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Unser Dorf liest

Arbeitskreis "Unser Dorf liest"

Die aktuelle Kolumne von Martin Drebs

(frühere Kolumnen finden Sie im  Archiv)

 


1147. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 19.7.2024

Da werden Erinnerungen wach!
„Bordenau – Unser Dorf liest“ will eine „LESESTUNDE – mit Geschichten von damals und heute" vortragen. Ausgangspunkt waren Geschichten aus Schulbüchern für die 8. bis 10. Klassen aus den 60er und 70er Jahren. Dramatisch packende, erschütternde Geschichten, die die jugendlichen Gemüter aufrütteln sollten und meist in die berüchtigten Besinnungsaufsätze mündeten – wir erinnern uns zum Beispiel an Georg Brittings „Brudermord im Altwasser“. Schaurig, schaurig! Für unsere geneigte Zuhörerschaft haben wir den Radius der Geschichten noch etwas erweitert; da fallen dann so große Namen wir Fontane, Kafka, Else Lasker-Schüler, selbst Schillers „Wallenstein“ mit seinem Monolog ist dabei. Und auffallend viele Tiergeschichten, auch eine Wolfsfabel von Lessing! Und es haben sich wieder zehn lesebereite Mitbürger gefunden für den 3. Oktober 2024 im Dorfgemeinschaftshaus ab 16.00 Uhr. In zwei konzentrierten Stunden wollen wir zusammen mit Musiker Andreas Hagemann, der auch „Mundorgellieder“ aus dieser Zeit antönen wird, das Publikum auch an dessen eigene Schulzeit erinnern – mit einer entsprechenden Pause dazwischen. Deutsche Literaturgeschichte vom Feinsten, aber auch moderne Erzählungen sind geplant. Und wir suchten nach besonders schönen Geschichten, die überwiegend fröhlich, aufmunternd und menschlich sein sollten – in einer Zeit, die das ebenso gut vertragen kann wie unsere hochverehrte Zuhörerschaft. Wir haben gewählt; wir mussten reduzieren! Jetzt geht es nur mehr um die Reihenfolge. Und die Altrewa-Stiftung unterstützt uns bei den Kosten, denn die Kulturtöpfe der Stadt sind lange leer! Dafür bleibt der Eintrittspreis erträglich.


1146. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 12.7.2024

Fabelhafter Autoritarismus und dessen reale Folgen am Beispiel der Frösche, die einen König haben wollen!
„Müde der Demokratie, schrien die Frösche tausendtönig,
Und nicht eher ruhten die Schreier, bis einem Herrn sie Zeus macht' untertänig.
Vom Himmel fiel herab ein höchst friedfert'ger König;
Doch macht sein heft'ger Fall solch einen Lärm, dass sie,
Dieses Volk der sumpf'gen Strecken, dumm wie's ist, und leicht zu schrecken,
Schnell im Wasser sich verlor, unterm Schilf, im Binsenrohr,
In den Löchern des Morastes, und lang' sich nicht getraut ins Angesicht des Gastes zu schaun; denn ihnen kam er wie ein Riese vor. Nur ein Klotz lag da im Moor;
Doch seine stumme Würd' erregte Furcht und Grauen dem ersten, der sich vorgewagt aus seiner Höhl', ihn anzuschauen.
Er naht sich ihm, doch sehr verzagt; ein zweiter, dritter folgt, bald kommt herbeigejagt ein heller Hauf', und diese Schlauen sind endlich ganz voll Mut und springen voll Vertrauen
Auf ihres Königs Schulter dreist herum. Der gute Herr lässt sich's gefallen und bleibt stumm.
Bald macht das dumme Volk dem Zeus viel Kopfzerbrechen:
»Gib uns 'nen König, der sich regen kann und sprechen!«
'Nen Kranich sendet nun der Götterfürst den Frechen; der beginnt sie abzustechen und zu speisen nach Begier.
Wie die Frösche Klag' erheben, spricht Zeus: »Potz Blitz! Was wollt ihr? Sollen etwa wir nur euren Launen stets nachgeben?
Zunächst war's wohl der klügste Rat, zu wahren euren alten Staat.
Da dies nun nicht geschehn, so musst' es euch genügen,
Dass euer erster Fürst voll Mild und Sanftmut war.
Den hier behaltet, um nicht gar vielleicht 'nen Schlimmern noch zu kriegen!«“
(Jean de la Fontaine)


1145. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 5.7.2024

Kindliche Spielfreude überwältigt Millionäre!
Gut, die Fußballeuropameisterschaft der Männer läuft, immer noch besser als jeder Krieg zwischen den Völkern! Obwohl Bill Shankly (1913-1981), schottischer Fußballspieler und -trainer, gesagt hat: "Einige Leute halten Fußball für eine Sache von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es viel ernster ist!" Doch nicht wie zur Zeit der Brot-und-Spiele-Politik im römischen Reich, bei der in den Arenen die Massen ihren Siegestaumel feierten, liegt die Sache bei diesem runden Ding, das ins Eckige muss, doch etwas anders. Das liegt am Spielgerät, dass nämlich der Ball – für manche Philosophen ein Symbol für die Welt, so unkalkulierbar bleibt. Zwar kann man ein Spiel auch lesen, aber nach Martin Heidegger bleibt ein Rest von Unberechenbarkeit beim Tritt nach dem Ball. Umso mehr freut sich der Spieler, wenn er richtig trifft, beziehungsweise andersrum den Ball erfolgreich abwehren kann. Und so freute sich der Spieler Rüdiger noch in der vorletzten Minute des vorletzten Spiels, als ihm das gelang, bereits am Boden liegend überschwänglich wie ein Kind über seine gelungene Aktion. Und plötzlich waren nicht nur die Millionen an den Bildschirmen begeistert, sondern auch die Millionäre von der eigenen Spielfreude überwältigt. So bleibt der Fußball immer ein Spiel, eine Simulation des Kampfes auf Leben und Tod, aber immer noch besser, als ginge es wirklich um die Vernichtung des anderen!


1144. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 28.6.2024

Bedrohte Idylle!
In der Leineniederung zwischen Hannover und Neustadt, einer Landschaft von herber Romantik, steht das Riedhaus. Es ist ein einfaches Gebäude, gedacht als Wohnhaus für Wochenenden und Ferienzeiten. Erbaut wurde es zwischen den beiden Weltkriegen von einer losen Gemeinschaft Hannoveraner Familien, die der Wandervogelbewegung nahestanden. Für die Kinder der Familien war es ein Freizeitparadies; sie nutzten es als Abenteuerspielplatz, erlebten hier ihre Kindheit und später ihre ersten Liebschaften. Karl schreibt 1939 über die Umgebung: „Du kannst sagen, was du willst, aber ich finde diesen Weg entschieden schön. Er führt wie eine schmale Spur mitten durch den Kiefernwald. Wenn du zufällig einmal vom Rade steigst und dir so nebenbei die herrlich verkrüppelten und vom Sturm verzerrten Stämme ansiehst, dann kannst du leicht blaue Wunder erleben. Aber du musst schon ein wenig Gespür für solche Sachen haben. In der Kunstgeschichte steht sowas ja nun nicht. Jedenfalls müsste es da schon komisch zugehen, aber ich sage dir nochmal, dass hier mehr von Schönheit und Form zu lernen ist als in der dicken Schwarte. Wenn du aber mal durchs Unterholz schaust, oder wenn du weißt, dass linkerhand die Sanddünen mit ihren Steilhängen liegen, hinter denen der große Fluss fließt, ich meine, wenn du immer weißt, wenn du so dahinfährst, auch wenn du gar nicht daran denkst, dann kannst du mir nachfühlen, was für einen schönen Tag ich unter den Pedalen habe.“ Doch die Idylle ist bedroht, die Herrschenden haben in die katholische Jugendgruppe einen Spitzel eingeschleust; kurz vor Kriegsbeginn spitzt sich dann die Lage zu – so in dem nächsten Buch „Das Lieben der Anderen“ von Paul FF. Cornelius.


1143. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 21.6.2024

Man spricht Deutsch, wir lesen Kafka!
Und zwar mitten in Japan! Im Literaturkreis der VHS Hannover-Land unter der jahrzehntelangen Leitung von Martin Drebs wird KAFKA AM STRAND des weltbekannten Autors Haruki Murakami gelesen. Aber können wir das alles verstehen? Dazu hatte der vor Jahrzehnten aus der Frauenbildung hervorgegangene Lesekreis in dieser Woche kompetenten Besuch: Rohi Taguchi, japanische Soziologin und Dolmetscherin vom Vorstand der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Hannover, kennt Murakamis Gesamtwerk und berichtete über Leben, Werk und Wirkung in Japan und der Welt. Im Gespräch mit den interessierten Teilnehmern entfaltete sie auch den kulturhistorischen Hintergrund. So wurde die Geschichte um den jungen Kafka Tamura und seine Ausreißer-Geschichte und seine vielfältigen Erlebnisse und Erfahrungen für die Teilnehmer verständlicher. Wir lernen den irren alten Nakata kennen, der nach einer rätselhaften, monatelangen Bewusstlosigkeit während seiner Kindheit im Zweiten Weltkrieg das Erinnerungsvermögen verloren hat, und die bezaubernde Saeki-san, Nakatas Gegenfigur, die eine Bibliothek leitet und unentwegt an ihren Erinnerungen schreibt. Die große Liebe, die ihr als Fünfzehnjährige begegnete, lässt sie nicht mehr los. Sie lebt so bedingungslos in der Vergangenheit wie Nakata in der Gegenwart. Dabei tritt auch immer wieder KRÄHE auf, Tamuras innere Stimme, und Krähe heißt auf Tschechisch Kafka. Und kafkaesk sind auch die vielen Erzählebenen des Buches. Deutsch-japanische Kulturbegegnung ist möglich; und im nächsten Semester wollen (fast) alle Franz Kafka lesen. Und wenn dann der Enkel erzählt, er hätte Kafka im Abitur gehabt, dann sagt Oma: den kenn ich auch!


1142. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 14.6.2024

Welch glückliche Fügung!
„Auf dem Vulkan sind wir eigentlich nicht aber Europa üb doch Verzicht auf höchster Weisheit letzten Schluss und wisse dass deiner Geschichte Verdruss deine kommenden Freiheiten lähmt weil du fast sorglos nicht bezähmt hast deine Dämonen des Irrtums die Geißeln des Siechtums deine gottvergessenen Ungenauigkeiten die beizeiten gewiss mit Schwierigkeiten aber doch wie Kleinigkeiten zu bestreiten gewesen wären Würdest du wollen Europa könnte dein Wesen die Spesen des genossenen Genusses bezahlen du könntest dann mit Zukunft prahlen ich wollte deine Geschichten lesen der genießende Genosse ich von Sprosse zu Sprosse wollte ich Europa aufsteigen mit dir in grundgütiger Manier in die von dir miterdachte aufgeschwungene Freiheit.“ (aus: Alexander Tschernek, Welch glückliche Fügung, Ich und Europa )


1141. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 7.6.2024

Ist Europa endlos?
Melancholie ist der Versuch, die Begrenztheit des eigenen Ichs mit der Unendlichkeit des Weltalls zu balancieren. Bei der Europawahl geht es uns ähnlich unendlich, so sind doch 350 Millionen wahlberechtigte Menschen aufgerufen, das sogenannte europäische Parlament zu wählen, eine repräsentative Demokratieform, in der die einzelnen abgegebenen Stimmen in den schönen, endlosen Weiten Europas „verhallen“. So wird unsere Stimme immer weiter in wachsenden konzentrischen Ringen mit der Welt verbunden: über die Familie und Freunde, mit Mitbewohnern im Haus in einer Straße, die führt in eine Siedlung, Flecken oder Dorf als Teil einer größeren Ansiedlung, einer Stadt, einer Region, eine Landschaft. Diese gehört zu einer vielleicht „verspäteten“ oder gar veralteten Nation, im Verbund mit weiteren Nachbarländern – Deutschland hat sogar neun verschiedene Grenznachbarn. Das Ganze wächst sich zu einem Kontinent bis ans Meer und in die Berge aus, und darüber hinaus, bei Irland nämlich: Europa! „Europa ist endlos“ sang damals die Gruppe „Kraftwerk“, und wir bei unseren Fahrradtouren auch! Wie sollte da die Vielfalt der Menschen und Meinungen überhaupt geeigneten Ausdruck finden? Die nicht vorhandene Fünf-Prozent-Klausel erlaubt es auch kleineren Gruppierungen mit weniger Stimmen einen Sitz im Parlament zu ergattern. 34 Listen stehen auf dem Wahlzettel. Doch kein Grund, melancholisch zu werden; denn die Völker Europas stehen vor ihren und gemeinsamen Problemen wie Klimawandel, soziale Sicherheit, Bildung für alle, Gesundheit, Toleranz, Einwanderung, Verteidigung und vielem mehr. So bieten die verschiedenen Parteiungen ihre Lösungen an, und für uns besteht die Möglichkeit, sich mit der einen oder anderen Lösung zu identifizieren im Rahmen einer gemeinsamen Wahl als Begegnung, Austausch und Verständigung. Gute Orientierung bietet auch wieder der Wahl-O-Mat zur Europawahl. Macht mit, denn wer in der Demokratie einschläft, wacht in der Diktatur auf, soll Goethe gesagt haben, aber sicher ist das nicht!


