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Unser Dorf liest

Arbeitskreis "Unser Dorf liest"

Kolumnen - Archiv 2022


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Kunst und Literatur
1062. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 8.10.2022

Kunst trifft Literatur! Unser Dorf kann schreiben!

Wie gehören eigentlich Kunst und Literatur zusammen? Können Worte das wiedergeben, was uns im Bild entgegenkommt. Wir wollen das ausprobieren! Im Rahmen der Ausstellung „Jetzt und Zurückschauen - Zu den Arbeiten Bernd M. Langers 2022 bis 1971“ im November 2022 im historischen Rosenkrug an der Nienburgerstraße möchten wir mit interessierten Menschen das Experiment einer Rezeptionswerkstatt durchführen: die Betrachter sollen sich in ihr gewähltes Bild, eine Zeichnung, eine Druckgraphik, eine Plastik vertiefen und dazu Worte, Sätze, Texte schreiben. Dabei werden sie von dem Schreibwerkstattleiter behutsam nachdrücklich auf weitere poetische Möglichkeiten „hingewiesen“. Die Texte werden so besprochen und bearbeitet. Möglicherweise können diese zur Finissage vorgetragen werden. Mit den Ergebnissen gehen wir in ein Gespräch mit Bernd M. Langer, und er kann den Entstehungsprozess der Werke und seine Intentionen mit dem textlichen Ergebnis der Betrachter vergleichen. Und so kommen die Autoren und der Künstler vielleicht in ein gemeinsames Gespräch. Wer jetzt schon einen Blick auf einen Teil von Langers Werken tun möchte, kann das unter der „Künstlerdatenbank und Nachlassarchiv Niedersachsen“ schon mal wagen. Man kann sich aber auch erst in der Ausstellung von den Werken beeindrucken lassen! Interessierte können sich bei martindrebs@kabelmail.de melden. Ende Oktober wird dann der Termin gemeinsam abgestimmt. Das Angebot richtet sich auch an Kunst- und Deutschkurse und kann so in den Schulvormittag integriert werden. Sonntags ginge es Anfang November allerdings im Sprengel-Museum.


Die Vielstimmigkeit der Deutschen
1061. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 1.10.2022

Liebe Freunde von „Bordenau liest“!

Zum ersten Mal fällt unsere große Lesung zum „Tag der deutschen Einheit“ aus Kräftemangel aus. Aus gegebenem Anlass zitieren wir hier Ausschnitte aus dem von Martin Drebs formulierten Konzept unserer erlesenen Revue „Vielstimmigkeit der Deutschen“ vom 3. Oktober 2002: „Wir selbst waren immer wieder mal und sind noch manchmal unsicher darüber, was wir an Texten, Liedern und Kompositionen ausgewählt haben; denn zu komplex, zu unüberschaubar, zu vielstimmig scheint die Vielstimmigkeit der Deutschen zu sein, die hier in der Mitte Europas in unserer Heimat seit Hunderten von Jahren zusammentreffen. Unsere Geschichte ist eine Geschichte von Brüchen, Verschiebungen, Aus- und Einwanderungen. Es sollten verschiedene thematisch-dramaturgische Bögen geschlagen werden, die die Vielstimmigkeit der Deutschen auf eine geschickte Weise beispielhaft zu fassen versuchen. Das alles heiter, kritisch und würdig und mit einer gehörigen Portion Lokalbezug, denn unser Projekt „Bordenau – Unser Dorf liest“ verdankt sich der Verankerung in dem kulturellen Leben unseres, gelegentlich globalen Dorfes – immerhin haben wir eine vorzüglich gepflegte Heimatseite. Denn schließlich leben wir in einer neuen Zeit. Und so sehr die Kontinuitäten bestimmter provinzieller Provenienz auf ihre Fortsetzung pochen, befinden wir uns im dritten Jahrtausend der christlichen Zeitrechnung; auf deutschem Boden hat sich eine fortschrittliche Verfassung etabliert, die die Menschenrechte und die Meinungsfreiheit zu ihren zentralen Ansprüchen zählt: Das bringt uns - mit aller Liebe zur Heimat - zu einem wohlempfundenen Verfassungspatriotismus, der in der deutschen Geschichte ohne Beispiel ist. Zu den Menschenrechten gehört dann aber auch die Charta der Menschenpflichten, die auf einem immer enger werdenden Planeten die Menschen zum Umdenken und zur Zusammenarbeit ermahnt und in eine völkerverständigende Stimmung hebt. Also vom deutschen Untertanen zum engagierten Mitbürger, von den Extern-Steinen zum Verfassungspatriotismus. Könnte es doch ein neues Stück „normaler Normalität“ werden, dass wir Deutschen uns irgendwie unbefangener mit uns beschäftigen können, ohne die Beispiellosigkeit unserer Geschichte leugnen zu brauchen? Die anderen Völker fragen ganz selbstverständlich nach unseren Gefühlen und Gedanken, und bewundern uns manchmal dafür, wie wir die Vergangenheit aufgearbeitet haben und immer noch versuchen. Denn das Verdrängte kehrt sonst irgendwann einmal überraschend unverständlich überwältigend zu uns zurück. Und so soll alles bezogen sein auf eine kommunikative Ethik, in der wir „Krieger der Poesie und des Geistes“ nicht nur durch Wahrhaftigkeit versöhnen, sondern mit theatralischen Mitteln das Unfassbare auf die Bühne bringen.“


„Der Rabe und der Fuchs“
1060. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 24.9.2022

Liebe Lesende!

Sollte Literatur auch belehren? Die Fabel tut´s ganz gern. Hier das Aesopsche Original vom „Der Rabe und der Fuchs“: „Ein Rabe hatte einen Käse gestohlen, flog damit auf einen Baum und wollte dort seine Beute in Ruhe verzehren. Da es aber der Raben Art ist, beim Essen nicht schweigen zu können, hörte ein vorbeikommender Fuchs den Raben über dem Käse krächzen. Er lief eilig hinzu und begann den Raben zu loben: „O Rabe, was bist du für ein wunderbarer Vogel! Wenn dein Gesang ebenso schön ist wie dein Gefieder, dann sollte man dich zum König aller Vögel krönen.“ Dem Raben taten diese Schmeicheleien so wohl, dass er seinen Schnabel weit aufsperrte, um dem Fuchs etwas vorzusingen. Dabei entfiel ihm der Käse. Den nahm der Fuchs behend, fraß ihn und lachte über den törichten Raben.“ Ach, übrigens: in diesen Tagen sind „Fairtrade-Wochen“ in Neustadt, da geht es um Tauschhandel in der Welt und eben darum, wie man fairer an den begehrten Käse kommt.


„Text-Werk-Stücke“ der Textschmiede Wunstorf
1059. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 17.9.2022

Liebe Lesungsbegeisterte!

Heute schauen wir wieder einmal über den literarischen Tellerrand, nämlich zur Textschmiede nach Wunstorf: Seit mehr als 25 Jahren ziehen die Autorinnen und Autoren der Textschmiede Wunstorf (vormals Schreibwerkstatt am Stift) bei ihren Lesungen das Publikum mit ihren Geschichten in ihren Bann. Am Samstag, 24.09.2022, um 16:00 Uhr laden die sieben Autorinnen und Autoren nach einer langen Coronapause wieder zu einer literarischen Lesung ins Gemeindehaus der Corvinus-Gemeinde ein. Die dargebotenen „Text-Werk-Stücke“ lassen mal träumen, mal nachdenklich werden, aber immer wieder auch lachen. Am Flügel wird die Lesung von Matthias Schwieger begleitet. Einlass ab 15:40 Uhr. Eintritt frei. Nun wird die Wunstorfer Gruppe seit ein paar Jahren durch zwei Neustädter Autoren unterstützt, unter anderem von Wilfried Benthin. Er trägt eine Geschichte zum Frühjahrsputz bei: „Willi allein zu Haus“. Wir zitieren den Anfang, den Schluss erfahren Sie auf der Lesung: „Pünktlich fuhr der Zug an diesem sonnigen Tag im März mit dem Kurswagen über Oberammergau in den Bahnhof ein. Für rund drei Wochen verabschiedete ich meine Frau mit einem langen Kuss. Sie zur Kur und ich allein mit dem Hund zu Hause. Was könnte ich da alles machen. Eine zünftige Männerparty, Skat - oder Schachabende, wie früher noch einmal um die Häuser ziehen, aber nichts von dem konnte ich mir erlauben. Ich hatte ihr versprochen, den Frühjahrsputz zu übernehmen, doch jetzt war ich mir nicht sicher, ob das etwas zu voreilig war. Für den Rest des Tages beschäftigte ich mich mit unserem Terrier, denn für ihn war ja nun sein Rudel nicht mehr komplett. Am Abend setzte ich mich mit einem Glas Rotwein vor den Fernseher und sah mir einen dieser brutalen Krimis an, die meine Renate nun ganz und gar nicht liebte. Der Film war zu Ende, die Rotweinflasche leer und mit der nötigen Bettschwere schlich ich ins Schlafzimmer. „Als Rentner kann ich ja aufstehen, wenn ich wach werde“, sagte ich zu mir und verbrachte eine ruhige Nacht. Am nächsten Morgen wurde ich gegen Mittag wachgebellt und stand auf. Dann schnell noch eine Gassi Runde. Damit war ich schon jetzt aus der Bahn des täglichen Ablaufs geworfen. Eine Tasse, ein Messer, ein Teller, das müsste genügen. Warum brauchte die Kaffeemaschine für zwei Tassen heute so lange? Nach einem ungemütlichen Frühstück im Stehen machte ich mir einen Plan. Wir haben ein Wohnzimmer, Küche, Bad, Schlafzimmer, Abstellraum und zwei kleine Zimmer. Das sind sieben Räume. 21 Tage geteilt durch 7 Räume sind für jeden Raum 3 Tage. Nun rechnete ich für kleine Räume weniger und für größere mehr, bis es passte.“


Schönes Leben!
1058. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 10.9.2022

Wir lieben alle das schöne Leben!

Friedrich Hölderlin (1770 bis 1843) hat eine große Anzahl wunderschöner Gedichte auf seine geliebte Diotima geschrieben. Man kann sie natürlich als persönliches Bekenntnis lesen, doch - wenn man genau „hinliest“ – dann ist diese große Liebe auch nur in einer friedlichen Welt möglich. Doch lesen Sie selbst:
„Schönes Leben! du lebst, wie die zarten Blüten im Winter,
In der gealterten Welt blühst du verschlossen, allein.
Liebend strebst du hinaus, dich zu sonnen am Lichte des Frühlings,
Zu erwarmen an ihr, suchst du die Jugend der Welt.
Komm und besänftige mir, die du einst Elemente versöhntest,
Wonne der himmlischen Muse, das Chaos der Zeit,
Ordne den tobenden Kampf mit Friedenstönen des Himmels,
Bis in der sterblichen Brust sich das Entzweite vereint,
Bis der Menschen alte Natur, die ruhige, große,
Aus der gärenden Zeit mächtig und heiter sich hebt.
Kehr in die dürftigen Herzen des Volks, lebendige Schönheit!
Kehr an den gastlichen Tisch, kehr in die Tempel zurück!
Denn Diotima lebt, wie die zarten Blüten im Winter,
Reich an eigenem Geist, sucht sie die Sonne doch auch.
Aber die Sonne des Geists, die schönere Welt, ist hinunter
Und in frostiger Nacht zanken Orkane sich nur.“


Wir brauchen die Zauberei in unserer Zeit
1057. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 2.9.2022

Lasst euch verzaubern!

Der Zauberer Clemens Ilgner kommt am Freitag, dem 9.9.2022, um 16.30 Uhr mit einer Zaubershow für Kinder ab 5 Jahre und mit einer Abendshow für Erwachsene "Zauberei aus der Hauptstadt" um 19.30 Uhr ins DGH nach Bordenau. Wir brauchen die Zauberei in unserer Zeit; wie reißt es uns mit, wie halten wir maulaffenfeil, wenn uns der Zauberer Dinge vorstellt und verschwinden lässt, sie kleiner und größer macht und dabei uns irgendwas vom Pferd erzählt. Letztens waren wir auf dem „Kleinen Fest im Großen Garten“; ein Zauberer aus Österreich, dazu der Vizeweltmeister im Zaubern – gibt´s denn sowas? – kam auf die Bühne und hielt in der Hand ein paar Spielkarten. „Oh“, sagte er, “Sie erwarten jetzt Kartentricks. Aber die sind auf der Bühne immer schlecht zu sehen. Hier sehen Sie mal, diese Karten können gerade noch in der achten Reihe gesehen werden. Aber wenn diese Karten nur halb so groß wären ...“, dabei hatte er die Karten im Handumdrehen auf die Hälfte verkleinert,“ dann sehen gerade noch die Besucher in den ersten Reihen. Und wenn sie noch kleiner werden, dann kann man sie gar nicht mehr sehen.“ Und schon hatte er die Karten bis auf Papierschnitzel verzaubert und verkleinert und pustete sie in die Luft… Wie haben wir da gelacht! Diese Zauberworte gibt es auch in der Literatur, von Novalis zum Beispiel: „Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren/Sind Schlüssel aller Kreaturen/Wenn die, so singen oder küssen,/Mehr als die Tiefgelehrten wissen,/Wenn sich die Welt ins freye Leben/Und in die Welt wird zurück begeben,/Wenn dann sich wieder Licht und Schatten/Zu ächter Klarheit werden gatten,/Und man in Mährchen und Gedichten/Erkennt die wahren Weltgeschichten,/Dann fliegt vor Einem geheimen Wort/Das ganze verkehrte Wesen fort.“ Wir brauchen die Zauberei in unserer Zeit! Kommt alle und lasst euch verzaubern!


"Alle wollen alt werden, aber keiner will es sein“
1056. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 27.8.2022

Liebe junggebliebene Mitbürger!

„Liebling, auch wir werden älter“, sang einst Willy Schneider. Und: „Alle wollen alt werden, aber keiner will es sein“. „Gemeinsam alt und verrückt werden, alleine ging´s natürlich schneller“. Dabei ist das Phänomen der schrulligen Alten längst bekannt, so dass schon Teresa von Avila (1515 – 1582) ein „Gebet des älter werdenden Menschen“ entwickelte: „O Gott, Du weißt besser als ich, dass ich von Tag zu Tag älter und eines Tages alt sein werde. Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen. Erlöse mich von der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen. Lehre mich, nachdenklich, aber nicht grüblerisch, hilfreich, aber nicht diktatorisch zu sein. Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheit erscheint es mir ja schade, sie nicht weiterzugeben – aber Du verstehst, o Gott, dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte. Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten und verleihe mir Schwingen, zur Pointe zu gelangen. Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden. Sie nehmen zu - und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr. Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, mir die Krankheitsschilderungen anderer mit Freude anzuhören, aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen. Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann. Erhalte mich so liebenswert wie möglich. Ich möchte kein Heiliger sein – mit ihnen lebt es sich so schwer -, aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels. Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken, und verleihe mir, o Gott, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen.“


Viel los in Neustadt
1055. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 20.8.2022

Liebe Kulturinteressierte!

Es geht wieder los: der kulturelle Herbst ist ausgebrochen! Da freut sich der Verfasser dieser Zeilen, an diesem Wochenende in Berlin zu sein, bei Matthias Brandt im Berliner Ensemble mit Max Frischs „Mein Name sei Gantenbein“. Wieso freut er sich denn, so weit weg zu sein vom Neustädter Land? Weil so viel los ist: das Parkbeben in Poggenhagen, Fahrradfriedensdemo zum Fliegerhorst und „Kulturgetümmel“ im Rosenkrug. Und jede Menge anderer kleinerer und größerer Veranstaltungen, die es sich zu besuchen lohnt. Aber der kluge Mensch weiß Rat: Freitag geht´s zum Parkbeben, samstags dann aufs Fahrrad geschwungen, anschließend gibt es auf der Waldbühne in Otternhagen gleich eine ganze „Woche voller Samstage“ und Sonntag „kulturtümmeln“ wir uns beim Kulturnetzwerk im Rosenkrug. Das wäre die Lösung! Da kann man nur froh sein, dass in Bordenau nicht so viel los ist! Und Sonntagsabend treffen wir uns dann alle vor dem TATORT wieder. Ist es denn schon ein neuer oder machen wir wieder unser Gedächtnisspiel: wer erinnert sich noch an den Täter. Na denn, fröhliches Wochenende!


Das echte Gespräch
1054. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 13.8.2022

Liebe Friedensfreunde und Gesprächspartner!

In diesen Tagen erinnern wir uns an mahnende Stimmen aus den letzten Jahrzehnten. Einer dieser Stimmen ist der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber. Mit dem Titel: „Das echte Gespräch oder Möglichkeit des Friedens“ hielt er seine Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 1953 in der Paulskirche zu Frankfurt am Main. Wir zitieren mit Zustimmung der Rechteinhaber Auszüge; die gesamte Rede ist im Internet zugänglich: „Horchen auf die menschliche Stimme, wo sie unverfälscht ertönt, und Entgegnung an sie - das ist es, wessen es heute zuvorderst bedarf. Der betriebstolle Lärm der Stunde darf die vox humana, die zu Stimme gewordene Essenz des Menschlichen, nicht länger übertönen. Sie soll aber nicht bloß gehört werden, Antwort soll ihr widerfahren, die sie aus der einsamen Monologik ins anhebende Gespräch der Völker zieht. In ihren menschlichen Menschen müssen die Völker ins Gespräch kommen, wenn der Große Friede erscheinen und das verwüstete Leben der Erde sich erneuern soll…. Was man in der Geschichte Frieden nennt, ist ja nie etwas anderes gewesen als eine - angstvolle oder illusionsselige - Pause zwischen zwei Kriegen… Der Krieg hat von je einen Widerpart, der fast nie als solcher hervortritt, aber in der Stille sein Werk tut: die Sprache - die erfüllte Sprache, die Sprache des echten Gesprächs, in der Menschen einander verstehen und sich miteinander verständigen. Es liegt im Wesen schon des primitiven Kriegs, daß er jeweils da beginnt, wo die Sprache aufhört, das heißt, wo die Menschen sich nicht mehr miteinander über die strittigen Gegenstände zu unterreden oder sie der schlichtenden Rede zu unterbreiten vermögen, sondern miteinander der Sprache entfliehen, um in der Sprachlosigkeit des Einanderumbringens eine vermeintliche Entscheidung, sozusagen ein Gottesurteil zu suchen; bald bemächtigt sich freilich der Krieg auch der Sprache und versklavt sie in den Dienst seines Schlacht-Geschreis. Wo aber die Sprache, und sei es noch so scheu, wieder von Lager zu Lager sich vernehmen läßt, ist der Krieg schon in Frage gestellt. Seinen Kartätschen wird es leicht, das Wort zu übertönen; aber wenn das Wort ganz lautlos geworden ist und nun, lautlos, hüben und drüben die Kunde in die Herzen trägt, daß kein menschlicher Konflikt durch Töten, auch nicht durch Massentötung, wirklich zu lösen ist, hat es, das Menschenwort, schon angefangen, die Kartätschen zum Verstummen zu bringen.“ Lasst uns versuchen, wieder ins Gespräch zu kommen!


Nachhaltigkeit und Klimaschutz
1053. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 6.8.2022

Liebe Nachhaltigkeitsinteressierte in Privathaushalt, Firma und Verwaltung!

„Wenn erst keine Verbrennungsmotoren mehr auf unseren Straßen fahren, und die letzte Tankstelle geschlossen hat, werdet ihr merken, dass ihr abends um Elf kein Bier mehr an der Tanke kaufen könnt.“ So geißelte eine desinteressierte Öffentlichkeit die Umweltfans. Nun lädt die Stiftung Bordenau ein am Dienstag, dem 9.8.1922, zu einem Vortrag vom niedersächsischen Wissenschaftsminister a.D. und CDU-Mitglied Lutz Stratmann zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Die Planungen für diese Veranstaltung laufen ja wohl schon länger, und da geht manchem Experten in dieser Zeit so, dass die Ereignisse die Themen überholen. So mag es auch Lutz Stratmann gehen, der sich eben jetzt in Folge der „militärischen Spezialoperation“ damit konfrontiert sieht, dass auch die Grünen in ihrer staatstragenden Rolle die Kohlekraftwerke weiterlassen laufen müssen. Stratmann möchte über den Erhalt unserer Lebensgrundlagen durch aktiven Klimaschutz berichten: „Grüne“, sichere und bezahlbare Energie. Er meint: „Die durch den Klimawandel hervorgerufenen Katastrophen nehmen dramatisch zu. Die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zeigt fatale Folgen! Krisen machen Veränderungen möglich, neue Chancen tun sich auf.“ Schon die Indianer wussten: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fisch gefangen, der letzte Fluss vergiftet ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“ Die Stiftung Bordenau bittet um elektronische Anmeldung über eine umweltfreundliche Plattform. Die Teilnahme ist kostenlos, Spenden sind erbeten. Dabei möchte man kabarettistisch anmerken: Wir erstellen für Sie eine Ökobilanz! Kommen Sie bitte mit dem Fahrrad, bringen Sie zum Heizen ein paar Holzpellets mit, atmen Sie flach, möglichst wenig Methan, nehmen Sie Ihren Müll wieder mit und bleiben Sie nachhaltig!


Von Bechern und Kelchen
1052. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 25.7.2022

Liebe Wein-Lese-Freunde!

Paul Cornelius hat aus seiner Sommerresidenz wieder ein berauschendes Gedicht mitgebracht:
„Ich bin nur ein gemeiner Becher, zum Kelche hat es nicht gereicht;
mich schüttelt berauschter Zecher,
darauf bin ich geeicht.
Ein Kelch füllt sich mit Namen und Worten,
purpurn königlich kommt er daher:
Schicksal, Feiern und Feste allerorten;
Nach mir fragt keiner mehr.
Doch eines Tages neigt sich der Abend
Dem versöhnenden Weine zu,
Und Becher und Kelche gemeinsam labend
Kommen zur vereinigenden Ruh´.“


Die schwarze Bhowaneh
1051. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 15.7.2022

Liebe Saunafreunde!

Bei den Temperaturen kühlten ein paar Wintergedichte ganz gut; doch auch das feurige Gedicht von Else Lasker-Schüler (geboren 1869 in Wuppertal – gestorben 1945 in Jerusalem) passt in dieses Wetter: „Die schwarze Bhowaneh /Göttin der Nacht! Meine Lippen glühn Und meine Arme breiten sich aus wie Flammen! Du musst mit mir nach Granada ziehn In die Sonne, aus der meine Gluten stammen… Meine Ader schmerzt Von der Wildheit meiner Säfte, Von dem Toben meiner Kräfte. Granatäpfel prangen Heiß, wie die Lippen der Nacht! Rot, wie die Liebe der Nacht! Wie der Brand meiner Wangen. Auf dem dunklen Schein Meiner Haut schillern Muscheln auf Schnüre gezogen, Und Perlen von sonnenfarb´gem Bernstein Durchglühn meine Zöpfe wie Feuerwogen. Meine Seele bebt, Wie eine Erde bebt und sich auftut Dürstend nach Luft! Nach säuselnder Flut! Heiße Winde stöhnen, Wie der Odem der Sehnsucht, Verheerend wie die Qual der Sehnsucht… Und über die Felsen Granadas dröhnen Die Lockrufe der schwarzen Bhowanéh!“


„Um die Ecke gedacht“
1050. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 8.7.2022

Liebe Rätselfreunde!

Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann! Sie alle kennen als Rätselfreunde das „Um die Ecke gedacht“ als „Synapsengymnastik“. Dabei wird das zu suchende Wort nicht direkt angesteuert, wie zum Beispiel: Bedeutendes Kulturdorf im Süden des Neustädter Landes mit acht Buchstaben, sondern ähnlich wir beim Teekesselchen als Sprachspiel eingekreist. Beispiel für Teekesselchen: Meines kann laufen, meines setzt sich auf Nahrung fest? Beispiel „Um die Ecke gedacht“: Süßer Schaumstoff mit Schokoladenüberzug und Migrationshintergrund? Oder: Grünzeugrettung womöglich, knallerdings Zerstörungswerk oft auch? Das hängt mit den Möglichkeiten der Sprache zusammen, dass nämlich ein Begriff verschiedene Bedeutungen haben kann: „Da jedes Wort selbst eine Ungenauigkeit und damit eine Unwahrheit darstellt, kann Sprache kein Fundament der Wahrheit sein“, schreibt Friedrich Nietzsche. Ein Tisch ist ein Tisch ist ein Tisch, sodass auch ein Geschirrtuch beim Picknick zum Tisch werden kann. Oder ich komme zum Metzger und sage an der Theke: „Ich hätte gern von der Groben, Fetten.“ Und mir wird geantwortet: „Die hat heute Berufsschule!“ Hier haben wir zuletzt bei unserem Münchhausen-Programm um die Ecke gedacht in der Kolumne vom 13.9.2018. Gesucht wurde „Teil süddeutscher Großstadt mit vandalischem Ende, insgesamt Erfinder der Fake-News“. Lösung diesmal in Spiegelschrift: NESUAH-HCNÜM. So eignet sich der runde Kopf besonders gut fürs Um- die Ecke-Denken. Mehr davon Anfang Oktober bei „Versprecher sind versprochen“ Sprachkuriositäten aller Art .


In die weite Welt
1049. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 1.7.2022

Liebe Reisefreunde!

Joseph von Eichendorff schickt uns an den Flughäfen vorbei zu Fuß auf die Reise:
„Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt,
Dem will er seine Wunder weisen
In Berg und Wald und Strom und Feld.
Die Trägen, die zu Hause liegen,
Erquicket nicht das Morgenrot,
Sie wissen nur von Kinderwiegen,
Von Sorgen, Last und Not um Brot.
Die Bächlein von den Bergen springen,
Die Lerchen schwirren hoch vor Lust,
Was soll ich nicht mit ihnen singen
Aus voller Kehl´ und frischer Brust?
Den lieben Gott lass ich nun walten,
Der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld
Und Erd und Himmel will erhalten,
Hat auch mein Sach´ aufs Best bestellt.“


Von heimlichen Rosen
1048. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 24.6.2022

Liebe Rosenfreunde!

Christian Morgenstern erzählt uns „Von den heimlichen Rosen“:
Oh, wer um alle Rosen wüsste,
die rings in stillen Gärten stehn
oh, wer um alle wüsste,
müsste wie im Rausch durchs Leben gehn.
Du brichst hinein mit rauhen Sinnen,
als wie ein Wind in einen Wald u
nd wie ein Duft wehst du von hinnen,
dir selbst verwandelte Gestalt.
Oh, wer um alle Rosen wüsste,
die rings in stillen Gärten stehn
oh, wer um alle wüsste,
müsste wie im Rausch durchs Leben gehn.


Auf der Suche nach irischer Musik
1047. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 12.6.2022

Liebe Reisebegeisterten!

Es geht ja wieder los mit dem Reisen. Dazu eine schöne Geschichte von Paul Cornelius: „Ich fuhr mit meinem Freund Burghard seinerzeit durch Irland mit dem Fahrrad. Wir trafen auf zwei junge Franzosen, Eduard und Jean-Bernard, und fuhren eine gute Zeit zusammen. Eduard war immer auf der Suche nach „traditional irish music“ und hatte auf seiner ganzen Reise durch die Pubs immer nur auswärtige Musiker kennengelernt, so zum Beispiel amerikanische Gitarristen und Sänger. Wir vier trafen uns auf der Fähre von Rosslare nach Le Harve auf der Rückfahrt wieder. Und Eduard war noch immer nicht erfolgreich gewesen auf seiner Suche nach wirklich traditioneller irischer Musik. Gegen Abend trafen sich viele Fahrgäste auf dem Heck des Schiffes, um den Sonnenuntergang über dem Meer zu beobachten. Ganz glatt lag das Meer vor uns, und die Sonne senkte sich als großer roter Ball langsam dem Horizont zu. Ein junger Mensch holte sein Bandoneon raus und begann zu spielen. Aus dem kleinen Handakkordeon zauberte der Musiker wunderbare Klänge in die Abendstimmung hinein; erst waren es heiter tänzerische Rhythmen, die von den Zuhörern aufgegriffen und mitgetanzt und mitgesummt wurden, dann – als sich die Sonne weiter senkte – wurde es ruhiger, melancholischer, schließlich begleitete das Spiel nurmehr den immer tiefersinkenden Sonnenball, der drohte, ganz im Meer zu versinken. Wie gebannt starrten wir auf den nun immer deutlicher werdenden Verlauf, die Klänge schienen sich mit der Sonne zu vereinigen, und wir alle waren in eine tiefe menschliche Stimmung getaucht, die einerseits die Unabwendbarkeit des Sonnenuntergangs bestaunte und innerlich doch hoffte, das Spiel des Bandoneons könnte das noch aufhalten. Klein und kleiner wurde jetzt der rote Lichtball und versank immer mehr im fernen Horizont. Und in dem Moment, als er nicht mehr zu sehen war, verstummte auch die Musik sofort. Sonne unter, Musik aus! Für einen Augenblick waren wir alle sehr erschüttert: würde die Sonne morgen wieder aufgehen? Oder war das das Ende der Welt? Eduard war der erste, der wieder die Fassung gewann. Er ging auf den Musiker zu, umarmte ihn. Und wie sich raustellte, war es wirklich ein echter irischer Musiker auf dem Weg nach Frankreich.“


„Abel steh auf“
1046. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 1.6.2022

Liebe Friedensliebenden!

Hier der Beitrag von Hilde Domin zu Pfingsten 2022: „Abel steh auf“
„Abel steh auf
es muss neu gespielt werden
täglich muss es
neu gespielt werden
täglich muss die Antwort
noch vor uns sein
die Antwort muss ja sein können
wenn du nicht aufstehst Abel
wie soll die Antwort
diese einzig wichtige Antwort
sich je verändern
wir können alle Kirchen schließen
und alle Gesetzbücher abschaffen
in allen Sprachen der Erde
wenn du nur aufstehst
und es rückgängig machst
die erste falsche Antwort
auf die einzige Frage
auf die es ankommt
steh auf damit Kain sagt
damit er es sagen kann
Ich bin dein Hüter Bruder
wie sollte ich nicht dein Hüter sein
Täglich steh auf
damit wir es vor uns haben dies Ja
ich bin hier
ich dein Bruder
Damit die Kinder Abels sich nicht mehr fürchten
weil Kain nicht Kain wird
Ich schreibe dies
ich ein Kind Abels
und fürchte mich täglich
vor der Antwort
die Luft in meiner Lunge wird weniger
wie ich auf die Antwort warte
Abel steh auf
damit es anders anfängt
zwischen uns allen
Die Feuer die brennen
das Feuer das brennt auf der Erde
soll das Feuer von Abel sein
Und am Schwanz der Raketen
sollen die Feuer von Abel sein“.


Mai
1045. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 27.5.2022

Liebe Mai-Freunde!

Heinrich Heine (1797-1856) grüßt uns in den wunderschönen Mai:
„Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen.
Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Vögel sangen,
Da hab ich ihr gestanden
Mein Sehnen und Verlangen.“


Muttertag
1044. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 6.5.2022

Für alle Soldatenmütter!

Mit Datum vom 14. Februar 1945 schrieb Hermann H. - entnommen der kreiszeitung.de: „Meine liebe, liebe Mutter! Daß Du viel an mich denkst, glaube ich Dir. Genau wie ich immer an Dich denke. Einem könnte gewiß bange werden vor dieser Zukunft. Jeder fragt sich: Werden wir es überhaupt noch einmal schaffen? Und doch hofft jeder mit heißem Herzen, daß der Krieg gut für uns ausgehen möge. Daß wir einmal wieder nach Hause kommen und Euch Müttern Freude machen können. Daß wir deren Sorgen dann mit übernehmen können, die hier gefallen sind. Ich möchte heute gerne einmal wissen, ob mein bester Freund Willi noch lebt und wieder gesund wird, oder ob der Bauchschuß sein Tod geworden ist. Er war auch der einzige Sohn und seine Mutter allein zu Hause. Sein Vater war beim Volkssturm. Und zu Hause in Schlesien sind bald die Russen. So schwer haben es viele Mütter. So wie seine Mutter einst Schmerzen für ihn aushielt, so hält er sie heute für seine Mutter aus, damit sie und die Heimat vor dem Krieg bewahrt bleiben. Und so, wie Du einst Dein Leben aufs Spiel gesetzt hast, damit ich geboren wurde, so will ich heute bereit sein, das meine für Deines zu geben. Wenn es nun von uns gefordert wird, wenn das Schicksal es verlangt, darfst Du deshalb nicht verzagen. Es ist mit uns Menschen doch nur ein großes Kommen und Gehen. Nur, daß es bei dem einen sehr früh sein muß und bei dem anderen erst spät…“


Mai
1043. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 29.4.2022

Der Mai ist gekommen!

Ein spätromantisches deutsches Frühlingsgedicht mit Worten von Emanuel Geibel aus dem Jahr 1841; es wurde seitdem mehrfach vertont; fast klingt die Melodie beim Lesen mit:
„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,
da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zuhaus;
wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt,
so steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.
Herr Vater, Frau Mutter, dass Gott euch behüt!
vv Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht?
Es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert,
es gibt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert.
Frisch auf drum, frisch auf drum im hellen Sonnenstrahl
wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal.
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all;
mein Herz ist wie ’ne Lerche und stimmet ein mit Schall.
Und abends im Städtlein, da kehr ich durstig ein:
„Herr Wirt, eine Kanne, eine Kanne blanken Wein!“
Ergreife die Fiedel, du lust’ger Spielmann du,
von meinem Schatz das Liedel, das sing ich dazu.
Und find ich keine Herberg, so lieg ich zu Nacht
wohl unter blauem Himmel, die Sterne halten Wacht.
Im Winde die Linde, die rauscht mich ein gemach,
es küsset in der Frühe das Morgenrot mich wach.
O Wandern, o wandern, du freie Burschenlust!
Da weht Gottes Odem so frisch in die Brust,
da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
wie bist du doch so schön, du weite, weite Welt!“


Zum Osterfest
1042. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 15.4.2022

Na denn: Frohe Ostern!

Uns erreichte dieser Tage ein sehr ambitioniertes Gedicht von Anselm Deusgen:
„Tja Herr, nun ist wieder Ostern.
Haben wir umsonst gefastet?
Täuschen uns die grünwinkenden Zweige?
Warum hast du uns verlassen?
Deine Ebenbilder schlagen wieder aufeinander ein.
Drängst du uns aus dem Jammertal
Nur in die einzige Freude auf das ewige Leben?
Heißt es nicht: Wie im Himmel, so auf Erden?
Herr, gib uns Frieden und allem Erdkreis
Und unserem kranken Nachbarn auch.
Und alle deine hohen Werke
Wären herrlich wie am ersten Tag.
Dann erst können wir gehorsam glauben,
Und dein Stecken und Stab trösten uns.“


Richard III. oder wer?
1041. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 8.4.2022

Schlag nach bei Shakespeare!

„Doch ich, zu Possenspielen nicht gemacht,
Noch um zu buhlen mit verliebten Spiegeln;
Ich, roh geprägt, entblößt von Liebesmajestät
Vor leicht sich dreh’nden Nymphen mich zu brüsten;
Ich, um dies schöne Ebenmaß verkürzt,
Von der Natur um Bildung falsch betrogen,
Entstellt, verwahrlost, vor der Zeit gesandt
In diese Welt des Atmens, halb kaum fertig
Gemacht, und zwar so lahm und ungeziemend,
Dass Hunde bellen, hink ich wo vorbei;
Ich nun, in dieser schlaffen Friedenszeit,
Weiß keine Lust, die Zeit mir zu vertreiben,
Als meinen Schatten in der Sonne spähn
Und meine eigne Missgestalt erörtern;
Und darum, weil ich nicht als ein Verliebter
Kann kürzen diese fein beredten Tage,
Bin ich gewillt, ein Bösewicht zu werden
Und feind den eitlen Freuden dieser Tage.
Anschläge macht‘ ich, schlimme Einleitungen,
Durch trunkne Weissagungen, Schriften, Träume…“
Richard III. oder wer?


Friedensplan von Gerhard Biederbeck
1040. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 1.4.2022

Offener Brief an die UNO!

„Bordenau liest“ nicht nur, um sich in verjuxter poetischer Heiterkeit am Weltuntergang zu beteiligen, sondern wir lesen auch gerne, wenn Mitbürger sich für etwas einsetzen. Der folgende Offene Brief an die UNO stammt von dem seit Jahrzehnten friedensbewegten Neustädter Gerhard Biederbeck:
„Sehr geehrter Herr Generalsekretär Guterres! Ihre Erklärung "Wir brauchen Frieden" macht mir Mut, Sie zu ermutigen, dass Sie selber der Mediator im Verhandlungsprozess zwischen Russland und der Ukraine sind. Falls es Ihnen möglich ist, könnten Sie gemeinsam mit dem Sicherheitsrat Russland und der Ukraine zum Beispiel folgenden Vorschlag unterbreiten:
1. Die Ukraine stimmt zu, dass sie als eine Demokratie ein neutraler Staat sein will.
2. Die russischen Truppen verlassen die Ukraine.
3. Ukraine und Russland garantieren eine demilitarisierte Zone von 300km auf beiden Seiten ihrer Grenze.
4. UN -Truppen garantieren mit ihrer Präsenz die Sicherheit der Ukraine.
Die Vereinten Nationen sollten ihren gesamten Einfluss dafür einsetzen, Verhandlungsführer bei den Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland zu sein! Danke sehr, Herr Generalsekretär, für Ihr Engagement. Ihr Gerhard Biederbeck.“
Nach dem Friedensschluss können wir auch wieder andere Sachen lesen!


Jahreszeiten
1039. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 25.3.2022

Liebe friedlichen Jahreszeitenvertrauende!

Theodor Fontane meint zum Frühling: „Nun ist er endlich kommen doch In grünem Knospenschuh; "Er kam, er kam ja immer noch" Die Bäume nicken sich's zu. Sie konnten ihn all erwarten kaum, Nun treiben sie Schuss auf Schuss; Im Garten der alte Apfelbaum, Er sträubt sich, aber er muss. Wohl zögert auch das alte Herz Und atmet noch nicht frei, Es bangt und sorgt; "Es ist erst März, Und März ist noch nicht Mai." O schüttle ab den schweren Traum Und die lange Winterruh: Es wagt es der alte Apfelbaum, Herze, wag's auch du.“


„Bemerkenswertes europäisches Liedgut“
1038. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 18.3.2022

Liebe Liederfreunde!

In unserer Reihe „Bemerkenswertes europäisches Liedgut“ stellen wir Euch heute das Lied: „Meinst du, die Russen wollen Krieg?“ vor. So der vielfach zitierte Titel eines Gedichts von Jewgeni Jewtuschenko aus dem Jahr 1961. Die zunächst von Mark Bernes gesungene Vertonung des Gedichts durch Eduard Kolmanowski wurde ein bekanntes Antikriegslied, so in der DDR und 1962 bei den Weltfestspielen in Helsinki; die deutsche Übersetzung stammt von Siegfried Siemund: „1. Strophe: Meinst du, die Russen wollen Krieg? Befrag die Stille, die da schwieg, im weiten Feld, im Pappelheim, befrag die Birken an dem Rain, dort, wo er liegt in seinem Grab, den russischen Soldaten frag! Sein Sohn dir drauf die Antwort gibt: Meinst du, die Russen woll`n, meinst du, die Russen woll´n, meinst du, die Russen wollen Krieg? 2. Strophe: Nicht nur fürs eigne Vaterland fiel der Soldat im Weltenbrand – nein, dass auf Erden jedermann in Ruhe schlafen gehen kann. Holt euch bei jenem Kämpfer Rat, der siegend an die Elbe trat, was tief in unsrem Herzen blieb: Meinst du, die Russen woll´n, meinst du, die Russen woll´n, meinst du, die Russen wollen Krieg? 3. Strophe: Der Kampf hat uns nicht schwach geseh´n, doch nie mehr möge es gescheh´n, dass Menschenblut, so rot und heiß, der bitt´ren Erde wird zum Preis. Frag Mütter, die seit damals grau, befrag doch bitte meine Frau. Die Antwort in der Frage liegt: Meinst du, die Russen woll´n, meinst du, die Russen woll´n, meinst du, die Russen wollen Krieg? 4. Strophe: Es weiß, wer schmiedet und wer webt, es weiß, wer ackert und wer sät, ein jedes Volk die Wahrheit sieht: Meinst du, die Russen wolln, meinst du, die Russen wolln, meinst du, die Russen wollen Krieg?“ In der ersten Sendung des ZDF Magazin Royale nach dem Russischen Überfall auf die Ukraine 2022 sang Jan Böhmermann das Lied auf Deutsch. Dabei änderte er den Satz „Frag Mütter, die seit damals grau, befrag doch bitte meine Frau“ in „Frag Eltern, die seit damals grau, frag deinen Mann, frag deine Frau“, den Sohn in „Enkel“ und spricht in der letzten Strophe mit „Meint ihr“ alle an!


„WELTGESCHICHTE“
1037. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 4.3.2022

O Weltgeschichte!

In diesen Tagen ist seit vielen Jahrzehnten in Europa wieder ein Krieg ausgebrochen. Wir suchen nach Friedensgedichten und finden viele bittere Wahrheiten über den Verlauf der „WELTGESCHICHTE“. So auch der Titel des Gedichts von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, jenem Dichter aus dem 19. Jahrhundert, der seinerzeit 1840 auf Helgoland das „Deutschlandlied“ schrieb. Hier schlägt er kritische Töne an:
„Die Weltgeschichte, wie sie wird gelehrt
In unseren Schulen, ist am Ende nur
Nichts weiter als ein langer Kriegsbericht.
Der Menschheit ganzer Jammer wird erzählt,
Nur der Mord und Totschlag ist Heldentum,
Als gäb es weiter keine Ehre mehr
Und weiter kein Verdienst als Schlachten.
Die Fürsten, welche nur durch Krieg der Welt
Gezeigt, dass sie gewesen in der Welt,
Verdienen nicht, dass ihre Namen noch
Auswendig lernen muss ein edles Volk,
Das wohlgefällig, gut und brav zu sein
Und seinen wärmsten Dank nur zollen will
Den Helden, die zu Recht und Freiheit ihm
Und hoher Bildung und Gesinnung einst
Den Weg gezeigt, den selbst sie wandelten!
Oh Trauerspiel, dass Krieg noch immer ist
Die Weltgeschichte bis zum heutigen Tage,
Als müsste sein und bleiben der Soldat
Der Menschheit würdigster Repräsentant.“


"Todes-Erfahrung"
1036. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 26.2.2022

Für Manfred Korte!

„Todes-Erfahrung“ von Rainer Maria Rilke:
„Wir wissen nichts von diesem Hingehn, das
nicht mit uns teilt. Wir haben keinen Grund,
Bewunderung und Liebe oder Hass
dem Tod zu zeigen, den ein Maskenmund
tragischer Klage wunderlich entstellt.
Noch ist die Welt voll Rollen, die wir spielen.
Solang wir sorgen, ob wir auch gefielen,
spielt auch der Tod, obwohl er nicht gefällt.
Doch als du gingst, da brach in diese Bühne
ein Streifen Wirklichkeit durch jenen Spalt
durch den du hingingst: Grün wirklicher Grüne,
wirklicher Sonnenschein, wirklicher Wald.
Wir spielen weiter. Bang und schwer Erlerntes
hersagend und Gebärden dann und wann
aufhebend; aber dein von uns entferntes,
aus unserm Stück entrücktes Dasein kann
uns manchmal überkommen, wie ein Wissen
von jener Wirklichkeit sich niedersenkend,
so dass wir eine Weile hingerissen
das Leben spielen, nicht an Beifall denkend.“


Theodor Storms „Oktoberlied“ zum Geburtstag
1035. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 19.2.2022

Liebe Lesende"

Hier haben wir auch immer junge und ältere Autoren unterstützt bei ihrem Bemühen, eigene Texte zu veröffentlichen. Heute bringen wir von Lothar Hütig eine Bearbeitung von Theodor Storms „Oktoberlied“ hin zu einem schönen Geburtstagsgruß. Dabei gelingt es dem Dichter, dieses an sich im Herbst verortbare Gedicht durch fast alle Jahreszeiten hindurchzuführen. Beachten Sie bitte auch, wie er den Zeilenübergang in der letzten Strophe meistert!
„Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!
Und wimmert auch einmal das Herz – Stoß an und lass es klingen! Wir wissen's doch: ein rechtes Herz Ist gar nicht umzubringen. Wohl Winter ist´s; doch warte nur, Doch warte nur ein Weilchen! Der Frühling kommt, der Himmel lacht, Es steht die Welt in Veilchen. Doch heut´ an Deinem Ehrentag Soll´s rote Rosen regnen Von allen, die Dir liebend gern Begegnet sind und noch begegnen.“


Ein Gedicht von Rainer Maria Rilke
1034. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 11.2.2022

Zum Valentinstag!

Ein Gedicht von Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926): „Wenn es nur einmal so ganz stille wäre. Wenn das Zufällige und Ungefähre verstummte und das nachbarliche Lachen, wenn das Geräusch, das meine Sinne machen, mich nicht so sehr verhinderte am Wachen -: Dann könnte ich in einem tausendfachen Gedanken bis an deinen Rand dich denken und dich besitzen (nur ein Lächeln lang), um dich an alles Leben zu verschenken wie einen Dank.“


Berühmter Bordenauer: Generalleutnant Gerhard von Scharnhorst
1033. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 4.2.2022

Liebe - nicht nur Bordenauer - Leser!

In unserer Reihe „Berühmte Bordenauer äußern sich zu Fragen der Zeit“ sprechen wir heute mit dem ehemaligen Generalleutnant Gerhard von Scharnhorst ( -> Wikipedia: Gerhard von Scharnhorst). Frage: Herr von Scharnhorst, Sie gelten als einer der Begründer der Territorialverteidigung, das meint ja, dass alle Bewohner eines Landes dieses auch verteidigen könnten und sollen. Gilt das auch für Waffen, die in dem jeweiligen Land hergestellt wurden? G.v.S.: Es ist ein Übel mit den frei vagabundierenden Waffen, die irgendwo in der Welt hergestellt werden und dann ganz woanders eingesetzt werden und so meine ursprüngliche Idee der direkten Territorialverteidigung korrumpieren. Frage: Nun hat das Redaktionsnetzwerk Deutschland gemeldet: „Die Bundesregierung prüft eine von Estland beantragte Genehmigung für eine Waffenlieferung an die Ukraine. Diese ist erforderlich, weil die Haubitzen aus DDR-Altbeständen mit Auflagen zunächst an Finnland verkauft und dann später von dort an Estland gegeben worden waren.“ Wie stehen Sie dazu? GvS.: Es gibt von meinem Zeitgenossen Immanuel Kant eine Schrift: „Auf dem Weg zum ewigen Frieden“. Die Neustädter Zeitung berichtete Anfang 2011 darüber in dieser Kolumne zu dem Thema Wehrpflicht, die ich ja gutgeheißen hatte und ein gewisser Guttenberg dann abgeschafft hat. Kant hat darauf hingewiesen, die Staaten sollten ihre Militärausgaben gegenseitig kontrollieren. Hier nun aber werden deutsche Waffen über halb Europa verschoben, um schließlich in einem möglichen Krieg gegen Russland eingesetzt zu werden. Soweit man gehört hat, handelt es sich dabei sogar um Waffen sowjetischer Produktion. Und obwohl ich auch im Bereich der Volksarmee seinerzeit verehrt wurde, würde es die Idee vom gegenseitigen Frieden völlig paradoxieren, stünden sich die Waffen des gleichen Landes gegenüber, das sie produziert hat! Frage: Wie hoch schätzen Sie die Kriegsgefahr ein? GvS.: Die Lage auf den Weltmeeren ist noch viel bedrohlicher. Wir wollen hoffen, dass nicht eine Seite so einen fiktiven Überfall inszeniert, bei dem die sogenannte öffentliche Meinung nach Vergeltung ruft, zu welcher Tageszeit auch immer. Meine Bordenauer lieben den Frieden wie die Kunst! Wir sollten die „Freiheit aushalten“, dass unsere Sicherheit nicht unbedingt am Hinduk… , äh übern Deister verteidigt werden muss, wie seinerzeit Peter Struck formuliert hat, der war übrigens auch mal in Bordenau. Herr von Scharnhorst, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Die Pflicht, Substantiv (Femininum); Mehrzahl: die Pflichten
1032. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 29.1.2022

Liebe verpflichtete Leser!

Heute schauen wir auf die Anfänge der Germanistik: Das Deutsche Wörterbuch (-> Wikipedia)ist das größte und umfassendste Wörterbuch zur deutschen Sprache seit dem 16. Jahrhundert mit Wortbedeutungen und Belegstellen. Es waren die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, die 1838 damit begonnen haben und das erst 1960 in Leipzig fertiggestellt wurde. Heute nehmen wir das Wort: Pflicht. Die Pflicht, Substantiv (Femininum); Mehrzahl: die Pflichten, von historisch gewordenen gesellschaftlichen Normen bestimmte Forderung an das Verhalten, Handeln des Menschen in der Gesellschaft. Beispiele: eine gewohnte, selbstverständliche Pflicht/ jemand hält etwas für seine Pflicht, sieht es als seine Pflicht an/ seine Pflicht tun/ jemandem eine Pflicht auferlegen/ eine Pflicht übernehmen. Pflicht aufgrund moralischer, rechtlicher, politischer Prinzipien. Beispiele: eine moralische, sittliche Pflicht/eine menschliche, kindliche, elterliche Pflicht/die Pflicht zur Entwicklung der eigenen Fähigkeiten und zur Erhöhung der Leistung/ Die Eltern und anderen Erziehungspflichtigen haben die hohe Pflicht, die Kinder so zu erziehen, dass sie fähig und bereit sind, am Leben in der Gesellschaft aktiv teilzunehmen. Pflicht in Übereinstimmung mit einem erteilten Auftrag, einer Abmachung. Beispiele: jemanden von seiner Pflicht am Krankenbett entbinden/ sie hatte viele häusliche Pflichten/ Pflichten übernehmen/ seinen Pflichten genügen, nachkommen. Etymologie/Herkunft: ‘Aufgabe, Forderung, Anforderung, Verbindlichkeit’, althochddeutsch: phliht ‘Fürsorge, Obhut, Auftrag, Gebot’ (um 1000), mittelhochdeutsch: phliht(e) ‘Fürsorge, Pflege, Teilnahme, Gemeinschaft, Dienst, Obliegenheit, Sitte’. Vergleiche auch: Eltern-, Frauen-, Freundes-, Fürsten-, Gatten-, Geschwister-, Gewissens-, Glaubens-, Kindes-, Menschen-, Mutter-, Natur-, Rechts-, Tugend-, Untertanen-, Vaterpflicht und andere – siehe auch Grundgesetz Artikel 14: „Eigentum verpflichtet“! Ich habe die unangenehme, traurige Pflicht, Ihnen zu sagen, dass zwei Worte noch fehlen; das eine ist die Schulpflicht, da kamen auch einige nicht mit zurecht. Schließen möchten wir jedoch mit einem Wort von Goethe: „Die Liebe kann wohl viel, allein die Pflicht noch mehr.“


Klassisch, klassisch!
1031. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 19.1.2022

Liebe Lesende!

Friedrich Schillers Spruch: „Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst“ stammt aus dem Prolog zu seinem Historiendrama „Wallenstein“, gesprochen bei Wiedereröffnung der Schaubühne in Weimar im Oktober 1798. Wir zitieren Anfang und Ende:
„Der scherzenden, der ernsten Maske Spiel,
Dem ihr so oft ein willig Ohr und Auge
Geliehn, die weiche Seele hingegeben,
Vereinigt uns aufs neu in diesem Saal –
Und sieh! er hat sich neu verjüngt, ihn hat
Die Kunst zum heitern Tempel ausgeschmückt,
Und ein harmonisch hoher Geist spricht uns
Aus dieser edeln Säulenordnung an
Und regt den Sinn zu festlichen Gefühlen…
Darum verzeiht dem Dichter, wenn er euch
Nicht raschen Schritts mit einem Mal ans Ziel
Der Handlung reißt, den großen Gegenstand
In einer Reihe von Gemälden nur
Vor euren Augen abzurollen wagt.
Das heut’ge Spiel gewinne euer Ohr
Und euer Herz den ungewohnten Tönen;
In jenen Zeitraum führ‘ es euch zurück,
Auf jene fremde kriegerische Bühne,
Die unser Held mit seinen Taten bald
Erfüllen wird. Und wenn die Muse heut,
Des Tanzes freie Göttin und Gesangs,
Ihr altes deutsches Recht, des Reimes Spiel,
Bescheiden wieder fordert – tadelt’s nicht!
Ja danket ihr’s, dass sie das düstre Bild
Der Wahrheit in das heitre Reich der Kunst
Hinüberspielt, die Täuschung, die sie schafft,
Aufrichtig selbst zerstört und ihren Schein
Der Wahrheit nicht betrüglich unterschiebt;
Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.“


Was ist das eigentlich: ein Wort?
1030. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 12.1.2022

Liebe vorausschauende Lesende!

Wir blicken in diesen Tagen schon weit ins neue Jahr. Und das tun wir mit Worten. Was ist das eigentlich: ein Wort? Was ist Sprache? Wie drücken wir uns aus? Allein die Ansprache oben für diese Kolumne: „Liebe Lesende!“ verweist schon auf Probleme und Chancen von Sprache. Mit „Die Lesenden“ ist nämlich vermieden worden zusagen: „Lieber Leser! Liebe Leserin!“, was wohl zu sehr die beiden Geschlechter bezeichnet und zudem nicht alle einschließt. Diese Problematik ist in den letzten Jahren immer wieder aufgebracht worden und hat zum Teil zu sehr kuriosen, auch erheiternden Entwicklungen geführt. Das „mann“ das N-Wort nicht mehr sagen und schreiben darf und Negerküsse jetzt heißen: „Süßer Schaumstoff mit Schokoladenüberzug und Migrationshintergrund“ ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Ganze Kinderbücher sollten umgeschrieben werden und Kinderlieder selbst gerieten in den Sog der kritischen Analyse. Wir möchten mit vielen zwinkernden Augen diese Phänomene beleuchten, behandeln und belesen, anhand von Mark Twains Essay „Über die schreckliche deutsche Sprache“, den er schon Ende des 19. Jahrhunderts schrieb. Hier listet er eine Reihe ungeordneter und unsystematischer Aspekte auf. Kaum eine Eigenart des Deutschen ist vor seinem Spott sicher: so muss es sich wohl um ein bedauerliches Versehen des Erfinders der Sprache handeln, dass die Frau weiblich ist, das Weib aber nicht. Doch auch die Schönheit von Sprache soll ihren Raum bekommen: Goethe und Hölderlin – „Was aber bleibet, stiften die Dichter!“ - Ingeborg Bachmann und Hilde Domin grüßen jetzt schon von Ferne. Letztere floh übrigens mit ihrer Poesie vor den „Wörtern der Unmenschen“, und es gibt Menschen, die das Deutsche nie wieder in den Mund nehmen wollten. Mit dem Titel: „Versprecher sind versprochen“ möchten wir Ihnen am 3. Oktober 2022 wieder ein gelungenes – nicht nur - kabarettistisches Programm vortragen, denn wir lesen weiter, auch wenn wir „Draußen nur mit Kännchen“ eine Reihe von deutschen Lieblingswörter servieren. Oder neue ungewöhnliche Kindernamen. Und, und, und! Freuen Sie drauf und lassen sie uns gemeinsam lachen!


Ein neues Jahr hebt an
1029. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 6.1.2022

Liebe Lesende!

Nurmehr stille Innehalten;
Du spürst es kommen.
Ein neues Jahr hebt an.
Die Tage werden länger, heller
Und langsam lichtet sich dein Dunkel;
Ein kleiner Spalt lässt Sonnenstrahlen rein.
Die Vögel klingen so anders, frischer;
Verliebter schmecken jetzt die säuselnden Wünsche.
Und mit großen Schwingen
Weitet deine Seele sich
Zu nie gekannten Ufern.
Jedes Jahr aufs Neue
Stehen die Tore offen – mehr noch das Herz:
Wohlan denn, beginne und gesunde!



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