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Unser Dorf liest

Arbeitskreis "Unser Dorf liest"

Die wöchentliche Kolumne von Martin Drebs

(frühere Kolumnen finden Sie im  Archiv)

 


Das Echolot
923. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 13.3.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Im lesenden Dorf laufen schon die Vorbereitungen für unsere große Lesung Anfang Oktober 2019. Was? Jetzt schon? Na klar, zurzeit wählen wir aus Walter Kempowskis kollektivem Tagebuch „Das Echolot“, Abgesang ´45, mit allen Mitwirkenden die geeigneten Texte aus. Spannend wird auch das Begleitprogramm im Herbst: Ein historischer Vortrag über die letzten Kriegstage in Neustadt und Bordenau, ein Spielfilm zum Thema im Cinema Neustadt und zum Abschluss die Rede von Richard von Weizsäcker am 8.Mai 1985. Und wir stoßen immer wieder auf Tagebucheintragungen, die uns tief berühren, wie die des Offiziers Udo von Alvensleben (1897 bis 1962) vom 8. Mai 1945, damals in Nordnorwegen: „Unser Zeitalter ist „apokalyptisch“. Die ganze zivilisierte Welt krankt an den Folgen der Säkularisation aller Kulturwerte und Bindungen, die in den letzten Jahrhunderten vorbereitet sich seit 1789 vollzieht, Gebirge von Schuld. Wie leicht hätte eine konstruktive Politik die Grundlage für ein Zusammenleben der Nationen unter neuen, besseren Voraussetzungen schaffen können! Doch Verbrechen häufen sich auf  Verbrechen. Das alte Europa zerbricht. Wird die kommende Generation fähig sein, ein neues zu bauen? In all dem Heillosen mag das Heil im Verborgenen unter den Wenigen erwachsen, auf die es in allen Zeitaltern angekommen ist. Wird eine rechtzeitige Hinwendung des Menschen zu dem ewigen Maß der Dinge die Welt vor der Selbstauflösung retten?“ Soweit Udo von Alvensleben, eine Stimme unter hunderten, die wir präsentieren werden. Und obwohl er die Französische Revolution als Ausgangspunkt allen Übels erwähnt, visioniert er wenigstens ein vereintes Europa, für das wir im Mai auch stimmen dürfen.


Tag der Druckkunst
922. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 6.3.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Am 15. März 2019 ist der nationale „Tag der Druckkunst“, nicht der Buchdruckkunst, sondern der Druckkunst allgemein. Dazu veranstalten ab morgen die beiden Künstlerinnen Karin Bach und Petra Freese zusammen mit der VHS Hannover Land eine Ausstellung mit dem Titel „Kunst mit Tiefdruck“ im Veranstaltungszentrum Leinepark. Petra Freese hat in Bordenau seit 2003 die Werkstattleitung der Gruppe Radierung inne, und sie wird ein Werk präsentieren, das im Jahre 2000 bereits im „Bordenauer Faust“ als projektiertes Bühnenbild zum Einsatz kam: „Der Wanderer“. Ihr heutiges Statement dazu: „Das Bild „Der Wanderer“, eine Radierung mit Lithografie und Zeichnung, soll den „faustischen Teil“ des Menschen darstellen. Entschlossen, unbeirrt und rastlos schreitet er voran. Blind vorwärtsstrebend tritt er aus dem „Bild“ heraus – nur seinen eigenen Zielen folgend. Zur Visualisierung nutze ich die fantastischen Möglichkeiten eines Zusammendrucks von Radierplatte und Lithostein auf einem Bogen. „Werd` ich beruhigt je mich auf ein Faulbett legen...,“ hieß der Titel des gleichen Motivs, welches zur szenischen Lesung des „Bordenauer Faust“ im Jahr 2000, zum ersten Mal gezeigt wurde. In der Ausstellung „Kunst mit Tiefdruck“ präsentiere ich eine 2018 überarbeitete Version der ursprünglichen Grafik. Mit dieser erweiterten, aktualisierten Interpretation wirft das Bild beim Betrachter viele neue Fragen auf.“ Kommen Sie also am Donnerstag, dem 7. März 2019, ab 17.00 Uhr zur Vernissage und lassen Sie sich in die Geheimnisse der künstlerischen Drucktechniken einführen. Wir Bordenauer Wanderer sind gerne dabei, wenn an unser „faustisches“ Bemühen erinnert wird.