1140. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 31.5.2024

O Freunde, nicht diese Töne!“
Sondern lasst uns angenehmere anstimmen, und freudenvollere. Freude! Freude! Freude, schöner Götterfunken
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng geteilt;
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.
Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu sein;
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
Ja, wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer's nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!
Freude trinken alle Wesen
An den Brüsten der Natur;
Alle Guten, alle Bösen
Folgen ihrer Rosenspur.
Küsse gab sie uns und Reben,
Einen Freund, geprüft im Tod;
Wollust ward dem Wurm gegeben,
Und der Cherub steht vor Gott.
Vor Gott!
Froh, wie seine Sonnen fliegen
Durch des Himmels prächt'gen Plan,
Laufet, Brüder, eure Bahn,
Freudig, wie ein Held zum Siegen.
(Friedrich Schiller,1785)


1139. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 24.5.2024

Wir gratulieren nachträglich!“
„Meisterwerk konkreter Poesie“, so titelte die TAZ am Wochenende einen Artikel über das Grundgesetz. Und weiter: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das deutsche Volk bekennt sich zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Eigentum verpflichtet. Diese Evergreens aus dem Grundgesetz klingen wie eine Hymne auf die Freiheit., Respekt, Solidarität… Höchste Zeit also, dieses unübertroffene Meisterwerk konkreter Poesie – im Wortsinne – zu seinem 75. Geburtstag am 23.Mai wieder zu lesen.“ „Bordenau liest“ rezitierte in seiner Revue zum Tag der deutschen Einheit „Vielstimmigkeit der Deutschen“ neben den Menschenpflichten auch diese Grundrechte. Als Motto stand über all dem: Vom deutschen Untertan zum engagierten Mitbürger, von den Externsteinen zum Verfassungspatriotismus. Die beste Verfassung, die Deutschland je hatte, meinte Helmut Schmidt. Und der verstorbene Bordenauer Historiker Werner Besier schrieb in seinem Geleitwort zur Revue: „Der Mensch ist nicht Objekt der Geschichte. Die Menschen machen ihre Geschichte selber, deshalb müssen sie auch Verantwortung dafür übernehmen.“ Und zur Pflicht zum Zusammenwirken gehört in der Demokratie auch die Pflicht zur Kontroverse (C.Lindner). Und jetzt haben wir - laut Julie Zeh – doch große Angst, dass wir einige von uns über den Streit ganz verlieren könnten, weshalb die Kontroversen immer heftiger geführt werden. Doch wie unter guten Freunden: wir streiten uns doch am heftigsten mit denen, von denen wir wissen oder wünschen, dass sie uns nicht verlassen wie in einer Familie. In diesem Sinne: Grundgesetz lesen und Grundwerte verteidigen!


1138. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 17.5.2024

Unglücklicher Zufall!
"Ich ging wohl hundert Male die Straße ein und aus,
ich stand bei Sturm und Regen vor meiner Liebsten Haus.
Bei Sturm und kaltem Regen stand ich vergeblich dort,
denn die gestrenge Mutter, die ließ sie ja nicht fort.
Ich selber hab dem Regen, ich hab dem Sturm getrutzt,
nur meine neuen Stiefel, die sind ganz abgenutzt.
Und heute, da ich lässig an meinem Fenster steh,
trifft sich’s, dass ich mein Liebchen vorübergehen seh.
Sie nickt und winkt verstohlen, sie sieht mich zärtlich an,
und ich, ich kann’s nicht sagen, dass ich nicht kommen kann.
Ich kann’s ihr ja nicht sagen, dem wunderholden Kind,
dass meine einz’gen Stiefel heut grad beim Schuster sind.“
Wilhelm Busch (1832-1908)


1137. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 10.5.2024

O liebe Mutter!“
Obgleich kein Gruß, obgleich kein Brief von mir,
So lang dir kömmt, lass keinen Zweifel doch
Ins Herz, als wär die Zärtlichkeit des Sohns,
Die ich dir schuldig bin, aus meiner Brust entwichen.
Du hast mich geboren / Und weiß doch nicht woher/Und weiß auch nicht wohin;
So hab ich uns verloren/Nun wundert es mich sehr/ Dass ich noch glücklich bin.
Hab Liebe gesucht, die deiner gleicht. /Hab Hassen verflucht/Das war nicht leicht.
Doch reißt die Kette nicht
Wir ewig Menschenglieder
Aus Leibesdunkel ins Licht
Wir zeugen weiter, immer wieder.
Du starbst ja nicht; du bist hinaufgestiegen
Zu reinen Geistern, meiner Mutter Geist.
Ich weiß, du siehst jetzt betend mich hier liegen;
O komm, o komm, und sag, dass du verzeihst!
Im tollen Wahn hatt ich dich einst verlassen,
Ich wollte gehn die ganze Welt zu Ende,
Und wollte sehn, ob ich die Liebe fände,
Um liebevoll die Liebe zu umfassen.
Weitere Gedichte am nächsten Montagnachmittag mit Johanna Korte im Birkenweg 3a!


1136. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 8.5.2024

JahresZeitenPoesie „Gesichter der Liebe“
Der Mai ist nach der Göttin Maia benannt. Sie war die Schutzpatronin der Fruchtbarkeit. Karl der Große führte im 8. Jahrhundert den Namen „Wonnemond“ ein. Es gibt sechs Gründe, warum der Mai als der beste Monat im Jahr ist. Der Mai ist der Monat der Liebe und der Herzen. Erleben Sie einen romantischen Nachmittag „Gesichter der Liebe“ mit Tee und Lieblingsgebäck am Montag, 13. Mai 2024.
Eine Kostprobe:
Unglücklicher Zufall von Wilhelm Busch (1832-1908)
Ich ging wohl hundert Male die Straße ein und aus,
ich stand bei Sturm und Regen vor meiner Liebsten Haus.
Bei Sturm und kaltem Regen stand ich vergeblich dort,
denn die gestrenge Mutter, die ließ sie ja nicht fort.
Ich selber hab dem Regen, ich hab dem Sturm getrutzt,
nur meine neuen Stiefel, die sind ganz abgenutzt.
Und heute, da ich lässig an meinem Fenster steh,
trifft sich’s, dass ich mein Liebchen vorübergehen seh.
Sie nickt und winkt verstohlen, sie sieht mich zärtlich an,
und ich, ich kann’s nicht sagen, dass ich nicht kommen kann.
Ich kann’s ihr ja nicht sagen, dem wunderholden Kind,
dass meine einz’gen Stiefel heut grad beim Schuster sind.
Die Lesung beginnt um 14.45 Uhr in der Dorfwerkstatt Bordenau, Birkenweg 3a. Der Eintritt ist frei. Anmeldung bei Johanna Korte Tel. 05032 4434


1135. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 3.5.2024

Heraus zum 1.Mai!
Unser Komiker und Küster der Gemeinde, Harry Lewandowski, moniert auf heitere Weise, wie der eigentliche Sinn von Feiertagen durch unzählige Festivitäten überlagert wird: Jetzt war ja wieder der 1.Mai. 1. Mai, verstehen Sie, Tag der Arbeit. Da geht es vom Ansatz her um die Lage der arbeitenden Menschen in unserem Land. Doch was sehe ich mit Blick auf den Veranstaltungskalender, jede Menge anderer Angebote. Es geht los mit dem Tanz in den Mai, okay, aber doch leider mit anschließendem Ausschlafen und eben nicht zur Demo für sichere Arbeitsplätze und höheren Mindestlohn. Dann: großes Maikäfertreffen in Hannover, gemeint sind diese hübschen nostalgischen Volkswägen - doch kein Autokorso mal für die Ampel, wo sonst nur Trecker dagegen! Oder: Großes Westernfest in Neustadt, historisch noch vor dem Haymarket-Debakel, mit dem der 1. Mai als Feiertag begann. Da kommt dann der Westernpastor in Duellmanier auf die „Saloonkanzel“, legt demonstrativ seinen Pistolengurt ab und ruft: Die Waffen nieder! Da hätte man an der historischen Eisenbahn wenigstens einen Bahnführerstreik inszenieren können. Aber am 1.Mai streikt ein John Waynelski nicht. Da waren wir doch froh, dass der 1.Mai diesmal auf einen arbeitnehmerfreundlichen Mittwoch fiel, nicht wie sonst gefühlt „immer“ auf den Sonntag; da konnte man entweder die erste oder die zweite Wochenhälfte Urlaub machen im Freizeitpark Deutschland, in dem man ähnlich wie in Venedig bald auch Eintritt in die historische Altstadt von Quadratichendorf Eintritt zahlen müsste. Mittwochs erschien seinerzeit wenigstens die Neustädter Zeitung, da hätte dann die Losung: „Heraus zum 1.Mai!“ noch seinen Sinn gehabt. So überlagern unzählige Festivitäten den Sinn der Feiertage, was Pfingstmontag christlich los ist, weiß schon keiner mehr. Nur beim Muttertag, da überwiegen noch die lieben Blumen! Da kommen einem doch die Tränen. Oder wollen Sie lieber lachen? Dann wie immer noch ein Witz zum guten Schluss: Zwei Kiffer fahren im Auto, sagt der Eine, fahr nicht so schnell, sagt der Andere: Ich denke, du fährst! Also nächstes Jahr dann aber wirklich: Heraus zum 1.Mai!


1134. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 26.4.2024

Trotz alledem!
Boh! Ist das noch kalt, zu kalt für diese Jahreszeit. Da drängt sich Ferdinand Freiligraths Frühlingsfreiheitslied von 1848 auf:
„Das war ´ne heiße Märzenzeit
trotz Regen, Schnee und alledem
Nun aber, da es Blüten schneit
nun ist es kalt, trotz alledem
Trotz alledem und alledem
trotz Wien, Berlin und alledem
Ein schnöder scharfer Winterwind
durchfröstelt uns trotz alledem

Das ist der Wind der Reaktion
mit Meltau, Reif und alledem!
Das ist die Bourgeoisie am Thron
der dennoch steht, trotz alledem!
Trotz alledem und alledem
trotz Blutschuld, Trug und alledem
Er steht noch und er hudelt uns
wie früher fast, trotz alledem!...

Doch sind wir frisch und wohlgemut
und zagen nicht trotz alledem!
In tiefer Brust des Zornes Glut
die hält uns warm trotz alledem!
Trotz alledem und alledem
es gilt uns gleich trotz alledem!
wir schütteln uns: Ein garst’ger Wind
doch weiter nichts trotz alledem!

Und wenn der Reichstag sich blamiert
Professorenhaft, trotz alledem
Und wenn der Teufel reagiert
mit Huf und Horn trotz alledem
Trotz alledem und alledem
es kommt dazu trotz alledem
dass rings der Mensch die Bruderhand
dem Menschen reicht, trotz alledem!“


1133. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 12.4.2024

Es gibt sie noch!
Die gute Nachricht! Nicht nur, „12jähriger hilft Oma über die Straße“, sondern jene kleine Begebenheit bei uns im Dorf im Einkaufsmarkt: Zwei Kinder hatten sich zwei Limos gekauft, hatten aber nicht genug Geld dabei. Also legte die Verkaufsfachkraft aus ihrer Sammlung kleiner Münzen ein paar Cent drauf. „Die habe ich über aus Münzen, die die Kunden übrighaben,“ räumt sie bescheiden ein. Hier ehren wir sie mit unserem Bericht über die gute Tat! Nun wollen wir nur hoffen, dass nicht die Steuerfahndung Nienburg zuschlägt, um diese kleine besondere Münzsammlung zu beschlagnahmen und die Mitarbeiterin entlassen würde!


