin, aber man kann ja nie früh genug daran denken! Unsere Poetin, Mutter und Tochter Catherina Eggers hat dazu ein beeindruckendes Gedicht geformt:
„MAMA.
Der Klang zweier Herzen, verbunden durch das Leben in mir. Hoffnung.
Dein Licht, der erste Augenblick, tiefster Schmerz,
größte Angst, Vertrauen, bedingungslose Liebe. Dankbarkeit.
Die Welt in neuen Farben. Jeder Morgen im neuen Licht.
Tag für Tag und Jahr für Jahr. Schritte wachsen, Blicke tief und weit.
Meine Arme halten dich von Zeit zu Zeit. Ein Augenblick hält dein Glück bereit
Sorgen legen sich leise auf dein Lied. Deine Augen sehen, deine Ohren hören.
Dein Herz mal wild mal sanft im Takt. Verloren und gehalten, im Augenblick.
Was kann ich dir nur geben? Wie bleibe ich stark? Hier habe ich dich sicher,
in meinem Arm.“
Und wer Catherina Eggers mit ihrem Klang-Wind-Poesie-Partner Klaus Peter Nies bei einem Gitarren-Lieder-Konzert live erleben möchte, kann sie am Sonntag, dem 10.Mai ab 16 Uhr in Horst in der Kapelle "Am Kahlen Berg" besuchen, mit ihrem Programm: „Farben eines Sommers“. Als Gast Martin Drebs. Und an diesem besonderen Tag ist der Eintritt mütterlicherseits frei!


1232. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 17.4.2026

Thomas Mann im Oktober 1940 an seine deutschen Hörer!
„Ein deutscher Schriftsteller spricht zu euch, dessen Werk und Person von euren Machthabern verfemt sind und dessen Bücher, selbst wenn sie vom Deutschesten handeln, von Goethe zum Beispiel, nur noch zu fremden, freien Völkern in ihrer Sprache reden können, während sie euch stumm und unbekannt bleiben müssen… Als vor fünf Monaten deutsche Truppen in Holland einfielen und in Rotterdam in wenigen Minuten Zehntausende von Menschen durch Bomben zugrunde gingen, schrieb der Herausgeber der amerikanischen Zeitschrift ›Life‹, einer illustrierten Zeitschrift, die sonst nie zu politischen Fragen Stellung nimmt und die jedermann liest: »Das ist die größte Herausforderung, die Amerika als ein Land der Freiheit in achtzig Jahren erfahren hat … Mächtige, ruchlose Militärvölker haben das angegriffen, was unsere amerikanische Art zu leben ist … Ob wir je mit der Waffe an der Seite Englands kämpfen müssen, wissen wir nicht; aber das wissen wir, dass der Kampf Englands zutiefst auch unser eigener ist.« So hieß es damals, nach dem zehnten Mai, und so heißt es heute noch. So denken die Arbeiter und die Geschäftsleute, die Republikaner und die Demokraten, die Anhänger Roosevelts und die Anhänger seines Gegners. Von dem alten Amerika, das glaubte, für sich leben zu können, ohne sich um die Welt jenseits des Ozeans zu kümmern, ist wenig übriggeblieben. Woher kommt diese tiefe Wandlung? Ihr wisst es ganz gut. In diesem Lande leben hundertunddreißig Millionen gutwilliger, freundlicher Menschen. Sie wollen in Frieden arbeiten und bauen. An den großen Fragen, welche sie gemeinsam angehen, nehmen sie aktiv teil, so wie jeder es für recht hält. Krieg, Eroberungen fremder Länder, Allianzen, Achsen, heimliche Begegnungen, Vertragsbrüche erscheinen ihnen überflüssig und verrückt. Aber dann kommen nun ihre Zeitungen und Radioberichterstatter und erzählen ihnen, was in Europa vorgeht. Wie in Norwegen, in Holland, Belgien, Polen, Böhmen, wie überall das gleiche Bild ist, wie deutsche Truppen, die niemand gerufen hat, in diesen Ländern stehen, die ihnen nichts getan haben, und sie bedrücken und ausplündern. Und wie die als Verbrecher totgeschossen werden, die ihr Vaterland lieben und nicht für den fremden Eindringling Waffen schmieden wollen.“


1231. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 3.4.2026

Frohe Ostern allenthalben!
Schneeglöckchen haben ausgeläutet,
Krokusse verlegen geschmust,
Märzbecher sind längst geleert,
Und Aprilscherze werden knapp.
Wir freuen uns auf den Mozart des Kalenders
Den erst ein entfesselter April freigibt
Na denn, Frohe Ostern!
Nur mit dem Frieden auf Erden will´s nicht klappen.


1230. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 27.3.2026

Dienstmädchen oder Komtesse? Das ist hier die Frage!
Letzte Woche erzählten wir, wie wir an das Buch gekommen sind; heute stellen wir es etwas umfangreicher vor: Erich Kästners (-> Wikipedia) „Der kleine Grenzverkehr oder Georg und die Zwischenfälle“. Erich Kästner (1899 bis 1974) gilt als einer der beliebtesten Schriftsteller Deutschlands. Er wurde durch seine Kinderbücher bekannt, so „Emil und die Detektive“. Auch schöne Gedichte und Aphorismen hat er geschrieben, so den treffend kurzen: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Unter den Nationalsozialisten hatte er Schreibverbot, konnte nur unter Pseudonym oder im Ausland veröffentlichen. Seine Bücher, unter anderem der Roman „Fabian“, wurden im Mai 1933 mit verbrannt. Nun der „Kleine Grenzverkehr“: Eigentlich hatte sich der Privatgelehrte Georg Rentmeister seine Reise von Berlin nach Salzburg 1937 anders vorgestellt. Herausgerissen aus der Arbeit an seinem neuen Buch, das sich mit dem bedeutenden Thema des Konjunktivs in der deutschen Sprache beschäftigt, will Georg Rentmeister nichts anderes, als sich mit Eifer den Vergnügungen der Salzburger Festspiele zu widmen. Was er nicht ahnt, ist die Bedeutung der Grenze zwischen Deutschland und Österreich, die bekanntermaßen schon ein Jahr später vorübergehend nicht mehr existieren sollte. Die Vorschrift lautet, dass Einreisende – ohne besondere Erlaubnis von höchster Stelle - lediglich zehn Reichsmark pro Monat einführen dürfen. Nach kurzer Überschlagung der lächerlich niedrigen Summe, die er am Tag ausgeben könnte, beschließt findig der Privatgelehrte Georg Rentmeister in Bad Reichenhall zu logieren und täglich über die Grenze nach Salzburg zu fahren. In Reichenhall ein Grandseigneur, in Salzburg ein Habenichts, welch Abenteuer. Doch damit nicht genug, in Salzburg trifft er das Dienstmädchen Konstanze, eine zarte Romanze nimmt ihren Lauf. Es wird nicht einfacher, als Georg Rentmeister erfährt, dass Konstanze in Wahrheit eine echte Komtesse ist … Wie die Geschichte ausgeht, erfahren Sie am 3. Oktober bei „Bordenau liest“.


1229. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 20.3.2026

Kleiner Grenzverkehr – dreimal hin und zurück!
Um es gleich vorwegzusagen: weder die Buchhandlung noch der Verlag haben Schuld, wenn ich dreimal in der Woche in den Laden laufe, um immer wieder das gleiche Buch zu kaufen. Nicht ganz das gleiche! Es geht um Erich Kästners (-> Wikipedia) „Der kleine Grenzverkehr“. Kästner kennen Sie, und bei dem Buch handelt es sich um eine amüsant-heitere Liebesgeschichte vor dem pittoresken Hintergrund der Sehenswürdigkeiten der Stadt Salzburg – aber auch mit einigen Grenzschwierigkeiten zwischen dem noch selbständigen Österreich und Deutschland 1937; denn man brauchte Devisen, und die bekam unser Festspielreisender nicht. Und da wird es dann auch doch feinsinnig politisch, eben typisch Kästner. Nun: diese Geschichte will die Initiative „Bordenau liest“ am 3.Oktober gemeinsam vorlesen! Und wir suchten dafür die richtige Buchausgabe. Der Buchhändler kündigte eine Fassung in „einfacher Sprache“ an. Kennen Sie auch, wenn schwierige Sätze vereinfacht und verkürzt werden. Aber Kästner in einfacher Sprache, wie soll das gehen? Also bestellte ich mir als eifriger Integrationslehrer diese Fassung aus der Reihe „Easy Readers“, die unter anderem auch Heinrich Böll und Stefan Zweig vereinfacht haben, um Deutschlernenden den Zugang zu erleichtern. Tags drauf bestellten wir dann beim Atrium Verlag in der Schweiz das Taschenbuch für zwölf Euro, um zu gucken, ob das brauchbar sei als Vorlesebuch. Als ich den nächsten Tag ins Geschäft kam, stellten wir fest, dass der Atrium-Verlag der Einzige ist, der das Buch herausgibt, dazu eine gebundene Ausgabe sogar mit mehr Seiten und auch nur für zwölf Euro. Da müssten doch die Buchstaben größer sein und besser vorlesbar für ältere Augen. Also auch bestellt. Und tags drauf wieder hin. Jetzt haben wir also dreimal das gleiche Buch. Und zwei mit dem Originaltext. Und den lesen wir auch vor. Freuen Sie sich darauf! Nächste Woche gibt es auch eine ausführliche Inhaltsangabe. Und wir wollen noch einen Referenten zu „Kästner, Leben Werk und Wirkung“ einladen sowie eine Schule, die auch Kindergeschichten von Erich Kästner vorlesen möchte. Alles beim Kästner-Festival im Herbst in Bordenau!


1228. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 13.3.2026

Zwischen Weltenlage und kleinem Glück!
Gastpoetin Franziska Rülke, Kabarettistin und Autorin von „Schnaps mit der Liebe“ versucht des Morgens aufzustehen:
„Des Morgens früh, du bist kaum wach
Denkst schläfrig: Na, wat wird dat für ein Tach?
Da kriecht sie zu dir in die Kiste
Die eine unbequeme Frage
Nach der Weltenlage
Du sagst: „Och nee“ und „Muss das sein?
Lass mich doch bitte noch allein!“
Doch sie ist eifrig und will wissen
„Was macht an diesem neuen Tage
Wohl die Weltenlage?
Wer hat wem den Krieg erklärt?
Wer sich gegen wen verschwört?
Na los, steh auf und find es raus!
Schau nach, was denn wohl nage
An der Weltenlage.“
Doch du, du seufzt und drehst dich um
„Ach weißt du, ich verzage
Grad an der Weltenlage
Drum bitte, Frage, sei so nett
Verlasse doch noch kurz mein Bett
Denn ich versuch’ grad ohne Schießen
mein kleines Glück hier zu genießen.“


1227. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 6.3.2026

Dies ist ein Märztag, wie ich keinen sah!
Die Luft so hell, als atmete man kaum.
Und dennoch läuten Glöckchen, fern und nah
In neuen Früchten, Blume, Gras und Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Schöpfung, die ins Leben steigt
Denn heute brechen Knospen in die Flur,
Der Sonn´ entgegen, die sich munter zeigt.
(Paul Cornelius)


1226. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 27.2.2026

„Woanders is´ auch Scheiße“!
So sein überraschender Beitrag bei unserer zweiten Aufführung der Revue mit dem Orchester Berggarten 2015 „Reise.Literatur.Konzert.“. Ein Prinzip von „Bordenau liest“ ist es, dass jeder Mitwirkende sein persönliches Verhältnis zum aktuellen Thema findet und auch während der Vorführung äußern kann. Hier ging es ja ums Thema Reisen. Eben hatte er noch als Schalck-Golodkowski mit sprödem Witz die deutsch-deutsche Grenze geöffnet, als er nach der Premiere von Samstag noch poetisch korrekt – wie wir alle – sein Sprüchlein zum Thema „Reisen“ aufgesagt hatte. Dann überraschte er uns am Sonntag mit dem liebevoll- heiteren Spruch eines Ruhrgebietlers, der gar nicht verreisen will, denn „Woanders is´ auch Scheiße“. So war er eben: ein großartiger Humorist, ein universaler Humanist und ein treuer, ergebener und aktiver Mitwirkender von "Bordenau - Unser Dorf liest". Nach dem „Bordenauer Faust“ 2000 kam er zu Grass´ „Im Krebsgang“ und gab dem verhängnisvollen U-Boot-Kapitän Alexander Marinesko, der den Untergang der „Gustloff“ einleitete, seine menschlich-verzweifelnde Stimme. Nach dem witzigen Hinrich Lobek im „Zimmerspringbrunnen“ von und mit Jens Sparschuh und Eddies Bruder in dem von Peter Tenge eingerichtete Stück „Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen“ von Mitch Albom war es nur natürlich, dass er auch bei unserem Kabarett zur Fußballweltmeisterschaft 2006 komödiantisch mitwirkte: „Das Runde muss ins Eckige“. Wir erinnern uns gerne an den bestechlichen Schiedsrichter in Siegfried Lenz´ “Landesbühne“ und an viele seiner unvergesslichen Akzente, immer wieder Goethe. auch so noch 2024 mit dem „Zauberlehrling“. Friedrich Mauthe ist tot. Und wir verneigen uns vor ihm. Die Nachwelt flicht dem Rezitator keinen Lorbeer, aber dem überlebenden Lesenden diese Kolumne: Einen Tag vor seinem 89. Geburtstag ist er Anfang Januar gestorben – war das auch noch eine treffende Pointe von ihm? Wir trauern mit einem lachenden Auge um ihn und erinnern uns an unsere gemeinsame Zeit, seine Gastfreundschaft mit Gefährtin Gabi und deren leckeren Süppchen. Jetzt ist er woanders und hat es hoffentlich gut da: der Himmel muss ja nicht gleich neben dem Ruhrgebiet liegen. Und Anfang Januar stand noch im Entwurf der Einladung zur Jahresplanung 2026: „Was schlägt Mauthe vor?“ Seine Ideen werden fehlen. Der Rest ist Schweigen.


1225. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 20.2.2026

Hochverehrte Dienerschaft
Was verbinden Sie mit dem Wort „Butler“ (sprich: Battler)? Vielen fällt da zuerst der Butler James von Miss Sofie aus „Dinner for One“ ein, der alles so wie früher machen soll: „The same procedure as every year“. Manche denken auch an den Butler "Herr Martin", der am Ende jeder Show „Einer wird gewinnen“ dem Moderator Hans-Joachim Kulenkampff Mantel und Schal reichte. Aber woher kommt eigentlich das Wort Butler? Das Etymologische Wörterbuch des Deutschen (1993) von Wolfgang Pfeifer schreibt dazu: „Butler, männlich. ‘Haushofmeister, oberster Hausdiener’ (zumal in vornehmen englischen Häusern), Übernahme im 19. Jahrhundert von englisch butler, über anglonormannisch. buteler aus altfranzösisch bouteillier ‘Kellermeister’, zu französisch bouteille ‘Flasche’ …).“ Sind Butler folglich also alles Flaschen? Oder öffnen sie laufend Flaschen? Oder, wie wir sie aus Filmen und Büchern kennen: penibel, gebildet, perfekt, pflichtbewusst, verschwiegen und in Bezug auf Emotionen kontrolliert? Die amerikanische Krimiautorin Mary Roberts Rinehart soll geäußert haben, dass der Mörder immer der Butler sei. Denn Butler hätten Zugang zu allen Räumen im Haus, seien somit allgegenwärtig, aber trotzdem immer im Hintergrund und damit unsichtbar. Nach dem Willen der Autorin können sie gute oder böse „Geister“ im Haus der Herrschaft sein. In der Kurzgeschichte „Der Butler“ des britischen Autors Roald Dahl nutzt ein englischer Butler zusammen mit dem französischen Chefkoch die Unwissenheit ihrer neureichen Herrschaft aus und verhindert damit deren gesellschaftlichen Aufstieg. Der Autor Kazuo Ishiguro stellt den Butler Stevens als Erzähler in den Mittelpunkt seines Romans „Was vom Tage übrigbleibt“, was möglicherweise dazu beitrug, dass Ishiguro 2017 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Welche Rolle spielt der Butler wohl in Bordenau, wenn am 27. Februar um 19.30 Uhr die Frage gestellt wird: „Wer ist im Bett mit dem Butler?“ Die Gruppe Kultur der Stiftung Bordenau hat die Schaumburger Bühne mit dieser spritzigen Komödie voller Verwechslungen und Überraschungen zu Gast im Dorfgemeinschaftshaus und verspricht einen unterhaltsamen Abend mit viel Tempo und Wortwitz.  Karten dafür gibt es in der Praxis Badorrek, bei der Stiftung und mit ausgesuchter Höflichkeit noch an der Abendkasse.


1224. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 13.2.2026

Was passiert dem Regenwurm, wenn es regnet?
Seltsame Poeten schleichen da durchs Unterholz, mit dabei zwei Neustädter Wölfe, und „verstecken sich vor dem Regen in der Schmiede“ (Mark Twain), der Textschmiede Wunstorf. Am Freitag, dem 27. Februar treffen sie sich alle bei „tierisch-guten“ Geschichten im Mehrgenerationen-Haus in der Bäckerstraße 6 um 19 Uhr. Zu Tierbildern von Barbara Winkelmann und der Musik von Philip Kohne lesen sie selbsterfundene Tiergeschichten auf der Grenze von Realität und Fantasie. Sie verraten uns, was Tiere untereinander anstellen, aber auch von seltsamen Begegnungen von Menschen und Tieren. Da liegen plötzlich Eisbären vor dem eigenen Ofen… Und Ingrid Bruchwald verknüpft augenzwinkernd fabelhaft Amsel und Wurm zu einer „Wurmkur“
„Der Regenwurm schaut aus dem Loch und merkt: Es regnet immer noch!
Herbei hüpft da die Amselin, Hunger im Bauch, da noch nichts drin!
Sie packt den Wurm und schluckt ihn runter, fühlt sich nun satt, fühlt sich nun munter.
Der Wurm – zwar tot jetzt und ganz blass - wird nun beim Regen nicht mehr nass …“
Der Eintritt in den geheizten Dschungel ist frei. Aber Vorsicht, schnell wechseln Landschaft und Wetter. Und eh man sich versieht, geht ein Hut im Raum herum…


1223. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 6.2.2026

Winter - Fluch oder Segen?
Es gibt so viele schöne literarische Formulierungen für diese Zeit. Dabei wissen wir doch, wie hart der Winter sein kann und schon immer war, für die Krieger, die Alten. Für die ohne Heizung und für die Sonnenanbeter. Wenn wir ihn jetzt ein wenig idyllisieren, dann mit jenem Maß an Realität, das ihn einhegt:
„Er zieht das Leilach weiß und dicht
der Erde übers Angesicht“. (Ernst von Wildenbruch)

„Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht
bleibt ja doch nur eins: die Zeit.“ (Erich Kästner)

„Die Pelzkappe voll mit schneeigen Tupfen,
behäng ich die Bäume mit hellem Kristall.“
(Mascha Kalecko)

„Zärtliches Grüßen der Engel“ (Franziska Stoecklin)

Wie lange hatten wir nicht mehr so einen deutlichen Winter. Die Enkel fragen besorgt: Opa, hattet ihr früher auch so Schneekatastrophen. Der Opa antwortet: Ja, aber wir nannten es Winter. Und in der DDR grassierte früher der Witz: „Hoffentlich schneit es, dann sieht Erich (Honecker) beim Besuch die Schlaglöcher nicht.“ Also dranbleiben, genießen Sie die Zeit, denn der Frühling kommt bestimmt! Und Zeit zum Lesen bleibt auch noch! Apropos Lesen: das Team der Bücherbude Bordenau lädt für Donnerstag, den 12. Februar, ab 17 Uhr wieder in den Birkenweg 3a zum gemütlichen Austausch über Lieblingsbücher. Die Dorfwerkstatt ist geheizt und der Eintritt ist frei!


1222. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 30.1.2026

Der Mensch!
„Empfangen und genähret,
vom Weibe wunderbar;
Kommt er und sieht und höret,
Und nimmt des Trugs nicht wahr;
Gelüstet und begehret,
Und bringt sein Tränlein dar;
Verachtet und verehret;
Hat Freude und Gefahr;
Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,
Hält nichts und alles wahr;
Erbauet, und zerstöret;
Und quält sich immerdar;
Schläft, wachet, wächst, und zehret;
Trägt braun und graues Haar;
Und alles dieses währet,
Wenn’s hoch kommt, achtzig Jahr.
Dann legt er sich zu seinen Vätern nieder
Und er kömmt nimmer wieder.“
(Matthias Claudius, 1740 bis 1815, -> Wikipedia)


1221. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 23.1.2026

„Et kütt wie et kütt!“
So spricht der Kölner in seiner ihm typischen stoischen Gelassenheit. Einer der Begründer der stoischen Philosophie ist der römische Kaiser Marc Aurel in seinen faszinierenden „Selbstbetrachtungen“. Fast möchte man ihm gleichtun in dieser schwierigen Zeit: „Verbringe den Rest deines Lebens nicht in Gedanken an andere, wenn sie keine Beziehung zum Gemeinwohl haben. Denn du versäumst damit die Erfüllung einer anderen Pflicht, wenn du deinen Geist damit beschäftigst, was dieser oder jener tut und warum, was er sagt, was er denkt oder vorhat, was dich von der Beobachtung deiner regierenden Vernunft abzieht. Du musst also aus deiner Gedankenreihe jeden Zufall, jedes Unnütze, jede Neugier und jede Arglist verbannen, musst dich gewöhnen, nur solche Gedanken zu haben, dass, wenn man dich plötzlich fragt, woran du denkst, du freimütig antworten kannst: An dies oder das; so dass man an deinen Gedanken erkennt, dass alles Einfachheit und Wohlwollen ist, wie es einem geselligen Wesen geziemt, dass du nicht an bloßes Vergnügen oder irgendeinen Genuss denkst, nicht an Hass, Neid, Argwohn oder sonst etwas, dessen Geständnis dich schamrot machen müsste. Ein solcher Mann, der nichts versäumt, sich in der Tugend zu vervollkommnen, ist wie ein Priester und Diener der Götter, innig vertraut mit der Gottheit,… die ihn unbefleckt von Lüsten, unverletzbar von Schmerzen, ungebeugt von Kränkung erhält; sie macht ihn unempfindlich gegen jegliche Schlechtigkeit, macht ihn zum Helden im größten aller Kämpfe, über alle Leidenschaften zu siegen, tief durchdrungen von Gerechtigkeitsliebe, im Grunde seines Herzens alles willig hinnehmend, was ihm zustößt und zuteilwird.“ Na dann: „Et hätt noch immer jut jegangen“


1220. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 16.1.2026

Reinhard Mey hätten wir gern dabey!
Vor allem, wenn es um die neue Wehrpflicht geht. In seinem 1986 veröffentlichten Lied „Nein, meine Söhne geb ich nicht“ (-> Wikipedia) zeigt er sich als persönlich-politischer Vater dafür verantwortlich, seine Söhne nicht dem Militärdienst zur Verfügung zu stellen. Wir zitieren einen Ausschnitt:

„Ich lieb die beiden, das will ich euch sagen
Mehr als mein Leben, als mein Augenlicht
Und die, die werden keine Waffen tragen
Nein, meine Söhne geb ich nicht
Ich habe sie die Achtung vor dem Leben
Vor jeder Kreatur als höchsten Wert
Ich habe sie Erbarmen und Vergeben
Und, wo immer es ging, lieben gelehrt!
Nun werdet ihr sie nicht mit Hass verderben
Keine Ziele und keine Ehre, keine Pflicht
Sind′s wert, dafür zu töten und zu sterben.“

Doch Reinhard Mey (-> Wikipedia) wird nicht dabei sein können, bei dem Neujahrsempfang der Friedensinitiative Neustadt/Wunstorf am Freitag, dem 30. Januar im Rathaussaal in Neustadt ab 19 Uhr. Dann müssen wir selbst ran: Peter dokumentiert seine beherzten Leserbriefe, Hubert und Gerhard rezitieren aus Alfred Anderschs Desertionsroman „Kirschen der Freiheit“ und aus Robert Lowry "Die falsche Sanftmut des Schnees". Annegret und Martin bringen ein literarisches Kabarett auf die Bretter. Dazwischen jede Menge ambitionierter Lieder. Und drumherum viele Info-Stände der Zivilgesellschaft. Anmerkung der Redaktion: Die Namen der Mitwirkenden sind ähnlich wie bei Berichten über die Bundeswehr nurmehr als Vornamen präsent!


1219. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 9.1.2026

Du gehst mir literarisch ganz schön auf den Keks!
Eine bislang unterschätzte Textgruppe sind die sogenannten Glückskekstexte. Die kennen Sie doch beim Chinesen oder an Silvester. Sprachlich haben diese Texte die Eigenheit, allgemeine Weisheiten so anzusprechen, dass sie fast immer irgendwie richtig liegen - ähnlich wie bei Horoskopen. Beispiel: „Du hast einfach Kraft, setze sie auch ein, dann erreichst du dein Ziel.“ Jemand muss diese Worte auch formulieren: die Glückskeks-Texter, die die kleinen Weisheiten und Botschaften für die Innenzettel von Glückskeksen schreiben. An Silvester stießen wir auf einen solchen, etwas gehaltvolleren Text! „Beurteile nicht alles nach seinem Wert. Ein Schluck Wasser in der Wüste ist mehr wert als der größte Diamant. Ein schönes Wort im richtigen Augenblick ist wichtiger als das gesamte Wikipedia. Urteile nach der Sinnhaftigkeit. Oft sind es die Kleinigkeiten, die große Unterschiede machen“ Dieser Text hatte sogar einen Autorennamen: Walter Wemmer. Meist sind die Texte anonym, ohne Autor. Und so könnte „ein schönes Wort im richtigen Augenblick“ zum Jahresmotto dieser Kolumne werden!


1218. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 2.1.2026

Wie wird das neue Jahr? Ein literarisches Rätsel!
Von guten Mächten treu und still umgeben
behütet und getröstet wunderbar
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.…

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Auch der Zorn über das Unrecht
Macht die Stimme heiser. Ach, wir,
Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
Konnten selber nicht freundlich sein.

Ich wünsche mir Zeit
Und vorerst bleibt nur das Sehnen,
Worte, die sich berühren.



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