Hermann van Veen"
921. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 14.2.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

In der letzten Woche startete der berühmte holländische Sänger, Entertainer, Poet und Komiker Herman van Veen seine Deutschlandtour 2019 in Nienburg, und das mit seinen 73 Jahren in ungebrochener Vitalität. Da sprang und sang er wie ein Junger, obwohl er meinte, er rasiere morgens seinen Vater, so ähnlich sei er ihm geworden. Van Veen hat sich in seinen Programmen auch immer mit feinsinniger Ironie zur Lage der Welt geäußert. Zu seinem Alter, Jahrgang 1945, sagte er diesmal: „Ich bin nach dem Krieg geboren, und das soll auch so bleiben!“


"Der Schwan"
920. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 30.1.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

„Und noch ein Gedicht“, könnte Heinz Erhardt schmunzelnd meinen, so zum Gedicht von Rainer Maria Rilke „Der Schwan“. Man sieht sie jetzt viel auf den Leineauen, und so wie für den französischen Dichter Baudelaire der Seevogel Albatros durch seinen humpelnden Gang auf der Erde und seinen wunderschönen Flug in der Luft ein Abbild des Dichters sein könnte, so könnte der Schwan den Menschen symbolisieren:
„Diese Mühsal, durch noch Ungetanes
schwer und wie gebunden hinzugehn,
gleicht dem ungeschaffnen Gang des Schwanes.
Und das Sterben, dieses Nichtmehrfassen
jenes Grunds, auf dem wir täglich stehn,
seinem ängstlichen Sich-Niederlassen:
in die Wasser, die ihn sanft empfangen
und die sich, wie glücklich und vergangen,
unter ihm zurückziehen, Flut um Flut;
während er unendlich still und sicher
immer mündiger und königlicher
und gelassener zu ziehn geruht.“


"Wer wird Millionär?"
919. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 24.1.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

In unserer Reihe „Poesie schlägt Geld“ bringen wir das Gedicht von Michaela Barisic aus der Sendung „Wer wird Millionär“: „Seit 20 Jahren wart´ ich schon, um auf diesem Stuhl zu sitzen, hab 15 Fragen zu 2 Million und muss Blut und Wasser schwitzen. Die ersten Fragen gehen ja noch, sind auch lustig anzusehn, doch bei 8000 fall ich ins Loch und muss mein Unwissen gestehn. Und vor mir sitzt mit fettem Grinsen Herr Günther Jauch auf seinem Thron, lässt mich verzweifelt um Hilfe winseln und hat für mich nur Spott und Hohn. Dank Joker geht es für mich weiter, er hilft auch noch bei Literatur, ich steh´ fast ganz oben auf der Leiter; da stellt sich mein Gehirn auf stur. Ich muss jetzt zocken – Gott steh mir bei – Herr Jauch schaut schon ganz fassungslos, da sag ich trocken: Antwort B, ich bin so frei und denk bei mir: Was mach ich bloß? Dank Werbung steigt die Spannung an, ich muss mich fast erbrechen. Das Publikum hält den Atem an, als Jauch anfängt  zu sprechen: „Sie fallen tief, falls Sie´s verzockt, aber für ´ne Änderung ist´s eh zu spät. Die Antwort ist jetzt eingelockt, mal sehn, ob´s für Sie weitergeht. Das Nächste, was ich höre, ist: Jawoll! Sie haben gewonnen, ist das nicht toll? Ich kann´s kaum fassen, bin außer mir. Lieber Günther, ich danke dir. Und mein Fazit dieses Abends ist: es war gar nicht so schwer bei „Wer wird Millionär“.“


"Speisen die Erotik des Alters"
918. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 10.1.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Die Poesie ist die Nahrung des Herzens, und fürs leibliche Wohl sind die Speisekarten da. Für Wilhelm Busch sind Speisen die Erotik des Alters, für unsere geneigten Leser jetzt eine neulich an einem Silvesterabend erlebte zauberhafte Speisefolge: „Menü! Dreierlei vom Wildgeflügel: Fasanenbrust auf Rahmkraut, geräucherte Gänsebrust mit Apfel-Honig-Salat und Barbarie-Entenbrust mit Quitten-Chutney; Champagner-Schaumsüppchen mit Spinat und Jakobsmuschel; Rinderfilet „Wellington“ im Blätterteig mit einer Burgundersauce, Navetten und getrüffelten Herzoginkartoffeln oder Rehrücken im Wirsingmantel mit einer Wacholder-Rahmsauce, Apfel-Wildleber-Ingwer-Ragout, glaciertem Rosenkohl, Rotkohl und Kartoffel-Pastinaken-Püree oder Seezunge „Müllerin Art“ mit Sauce Remoulade, zerlassener Butter, Petersilienkartoffeln und gemischtem Salat. Warmer Schokoladenauflauf mit Holunder-Birnen-Mousse, Cognac-Quitten und weißem Nougat-Eis“.


Lewandowski's satirische Jahresvorschau
917. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 1.1.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Zum Jahreswechsel wünschen wir allen das Allerbeste! Und wir haben den Gastkolumnisten Harry Lewandowski zu einem Kommentar eingeladen. Bei Harry Lewandowski handelt es sich um eine erfundene Figur der Comedy-Branche; bei seiner nun nachfolgenden satirischen Jahresvorschau handelt es sich um Kunst, deren Freiheit durch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland gesichert wird: „ Hier meldet sich Ihr Harry Lewandowski, der Küster von der Gemeinde. Derzeit laufen ja wieder viele Jahresrückblicke, das kann doch jeder, aber in die Zukunft gucken, das kann nur ich, Harry Glaskugel Nostradamus Lewandowski. Eins ist klar für 2019, und zwar, der 1.FC Köln steigt wieder auf, wenn auch mit dem HSV zusammen, auch wenn Fortuna absteigen müsste. Dann geht die Trump-Ära zu Ende, aber hier sei noch nicht verraten warum, denn dann könnte die NSA eingreifen, und das noch im letzten Moment verhindern. Außerdem hat die Groko zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, nämlich die Knappheit an billigem Wohnraum und den Klimawandel, denn die Baumhäuser im Hambacher Wald werden nicht abgerissen; und es tun sich neue Möglichkeiten in der elektronischen Überwachung auf: gegen eine kleine Gebühr kann man sein Geburtsdatum ändern und steht beim Parshippen etwas jünger dar. Und nun kommt´s: die AfD schaltet ihre Lehrer-Denuziationsportal ab, nachdem eine 12jährige Schülerin im Lächeln ihres Lehrers den Robert Habeck zu erkennen zu glaubte, das meldete sie, das wurde weitergereicht und der Lehrer wegen lächerlichen Lächelns vom Dienst suspendiert. Dann gibt es natürlich wieder noch jede Menge Kirchentage mit einigen besonderen Mottos, so: Jage den Frieden, wo du nur kannst. Und das ist für 2019 hier unser utopischer Service. Folgende Kriege werden 2019 friedlich beendet: Syrien, Jemen, Mali, Afghanistan,…stop, stop, stop, da kann die deutsche Wirtschaft doch keine Gewehre mehr verkaufen, und wir uns gemütlich gesättigt zurücklehnen in unseren Strebergärten. Übrigens, und das ist immer noch keine Relotius-Fake-News: die Neustädter Zeitung geht ins 47te Jahr und diese Kolumne hat auch schon über 20 Jahre aufm Buckel. Also macht es 2019 alle gut und lest fleißig weiter, denn nur wer sich eine Meinung bildet, darf die Meinungsfreiheit nutzen. Euer Harry Nostradamus Lewandowski!“


"Unser Licht"
916. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 19.12.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Paul Cornelius hat uns zu dieser dunklen Zeit ein kleines , leuchtendes Gedicht geschickt: „Unser Licht“ „Das Licht, du siehst es nicht; es scheint für dich und leuchtet für mich. Es durchdringt die Nebel und kommt durch die Nacht, erfüllet die Lichtung mit leuchtender Pracht. Auch wenn du es leugnest, das kümmert es nicht, du bleibst doch geborgen in seinem Gedicht.“


Vom Schauspieler zum Weihnnachtsmann
915. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 12.12.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Heute äußert sich ein Weihnachtsmann (Name ist der Redaktion bekannt) kritisch zu dem ganzen Adventsrummel: „Als Kind glaubte ich an den Weihnachtsmann, als ich älter wurde, glaubte ich nicht mehr dran, als ich Kinder bekommen hatte, wurde ich zum Weihnachtsmann; jetzt kommen die Enkel, und ich sehe aus wie der Weihnachtsmann. Haben wir diese ganze Glitzer-Glaubens-Wünsche-Welt denn überhaupt nur für die Kinder erfunden? Entscheidet sich am lebensfördernden Umgang mit den Kindern unsere wirkliche Humanität, weil sie noch klein sind, weil man ihnen noch alles erzählen kann, weil sie noch alles glauben, auch das gute Ende, auch das noch: Friede auf Erden? Thomas Mann meinte dazu in seiner Weihnachtsansprache 1940: „In heidnisch-germanischer Urzeit war es das Fest der Wintersonnenwende, der Wiedergeburt des Lichtes aus der Winternacht, des Anbruchs neuen Weltentages“. Das liest sich in dem evangelischen Magazin „Chrismon“ von 12.2018, Seite 4, heute so: „ Die Sonne hört also auf, jeden Abend ein bisschen früher zu verschwinden. Der Urmensch sieht es ein Mal – und glaubt es kaum. Er sieht es zwei Mal, da kommt er ins Grübeln. Beim dritten Mal, dem 24. Dezember, ist er sicher: Das Licht kommt zurück ….eine ganze Milchstraße voller Sterne, Millionen und Abermillionen. Und der ganze Aufwand für ein kleines Kind.“ Und Thomas Mann weiter: „Dann wurde das junge Licht zum Kind in der Wiege, der Krippe von Bethlehem; das Fest zum Geburtstag des Menschensohns und Heilands, dessen großes und mildes Herz ein neues Menschheitsgefühl, eine neue Sittlichkeit in die Welt brachte,…“. „Kinder an die Macht“ möchte man da mit Grönemeyer rufen: „Die Armeen aus Gummibärchen/ Die Panzer aus Marzipan/Kriege werden aufgegessen/ kindlich genial/ Es gibt kein Gut, es gibt kein Böse/Es gibt kein Schwarz, es gibt kein Weiß/Es gibt Zahnlücken/Statt zu unterdrücken/Gibt's Erdbeereis auf Lebenszeit“. Okay, Grönemeyer singt noch immer, aber wir wissen es besser: Kinder können auch anders! Da bleibt mir doch nur noch der Weihnachtsmann, mein eigentliches komödiantisches Fach. Als genialer Schauspieler begonnen ende ich nach Marktschreier und Schießbudenfigur im rotweißen Ganzkörperkostüm mit verdeckter Charaktermimik. Na denn: Frohe Tage für alle!“


Weihnnachtsmärkte«
914. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 26.11.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Allenthalben beginnen die Weihnachtsmärkte im Neustädter Land, lange genug angekündigt durch die Dominosteine im August. Jetzt heißt es: Aufgepasst! Vielleicht finde ich was Besonderes für meine Lieben dort. Im Juni hatte ich die besten Ideen für Weihnachtsgeschenke, hab mir alles feinsäuberlich aufgeschrieben. Leider hab ich vergessen, wo der Zettel ist. Und bevor ich – wie im letzten Jahr – am Heiligmittag in der Einkaufsstraße den sich schließenden Geschäften nachjachtere, geh ich gerne auf die Weihnachtsmärkte und suche nach kleinen, schmucken Gelegenheiten, auch wenn meine Frau mir gesagt hat, dieses Jahr schenken wir uns mal nichts: ein Socken-Abo dürfte wohl immer noch drin sein. Es ist die Zeit angebrochen, in der das Wünschen vielleicht nicht mehr hilft, aber viel verschenkt wird. Joachim Ringelnatz hat da für uns einen besonderen Tipp zum Thema „Schenken“: „Schenke groß oder klein, aber immer gediegen. Wenn die Bedachten die Gabe wiegen, sei dein Gewissen rein. Schenke herzlich und frei. Schenke dabei, was in dir wohnt an Meinung, Geschmack und Humor, so dass die eigene Freude zuvor dich reichlich belohnt. Schenke mit Geist ohne List. Sei eingedenk, dass dein Geschenk - Du selber bist.“ In diesem Sinne viel Glück! Und viel Erfolg!


»Lichter im Advent – der etwas andere Adventskalender«
913. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 17.11.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Sie erschafft sich mit dem Erfinden von Geschichten den perfekten Gegenpol zu ihrem Beruf als technische Redakteurin. Wenn sie also nicht gerade Bedienungsanleitungen schreibt, erweckt sie leidenschaftlich gern skurrile Charaktere zum Leben. Und zwar sowohl mit dem Zeichenstift als auch mit der Tastatur: die Neustädter Autorin Susanne Fletemeyer, Jahrgang 1967. 2012 schrieb und illustrierte sie ihr Advents-Kinderbuch „Jaskar und der Weihnachtsengel“. Ihr Romandebüt "Finde mich! - Glück in kleinen Dosen" erschien 2016. Jetzt liest sie aus ihrem neuesten Buch »Lichter im Advent – der etwas andere Adventskalender«, Kurzgeschichten zur Advents- und Weihnachtszeit. So nennt sich die Sammlung von 29 Autorenkolleginnen aus ganz Deutschland. Beginnend am 24.11. im Kloster Mariensee und am 12.12. bei der Weihnachtsfeier im Lokalradio Neustadt und am 19.12. beim Kulturstammtisch. Als Kostprobe hier der Anfang ihrer Geschichte: „Der Wein simmerte bereits, sein würziger Duft breitete sich in der Küche aus. Meta drehte die Kochplatte auf eins, warf das Blatt des Weihnachtssterns hinein und rührte. Sieben Mal. Gegen den Uhrzeigersinn. Das war wichtig. Mit einem Mörser zerkleinerte sie das Bilsenkraut, schabte es in den Topf, rieb etwas Muskatnuss hinein und gab zum Schluss eine Zimtstange und etwas Vanille dazu. »So! Fehlt nur noch das Hasch.« Sie drehte sich zu Ursel um und holte die kleine Plastiktüte aus ihrer Handtasche.“ Und da Susanne Fletemeyer auf dem Weihnachtsmarkt am Samstag, dem 1.12.2018 in Bordenau anderweitig engagiert ist, dürfen wir, die vorlesenden Bordenauer, ihre Geschichte ab 16.40 Uhr vorlesen. Die Lesung richtet sich diesmal besonders an Erwachsene, nicht an Kinder!!


"Blätterfall"
912. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 4.11.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Heute verdanken wir einmal wieder Christian Morgenstern (1871-1914) ein vermeintlich heiteres Herbstgedicht mit dem Titel „Blätterfall“: „Der Herbstwald raschelt um mich her.../Ein unabsehbar Blättermeer/entperlt dem Netz der Zweige./Du aber, dessen schweres Herz/mitklagen will den großen Schmerz —/sei stark, sei stark und schweige!/Du lerne lächeln, wenn das Laub,/ dem leichten Wind ein leichter Raub,/hinabschwankt und verschwindet./Du weißt, dass just Vergänglichkeit/das Schwert, womit der Geist der Zeit/sich selber überwindet.“


Auf und davon in der Textschmiede Wunstorf
911. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 14.10.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Wo lesen wir? Und vor allem: welche Lesungen besuchen wir? Doch wohl oft genug diejenigen Lesungen in unseren Kommunen, die von den Zeitungen vorgestellt werden. Demnach bleiben wir oft innerhalb unserer Gemeinden und Dörfern „stecken“. Dabei greift doch die Neustädter Zeitung manchmal über die Stadtgrenzen hinaus, z.B. nach Rodewald oder Hannover. Heute wollen wir Sie, geneigte Zuhörer, nämlich zu einer besonderen Veranstaltung über die Stadtgrenze hinaus nach Wunstorf einladen: zu der Lesung der „Textschmiede Wunstorf“ am nächsten Sonntag, dem 21. Oktober 2018, ab 16.00 Uhr im Gemeindehaus der Corvinus-Gemeinde, Arnswalderstraße in Wunstorf. Thema: „Auf und davon“. 1994 fanden sich erstmals schreibfreudige Frauen unter dem Dach der Stiftskirchengemeinde in der "Schreibwerkstatt am Stift" zusammen. Unter der Leitung von Ulla K. Meyer wurde eifrig geschrieben und an den Texten gewerkelt. Als erstes gab es die Anthologie "Wortgestöber". Die Teilnehmer erlernten das Handwerk des Schreibens und erdachten im Laufe der Zeit nicht nur Märchen, Kurzgeschichten, Krimis und Gedichte, sondern auch die Buchprojekte „Hexenjungfern" und "100 Jahre Zeit". Seit 2015 treffen sich nun schreibinteressierte Frauen und Männer unter dem Dach der Corvinus-Kirchengemeinde, um in der "Textschmiede" gemeinsam und ohne besondere Leitung ihrem schönen Hobby nachzugehen. Der Eintritt zu dieser Lesung ist frei, es gibt Schmalzbrote und Getränke, und die Texte der Lesung sind in einer Zusammenstellung erhältlich. Auch so, ja, ein Neustädter Mitbürger schreibt da auch noch mit: Martin Drebs, Ko-Leiter der Initiative „Bordenau – Unser Dorf liest“. Und Bordenau hört zu! Wer aus Neustadt zu der Lesung kommen wird und diesen Zeitungsartikel mithat, bekommt ein Schmalzbrot extra! Musikalisch begleitet wird die Lesung übrigens von Matthias Schwieger, aus Wunstorf!


Lügen
910. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 26.9.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Lügenbaron Münchhausen heute? „Lügner lügen ihre Lügen so, wie sie glauben lügen zu müssen, damit Menschen, die nicht wissen, dass Lügner lügen, denken, sie würden nicht belogen werden von Lügnern, die aber gar nicht wissen, wie sie lügen müssten, damit ihre Lügen so wären, wie sie eigentlich sein müssten, um die Lüge für jene zur Wahrheit zu machen, die nicht glauben belogen zu werden und denken, dass diese Wahrheit keine Lüge wäre, wenn in Wahrheit solche Wahrheit Lüge ist.“ Und Montag und Mittwoch in Bordenau! Der Text stammt aus der Feder von Peter Tenge. Denkt mal drüber nach!


Rätselecke
909. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 13.9.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

„Da jedes Wort selbst eine Ungenauigkeit und damit eine Unwahrheit darstellt, kann Sprache kein Fundament der Wahrheit sein“, schreibt Friedrich Nietzsche, so in dem Sinne, ich spreche zwar, weiß aber nicht, was ich denke. Aber Worte können andere Worte erraten, auch wenn man dabei um die Ecke denken muss. So gibt es in vielen Zeitschriften diese besonderen  Rätsel, eine Art Synapsengymnastik.  Und sie haben herrlich-amüsante Fragestellungen: „Lebensbund mit drei Buchstaben“ ist da noch leicht; Lösung: EHE. Bei „Nachtvogel mit Badezimmerteil!“ für „Eulenspiegel“ ist da schon schwieriger. Und wonach fragt etwa: „Recht taub für hü-Rufe: Störungen im Eindruck der Blattplattheit“? Lösung in Spiegelschrift: „NERHOSLESE“,  entnommen einem ZEIT-Rätsel und veröffentlicht in: Eckstein, Um die Ecke gedacht, München 2018, S.21. Die Urheberschaft ist hier so genau gekennzeichnet, weil etwa 100 Bürger in Deutschland vom Rätselerfinden leben. Übrigens der Witz besitzt keine Urheberrechte. „Man beginnt als Genie und endet als Redakteur für die Rätselecke“, meint Sebastian Haffner. Vielleicht gibt es deshalb in dieser unserer Neustädter Zeitung noch keine Rätselecke. Noch ein Gedankenspiel in eigener Sache: Gesucht wird „Teil süddeutscher Großstadt mit vandalischem Ende, insgesamt Erfinder der Fake-News“. Lösung wieder  in Spiegelschrift: NESUAHHCNÜM. Dazu Anfang Oktober mehr in Lügenau, ähh, Bordenau.


Münchhausen in Bordenau
908. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 29.8.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Anfang Oktober kommt es in der Metropole unseres Kulturdorfes unter dem Titel „Münchhausen in Bordenau“ zu den großen Festspielen mit Lesung, Musik und Film. Geschichten, Lügen und Fake News türmen sich da zu einem unglaublichen Ereignis. Und wir, die wir uns auf Sprache und Wörter stützen, sind verunsichert. Friedrich Nietzsche meinte dazu, dass jedes Wort selbst eine Ungenauigkeit und damit eine Unwahrheit darstellt, somit kann Sprache kein Fundament der Wahrheit sein. Da Menschen jedoch gesellschaftliche Wesen sind und ihre Sprache darum traditionellen Mustern folgen muss, besteht Wahrhaftigkeit in der moralischen „Verpflichtung, nach einer festen Konvention zu lügen“. Dennoch ringen wir um die Wahrheit. Nietzsche schreibt dazu: „Wer nicht lügen kann, weiß nicht, was Wahrheit ist“. Das erinnert doch sehr an die Geschichte von den beiden Dörfern - Bordenau und Poggenhagen? - : In dem einen Dorf lügen alle, in dem anderen sagen alle die Wahrheit; nun begegnen sich zwei zwischen den Dörfern, am Fährhaus?. Sagt der Eine: Ich lüge nicht, nie! Sagt der Andere: ich lüge auch nicht! Wer kommt aus welchem Dorf und Wer sagt die Wahrheit? Die Antworten darauf Anfang Oktober in Bordenau, der Film von 1943 mit Hans Albers läuft übrigens am 2.Oktober im Cinema Neustadt im VHS-Gebäude, dann liegt der Rübenberg für ein Paar (zwei) Stunden am Rettmer Berg, am Hohen Ufer in Bordenau. Alternative Fakten halt! Und auch ein gewisser Trump wird nur einmal im gesamten Programm erwähnt. Marginalisieren durch Verschweigen. Aber das ist wieder ein anderes Thema.


„Für Marita“
907. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 22.8.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Paul Cornelius hat uns wieder ein putziges Sommer-End-Liebes- und Ehegedicht geschickt; er nennt es „Für Marita“: „Der Sommer bricht/Die Schwalben fliegen um ihr Leben/Und betteln um ein letztes Licht/Im Hag verwittern letzte Reben/Vorbei das sommerliche Leben/Herbei das herbstliche Bestreben:/So viel Suchen und Finden war lange nicht/Dafür hab ich dich schließlich geehelicht!“


Schulanfang
906. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 8.8.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Jetzt geht´s - wieder -los: Schule! Ende der Ferien! Ist das blöd? Nein, ihr dürft euch glücklich schätzen, was lernen zu können von der Größe und Schönheit der Welt. Manche werden lesen lernen, einigen fällt das schwerer, andre sagen, mehr ist das nicht, die paar Buchstaben zusammensetzen. Doch lernt weiter! Denkt weiter! Es ist eure Zukunft, euer Glück. Ihr werdet neue Fächer kennenlernen wie Erdkunde und Computer und andere. Doch eine Bildung solltet ihr besonders beherzigen: die Herzensbildung. Das könnte glücklich machen, denn: "Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu and´rer Glück; denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück." In diesem Sinne: allen einen guten Start!


"Hochsommer"
905. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 1.8.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Das folgende Gedicht von Emanuel Geibel (1815-1884), das passt doch in unseren „Hochsommer“, oder?
„Von des Sonnengotts Geschossen
Liegen Wald und Flur versengt,
Drüber, wie aus Stahl gegossen,
Wolkenlose Bläue hängt.
In der glutgeborstnen Erde
Stirbt das Saatkorn, durstig ächzt
Am versiegten Bach die Herde,
Und der Hirsch im Forste lechzt.
Kein Gesang mehr in den Zweigen!
Keine Lilie mehr am Rain! –
O wann wirst du niedersteigen,
Donnerer, wir harren dein.
Komm, o komm in Wetterschlägen!
Deine Braut vergeht vor Weh –
Komm herab im goldnen Regen
Zur verschmachtenden Danae!“


Bürgerentscheid
904. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 22.7.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Hier meldet sich unser Komiker Harry Lewandowski, der Küster von der Gemeinde: „Leute, jetzt gibt es in Neustadt einen echten Bürgerentscheid über das neue Rathaus(die Neustädter Zeitung berichtete), da macht bloß alle mal mit, mehr Demokratie gibt es nicht, wenn uns Bürger schon der Rat nach seinem eigenen Haus befragt; geht dir der Rat aus, geh zum Rathaus, ha! Aber einiges ist da doch schon komisch dabei: erstmal ist der Abstimmungstext von vor vielen Jahren, den der Verwaltungsausschuss – glaub ich – damals abgeschmettert hatte, und der passt schon gar nicht mehr: das Haus, das die Stadt nicht kaufen sollte, gibt es gar nicht mehr zu kaufen. Dann müsst Ihr unheimlich aufpassen bei der Fragekonstruktion mit Ja oder Nein, am besten Ihr lest euch den Text erst gar nicht durch, da wirste nur verrückt, sondern merkst dir: wenn du für den schmucken, bunten Neubau in der Innenstadt bist, dann musst du mit Nein stimmen, wenn du willst, dass die an der Nienburgerstraße so weiterwerkeln, musste mit Ja stimmen,das wird billiger, sagen die, die Ja vorschlagen, obwohl ich vermute, von den eingesparten Millionen merken die Ausstattungen der Feuerwehr und Schulen auch nicht gleich was. Mancher Befürworter will alles näher am Auenland halten, achtet dabei auf die vielen Hobbits! Für diese Ja/Nein- Abstimmungen gibt es übrigens große historische Vorbilder, so damals bei dem Anschluss von Stöckendrebber, so in der Formulierung: „Sind Sie nicht auch der Meinung, dass man nicht hätte usw. usf…..“ . Das ist ja sonne Sache in den deutschen Dialogen: wenn dich einer fragt, ist das nicht so und so, und dann ist das so und du siehst das auch so, dann müsstest du eigentlich mit Ja antworten. Bleibt nur noch die Frage, wie alles ausgeht? Klar scheint zu sein, dass 20 % der Wahlberechtigen Neustadts sich beteiligen müssen, und unsere Zeitung nannte schon die Zahl von 7250 Mitbürgern. Wie die dann allerdings abstimmen, weiß heute noch keiner, denn für Bürgerentscheide gibt es im Moment noch keine Wahlprognosen. Macht also alle mit! Hoffen wir nur, dass es nicht zu weiteren Majestätsbeleidigungsklagen kommt, dann hätten wir hier bald türkische Verhältnisse, und dann muss wohl mancher zurückkehren, zumindest: er kann. Wachsam bleiben! Ihr Harry Lewandowski!“


Der „Löwenzahnflieger“
903. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 17.7.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Leicht und abgehoben wie der diesjährige Sommer kommt unser kleines Gedicht von Paul Cornelius daher, der „Löwenzahnflieger“
„Ich hebe mich mit hundert anderen in die Höhe
Und wandle und wechsle die Schwere in ein leichtes Kleid
Daran ein Fallschirmchen, das mich trägt und weiter treibt.
Der Wind hebt an
Und ich werfe mich hinan.
„Huuuiiiii“ macht es,
Und ich verlasse meine angestammte Heimat, die Erdensonne,
die Wurzeln fallen ab, und die Flügel tragen mich hinfort.“


Die Vermehrung der nutzlosen Dinge
902. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 5.7.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Der Bordenauer Schriftsteller Elmar v.d.Pader macht sich nützliche Gedanken „Von der Vermehrung der nutzlosen Dinge. Ein entscheidender Fortschritt in der Menschheitsgeschichte ist ohne Frage der Faustkeil, der Knüppel, die Erfindung des Rades und die Beherrschung des Feuers! Seit jener Zeit haben die Menschen noch viele andere mehr oder minder nützliche Erfindungen gemacht, wie zum Beispiel die des Zündholzes, des mit Flüssiggas betankten Stabfeuerzeugs und schließlich ein mit wortgebärender Tinte gefülltes Röhrchen, an dessen unterem Ende ein dem Gegenstand seinen bedeutungsvollen Namen gebendes Kügelchen sein von der Füllmenge besagten Hohlkörpers befristetes Dasein führt. Als nämlich unsere frühesten Vorfahren die Sprache entdeckt und in der Folge dieses Meilensteins der Evolution auch noch die Schrift erfunden hatten, waren die Weichen gestellt für eine der ohne Zweifel innovativsten Schöpfungen aller Zeiten, den Kugelschreiber. Dieser löste den Federkiel, den Federhalter und am Ende den Füllfederhalter ab und eine wahre Revolution aus. Denn von nun an war es jedermann möglich, überall sein Schreibwerk- und Feuerzeug bei sich zu tragen, welches er sicher mit sich führen und vor allem preiswert erstehen, oder im Falle jenes genialen Schreibutensils einfach mitgehenlassen kann. Kugelschreiber und Feuerzeuge eignen sich seither als ideale Werbeträger, weshalb sie aus unserem modernen Alltag nicht mehr wegzudenken sind und sich milliardenfach in Jacken-, Hosen-, Handtaschen und in allen nur denkbaren Ecken und Winkeln menschlicher Behausungen tummeln. So sie denn nicht vorzeitig abhandengekommen sind, warten sie verborgen in jahrelangem Vergessen darauf, dereinst den Gehorsam zu verweigern und damit der ihnen zugedachten Bestimmung in einem völlig unpassenden Augenblick wieder mal nicht nachzukommen. Während dem Kugelschreiber just dann die Tinte ausgeht, wenn der kunst- und kulturbeflissene Mensch seinen Beitrag zur Literatur auf Zeitungsränder, Bierdeckel, Servietten und was sonst noch so an Artefakten der Papierindustrie der Abfallentsorgung entgehen konnte, zu notieren gedenkt, hat sein sinn- und gasentleertes Stabfeuerzeug gerade dann den letzten Atemzug getan, wenn es darum geht, stilvoll einem Frühstücksei bei dem nämlichen Ereignis feierlichen Glanz zu verleihen, indem man einer Kerze ein Lichtlein aufgehen lassen will, und zu allem Überdruss in der wie aus dem Nichts herbeigezauberten Zündholzschachtel nur noch die verkohlte Asche ehemals zündender Ideen anzutreffen ist. Das hat zur Folge, dass jenes so geschmähte und im Stich gelassene menschliche Wesen aus den unendlichen Weiten eines geheimnisvollen Kosmos aus Schreib-, Schrank- und sonstigen Schubfächern alle seine verborgenen Schätze hervorholt, die dort mit längst entwichenem Gas auf den Tag des letzten Auftritts und hernach auf die Entsorgung durch die Müllabfuhr warten, so sie nicht, - was allerdings in den meisten Fällen zu erwarten ist -, wieder an ihren alten Platz zurückbefördert werden, wo sie mit all den vertrockneten Kugelschreibern und Resten menschlicher Zivilisation auf die unvermeidliche Wiederentdeckung warten. Es ist schon im höchsten Maße erstaunlich, wie sich manche Dinge wie von Geisterhand vermehren und mit nur geringem Aufwand im Laufe weniger Jahre ein ansehnlicher Fundus vollkommen überflüssiger Nutzlosigkeiten entsteht. Das Unvermeidbare - es geschieht lautlos, selbständig, und es bedarf meist nur sehr geringer Anstrengungen.“


Das Alltägliche
901. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 25.6.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Kroosartig! Und heute putzen wir Südkorea! In hoffentlich sommerlicher Stimmung, für viele die beste Jahreszeit, eigentlich die einzige für die Wassermelone. Annabelle Seubert schreibt dazu in der TAZ vom 9./10.Juni: „Schreib was über das Glück, eine Wassermelone zu tragen, sagen die Kollegen. Über ihre feste Schale, an der die Finger abrutschen. Über die Art, wie das Messer durchs rote Fruchtfleisch gleitet; ein Fest der Farben, dieser saubere Schnitt. Schreib über die seltsame Konsistenz im Mund: Essen, das kracht und zerfällt. Einfach zu Wasser wird. Dass es für jenes Obst, das ein Kürbisgewächs ist und damit eigentlich Gemüse, nur eine Jahreszeit gibt – die beste.“ Lecker, lecker, wie Poesie uns das Alltägliche schmackhaft macht. Weiteres Beispiel ist Pablo Nerudas „Ode an die Zwiebel“: „Zwiebel, leuchtende Phiole, Blütenblatt um Blütenblatt formte deine Schönheit sich, kristallene Schuppen ließen dich schwellen, und im Verborgenen der dunklen Erde füllte dein Leib sich an mit Tau. Unter der Erde ward dieses Wunderwerk, und als dein unbeholfener grüner Trieb erschien und deine Blätter degengleich im Garten sprossen, drängte die Erde ihren ganzen Reichtum zusammen und wies deine nackte Transparenz, wie in Aphrodite das ferne Meer die Magnolie nachschuf, da es ihre Brüste formte, also bildete dich die Erde, Zwiebel…“ Und das war nur der Anfang. Probieren Sie doch mal selbst, ein alltägliches Gedicht zu schreiben, Heinz Ehrhardt hat´s auch mit Melonen und Zitronen versucht. Wie wär´s mit Milch und Honig, mit Wein und Brot? Viel Erfolg dabei!


Martin Drebs, Initiator von "Unser Dorf liest" 

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