1132. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 5.4.2024

Können Menschen sich noch ändern?
Viele Menschen haben schwierige Erfahrungen gemacht, oft die, die fast unüberwindliche Ängste vor andersartigen Menschen entwickelt haben. In dem vielgelesenen Buch des Amerikaners Philip Roth „Der menschliche Makel“ wird beschrieben, wie amerikanische Vietnamheimkehrer - quasi in einer Konfrontationstherapie - lernen, ihre fremdenfeindlichen Traumata zu bewältigen. Ein Psychologe führt sie dazu schrittweise in asiatische Restaurants in Amerika, und sie können lernen, ihre Abwehr, Scheu und Angst vor dem ehemaligen Feind zu überwinden. Wir zitieren einen kurzen Ausschnitt daraus…“Das chinesische Restaurant lag mit der Rückseite zum Fluss am nördlichen Rand von Blackwell…Im großen Fenster war eine flackernde Neonschrift angebracht: The Harmony Palace. Les(ter) brauchte nur den Schriftzug zu sehen, um den letzten Hoffnungsschimmer zu verlieren…Der Fluss aus Blut, den er durchwaten musste, um an dem lächelnden Schlitzauge an der Tür vorbeizukommen und sich an den Tisch zu setzen. Und das Grauen…, als das lächelnde Schlitzauge ihm eine Speisekarte reichte. Die krasse Absurdität, als das Schlitzauge ihm ein Glas Wasser einschenkte. Ausgerechnet ihm!“ Leslie schafft das Therapieprogramm fast erfolgreich: „Les? Les? Das hast du gut gemacht, Lester. Ich habe gesehen, wie du geschwitzt hast, und gedacht: Oh, oh, oh, das schafft er nicht. Du hättest sehen sollen, wie bleich du warst. Ich konnte es nicht fassen. Ich dachte, du würdest den Ober kalt machen.“ Wir sollten wieder mehr ins Gespräch kommen und über irrationale und unbewältigte Ängste sprechen.


1131. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 29.3.2024

Wir werden alle Jünger!
Zum Osterfest die herzlichsten Grüße von Gastkolumnist Anselm Deusgen, der mit einer besonderen Botschaft aufwartet: „Unter den Weltreligionen war die Menschwerdung Gottes durch Christus immer umstritten, sozusagen ein Dorn im Fleische der Wahrheit. Doch was ist, wenn wir uns einmal vorstellen, dass genau das die Botschaft ist: der Herrlichkeit des Geheimnisses der Schöpfung ist für Menschen nachvollziehbar, also für jeden Einzelnen. Es gibt in den Anspielungen in der Bedeutung von Christus eine Reihe von Hinweisen, dass er nur ein Symbol dafür ist, dass jeder Mensch mit seinem Leben und seinem Glauben Zugang zu den Quellen der Weisheit der Schöpfung hat. Diese schöpferische Gegenwärtigkeit erleben wir ja alle gerade zu Ostern: du kannst alles Schlimme ertragen, Verlassenheit, Krankheit und Gekreuzigt-werden, danach ist die Auferstehung möglich – als Überwindung des Leids. In diesem Sinne werden wir alle Jünger in diesen Tagen. Oder um es mit dem Schweizer Theologen und Dichter Kurt Marti zu sagen:
„Ihr fragt
gibt es
keine Auferstehung der Toten?
ich weiss es nicht.

Ich weiss nur
wonach ihr nicht fragt:
Die Auferstehung derer die leben

Ich weiss nur
wozu Er uns ruft:
Zur Auferstehung heute und jetzt“
In dieser zu erwartenden Freude: Frohe Ostern! Wünscht Ihr Anselm Deusgen.“


1130. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 22.3.2024

Reich zu werden traue ich mir nicht zu!
Aber reich zu bleiben! Wir suchen den reichsten Neustädter beziehungsweise die reichste Neustädterin; reich nicht an Geld, Bitcoins, Ländereien oder Bauaufträgen, sondern innerlich reich an Lebensfreude, Sinnhaftigkeit, Geselligkeit, Hilfsbereitschaft und Fröhlichkeit. Wir suchen Zeitgenossen, die sich noch an den kleinen Dingen freuen können:
- An dem Lächeln eines Kindes
- An der Schönheit des Gartens
- An der Zärtlichkeit der Sonne auf seiner Haut
- An dem Geruch des Laubes
- An dem Rauschen der Adlerflügel
- An dem geduldigen Murmeln der Leine
- An dem Nachbarn, der überraschend grüßt
- An dem Anruf eines alten Freundes
- An einem guten Wort zur rechten Zeit
- An einem schönen Gedicht
- Und an der ermutigenden literarischen Kolumne in der Neustädter Zeitung!
Bleiben Sie reich!


1129. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 15.3.2024

Wir lesen weiter – vor!
Dieser Tage trafen sich einige Mitglieder der Initiative „Bordenau – Unser Dorf liest“ und beratschlagten, was denn in diesem Jahr im Herbst zu lesen beziehungsweise vorzulesen sei. Zwei Möglichkeiten tun sich auf: Zum einen könnten wir zum dritten Mal in Bordenau Florian Illies lesen. Diesmal mit seinem kulturhistorischen Buch: „Zauber der Stille: Caspar David Friedrichs Reise durch die Zeiten“. In seiner groß angelegten Reise durch die Zeiten erzählt Florian Illies erstmals die Geschichte der Bilder Friedrichs: Zahllose seiner schönsten Gemälde sind verbrannt, erst in seinem Geburtshaus und dann im Zweiten Weltkrieg, andere, wie der "Kreidefelsen auf Rügen" tauchen hundert Jahre nach Friedrichs Tod aus dem Nebel der Geschichte auf. Illies erzählt, wie Friedrichs Bilder am russischen Zarenhof landen, zwischen den Winterreifen in einer Autowerkstatt der Mafia und in der Küche einer hessischen Sozialwohnung. Von Hitler so verehrt wie von Heinrich von Kleist, von Stalin so gehasst wie von den 68ern - am Beispiel von Friedrich werden 250 Jahre deutsche Geschichte sichtbar. Deutsche Literaturgeschichte wird auch an unserem zweiten Projekt deutlich: „Lesestunde“ - Alte deutsche Schulbuchgeschichten aus unserer Schulzeit. Die Idee dazu hatte Peter Tenge, dem selbst ein altes Schulbuch in die Hände fiel. Darin manche eindrucksvolle kürzere und längere dramatische Geschichte, die uns im Gedächtnis haften blieb. Nun suchen wir nach besonders schönen Geschichten, die überwiegend fröhlich, aufmunternd und menschlich sein sollten – in einer Zeit, die das gut vertragen kann. Und unsere hochverehrte Zuhörerschaft könnte es auch interessieren. Wir halten Euch auf dem Laufenden, für was wir uns entscheiden werden.


1128. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 8.3.2024

Politik stürmt Poesie!
Unsere Kolumne bemühte sich stets meistens immer, weltanschaulich überparteilich zu sein, so in dem Sinne, wir machen hier ja nur Gedichte. Oder anders gesagt: Poesie sollte von allen Seiten zugänglich sein. Nun geht das nicht immer und manche finden schon den Ausdruck „Vielfalt“ tendenziös. Und vielleicht wird es gerade in diesem Jahr noch viel schwieriger. Unsere Autorin Elke Horaitis hat uns ein paar ambitionierte Gedanken zu Vergangenheit und Gegenwart geschickt:
Im Märzen der Bauer ….. damals und heute – Gedanken von Elke Horaitis
Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt
Er pflanzt und er schneidet die Bäume im Land
Er ackert, er egget, er pflüget und sät
Und regt seine Hände gar früh und noch spät
Den Rechen, den Spaten, den nimmt er zur Hand
Und ebnet die Äcker und Wiesen im Land
So haben wir oftmals als Kinder gesungen
sind fröhlich dabei im Kreise gesprungen
Nun - seht ihr ein Ross oder gar einen Ochsen?
Die stehn doch zum Schlachten in ihren Boxen!
Nein, effizient muss es gehen, vor allem schnell
die Landwirtschaft wurde industriell
Ein Mensch, ein Traktor mit Riesen-Maschinen -
gedüngt und gespritzt - fort sind die Bienen ...
Insekten sterben und irgendwann
ist niemand mehr da, der bestäuben kann!
Wir haben so viel, weil wir subventionieren
Wir brauchen so viel, weil wir exportieren!!


1127. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 1.3.2024

Auch große Vorleser kommen irgendwann zum Schluss!
In dieser Woche verabschiedete eine große Fangemeinde den Meister des Vorlesens, Hanjo Kesting, bei seinem letzten Vortrag in der Stadtbibliothek Hannover mit einer großen Erzählung der der Weltliteratur. „Bordenau liest“-Kolumnist Martin Drebs war mit einer kleinen Bordenauer Delegation dabei. Hanjo Kesting verdanken wir als Leiter der Hauptredaktion Kulturelles Wort (1973 bis 2006) die Hörfunkreihen „Am Morgen (und am Abend) vorgelesen“, die auch wir Neustädter gerne an den Radios verfolgten. „Dank an den Vermittler der Weltliteratur“, so nannte die Goethe-Gesellschaft bei der Feierstunde den Geehrten. Hanjo Kesting hatte zuvor – zusammen mit der wunderbaren Schauspielerin Son ja Beißwenger - in der Reihe „Erfahren, woher wir kommen“ die Erzählung von Ingeborg Bachmann „Undine geht“ vorgestellt. Der Undine-Stoff gehört zu den traditionsreichen Stoffkreisen der europäischen Überlieferung: Undine ist ein Wassergeist, der erst durch die Vermählung mit einem irdischen Mann eine Seele erhält. In Ingeborg Bachmanns Erzählung von 1961 wird der Mythos dekonstruiert und verabschiedet, wie schon der Titel deutlich macht: „Undine geht“. Hanjo Kesting beschrieb Leben, Werk und Persönlichkeit von Bachmann, deren elfengleiche Zerbrechlichkeit Walter Kempowski einmal bezeichnete als „Tic der Frauen, sie seien gerade aus dem Himmel gefallen.“ „Bordenau liest“ hat seinerzeit auch Ingeborg Bachmanns Gedichte gelesen, zusammen mit der San Marco Presse, Bordenau. Und wir haben aus Kempowskis Monumentalwerk „Echolot“ gelesen. So haben auch wir ein paar Zipfel der Weltliteratur nach Bordenau gebracht – und in dem brüderlichen Sinne verabschieden wir Hanjo Kesting in einen neuen Lebensabschnitt!


1126. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 23.2.2024

Erinnert ihr euch noch an eure Kindheit?
„Es wäre gut viel nachzudenken, um
von so Verlornem etwas auszusagen,
von jenen langen Kindheit-Nachmittagen,
die so nie wiederkamen - und warum?
Noch mahnt es uns -: vielleicht in einem Regnen,
aber wir wissen nicht mehr, was das soll;
nie wieder war das Leben von Begegnen,
von Wiedersehn und Weitergehn so voll
wie damals, da uns nichts geschah als nur
was einem Ding geschieht und einem Tiere:
da lebten wir, wie Menschliches, das ihre
und wurden bis zum Rande voll Figur.
Und wurden so vereinsamt wie ein Hirt
und so mit großen Fernen überladen
und wie von weit berufen und berührt
und langsam wie ein langer neuer Faden
in jene Bilder-Folgen eingeführt,
in welchen nun zu dauern uns verwirrt.“
(Rainer Maria Rilke)


1125. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 16.2.2024

Narren-Nach-Lese!
Das Buch „Lebensabend mit Goldrand oder die zweite Erfindung des Glücks“ kommt aus der Bordenauer Schreibwerkstatt. Der Roman spielt in einer Seniorenresidenz am Rhein und ist - wie ein Jahr – in zwölf Kapitel eingeteilt und endet im Karneval mit einer Büttenrede über die „Narren des Alters“. Wir zitieren hier einige Beispiele:
„Zwölf Narren sind es hier an Zahl
Und keiner hat von euch die Wahl,
ihr seid des Lebens alte Narren,
je oller desto doller mit krachendem Karren.
…Der Neunte schaut nur noch auf Geld,
das, scheint ihm, zählt nur noch,
doch er verliert dabei die Welt
und fällt ins tiefe, kalte Loch.
…Der Ungezählte hat sich ganz verloren
Und redet bald mehr wie ein Kind;
er fühlt sich immer mehr geboren
und ist dabei nur durch den Wind.
…Der Elfte ist schon besser dran,
er kleidet, schmückt sich wie Pfau
und spiegelt sich in allen Spiegeln;
wir finden ihn bei Mann und Frau.
… So ist der Zwölfte dann der wahre Narr,
er weiß, dass er nichts wissen kann;
und seine Masken fallen dann,
er sieht sein nacktes Antlitz an.“


1124. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 9.2.2024

Einen wunderschönen „Guten Morgen“!
Wünscht uns die Bordenauer Dichterin Christine Köpcke:
„Vogelzwitschern
blinzeln
noch einmal umdrehen
Gedankenkarussell auf „Start“
Lohnt es sich, heute aufzustehen?
Gründe abwägen bis zum „Ja“
wohlig räkeln und strecken
Fünf Minuten Morgengymnastik
Frühstückskaffeeduft schnuppern
Hallo Tag – da bin ich!“


1123. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 2.2.24

Wie haben sich die Völker doch gemischt in all den Jahrhunderten!
In unserer Reihe „Historische Kolumnen von Bordenau - Unser Dorf liest“ zitieren wir aus gegebenem Anlass aus Carl Zuckmayers „Des Teufels General“ in der Kolumne vom 27.4.2016.


1122. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 26.1.24

Auch Bücher müssen ab und zu geputzt werden!
Die Bücherbude Bordenau macht Neujahrsputz: aktuelle Bestseller und Neuheiten kommen rein. Da lohnt sich ein Besuch in der Bücherbude Bordenau, um sich für die langen, langsam heller werdenden Winterabende mit aktuellem Lesestoff einzudecken. Zu den Öffnungszeiten der Holunder-Apotheke Bordenau ist das jederzeit möglich. Immer wieder bekommt das Bücherbuden-Team kleine und große Bücherspenden, zuletzt besonders viele aktuelle Krimis aus den 2020er Jahren. So sollen verstaubte Ladenhüter aus dem letzten Jahrhundert aktuellen und gut erhaltenen Büchern nach und nach weichen. Krimis und Romane nehmen viel Raum ein, es gibt aber auch Klassiker, Raritäten, Biografien, Kinder- und Jugendbücher, Sachbücher zu Politik, Geschichte, Gesundheit, Hobbies. Die Regale sind übersichtlich beschriftet und laden zum Stöbern ein. Alle Neuzugänge werden gesichtet, den verschiedenen Literaturgattungen zugeordnet und mit dem Exlibris-Stempel der Bücherbude versehen. Wer seine Begeisterung für ein gutes Buch mit anderen Leseratten teilen möchte, kann es gerne im Tausch im Regal „Rückgaben und Neuzugänge“ abstellen. Oder es in der Dorfwerkstatt Bordenau beim nächsten „Lieblingsbuch-Abend“ am Dienstag, den 19.3.24 von 19 bis 21 Uhr den Zuhörenden vorstellen und schmackhaft machen. Wer mehr als drei aktuelle Bücher spenden möchte, meldet sich bitte bei Martin Drebs unter 05032-1426. “Vielleicht gehört es überhaupt zum Genuss des Lesens, dass man den Reichtum seiner eigenen Gedanken entdeckt“ (Max Frisch)


1121. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 19.2024

Stell dir vor, es ist Frieden, und jeder geht hin!
Am Donnerstag, den 25.1.24, lädt die Friedensinitiative Neustadt/Wunstorf zum kulturellen Neujahrsempfang ins Schloss Landestrost ein. Um 19 Uhr beginnt die Konzertlesung zu dem Thema "Geld, Krieg und Inflation", vorgetragen von Hubert Brieden, Helge Kister und Gerhard Biederbeck. Die Neujahrsansprache wird Gerhard Biederbeck halten. Anlässlich der Pressekonferenz in der letzten Woche hielt Dr. Peter Fast aus Mardorf ein flammendes Plädoyer für die Gewaltlosigkeit: „Die Bedeutung lokaler friedenskultureller Veranstaltungen im Jahr 2024 angesichts steigender Kriegsgefahr. Obwohl Gewaltlosigkeit für das alltägliche Zusammenleben von Menschen unerlässlich ist, hat Gewaltlosigkeit keine Lobby. Gewaltlosigkeit hat in der Öffentlichkeit keinen Raum. Außer (vielleicht) in Kirchen. Gewaltlosigkeit hat keinen guten Ruf. Gewaltlosigkeit gilt als naiv, als Luxus, nichts für richtige Männer. Gewaltlosigkeit wird als Zeichen von Schwäche gedeutet. Dagegen ist Militär(-Gewalt) in Neustadt allgegenwärtig: Wunstorfer Lärm, Militärfahrzeuge auf den Straßen, Menschen in Tarnkleidung im Supermarkt und Neujahrsempfänge mit zivilen Honoratioren. Militär ist in Neustadt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Militär will in Folge der zunehmenden Kriegsgefahr als alltäglicher, normaler Bestandteil unseres Gemeinwesens wahrgenommen werden. Der Soldat soll das gleiche Ansehen genießen wie Feuerwehr, Polizei und Rettungswesen. Und neuerdings auch wieder Vorbild für die Jugend werden. Die behauptete Alternativlosigkeit militärischer Problemlösungsansätze wollen wir durch kulturelle, nachbarschaftliche, lokale Aktivitäten infrage stellen. Den soldatischen Tugenden stellen wir zivile Tugenden gegenüber:
Statt Hierarchie und Gehorsam: Selbstbestimmung und (Zivil-)Courage
Statt Kameradschaft (Kameraderie, Korpsgeist): Solidarität mit allen Menschen
Statt Militärkapellen: Jazzmusik
Statt Opfermut (Bereitschaft zum Heldentod): Freude am Leben.
Statt Feuerkraft und Zerstörungspotential: Kreativität und Fantasie
Statt Drohkulisse: Kommunikation
Statt Durchhaltefähigkeit: zivile Resilienz und Alltagstauglichkeit
Statt Gewaltbereitschaft: Zuversicht und Empathie“


1120. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 12.1.2024

Statt „Bordenau liest“: Karin Glade fördert kleine Leser!
Statt „Bordenau liest“ müsste es eigentlich heißen: Karin Glade fördert kleine Leser! Sie gilt als eine Institution der Vorlesekunst in Neustadt-Bordenau: Seit über 50 Jahren betreut sie die Schülerbibliothek an der Grundschule in Bordenau. Tagsüber ist sie als Büchereileiterin für die Schüler aller Klassen da und nachmittags verleiht sie Kinder- und Bilderbücher auch an die Kleinsten. Leseförderung pur! „Seit Eröffnung der „Öffentlichen Kinder- und Jugendbücherei“,1972 in der Schule – am Rande bemerkt: damals die erste und richtungsweisende Bücherei im Schulbereich Neustadt – also seit damals ist Karin Glade mit Akribie, Fleiß und Kontinuität im Einsatz. Dank ihres Einsatzes, ihrer zielstrebigen kontinuierlichen Arbeit ist die Bücherei in der Schule zu einer aus Bordenau nicht mehr wegzudenkenden Einrichtung geworden,“ schreibt Werner Schmidt 2011 in der Laudatio für die Vergabe des Förderpreises der Stiftung Bordenau und nennt sie treffend: unsere Bibliothe-KARIN! 2004 stand sie bereits an dieser Stelle in unserer historischen Kolumne: „Wie selbstverständlich gehört das Buch dazu, wie eben auch die vergnügliche Lesestunde durch unsere Leserförderin. Und glauben sie wohl, das war immer so gut, dass die Kinder mit Freude wiederkommen. Diese Leserförderung hat seit nun 30 Jahren wunderbar gelungen Karin Glade ausgefüllt. Ihre erfolgreiche Arbeit war auch Auslöser für “Bordenau – Unser Dorf liest“. Und so schließt sich doch der Kreis: gute Leser haben viele Mütter und Väter! Und Karin Glade macht weiter!


1119. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 5.1.2024

Lasst uns das Jahr heiter beginnen!
Es gibt genug schlechte Nachrichten. Und auch an dieser Stelle sind oft tiefgreifende Worte zum Jahresanfang geschrieben worden. Wir wollen es diesmal ein bisschen heiterer angehen. Als wenn das so einfach wäre! Versuchen wir es mit ein paar Witzen. Ein literarischer vorweg: „Gestern schloss die ostfriesische Landesbibliothek. Das Buch wurde geklaut.“ Okay, etwas platt? Dann ein Schulwitz: „Lehrer: "75 % aller Schüler in dieser Klasse haben keine Ahnung von Prozentrechnung." Schüler: "Herr Lehrer, so viele sind wir doch gar nicht!" Dann schon lieber etwas übers Älterwerden - und wie wir uns selbst sehen dabei: „Ich saß neulich im Wartezimmer vor meinem ersten Termin mit dem neuen Zahnarzt. An der Wand hing sein Diplom, auf dem sein voller Namen stand. Plötzlich erinnerte ich mich an einen großen, gutaussehenden, dunkelhaarigen Jungen aus meiner Oberstufenklasse von vor 30 Jahren. Könnte es sich um denselben Jungen handeln, den ich damals so toll fand? Als ich ihn sah, habe ich diese Gedanken allerdings sofort begraben. Da stand ein alternder Mann, dessen graue Haare ausgingen, mit tiefen Falten im Gesicht - der viel zu alt war, um mein ehemaliger Klassenkamerad zu sein. Nachdem er meine Zähne durchgeschaut hatte, frage ich ihn aus lauter Neugier doch, ob er auf die Albert-Einstein-Schule gegangen sei. Völlig überrascht antwortete er: "Ja ... ja ..., ich da bin ich zur Schule gegangen" "Wann haben Sie denn Abi gemacht?" fragte ich. ,,1989. Warum fragen Sie?" war seine Antwort. "Dann waren Sie in meiner Klasse" sagte ich. Er schaute mich etwas verwirrt an... und dann hat mich dieser alte, hässliche, grauhaarige, fast glatzköpfige, zerknitterte Kerl doch glatt gefragt: "Und was haben Sie damals bei uns unterrichtet?"


1118. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 22.12.2023

Friede auf Erden! (Teil 2)
„Der Krieg hat von je einen Widerpart, der fast nie als solcher hervortritt, aber in der Stille sein Werk tut: die Sprache - die erfüllte Sprache, die Sprache des echten Gesprächs, in der Menschen einander verstehen und sich miteinander verständigen. Es liegt im Wesen schon des primitiven Kriegs, das er jeweils da beginnt, wo die Sprache aufhört, das heißt, wo die Menschen sich nicht mehr miteinander über die strittigen Gegenstände zu unterreden oder sie der schlichtenden Rede zu unterbreiten vermögen, sondern miteinander der Sprache entfliehen, um in der Sprachlosigkeit des Einanderumbringens eine vermeintliche Entscheidung, sozusagen ein Gottesurteil zu suchen; bald bemächtigt sich freilich der Krieg auch der Sprache und versklavt sie in den Dienst seines Schlacht-Geschreis. Wo aber die Sprache, und sei es noch so scheu, wieder von Lager zu Lager sich vernehmen lässt, ist der Krieg schon in Frage gestellt. Seinen Kartätschen wird es leicht, das Wort zu übertönen; aber wenn das Wort ganz lautlos geworden ist und nun, lautlos, hüben und drüben die Kunde in die Herzen trägt, dass kein menschlicher Konflikt durch Töten, auch nicht durch Massentötung, wirklich zu lösen ist, hat es, das Menschenwort, schon angefangen, die Kartätschen zum Verstummen zu bringen.“ (Martin Buber, 1953)


1117. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 15.12.2023

Friede auf Erden!
Da die Hirten ihre Herde
ließen und des Engels Worte
trugen durch die enge Pforte
zu der Mutter und dem Kind
fuhr das himmlische Gesind
fort, im Sternenraum zu singen,
fuhr der Himmel fort zu klingen:

"Friede, Friede! auf der Erde!"
Seit die Engel so geraten,
o wie viele blutge Taten
hat der Streit auf wildem Pferde,
der geharnischte, vollbracht!
In wie mancher heilgen Nacht
sang der Chor der Geister zagend
dringlich flehend, leis verklagend:
Friede, Friede! auf der Erde!

Doch es ist ein ewger Glaube,
dass der Schwache nicht zum Raube
jeder frechen Mordgebärde
werde fallen allezeit:
Etwas wie Gerechtigkeit
webt und wirkt in Mord und Grauen,
und ein Reich will sich erbauen,
das den Frieden sucht der Erde.

Mählich wird es sich gestalten,
seines heilgen Amtes walten,
Waffen schmieden ohne Fährde,
Flammenschwerter für das Recht,
und ein königlich Geschlecht
wird erblühn mit starken Söhnen,
dessen helle Tuben dröhnen:
Friede, Friede auf der Erde! (Conrad Ferdinand Meyer)


1116. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 8.12.2023

Welchen Stern brauchen wir?
„wir brauchen keinen osramstern
wir brauchen keinen neonstern
wir brauchen keinen zuckerstern
wir brauchen keinen mercedesstern
wir brauchen keinen strohstern
wir brauchen keinen goldpapierstern
wir brauchen einen anderen stern
wir warten auf einen anderen stern
wir warten auf einen stern aus fleisch und blut
wir warten auf einen stern, der ein auge für uns hat
wir warten auf einen stern, der ein ohr für uns hat
wir warten auf einen stern, der ein herz für uns hat
wir warten auf einen menschlichen stern
wir warten auf einen stern, der unser leben hell macht
der unser leben froh macht
wir brauchen einen stern, wie jesus einer war
wir brauchen einen stern, der uns heimleuchtet
heim ins wahre leben
einen stern, der unsere Erde zum Paradies macht
wir brauchten einen stern wie jesus
der müsste über uns aufgehen
ein jesusstern über jedem haus
das ist unser traum unsere hoffnung“
(Wilhelm Willms)


1115. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 1.12.2023

Eine schöne Geschichte!
„Es war einmal eine schöne Geschichte,
die war außen unsichtbar und innen bunt.
Und in alten Zeiten ging sie von Mund zu Mund.
Eines Tages geriet sie in Sammlerhände,
das bedeutete beinah ihr Ende:
Sie wurde in schwarze Lettern gefasst,
bekam Seitenzahlen und Nummern verpasst,
wirkte nun eher eckig als rund,
außen schwarz und innen bunt.
Ein Kind hörte sie.
Und in seiner Fantasie
wurde sie wieder rund
außen unsichtbar und innen bunt.“
Anton Martin Slomšek (1800 bis 1862)


1114. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 24.11.2023

Was machen die denn da mit den Büchern?
Also lesen bestimmt nicht mehr, sondern die fangen an mit denen zu basteln! „Bücher sind für uns absolute Kostbarkeiten, die man mit Wertschätzung und viel Liebe behandeln sollte“, so beginnt bei „Leseliebe“ die Ideenseite für Basteltipps mit Büchern. „Wir stellen dir dazu kreative Basteltipps und Upcycling-Ideen vor. Lass dich inspirieren und mach dein altes Buch zum coolen Design-Objekt!“ Zum Beispiel: „Bücher sind für uns ein Tor in geheimnisvolle Welten. Warum dann nicht das Buch selbst zu einem Geheimversteck machen?! Dafür brauchst du nur ein möglichst dickes altes Buch… Schlage das Buch auf und blättere einige Seiten um, je nach Buchdicke etwas ein Viertel oder Fünftel der Gesamtseiten. Nun zeichnest du den Umriss für das Geheimversteck oben auf die verbleibenden Seiten. Anschließend brauchst du ein scharfes Cuttermesser.“ Oder: „Weniger geheim als wirklich originell ist es, wenn du in dem Geheimversteck einen Mini-Garten anlegst. Dazu kleidest du das Geheimversteck mit einem wasserdichten Beutel aus und füllst diesen mit Erde. Nun kannst du zum Beispiel verschiedene, pflegeleichte Sukkulenten hineinpflanzen. Die brauchen nicht viel Wasser und sehen toll aus. Natürlich kannst du das Buch nun nicht mehr zuklappen. Dafür ist es ein echter Hingucker.“ Du findest auch, alte Bücher sind viel zu schade für den Müll? Dann schenke ihnen mit unseren Basteltipps in unserer Bastelgruppe ein zweites Leben: Am Mittwoch, dem 29.11.2023, von 16:00 bis 18:00 Uhr bietet das Team Bücherbude eine auch weihnachtliche Bastelstunde für Erwachsene an - und zwar in der Dorfwerkstatt Bordenau am Birkenweg 3a. Das Bastelmaterial besteht aus aussortierten Büchern der Bücherbude in der Bordenauer Apotheke. Es wird mit Sicherheit sehr vielseitig und unterhaltend. Schere, Kleber und Stifte bitte mitbringen, Anmeldung bis 27.11.2023 bei Andrea Korte. Du kannst auch eigene Bücher mitbringen und daraus unter anderem Falt- und Flechtsterne, Tannenbäume und Weihnachtskarten basteln – oder auch schöne Engel! Und vielleicht liest man sich dann doch noch ein Stück gemeinsam vor, bevor die Seiten für immer zugeklebt werden!


1113. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 17.11.2023

Denn mal los!
In unserer Reihe „Bordenauer Autoren“ stellen wir diesmal Anton Drebs vor mit einem Gedicht, das anlässlich einer Busfahrt in der Schule Richtung Süden ging:
"Die Busfahrt" von Johann Amadeus Wolfgang von Goethe von Bach
Schon von Beginn an ein wahrhaft imposanter Anblick
Selbst ein vergoldeter Thron wirkt schlicht und matt in seinem Antlitz
Er selbst ein Virtuose, reich an Genuss
In diesem Schlachtschiff als Matrose, fernab von Trauer und Verdruss
Ein drei-Sterne-Koch des guten Gemüts, ein Komponist des Wohlgefühls
So steht er prunkvoll doch auch unscheinbar, wirkt beinah fern, doch trotzdem nah
Geschaffen wie von Zauberhand genießt man in ihm Schmaus und Trank
Und rührt die Lust dich weit empor, so erklingt bald Musik im Ohr
Und wenn Dunkelheit dich einhüllt, so tu ich dir Kund
Dann ist sie endlich da mein Kind, die verbot'ne Abendstund'
Ein Tor zur Traumwelt tut sich auf
Ein Ruckeln, ein Quietschen - du wachst wieder auf
Nach Stunden der Verzweiflung hast du dich aufgerafft
Halt' durch, mein Sohn, das Ziel ist nah, bald hast du's geschafft
Ein Lächeln der Sonne, die Belohnung für den Fleiß
Du bist angekommen, durchnässt mit Schweiß
Du verlässt das sinkende Schiff
Hoffst, dass es das nun gewesen ist
Doch schaust du zurück ist alles wie es muss
Es ist kein Schlachtschiff, kein Koch - es ist ein Bus“


1112. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 10.11.2023

Und wir brauchen doch Vorbilder!
Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind,
Sein Roß, das trug ihn fort geschwind.
Sankt Martin ritt mit leichtem Mut,
Sein Mantel deckt' ihn warm und gut.
Im Schnee, da saß ein alter Mann,
Hatt´ Kleider nicht, hatt´ Lumpen an.
"O helft mir doch in meiner Not,
Sonst ist der bitt´re Frost mein Tod!"
Sankt Martin zog die Zügel an,
Sein Ross stand still beim armen Mann.
Sankt Martin mit dem Schwerte teilt'
Den warmen Mantel unverweilt.
Sankt Martin gab den halben still:
Der Bettler rasch ihm danken will
Sankt Martin aber ritt in Eil'
Hinweg mit seinem Mantelteil.


1111. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 3.11.2023

Kleine Geschichtsstunde über die Schwierigkeiten, sich unmissverständlich auszudrücken!
„Ob im Jahr 1848, 1918, 1923, 1938 oder 1989: Der 9. November ist ein höchst ambivalenter, vielschichtiger Tag in der deutschen Geschichte. Jedes Jahr fallen hier Feier- und Gedenkstunden zusammen. Die Rede des Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger zum 50. Jahrestag der Novemberpogrome löste einen Skandal aus. Mehrere Abgeordnete verließen aus Protest den Plenarsaal. Inhaltlich war an der Rede wenig zu beanstanden, doch das komplizierte Manuskript überforderte den Politiker. Wolfgang Benz über einen "unglücklichen Staatsakt": Der Staatsakt wurde am 10. November 1988 im Plenarsaal des Deutschen Bundestags, dem damaligen Provisorium im Bonner Wasserwerk, vollzogen. Die Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag der Novemberpogrome ging als Debakel in die Geschichte der Bundesrepublik ein. Das Lied des Mordechai Gebirtig aus dem Ghetto "Es brennt!" erklang zu Beginn, die jüdische Schauspielerin Ida Ehre rezitierte die Todesfuge von Paul Celan, dann trat Bundestagspräsident Philipp Jenninger (CDU) ans Rednerpult. Er wollte zum 50. Jahrestag der Novemberpogrome 1938 eine Rede halten, die Zeichen setzen sollte. Die Absicht misslang vollständig, sie machte ein klassisches Problem deutlich, die Diskrepanz zwischen elaboriertem Text und politischem Ritual. Intellektuell und akademisch war wenig zu beanstanden an dem Text, den Jenninger vortrug. Mit dem Vortrag des komplizierten Manuskripts, das ein Mitarbeiter, gestützt auf die Ergebnisse historischer Forschung, in langer Mühe ausgearbeitet hatte, war der Politiker überfordert. Die Rede selbst enthielt aber auch Schwächen. Den falschen Zungenschlag zu Beginn der Ansprache haben die wenigsten bemerkt, die Delegation nämlich der Erinnerung als jüdisches Problem des Gedenkens, abgesetzt gegen "auch wir Deutschen erinnern uns". Kritik und Bestürzung des Auditoriums kristallisierten sich dann an eintönig vorgetragenen Zitaten aus dem Wörterbuch des Unmenschen, an scheinbar affirmativen Wendungen, an nicht eindeutig erkennbarer Distanz zum dargestellten historischen Befund, wenn der Bundestagspräsident vom Faszinosum der Jahre 1933 bis 1938 sprach, vom "politischen Triumphzug Hitlers", von "den staunenerregenden Erfolgen", die eine "nachträgliche Ohrfeige für das Weimarer System" gewesen seien. Und schließlich die rhetorischen Fragen an die Juden, die das Publikum missverstehen musste wegen der Unzulänglichkeit des Vortrags: "Hatten sie sich nicht in der Vergangenheit doch eine Rolle angemaßt, die ihnen nicht zukam? Mußten sie nicht endlich einmal Einschränkungen in Kauf nehmen? Hatten sie es nicht vielleicht sogar verdient, in ihre Schranken verwiesen zu werden?" Die Zuhörer mochten glauben, der Redner hätte sich diese Denkfiguren zu Eigen gemacht. Nicht wenige Parlamentarier verließen demonstrativ den Saal. Jenninger schied am folgenden Tag aus dem Amt. Er bedauerte, dass seine Rede missverstanden worden sei. Seine persönliche Integrität stand jederzeit außer Zweifel. Tief enttäuscht ergriff er im Bundestag nie mehr das Wort.“ (Quelle: Wolfgang Benz, Unglücklicher Staatsakt - Philipp Jenningers Rede zum 50. Jahrestag der Novemberpogrome 1938, in: Deutschland Archiv Online, 04.11.2013, Link zur Bundeszentrale für Politische Bildung


1110. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 27.10.2023

Sie kehren wieder!
Die „Jahreszeiten“ von Heinrich Seidel:
Grüner Frühling kehret wieder, bringt uns Blüten ohne Zahl,
Und sein fröhliches Gefieder jauchzt in Wald und Wiesental,
Jubelt ob dem Saatenfeld: O, wie herrlich ist die Welt!
Goldner Sommer, da in Bogen hoch die Sonne glänzend geht,
Und mit windbewegten Wogen sanftes Flüstern heimlich weht,
Durch das reiche Ährenfeld: O, wie herrlich ist die Welt!
Brauner Herbst, wo Früchte drängen sich im Garten und im Wald,
Wo von sanften Rebenhängen froh das Lied der Winzer schallt
Über das geleerte Feld: O, wie herrlich ist die Welt!
Weißer Winter - schneeverhangen liegt die Welt in stillem Traum;
In demantnem Glanze prangen Wald und Wiese, Busch und Baum,
Und im Silberschein das Feld: O, wie herrlich ist die Welt!
Ob der Frühling grünt und blühet, Sommer steht in goldnem Kleid,
Ob der Herbst in Farben glühet, ob's im Winter friert und schneit -
Glücklich, wem es stets gefällt: O, wie herrlich ist die Welt!


1109. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 20.10.2023

Ernte sei Dank!
Schenkst uns wieder das reife Korn; Zu gutem Mehl malen es deine Windmühlen; Unsere Bäckermeisterinnen backen es seit tausend Jahren; Unser täglich´ Brot, das Anwesende, gib uns heute; Und den Wein dazu lesen wir nach dem ersten Frost! (Anselm Deusgen)


1108. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 13.10.2023

Dein Lieblingsbuch!
Fast jeder und jede hat ein Lieblingsbuch: klein, groß, dick, dünn, farbig oder schwarz-weiß, aus der Kindheit und Jugendzeit oder aus den Bestsellerlisten der letzten Jahre. Es begleitet uns wie ein freundschaftliches Reich in uns, weitet unseren Blick auf die Welt, verbindet uns mit anderen Lesern, auch wenn die es vielleicht etwas anders gelesen haben, es tröstet, macht lächelnd und mutig. Immer ist etwas an dem Buch, seiner Sprache und seinen Geschichten, das uns mitnimmt, mitreißt in den großen Kosmos der Phantasie, es lässt uns probehandeln in anderer Gestalt. Jetzt lädt die Bücherbude Bordenau, die ihren Sitz ja in der Holunderapotheke hat, dazu ein, eigene Lieblingsbücher vorzustellen. Und sie stellt selbst ein paar Lieblingsbücher vor. Also Zeit und Raum zum Zuhören und Kennenlernen neuer, anderer bewegender Bücher am Mittwoch, dem 25.10. 2023 zwischen 19.00 und 21.00 Uhr. Und weil die Apotheke dann schon zu hat, und weil das Team sich auch als Teil der Dorfwerkstatt versteht, lädt man in den Birkenweg 3a.


1107. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 6.10.2023

Na endlich!
Sie wehen wieder, die Winde.
Wilder fliegen uns die Blätter um die Ohren.
Es wird kühler. Ist das nun der Herbst?
Das gefühlte Wetter ist so verdammt persönlich,
der Polarfront-Jetstream ändert sich vielleicht,
aber die Polkappen sind weit weg,
und solange noch kein Eisbär im Vorgarten sitzt,
setzen wir auf das Prinzip Idylle.
Wie finden Sie das Wetter?
Am liebsten gut!
Und „wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.“


1106. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 29.9.2023

O deutsche Einheit!
O deutsche Einheit, harrst noch deiner Vollendung,
tief innen verwundet vom Schrecken des Krieges
bereitest du den Völkern der Welt ein Gastmahl
kaum achtend die eigenen Grenzen
schmiegst dich an die europäischen Werte an
hälst die Humanität höher als manche.
Du hast geduldet Generationen von Diktaturen,
dass die Formen der Demokratie dir unvertraut:
das offene Wort, der empathische Dialog und das Zusammenstreiten
Zusammen! Pah!
Jetzt nehmen die blanken Schwerter wieder zu,
mit denen sich die Bürger blutig reiben
verloren hat sich die Gemütlichkeit, Samstagabends gebadet
am Zaun im Gespräch mit dem Nachbarn den geheiligten Sonntag zu erwarten.
Wohlstand sollte uns einen und gleich reich uns machen,
doch Video, Marlboro und Reisefreiheit reichen da nicht hin,
wo Einigkeit und Recht und Freiheit blühen sollten.
Bleibst noch unvollendet, deutsche Einheit!
Trotz alledem und alledem: es gibt sie doch: die „Liebe in den Zeiten des Hasses“.
(Anmerkung der Red.: Gemeint ist die Lesung mit Musik am 3. Oktober um 15 Uhr im DGH Bordenau)


1105. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 22.9.2023

Wie klingt Zeit?
„Klang der Zeit“ nannte Richard Powers (Wikipedia) sein epochendurchdringendes Buch zur Musikgeschichte. Dabei umspannte er mit seiner Liebesgeschichte zwischen einem emigrierten Juden und einer afroamerikanischen Sängerin die dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts bis in die neue Zeit. Auch unsere Lesung am 3.Oktober 2023 ab 15 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Bordenau aus dem Buch von Florian Illies (Wikipedia) „Liebe in Zeiten des Hasses“ versucht die Chronik eines Gefühls der dreißiger Jahre einzufangen. Und eben nicht nur literarisch, sondern auch musikalisch. Dafür haben wir die Musiker Pia Hagemann (Flöte), Carola Faber (Cello) und Andreas Hagemann (Gitarre, Gesang) gewinnen können. Wie schon in den letzten Jahrzehnten haben diese Musiker bei uns mitgestaltet, und wieder hat Andreas Hagemann einiges zum Klang der Zeit arrangiert. So kommt Marlene Dietrichs „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ von Friedrich Hollaender aus dem Film „Der blaue Engel“ fast leitmotivisch daher und steigert sich noch in „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ aus dem Film „Stürme der Leidenschaft“. So wird versucht, die Stimmung der ausgehenden Zwanziger Jahre zwischen libidinöser Freizügigkeit und dem Ringen um wahre Treue auszudrücken. Mit dem Jahr 1933 ändert sich dann auch musikalisch einiges: Heimat, Heil und Heide nehmen wieder zu, und mit Herms Niels „Erika“ , auch bekannt unter seinem Liedanfang „Auf der Heide blüht ein kleines Blümelein“ auf den Lippen, marschierten junge Menschen gegen die Völker der Welt. Zwischendrin dann immer wieder rein musikalische Kompositionen, besonders von Curt Weill, der Deutschland verlassen musste. Das wiederum passt gut zum abschließenden Teil der Lesung, der mit Kompositionen von Michael Jary und Bruno Balz „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n“ und „Davon geht die Welt nicht unter“ endet. „Beides erweist sich als unzutreffend“, so schließt Florian Illies sein historisches Panorama.


1104. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 15.9.2023

Geschichte in unsere Gegenwart bringen!
„Bordenau - unser Dorf liest“ am 3.Oktober 2023 aus dem Buch von Florian Illies „Liebe in Zeiten des Hasses: Chronik eines Gefühls 1929–1939“, ab 15 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Bordenau. Florian Illies , 1971 in Schlitz geboren, ist ein deutscher Autor, Journalist und Kunsthistoriker. Bekannt wurde er besonders durch seinen Bestseller „Generation Golf“ (2000), in dem er ein kritisches Bild seiner eigenen, um 1970 geborenen Generation entwarf. 2012 gelang Illies sein bislang größter Bestseller: „1913: Der Sommer des Jahrhunderts“. Es war im Jahre 2012 das meistverkaufte Sachbuch Deutschlands, stand mehr als siebzig Wochen auf der Bestsellerliste und wurde bislang in 28 Sprachen übersetzt. Und auch „Bordenau liest“ hat 2013 Ausschnitte aus dem Buch vorgetragen. Florian Illies verwandelt in seinen Büchern vergangene Epochen in lebendige Gegenwart und begründet damit ein neues Genre der erzählenden Geschichtsschreibung. Immer wieder zieht er verblüffende Querverbindungen und verknüpft elegant Szenen und Momentaufnahmen zu mitreißenden Panoramen der Zeitgeschichte. Das braucht nicht alles so genau zu stimmen, und oft rettet sich der Autor in Andeutungen: Bertolt Brecht „blickt selbstzufrieden auf den Gipsabdruck des eigenen Gesichtes, den er auf seinem Schreibtisch postiert hat. Wer so um sich kreist, dem droht eigentlich ein Schleudertrauma.“ Wir versuchen bei unserer Lesung den Begriff der Liebe dieser Zeit zu verdeutlichen, um uns mit der „Radikalität des Herzens“ den kälter werdenden Zeiten entgegenzustellen. Und das gilt heute wie damals und erst recht für den deutschen Feiertag. Über die Musikstücke zur Lesung erfahren Sie hier in der nächsten Woche etwas.


1103. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 8.9.2023

Lesungen allenthalben!
Am Samstagvormittag, dem 9. September, stellt der Hildesheimer Autor Albrecht Göstemeyer sein neues Buch vor: „Das Fenster zur Unendlichkeit“. Seine Handlung ist in Berlin und Indien angesiedelt. Er beschreibt die Beziehung von Paul, einem Mann mittleren Alters, zu Leela, einer älteren Frau, deren Vater aus Indien stammt. Ihre Vergangenheit und Herkunft ist von vielen Geheimnissen umgeben, von denen er sich angezogen fühlt, Der Autor hat schon ein tolles Buch über das Riedhaus in Bordenau geschrieben, wo er auch einen Teil seiner Jugend verbrachte. Am Sonntag liest der Bordenauer Vorleser Martin Drebs im Schloss Landestrost im Rahmen des Regionsentdeckertages lustige Geschichten zum Thema Reisen vor. Da geht es natürlich mit den Ringelnatz ´Ameisen auf Weltreise, wir lauschen einer Erzählung von Hermann Löns über die Geestkante am Leinetal, hören Tobias Kunzes herrliche Beschreibung des Steinhuder Meeres und begleiten Eugen Roths Versuch, zwischen all den Reiseprospekten dennoch zu Hause zu bleiben! Um 14.30 Uhr und 15.30 Uhr. Eine frühherbstliche Lesung mit Johanna Korte findet am Montag, 11. September 2023 um 14.45 Uhr in der Dorfwerkstatt Bordenau, Birkenweg 3a, statt. Es werden kurze Texte und zartbunte Gedichte zur Jahreszeit gelesen. Weiterhin erleben Sie den zweiten Teil der Biografie des Künstlerpaares Frédéric Chopin und George Sand. Es wird spannend auf der Fahrt nach Mallorca und dramatisch im Winter in Valldemossa. Hier ist eine Anmeldung erbeten. Also Lesungen allenthalben! Zwischen all den anderen schönen Angeboten! Und der jeweilige Eintritt ist frei!


1102. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 25.8.2023

Chronik eines Gefühls!
„Bordenau - unser Dorf liest“ am 3.Oktober 2023 aus dem Buch von Florian Illies „Liebe in Zeiten des Hasses: Chronik eines Gefühls 1929–1939“, ab 15 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Bordenau - kombiniert mit Gedichten und Originalzitaten der ausgewählten Künstler, Sportler und Politiker unter anderem Mascha Kaleko, Marlene Dietrich, Bertolt Brecht und Erich Maria Remarque, aber auch Konrad Adenauer und Gottfried von Cramm. In einem virtuosen Epochengemälde erweckt Florian Illies die dreißiger Jahre, dieses Jahrzehnt berstender politischer und kultureller Spannungen, zum Leben. 1933 enden die »Goldenen Zwanziger« mit einer Vollbremsung. Florian Illies führt uns zurück in die Epoche einer politischen Katastrophe, um von bekannten Liebespaaren der Kulturgeschichte zu erzählen: In Berlin, Paris, im Tessin und an der Riviera stemmen sich die großen „Geister“ der Zeit gegen den drohenden Untergang. Eine mitreißend erzählte Reise in die Vergangenheit, die sich wie ein Kommentar zu unserer verunsicherten Gegenwart liest: Liebe in Zeiten des Hasses. "Niemand hofft 1929 noch auf die Zukunft. Und niemand will an die Vergangenheit erinnert werden. Darum sind alle so hemmungslos der Gegenwart verfallen", schreibt Illies. Das Trio Hagemann/Faber hat sich bereiterklärt, mit ausgewählten Musikstücken zum Gelingen der Chronik beizutragen; dabei ergeben sich im Buch die drei Teile vor, während und nach 1933. So soll die Lebensfreude beziehungsweise der Lebenshunger der Zwanziger Jahre eingefangen werden, die martialischen Klänge des Übergangs und die "unheimliche Heimatlichkeit" der Dreißiger Jahre dargestellt werden; denn davon geht die Welt nicht unter. Oder doch?


1101. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 18.8.2023

Bordenau genießt französisch!
Französische Wochen in Bordenau? Nicht ganz, denn die Spezialitäten, die in den nächsten Wochen im Gemeindegarten in Bordenau angeboten werden, haben ihren Ursprung in der Bretagne: Crêpes und Galettes! Nachdem es seinerzeit den Handballer Eduard nach Bordenau verschlagen hatte, und Neustadt seit Jahrzehnten eine Städtepartnerschaft mit La Ferté-Macé mit deutsch- französischer Freundschaft lebt, während der berühmte Karikaturist Jean Bernard Roussel aus Amiens unsere Artikel zur Gemeinwohlökonomie in der Neustädter Zeitung begleitet, hat es nun seit drei Jahren den gelernten Maschinenbauer Etienne Le Boulanger mit seiner Familie nach Bordenau verschlagen. Wie kommt er denn auf Bordenau? „Meine Frau arbeitete in Nienburg, ich in Hannover, da liegt Bordenau ideal dazwischen. Und die beiden kleinen Kinder haben hier auch mehr von der Natur“, so Etienne. Und seit vielen Jahren bietet er die traditionelle bretonische Spezialität der Crêpes und Galettes im privaten Kreis an. Letztere sind herzhafte dünne Pfannekuchen aus Buchweizenmehl, liebevoll angerührt nur mit Wasser und Salz aus der Gérande, garniert mit Lachs und Emmentaler, Ei, Kochschinken und Ziegenkäse. „Ich biete gerne die herzhafte Mittagsküche an und beginne deshalb auch schon um 12.00 Uhr mittags“. Und das in den nächsten Wochen jeweils von Dienstag bis Freitag. Die genauen Öffnungszeiten finden Sie auf www.Bordenau.de. Angeboten werden verschiedene typische Cidre aus der Bretagne in geschmacklichen Varianten, alkoholfreie sowie heiße Getränke. Es gibt flambierte Crêpes und jede Menge süße Lösungen mit hausgemachter Schokolade – auf überdachten Sitzgelegenheiten. Für das kulturelle Begleitprogramm sucht Etienne noch interessierte Hobbymusiker, die gerne was Appetitanregendes spielen möchten. Und vielleicht gibt es noch Sprachkurse, und „Bordenau liest“ stellt französische Autoren vor. Etienne war dieser Tage schon beim Filmfestival am Balneon, am heutigen Samstag startet er auch beim Parkbeben in Poggenhagen und die Bordenauer kennen ihn schon vom Kunst- und Handwerkermarkt. Jetzt bitten wir um reichlich Appetit, denn so beginnt vielleicht wieder eine qualitative Gastronomie in Bordenau Fuß zu fassen.


1100. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 11.8.2023

Durch alle Masken hindurch!
In unserem Fortsetzungsroman „LEBENSABEND MIT GOLDRAND oder die zweite Erfindung des Glücks“, letzter Teil, springen wir ans Ende des Romans. Es ist Februar und in der Seniorenresidenz „Kometenschweif“ - am Rhein gelegen - tobt der Karneval. Zeit also, sich durch alle Masken hindurch zu erkennen. Und so schreibt Paul – in dem Briefwechsel ohne Namen – einen letzten Brief an seine märchenhafte Briefpartnerin: „Meine liebe Freundin! Ihr wart also dereinst Prinzessin und Scheherazade, und seid nun gealtert, ich glaube auch, wir haben die tausendste Nacht hinter uns. Du hast alles erzählt, um dein Leben zu retten. Demnächst muss ich entscheiden, dich zu töten. Und ich freue mich schon auf meine Entscheidung, denn sie lautet: ich will, dass du lebst, aber nicht irgendwie, sondern mit mir, deinem einzigen König. Lass uns das märchenhafte Versteckspiel durchbrechen, bei der Zeitung SENIORENBLICK wundert man sich auch schon, dass wir zwei übers Jahr immer nur Briefe hin und her schicken. Lass uns die märchenhafte Anonymität durchbrechen und uns endlich sehen, wo wir schon so viel voneinander erkannt haben. Ich will der Alten, der Närrin, der Zauberin begegnen beim Fastnachtsball. Du wirst mich an den Federn erkennen. Ich werde den SENIORENBLICK unterm Flügel haben, letzte Ausgabe, die mit dem Sternenhimmel drauf. Ich freue mich, dich durch alle Masken hindurch endlich in den Blick zu bekommen. Dein Seher!“ Und sie werden sich erkennen, „so wie sie erkannt sind“. Paul und Agnes begegnen sich im Laufe des Romans also auf vier verschiedenen Ebenen: Im doppelten Briefwechsel, wobei der eine Briefwechsel trotz märchenhafter Wahrheiten noch lange deren Beider Identität verschleiert, im „Café Kontakt“ und schließlich in Echt! So haben sie ihr zweites Glück gleich mehrfach neu erfunden. Hand in Hand - und als Narren verkleidet - verlassen sie die Seniorenresidenz in ein neues gemeinsames Leben. Das Buch gibt es übrigens in der Bücherbude Bordenau in der Holunder-Apotheke!


1099. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 4.8.2023

DJetzt geht´s ins „Café Kontakt!“
In unserem Fortsetzungsroman „LEBENSABEND MIT GOLDRAND oder die zweite Erfindung des Glücks“, Teil 3, geht´s jetzt ins „Café Kontakt!“. Das ist das Angebot, das der Pfleger Markus den Bewohnern der Seniorenresidenz „Kometenschweif“ macht, nachdem er sie deren eigene Profile hat schreiben lassen und sie jetzt zu „idealen“ Paaren kombiniert und einlädt, sich kennenzulernen. Bei diesen Bemühungen für sein eigenes Buch über das Alter ist er auf die mögliche Paarung Agnes und Paul gekommen, die sich aber schon selbst vorher angefreundet haben, für Markus aber noch mal so tun müssen, als lernten sie sich gerade kennen. Kurios, nicht! „Paul sah Agnes schon an dem kleinen, runden Tisch sitzen; sie schien ein wenig konzentriert in sich gekehrt und hatte den Blick gesenkt. Paul brachte einen kleinen Blumenstrauß aus drei Rosen mit und trat an den Tisch. „Das ist aber eine Überraschung, gnädige Frau, Sie in diesem wunderschönen Ambiente wiederzusehen.“ Er zwinkerte ihr zu. Agnes nahm den gespielt distanziert gespielten Faden auf: „Wir haben uns bisher nur von weitem gesehen und nun freue ich mich, Sie nah und näher zu bekommen.“ Dabei grinste sie und deutete blickweis hinüber in Richtung Markus, der, ebenfalls lächelnd, wenn auch etwas linkisch, an der Theke hantierte. Paul setzte sich strahlend auf und fädelte weiter: „Je ferner wir begannen, äh, begännen, nein, beginnen, desto näher können wir uns kommen.“ Agnes: „Ach, was!“ Paul weiter: „Ja, und ich bin hier in dieser Residenz, die von sich behauptet, „Natürlich leben, würdig sterben“, doch endlich auf Sie getroffen, von der mir mein Horoskop schon seit Jahrzehnten vorschwärmt.“ Etwas gekünstelt legt sich Agnes ins Zeug:“ Ach ja, natürlich, jetzt erkenne ich meine wahre Bestimmung, mir wurde auch ein Prinz versprochen, der sich herrlich um mich kümmern würde!“ Paul stutzte, wieso kamen jetzt diese Märchenelemente ins Spiel?“ Paul weiß eben auch noch nicht alles, dass nämlich seine ihm längst bekannte Agnes auch die unbekannte Märchenschreiberin ist! Wird sich das ganze Geheimnis im letzten Kapitel lösen. Lesen Sie letzte klärende Fortsetzung hier in der nächsten Woche!


1098. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 28.7.2023

Der Goldrand-Lebensabend geht weiter!
Sie lesen hier den zweiten Teil des Fortsetzungsromans „LEBENSABEND MIT GOLDRAND oder die zweite Erfindung des Glücks“ der Bordenauer Schreibwerkstatt. Was bisher geschah: Agnes war in der Seniorenresidenz „Kometenschweif“ angekommen und hatte „brav“ ihren fliederfarbenen Fragebogen und ihre sogenannte Kontaktanzeige für den Pfleger Markus und sein „Cafe Kontakt“ ausgefüllt. Und aus Freude über den gelungenen Text gibt sie die Anzeige auch noch selbst in der Zeitung SENIORENBLICK auf. Und darauf antwortet ihr – ohne, dass sie das weiß - wieder der gleiche Mann, mit dem sie schon den ersten Briefwechsel auf dessen Anzeige hin geführt hatte und dann beendete, weil sie in Echt in der Seniorenresidenz jemand kennengelernt hatte, der eben all diese Männer ist, ohne dass es den Beteiligten jetzt schon klar wäre. Der zweite, weiterhin anonyme und märchenhafte Briefwechsel zieht sich nun durchs ganze Jahr, bis die beiden Schreiberlinge sich im Februar im Karneval an ihren angekündigten Kostümen erkennen wollen. So beginnt Agnes zu schreiben, und wir spüren schon heraus, um welches Ambiente es sich da handelt, nämlich die Seniorenresidenz selbst: „Sie schreiben da etwas von einem großzügigen Ambiente. Ist das jetzt eine Über- oder Untertreibung? Ich vermute mal Untertreibung und stelle mir vor, Sie lebten auf einem richtigen Schloss als Märchenprinz oder schon als König, dann müssten Sie doch weiser sein als Sie glauben, denn ein Lebensabend mit Goldrand, das hat schon etwas Märchenhaftes, das Gold, das Edelmetall, dem alle Welt zustrebt, weil es inneren und äußeren Reichtum signalisiert. Ich sehe mich mehr als Magd, die unten in der Küche arbeitet, und den König, dessen Frau seit Langem verstorben ist, nur ab und zu Gesicht bekommt, mal kurz vor dem Ausritt zur Jagd, mal wenn ich das Essen darreichen darf, mal durch die Rosen, wo er so allein und bedrückt zur Kirche geht…Haben Sie mir was zu erzählen, mein nie zu erreichender Märchenprinz? Dafür habe ich ja bei dieser Zeitung eine Poststation unter Chiffre anlegen lassen, aber die kennen Sie ja schon. Mit märchenhaften Grüßen, Ihre Magd“. Und er wird antworten, wenn auch in verklausulierter Märchensprache! Fortsetzung folgt hier in der nächsten Woche!


1097. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 21.7.2023

Lesen Sie bloß weiter!
Das gab´s auch noch nicht: einen Fortsetzungsroman in der Neustädter Zeitung! An diesem und den drei noch folgenden Samstagen bieten wir köstliches Lesevergnügen in vier Teilen aus dem Roman der Bordenauer Schreibwerkstatt. „LEBENSABEND MIT GOLDRAND oder die zweite Erfindung des Glücks“ Wer wünscht sich nicht einen schönen, interessanten Lebensabend? Am besten selbständig und trotzdem behütet - am liebsten einen Lebensabend mit Goldrand! Eine muntere, poetische Erzählung: Sie beginnt im März mit dem Einzug von Agnes in die Seniorenresidenz „Kometenschweif“ und gipfelt in einer unerwarteten Wendung im Karneval des darauffolgenden Februars. Dazwischen liegen zwölf spannende Monate, die alle ihren besonderen Schwerpunkt haben: Liebe im Alter, Tierisches, ein Sommerkonzert, plötzlicher Tod, Einsamkeit und Alleinsein, Familiäres, Sportliches, Weihnachten und nicht zu vergessen Angelos philosophische “Blaue Stunde”! Erster Teil: Agnes Ankunft. Für den Pfleger Markus müssen die Neuankömmlinge eine Art Kontaktanzeige schreiben, in der sie sich selbst trefflich charakterisieren. Markus nutzt diese Texte, um die Bewohner der Residenz später im „Cafe Kontakt“ zu verkuppeln. Agnes traut sich das nicht zu, sie findet aber eine Seniorenzeitung mit entsprechenden Anzeigen. Hier antwortet sie fiktiv auf eine ihr gefällige Anzeige. Aus Dankbarkeit über ihre gelungene Profilierung schreibt sie dem Mann in der Zeitung eine Antwort auf seine Kontaktanfrage. Dieser Partner schreibt ihr zurück und ein längerer Briefwechsel beginnt. Da lernt Agnes im „Kometenschweif“ einen tollen Mann kennen und beendet den Briefwechsel. Was sie nicht weiß, ist, dass es der gleiche Mann ist. So beginnt eine gegenseitige Entdeckungsreise durch das Jahr. Fortsetzungen folgen!


1096. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 7.7.2023

Uralter Worte kundig kommt die Nacht!
Ricarda Octavia Huch, 1864 in Braunschweig geboren und 1947 in Schönberg im Taunus gestorben, war eine deutsche Schriftstellerin, Philosophin und Historikerin, die als eine der ersten Frauen im deutschsprachigen Raum im Fach Geschichte promovierte. Sie schrieb Romane und historische Werke, unter anderem die Geschichte der italienischen Einigung, des Risorgimento. Weil sie sich mit dieser Forschung Verdienste um Italien erworben hatte, wurde sie später von den italienischen Faschisten geschätzt, was sie wiederum im nationalsozialistischen Deutschland vor Verfolgung bewahrte. Wer den Thüringer Landtag durch den ursprünglichen Eingang an der Arnstädter Straße betritt, trifft im Foyer auf ihre Worte vom 12. Juni 1946, die wie eine Widmung wirken: „Es sei dem Lande Thüringen beschieden, dass niemals mehr im wechselnden Geschehen ihm diese Sterne untergehen: Das Recht, die Freiheit und der Frieden.“ Den Frauen und Männern des Widerstands ein Denkmal zu setzen, war der greisen Dichterin eine besondere Aufgabe, es gelang ihr noch, die Münchener „Weiße Rose“ und die Geschwister Scholl der Nachwelt einzuprägen. Hier eines ihrer schönsten Gedichte:

„Uralter Worte kundig kommt die Nacht;
Sie löst den Dingen Rüstung ab und Bande,
Sie wechselt die Gestalten und Gewande
Und hüllt den Streit in gleiche braune Tracht.
Da rührt das steinerne Gebirg sich sacht
Und schwillt wie Meer hinüber in die Lande.
Der Abgrund kriecht verlangend bis zum Rande
Und trinkt der Sterne hingebeugte Pracht.
Ich halte dich und bin von dir umschlossen,
Erschöpfte Wandrer wiederum zu Haus;
So fühl ich dich in Fleisch and Blut gegossen,
Von deinem Leib and Leben meins umkleidet.
Die Seele ruht von langer Sehnsucht aus,
Die eins vom andern nicht mehr unterscheidet.“


1095. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 30.6.2023

„Urlaub“, ein besonderes Gedicht der Bordenauer Dichterin Christine Köpcke
Wolken, so fern und doch nah
Wellen, aus Salzschaum gebraut
Gesichter, die lang ich nicht sah
sie sind mir für immer vertraut
Die Tage und Nächte, die lauen
einmal im Jahr komm ich her
gemeinsames Schweigen und Schauen
Die Sonne, den Wind und das Meer


1094. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 23.6.2023

Ein lesenswerter Erlebnisbericht von Johanna Korte!
Im Mai 2023 reiste die Familie Korte aus Bordenau in die Masuren. Unter dem Titel „Nostalgie und mehr …“ hat Johanna Korte exklusiv für unsere Kolumne einen kleinen Bericht verfasst: “Sieben Tage unterwegs durch Ostpreußen mit dem Ziel, in Masuren ein kleines Dorf zu besuchen. Es ist der Geburtsort der beiden Schwestern, die mit ihren erwachsenen Kindern auf Spurensuche unterwegs sind. Start mit dem Zug von Berlin nach Danzig. Wir haben gute Plätze und sind voller Erwartung. Unser Dolmetscher Tomasz, gleichzeitig Fahrer des Kleinbusses, empfängt uns freundlich auf dem Bahnhof in Danzig. Er begrüßt uns lächelnd und formvollendet mit „Handkuss“. Das sei in Polen so üblich. Die lange Eisenbahnfahrt macht müde; wir sind zurückhaltend, er auch. Nach dem großen Abendessen und polnischem Bier stellt sich leichte Vertrautheit ein. Später, nach einer kleinen Stadtführung lösen sich Verspannungen. Wir sind locker, fröhlich, duzen uns, machen Witze. Tomasz ist ein guter Beobachter. Bald hat er uns alle im „Griff“, unsere Gewohnheiten, unsere Macken. Er ist humorvoll, feinfühlig und versucht alle unsere Wünsche zu erfüllen. Er kennt sich aus. Jeden Tag ein neues Ziel. Er führt uns zu lauschigen Plätzen z. B. zu einem ehemaligen Kloster am See. Wir genießen die Stille am Schilf im Sand, auf einer Holzschaukel, wir erfrischen unsere müden Füße im klaren Wasser, sammeln Muscheln und Steine. Das Kloster verwandelte sich vor einigen ahren zu einem Restaurant mit feinen landesüblichen Köstlichkeiten, auch Piroggen in verschiedenen Variationen. Wir reisen weiter in den südöstlichen Teil Masurens in das kleine Dorf Skomanten und finden unser Geburtshaus. Es wurde 1930 von unserem Vater erbaut. Seit 13 Jahren ist es unbewohnt, eine verfallende Ruine, Einsturzgefahr, Betreten auf eigene Gefahr. Im Jahr 1944 musste unsere Familie eine „Idylle“ verlassen. Auch das kleine Flüsschen, das durch das Dorf plätscherte, hatte sich verändert. Es ist verwuchert und zugewachsen. Nur ein schmales Rinnsal ist erkennbar. Damals war es unser Badeparadies. Ein Trecker nähert sich. Der deutschsprechende Landwirt aus der Nachbarschaft ist nett und hilfsbereit. Wir erzählen ihm unsere Geschichte. Er holt eine Trittleiter, stellt sie an die Hauswand dieser Ruine, schraubt das Emailschild mit dem Namen des Ortes und die Hausnummer ab. Freundlich übergibt er mir das Andenken. Im Handgepäck habe ich noch einen großen Ziegelstein mitgebracht.“


1093. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 17.6.2023

Die Vorbereitungen laufen weiter!
„Bordenau - unser Dorf liest“ möchte am 3.Oktober 2023 aus dem Buch von Florian Illies „Liebe in Zeiten des Hasses: Chronik eines Gefühls 1929–1939“, vorlesen. Dabei werden Gedichte und Originalzitate der ausgewählten Künstler mit vorgestellt, unter anderem von Mascha Kaleko, Bertolt Brecht und Erich Maria Remarque und vielen anderen mehr, auch Else Lasker-Schüler. Florian Illies hat seine mitreißend erzählte Reise in die Vergangenheit, die sich wie ein Kommentar zu unserer verunsicherten Gegenwart liest, in drei Teile geteilt: 1933, „Davor“ und „Danach“. Zurzeit wählen wir zu allen drei Zeitphasen beispielhafte Texte aus und versuchen natürlich, die Liebe besonders herauszustellen, die sich einer immer kälteren Zeit entgegenstemmt. Bei Florian Illies liest sich das so: „Else Lasker-Schüler, diese traumverlorene Dichterin, diese Freundin von Franz Marc, von Karl Kraus und Gottfried Benn, Schöpferin von Liebesversen größter orientalischer Schönheit, voll von unerschütterlichem Glauben an die Versöhnung zwischen Judentum und Christentum, wird im Februar 1933 in Berlin auf offener Straße von zwei jungen SA-Kämpfern verfolgt und zusammengeschlagen.“ Und hier ein Gedicht von Else Lasker-Schüler:
„An ihn!
Komm zu mir in der Nacht – wir schlafen eng verschlungen.
Müde bin ich sehr, vom Wachen einsam.
Ein fremder Vogel hat in dunkler Frühe schon gesungen,
Als noch mein Traum mit sich und mir gerungen.
Es öffnen Blumen sich vor allen Quellen
und färben sich mit deiner Augen Immortellen ...
Komm zu mir in der Nacht auf Siebensternenschuhen
In Liebe eingehüllt spät in mein Zelt.
Es steigen Monde aus verstaubten Himmelstruhen.
Wir wollen, wie zwei seltene Tiere liebesruhen
Im hohen Rohre hinter dieser Welt.“


1092. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 9.6.2023

Die Spur der Stempel lesen!
Nach der erfolgreichen „elektronischen“ Schnitzeljagd in den Osterferien legt die Dorfwerkstatt Bordenau unter der Leitung von Tanja Reddert diesmal eine richtige Rallye durchs gesamte Dorf auf: Am Sonntag startet um 14.00 Uhr für über 100 Mitläufer die Rallye am Dorfgemeinschaftshaus. Und fast alle machen mit: Schützenverein, Kirche, TSV Bordenau, Ortsrat, Förderverein der Scharnhorstschule , Reitverein, DRK, Bücherbude, Landfrauen, Feuerwehr und die Dorfwerkstatt. An den Stationen haben die Teilnehmer eine Reihe von Aufgaben zu bewältigen und bekommen dafür einen Stempelabdruck in ihre Laufkarte. Gerne erwartet sind auch Neubürger, die sich über das vielfältige Angebot im Dorf informieren möchten: die Einrichtungen halten auch Informationsmaterial bereit. So kommen die Teilnehmer auch an unserer Bücherbude vorbei und müssen drei kleine Aufgaben bewältigen, darunter eine Schätzfrage! Und wer alle Stempel zusammen hat, wird an dem Gewinnspiel teilnehmen. Moderieren wird das glorreiche Finale „Bordenau -liest“-Kolumnist Martin Drebs.


1091. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 26.5.2023

Das Lieben der Anderen!
Zur Zeit entsteht ein neues Buch mit dem Titel: „Das Lieben der Anderen“. Der Autor Paul Cornelius hat uns vorab einen Einblick in seine Schreibwerkstatt gewährt: Die spannende Erzählung spielt in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Bordenau in der Nähe der Ziegelei, genauer im Riethaus, einem von Hannoveraner Familien erbauten Haus, die dort auch für ihre Jugendgruppen am Wochenende Angebote schaffen wollten. Die Erzählung beruht auf einer wahren Begebenheit: Am Rand des Dorfes an der Leine finden sich Mitte der 1930er Jahre junge Menschen zu gemeinsamen Unternehmungen zusammen. Ihre Art, miteinander um zu gehen, ihre Vorstellungen vom Leben und der Liebe passen nicht in jene Zeit, die von großen gesellschaftlichen Veränderungen begleitet wird. Die liebevolle Offenheit und die sehnsuchtsreichen, dennoch respektvollen Annäherungen zwischen den jungen Leuten widersprechen der sich diktatorisch durchsetzenden Moral des „neuen“ Deutschen: „Flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“. Das steht in krassem Gegensatz zu den Vorstellungen der Jugendlichen, die im Riethaus zusammenkommen. Die sind den Nazis ein Dorn im Auge. Deshalb setzt die Gestapo einen jugendlichen Spitzel ein, der das Leben und Lieben der Gruppe ausspionieren und durch regelmäßige Berichte an die Geheimpolizei Vorwände zur Auflösung der Einrichtung liefern soll - über einen „toten“ Briefkasten an der Straße nach Frielingen. Doch das Lieben der Anderen beginnt den Spitzel zu faszinieren, er offenbart sich dem Leiter und von da ab schreiben sie die Berichte gemeinsam….


1090. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 12.5.2023

Heinrich Heine wendet sich an seine Mutter!
Ich bin′s gewohnt, den Kopf recht hoch zu tragen,
Mein Sinn ist auch ein bisschen starr und zähe;
Wenn selbst der König mir ins Antlitz sähe,
Ich würde nicht die Augen niederschlagen.

Doch, liebe Mutter, offen will ich′s sagen:
Wie mächtig auch mein stolzer Mut sich blähe,
In deiner selig süßen, trauten Nähe
Ergreift mich oft ein demutvolles Zagen.

Ist es dein Geist, der heimlich mich bezwinget,
Dein hoher Geist, der alles kühn durchdringet,
Und blitzend sich zum Himmelslichte schwinget?
Quält mich Erinnerung, dass ich verübet
So manche Tat, die dir das Herz betrübet?
Das schöne Herz, das mich so sehr geliebet?


1089. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 5.5.2023

Ja, dreht sich denn alles im Kreise?
Fortschritt, Erneuerung, Stillstand, Rückbesinnung oder ewige Wiederkehr? Für manche wiederholt sich das Leben und das Schicksal. Und auch das Glück bleibt flüchtig. Der folgende Text stammt nach einer mittelalterlichen Vorlage aus der szenischen Kantate „Carmina Burana“ von Carl Orff: „Glück, die Kaiserin der Welt. O Fortuna! Wie der Mond so veränderlich, Wachst du immer oder schwindest! Schmähliches Leben! Erst misshandelt, dann verwöhnt es spielerisch den wachen Sinn. Dürftigkeit, Großmächtigkeit, sie zergehn vor ihm wie Eis. Schicksal, ungeschlacht und eitel! Rad, du rollendes! Schlimm dein Wesen, dein Glück nichtig, immer im Zergehn! Überschattet und verschleiert kommst du nun auch über mich. Um des Spieles deiner Bosheit trag ich jetzt den Buckel bloß. Los des Heiles und der Tugend sind jetzt gegen mich. Willenskraft und Schwachheit liegen immer in der Fron. Drum zur Stunde ohne Saumen rührt die Saiten! Wie den Wackeren das Schicksal hinstreckt; alle klagt mit mir!“


1088. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 28.4.2023

Wem gehört der 1. Mai?
Dem Frühling? Den Arbeitenden! Den Dichtern? Den Frühjahrsoffensiven? Den Wandervögeln? Oder den Grünschnäbeln?
Dem Gregorianischen oder Julianischen Kalender?
Den Ewiggestrigen als „Tag der nationalen Arbeit“? Den Nationalen? Oder Internationalen? Gehört er nicht eigentlich der internationalen Arbeitsteilung? Vielleicht sogar Olympia? Und schweigen die Waffen während der Spiele? Gehört er den Feiernden? Und wenn er auf einen Sonntag fällt, was dann?
Den Tanzenden? Den Rauschbereiten? Den Rabatzmachern? Den Müttern? