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Unser Dorf liest

Arbeitskreis "Unser Dorf liest"

Kolumnen - Archiv 2021


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Mein Pfirsichbaum
1003. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 28.4.2021

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Sie gilt als die Meisterin der kleinen poetischen Form: Gesa Elsner. Jetzt hat sie zusammen mit der Stadtbibliothek Neustadt am Rübenberg zu einem Schreibwettbewerb eingeladen: „Gedanken, Gedichte, Geschichten, ein Haiku, einen Brief, ein Lied, gesammelt, gereimt, gesetzt oder geschüttelt – schreibe und gestalte, und ab damit ins Kästchen, ins Wortkästchen.“ Alles zum Thema Frühling!“ Jeden Sonntag, um ca. 16.45 Uhr können nun alle Literaturinteressierten auf Leineradio einem besonderen Hörgenuss lauschen. Dann und am folgenden Sonntag zur selben Uhrzeit werden einige der eingereichten Wortschätzchen vorgestellt; diesmal das Gedicht „Frühling 2021“ von Gisela Rahlfs, gelesen von Marita Hütig. Und Gesa Elsner bleibt die kleine poetische beeindruckende Form:

„Frühling
mein pfirsichbaum
will tausend blüten treiben
verheißungsvoll
lächelnde gesichter werden sie
allesamt“


MASKENBALL
1002. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 28.4.2021

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Viele Künstler haben sich in letzter Zeit auch mit Masken beschäftigt. So erreichte uns auch das Gedicht MASKENBALL von Dietrich Krome aus Wunstorf:

Es war im Jahre zwanzigzwanzig:
Man ging hinaus – nahm sich was mit.
Vergaß die Maske dabei nicht,
Verbarg damit halb sein Gesicht –
Zum Maskenball, der ganz legal
Auf einmal angeordnet war.

Man stand herum und dachte sich:
Die Mode hilft mir dabei nicht!
Es herrscht Corona-Maskenpflicht,
Wo man sich sonst – so gerne trifft!
Der Maskenball ist angesagt –
Kaum jemand davon angetan.

Man verstand und sagte sich:
Der Zwang gilt ja nicht überall.
Hat allein dann ungefragt
Die Maske einfach fallen lassen –
Und befreit ganz unumwunden
Wieder zu sich selbst gefunden.


„Das Märchen vom Märchen“
1001. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 22.4.2021

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Was machen wir in der 1001.Kolumne? Wir bringen ein Märchen aus 1001.Nacht. Scheherazade Annegret erzählt „Das Märchen vom Märchen“: Es war einmal ein Märchen, das hatte alle Märchen, Geschichten, Bilder und Symbole in sich; alle Meere, alle Berge und Wälder, Gold und Könige, aber auch dunkle Schatten, Hexen und Wölfe. Das Märchen zog wohlgemut durch die Welt und wo immer es hinkam, setzten sich die Menschen zusammen und hörten mit erstauntem Herzen zu. Wenn das Märchen erzählte, so hörten die Menschen jeweils das, was sie verstanden und ihnen guttat. Die Kinder hofften zurecht auf das gute Ende, die Großen waren von der tiefen Weisheit berührt. Und das fand unser Märchen aller Märchen wunderbar. Aber als die Menschen dazu übergingen, die Ganzheit des Lebens im andern Menschen nicht mehr wahrzunehmen, da wurde das Märchen sehr, sehr traurig und zog sich auf die höchsten Gipfel der Berge zurück. Und nur, wenn es zwei Menschen gelingt, sich über ihre hellen und dunklen Seiten auszutauschen und den anderen wieder als Ganzes wahrzunehmen, so wird aus den Quellen der Berge wieder das Wasser des Lebens sprudeln, und das Märchen aller Märchen wird sich in die Wellen stürzen und sich zu Tal dem Meere zutragen lassen, um die Welt wieder zu vervollkommnen.






Die Kolumne feiert ein großes Jubiläum

1000. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 15.4.2021

Liebe Leserin! Lieber Leser!

 


Klaus Detering (links) und Martin Drebs

Nach dem sensationellen BORDENAUER FAUST im Jahre 2000, bei dem über 70 Akteure in über 15 Stunden das gesamte Werk von Goethe vor vielen hundert Menschen lasen, wollte Martin Drebs eigentlich mit den Kolumnen an dieser Stelle aufhören. Martin, mach´ doch weiter, ist ein ganz schönes Format, sagte ich zu ihm. Und heute erscheint tatsächlich die 1000. Kolumne – in Worten: die Tausendste! Das ist in der heutigen Zeit des steten Wandels ein selten gewordenes Jubiläum. Nachzulesen sind sie alle im Internet auf der Bordenauer Heimatseite www.bordenau.de, wo ich sie als Betreiber der Homepage seit 1999 eingepflegt und mitgezählt habe. Fast gleichzeitig und fast jede Woche wurden die Kolumnen von Martin Drebs auch in unserer Neustädter Zeitung veröffentlicht. Und eigentlich fehlen auf der Homepage noch zahlreiche Kolumnen, denn die Aktion begann bereits 1997 als Public-Relation-Idee zwischen dem Eigner Klaus-Dieter Nülle und Martin Drebs, der damals gerade mit ein paar Literaturbegeisterten und der Unterstützung seiner Frau Marita das Projekt „Bordenau – Unser Dorf liest“ aus der Taufe hob - zusammen übrigens mit dem Friedrich-Bödecker-Kreis, Hannover. Dabei begleitete die hervorragende Redaktion eines der ältesten Anzeigenblätter Deutschlands den Autor immer sehr gut bei der Bearbeitung und Realisation seiner Texte. Mal enthalten sie ein kleines Gedicht zur Jahreszeit, mal einen engagierten Jahresrückblick, mal neue Texte lokaler Autoren und häufig Tipps zur Kulturvielfalt in Neustadt. Nicht alle Texte sind von Martin Drebs, aber immer wieder durch ihn aus der unendlichen Fülle des Lesbaren ins Lesenswerte gehoben worden, grundsätzlich auch mit der Zustimmung der jeweiligen Autoren. Entstanden ist eine einzigartige Sammlung welthaltiger, heiterer, nachdenklicher, auch politisch engagierter Texte, die im Neustädter Land und in den Weiten des World Wide Web ihre geneigten Leser und Leserinnen finden – gendergemäß ab 2001 geändert von „Hochverehrte Leserschaft“ in „Liebe Leserin! Lieber Leser!“. Es gab auch kritische Rückmeldungen, etwa wenn fälschlicherweise der Eindruck entstand, der Autor spräche für das ganze lesende Bordenau. Dank sei der Neustädter Zeitung gesagt, die die Geduld und Kontinuität aufbrachte – zuerst zu Recht skeptisch, wenn man bedenkt, dass diese Kolumne die Einzige ist, die die Zeit überstanden und sie letztlich so besiegt hat. Lieber Martin, bitte schreib weiter, wir werden weiterlesen und so wird die Kolumne weiterleben. Und ich werde sie gerne weiter auf bordenau.de dokumentieren und mitzählen! Ihr Klaus Detering


Ein Frühlingsgedicht
999. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 31.3.2021

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Friedrich Hölderlin schickt uns in die Ostertage 2021 ein Frühlingsgedicht vom „15 Merz 1842“:
„Wenn neu das Licht der Erde sich gezeiget,
Von Frühlingsreegen glänzt das grüne Thal und munter
Der Blüthen Weiß am hellen Strom hinunter,
Nachdem ein heitrer Tag zu Menschen sich geneiget.
Die Sichtbarkeit gewinnt von hellen Unterschieden,
Der Frühlingshimmel weilt mit seinem Frieden,
Daß ungestört der Mensch des Jahres Reiz betrachtet,
Und auf Vollkommenheit des Lebens achtet.“


Die Leselernhelfer
998. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 27.3.2021

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Kurz vor 1000.Kolumne von „Bordenau liest“ schnürt man in Berlin den „Nationalen Lesepakt“. Man liest erstaunt: „Lesen ist die Grundlage von Bildung, Eigenständigkeit und Miteinander. Damit alle Kinder und Jugendliche in Deutschland gut lesen können, haben die Stiftung Lesen und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gemeinsam mit derzeit rund 150 Partnern den Nationalen Lesepakt initiiert.“ Mit dabei „MENTOR – Die Leselernhelfer“: „Lesezeit schenken und Lesefreude wecken, - das gelingt den deutschlandweit 13.000 ehrenamtlichen Lesementoren unter dem Dach des MENTOR – Die Leselernhelfer Bundesverbands e.V. Sie sind in rund 100 regionalen Vereinen organisiert und lesen einmal wöchentlich mit einem Kind oder Jugendlichen. Dabei fördern sie seine Lesekompetenz und sein Selbstvertrauen ganz individuell und bekommen viel Freude „zurück“. Die „Leselernhelfer Hannover e.V.“ gibt es schon seit 2003, initiiert durch Buchhändler Otto Stender und andere. Den Bordenauer Ableger gibt es schon seit 2005. Werner Schmidt, ein Leselernhelfer der ersten Stunde berichtet: „2005 entsteht die Mentorgruppe Scharnhorstschule Bordenau mit drei Personen, die auch heute noch dabei sind. Im Verlauf der Jahre haben sich bis zu acht Personen aus Bordenau mit Bordenauer Kindern beschäftigt. Die meisten Kinder haben die Unterstützung gern angenommen, einige zögernd, abwartend. Durch Erlebnisse (Sport, Ausflug) fand sich häufig der Weg zu einem Buch, daraus resultierend ein erfolgreiches Vorlesen, Lesen, Verstehen und die entsprechende, inhaltliche Wiedergabe. Zu vielen Kindern entsteht ein Vertrauensverhältnis, sie sind dankbar für die Aufmerksamkeit und die Zuwendung, die ihnen zuteilwird. Eine wichtige Rolle spielt auch –Mentorinnen, Mentoren sind keine Lehrer -, es gibt keine Noten, der Lesestoff wird gemeinsam ohne Kritik erarbeitet. Nicht nur ernste Arbeit, manches Gesellschaftsspiel und einfach nur Gequatsche waren Verbindungsglieder. Eine Mentorin schreibt: „Wir lesen aus dem Buch „Der kleine Vampir. „L., unsere kleine Schauspielerin, möchte am liebsten das Gelesene nachspielen.“ Zu einem meiner Lesekinder fand ich überhaupt keinen Zugang, M. machte nur das Nötigste. Per Zufall erfuhr ich von seinem technischen Interesse für Eisenbahntechnik. Eisenbahntechnik, der Türöffner! Noch heute bin ich mir seines Grußes quer über die Straße sicher. Manchmal bekamen wir auch kleine Geschenke - ein kleines Bild, ein lieb eingepacktes Bonbon, ein geübter, stolz vorgelesener Text. Nun ist Mentor- Bordenau, durch Corona etwas ausgebremst, hoffen wir, dass möglichst bald wieder Leselernhilfe möglich sein wird.“ Und er zitiert James Daniel „Bücher sind fliegende Teppiche im Reich der Fantasie.“ Und Bordenau war schon immer wieder für vieles vorbildlich!


Harrys kleine Maskenkunde
997. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 11.3.2021

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Heute haben wir wieder unseren Komiker Harry Lewandowski eingeladen. Er berichtet in „Harrys kleiner Maskenkunde“ über einen ganz normalen Tag in seinem Leben: „Also, Tag zusammen. Mein ganz normaler Tag inmitten schwieriger Zeit. Ich stehe also morgens auf und gucke in den Spiegel und frage mich, wer ist das denn? Aber ich wasch ihn trotzdem. Und danach möchte ich an die frische Luft, also müsste ich eine Maske anlegen. Der gehäkelte „Schnutenpulli“ von Tante Hedwig, der gilt nicht mehr; die hellblaue Medizinische, die fusselt so seit drei Wochen, aber die FFP2 Maske, die ist auch schwierig, wenn ich da einatme, dann legt die sich immer so ans Gesicht, wie eine Membran, da krieg ich kaum Luft drunter. Aber gut, dass ich sie aufhabe, ich habe nämlich meinen Zahnersatz nicht an! Was heißt eigentlich FFP2-Maske? Für Freunde Plus 2, oder? Das wäre mal eine Fangfrage für Jauch. Also, ich das Ding aufgesetzt, aber erst falsch rum, die haben da nämlich so Pfeifenputzer drin, damit man die an die Nase pressen kann, egal wie dick die ist. Dann bin ich los zum Maschsee, Joggen! Dafür gelten besondere Regeln: beim Laufen braucht man keine Maske aufsetzen, aber wenn du anhälst zum Dehnen und so, dann ja, obwohl man gerade da ganz außer Atem ist. So komme ich kurz vor Vier zum Steinhuder Meer, was soll ich sagen, alles voll, tausend Leute, super Wetter. Auf einmal reißen sich viele die Masken runter, ich sag, Leute, was macht ihr denn da? Sagt so ein kleiner Junge zu mir: „Ja haben Sie denn das Schild nicht gesehen? Maskenpflicht von 10 bis 16 Uhr.“ Ich denke bei mir, das ist ja wohl ein „Schild“bürgerstreich! Die Zeiten wurden mittlerweile geändert. Aber noch immer besser als in Düsseldorf das sogenannte „Verweilverbot“, da kann ich mir nicht mal mehr die Schuhe zubinden. So komme ich abends denn nach Haus. Da sagt meine Frau zu mir: „Wie siehst du denn aus? Ich kenne dich nicht mehr!“ Und ich denke, geht mir ganz genauso! Da bin ich dann mit Maske schlafen gegangen und hab mir die ganz weit über die Augen gezogen, damit ich das ganze Elend nicht mehr sehen musste. Also bleibt gesund, wünscht euch euer Harry Lewandowski!“


Neustädter WORTkästchen
996. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 4.3.2021

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Heute unterstützt das lesende Bordenau mal wieder das schreibende Neustädter Land für den beginnenden Frühling : „Ab ins Kästchen…“ Das Neustädter WORTkästchen – ein Ort für Deine Worte! Was immer Du dem WORTkästchen anvertrauen möchtest: Gedanken, Gedichte, Geschichten, ein Haiku, einen Brief, ein Lied, gesammelt, gereimt, gesetzt oder geschüttelt – schreibe und gestalte, und ab damit ins Kästchen! Wir werden versuchen, Poesie sichtbar zu machen. Fundstücke, Herzensdinge, Erinnerungen, Wünsche, Kitsch oder Kunst, ersonnen, gesponnen, erlebt, geträumt – schreibe und gestalte, und ab damit ins Kästchen! Wir werden versuchen, Poesie auszustellen, gedruckt zu veröffentlichen, in Lesungen zu präsentieren, ins Radio bringen. „Ab ins Kästchen“ dürfen selbst verfasste Worte mit Namensnennung, unter einem Pseudonym oder anonym. Indem Du Deine Worte ins Kästchen legst, übergibst Du die Rechte zur Veröffentlichung der Stadtbibliothek Neustadt am Rübenberge. Allerdings sind wir nicht zu einer Veröffentlichung verpflichtet. Das Neustädter WORTkästchen bietet als Inspiration und um über Poesie ins Gespräch zu kommen, wechselnde Texte zum Lesen und Mitnehmen an („to go“ und kostenlos). Vielleicht findest Du hier bald Deine Worte?! Erreichbar ist das Neustädter WORTkästchen zu den Öffnungszeiten der VHS Hannover Land oder postalisch unter der Adresse der Stadtbibliothek Neustadt: Suttorfer Straße 8, 31 535 Neustadt am Rübenberge. Ansprechpartnerinnen für das Projekt Neustädter WORTkästchen sind Melanie Röver, Stadtbibliothek Neustadt, und Gesa Elsner, Lyrikerin. Aktionen und Termine (Lesungen, „Gedicht des Monats“, Schreibworkshops…) rund um das WORTkästchen erfährst Du in der Stadtbibliothek, auf der Homepage der Stadtbibliothek, in den Zeitungen, auf Instagram und Facebook und im leineradio. Wesentlich bestärkt wurden wir in unserer Idee, Poesie im Alltag zu sammeln und darzustellen, durch den Münchner Poesiepostkasten® der Künstlerin Katharina Schweißgut, bereits seit 2013 ein Ort für Worte. In Augsburg, Mülheim/Ruhr und Lübeck (seit September 2020) finden sich weitere Lyrik- Briefkästen. Wir freuen uns sehr auf WORTschätzchen im Neustädter WORTkästchen! Jetzt im März sammeln wir Frühlingsentdeckungen: Ermutigendes poetisches Beispiel von August von Platen gefällig? “Winterlied/Geduld, du kleine Knospe/Im lieben stillen Wald,/Es ist noch viel zu frostig,/Es ist noch viel zu bald./Noch geh ich dich vorüber,/Doch merk ich mir den Platz,/Und kommt heran der Frühling,/So hol ich dich, mein Schatz.“


Was macht man mit sturen Schneehaufen?
995. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 28.2.2021

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Kennen Sie die auch? Diese sturen Schneehaufen, die einfach nicht weggehen wollen, auch wenn das schönste Wetter kommt? Überall liegen sie noch in der Gegend herum, meist in verschatteten Garageneinfahrten und murmeln etwas fast Unverständliches vor sich hin:
„Keiner guckt uns mehr an! Im Gegenteil, man hasst uns und will uns weghaben! Letzte Woche waren wir noch ein gemeinsamer Teil eures winterlichen Vergnügens mit Schneeballschlacht und Skilanglauf und winterlichen Landschaften. Jetzt will uns keiner mehr wahrhaben. Dabei sind wir zu diesem Frühlingsbeginn auch noch da, halten uns tapfer als Erinnerung an die schöne Zeit. Denn nur wer den Winter kennt, weiß den Frühling zu schätzen: das Aufbrechen der Natur, das Hervorknospen der vielen farbigen Blumen und die neue warme würzige Luft. Aber nein! Uns schimpft man noch aus: ´Was wollt ihr noch hier? Schleicht´s euch fort.´ Doch wir bleiben noch, ruckeln uns in der Wärme ein wenig zusammen und schmelzen dann gerne dahin in die neue Zeit und verflüchtigen uns in den unendlich blauen Himmel. Denn auch wir freuen uns an eurem Glück der Wiederkehr und des Aufbruchs.“
Wenn Sie also noch einen solchen weißgrauen Haufen sehen, seien Sie nachsichtig und vorsichtig mit ihm, streicheln ihn sanft und vielleicht machen Sie noch einen Schneeball aus ihm, das hat er nämlich gern!


„Ich habe dich so lieb!"
994. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 19.2.2021

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Joachim Ringelnatz liebt heute:
„Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen
Schenken.
Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.
Vorbei – verjährt –
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
Ist leise.
Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.
Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.
Ich habe dich so lieb.“


In de Bütt da steht der Spahn
993. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 11.2.2021

Liebe Narren! Liebe Liebende!

In diesem Jahr fallen der Valentinstag und Karneval zusammen. Beginnen wir mit einem Liebesgedicht. Ophelia singt in Shakespeares HAMLET:
„Auf morgen ist Sankt Valentins Tag,
Wohl an der Zeit noch früh,
Und ich, ’ne Maid, am Fensterschlag,
Will sein eu’r Valentin.
Er war bereit, thät an sein Kleid,
Thät auf die Kammerthür,
Ließ ein die Maid, die als ’ne Maid
Ging nimmermehr herfür.“

Und dat mitten im Karneval:
In de Bütt da steht der Spahn, datt is dä Mann, der alles kann; dat erste Virus hat ihn noch geschockt, dann hatt der die Pandemie gerockt. Und macht auch gleich den Experten-Check, mit Kekula, Lauterbach und Dr.Streek. Janz beliebt in Deutschlands Osten, is dä Wuschel-Podcast-Drosten. Dann jab et nach der ersten eine zweite Welle, und die dritte folgt in aller Schnelle; zum Lockdown kam der der Flockdown noch; jetzt bewegt sich ja nix mehr, und doch: Wir woll´n uns alle lassen impfen, lass doch die Hütchenträger schimpfen; et heißt, die Pikse sind janz ungefährlich; dat müssen die ja sagen vom Institut Paul Ehrlich. Wenn dereinst dem Virus geh´n die Wirte aus, da verbringen mer en paar schöne Tach Zuhaus, da lasse mer die Masken sanft heruntergleiten, und loben Fried- und Frisörszeiten.


„An eine Passantin“
992. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 4.2.2021

Liebe Leserin! Lieber Leser!

In diesem Jahr fallen der Valentinstag und Karneval zusammen. Beginnen wir mit einem Liebesgedicht, nicht eines für die lang und ewig Verliebten, sondern für die, die nur durch einen Blick – in dieser Zeit des eingeschränkten Gesichts - getroffen: mit Charles Baudelaires (1821 bis 1867) Gedicht „An eine Passantin“ in der Übersetzung von Stefan George (1868 bis 1933); stellen Sie sich dabei bitte auf das besondere Schriftbild ein, die Texte sind in gemäßigter Kleinschreibung gesetzt:
„Es tost betäubend in der strassen raum.
Gross schmal in tiefer trauer majestätisch
Erschien ein weib · in finger gravitätisch
Erhob und wiegte kleidbesatz und saum ·
Beschwingt und hehr mit einer statue knie.
Ich las · die hände ballend wie im wahne ·
Aus ihrem auge (heimat der orkane):
Mit anmut bannt mit liebe tötet sie
Ein strahl… dann nacht! o schöne wesenheit
Die mich mit EINEM blicke neu geboren ·
Kommst du erst wieder in der ewigkeit?
Verändert · fern · zu spät · auf stets verloren!
Du bist mir fremd · ich ward dir nie genannt ·
Dich hätte ich geliebt · dich die’s erkannt.“


Ein winterliches Gedicht
991. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 28.1.2021

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Heinrich Heine schickt uns heute ein winterliches Gedicht:
„Mag da draußen Schnee sich türmen,
Mag es hageln, mag es stürmen,
Klirrend mir ans Fenster schlagen,
Nimmer will ich mich beklagen,
Denn ich trage in der Brust
Liebchens Bild und Frühlingslust.“


Ein Silberstreif am Horizont
990. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 21.1.2021

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Viele Versammlungen, auch bei den Vereinen, kommen im Moment nicht zustande. Auch viele regelmäßige Freundschaftstreffen nicht! So treffen wir uns seit den 90ern mit einer Gruppe von tollen Menschen, die wir auf Island kennengelernt haben. Nun schrieben die Freunde zum Jahreswechsel einen Gruß, der auf sehr treffende Weise unsere Lage schildert: „Liebe Freunde der Mitternachtssonne, Wasserfallfans, Warmbader in vulkanisch aufgeheizten Bächen und Schwarzer-Tod-Schlaftrunkkonsumenten, ein einengendes Jahr ist zu Ende gegangen und normalerweise erwartet man, daß sich dann das ´Neue Jahr´ wie eine Tür zu einem neuen Raum auftut. Dieses Mal ist ein Kuriosum passiert: Man ist durch diese Tür getreten und hat sich unerklärlicher Weise wieder im scheinbar gleichen Raum vorgefunden und das obendrein in dessen dunkelster Ecke, dem Lockdown. Der Unterschied ist nur, daß irgendwo durch eine Ritze ein Lichtstrahl fällt, sozusagen ein Silberstreif am Horizont. Auf diesen setzen wir jetzt alle unsere Hoffnungen, und sie mögen auch in Erfüllung gehen. Dann ist es auch an der Zeit, daß der glücksverheißende Schornsteinfeger bei allen vorbeischaut, egal ob er nun auf dem Glücksschwein reitet oder mit dem Fahrrad kommt. Nur - und das ist jetzt meine Überlegung - kommt der, wenn die Kamine verrußt sind, also zum Ende der Heizperiode. Das wird also noch ein wenig dauern. Bis dahin: Bleibt gesund! Schöne Stunden, Freude und Glücksmomente werden sich dann wieder einstellen und vielleicht auch das Islandtreffen, auch wenn`s dann eventuell schon Herbst ist. Ein gutes ´Neues Jahr´ verbunden mit einem hoffnungsvollen Blick nach vorn wünschen Euch herzlich! Walter und Ella.“  


"Die Grippe und die Menschen"
989. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 15.1.2021

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Dieser Tage geistert ein satirisches Gedicht durch die Medien: „Als Würger zieht im Land herum/ Mit Trommel und mit Hippe,/ Mit schauerlichem Bum, bum, bumm,/ Tief schwarz verhüllt die Grippe./ Sie kehrt in jedem Hause ein/ Und schneidet volle Garben -/ Viel rosenrote Jungfräulein/ Und kecke Burschen starben./ Es schrie das Volk in seiner Not/ Laut auf zu den Behörden:/ "Was wartet ihr? Schützt uns vorm Tod /- Was soll aus uns noch werden?/ Ihr habt die Macht und auch die Pflicht/ - Nun zeiget eure Grütze - /Wir raten euch: Jetzt drückt euch nicht./ Zu was seid ihr sonst nütze!/ 's ist ein Skandal, wie man es treibt./ Wo bleiben die Verbote? Man singt und tanzt, juheit und kneipt./ Gibt's nicht genug schon Tote?"/ Die Landesväter rieten her/ Und hin in ihrem Hirne./ Wie dieser Not zu wehren wär',/ Mit sorgenvoller Stirne:/ Und sieh', die Mühe ward belohnt./ Ihr Denken ward gesegnet:/ Bald hat es, schwer und ungewohnt,/ Verbote nur geregnet./ Die Grippe duckt sich tief und scheu/ Und wollte sacht verschwinden -/ Da johlte schon das Volks aufs Neu'/ Aus hunderttausend Mündern:/ "Regierung, he! Bist du verrückt -/ Was soll dies alles heißen?/ Was soll der Krimskrams, der uns drückt,/ Ihr Weisesten der Weisen?/ Sind wir den bloß zum Steuern da,/ Was nehmt ihr jede Freude?/ Und just zu Fastnachtszeiten - ha!"/ So gröhlt und tobt die Meute./ "Die Kirche mögt verbieten ihr,/ Das Singen und das Beten -/ Betreffs des andern lassen wir/ Jedoch nicht nah uns treten!/ Das war es nicht, was wir gewollt./ Gebt frei das Tanzen, Saufen./ Sonst kommt das Volk - hört, wie es grollt,/ Stadtwärts in hellen Haufen!"/ Die Grippe, die am letzten Loch/ Schon pfiff, sie blinzelt leise/ Und spricht: "Na endlich - also doch!"/ Und lacht auf häm'sche Weise./ "Ja, ja - sie bleibt doch immer gleich/ Die alte Menschensippe!"/ Sie reckt empor sich hoch und bleich/ Und schärft aufs neu die Hippe." Ist dieses satirische Gedicht im ersten oder zweiten Lockdown entstanden? Mitnichten! Das Gedicht ist über 100 Jahre alt und heißt: "Die Grippe und die Menschen" und ist erschienen in der schweizerischen Satirezeitschrift "Nebelspalter" in Nr. 10 vom 06.03.1920.



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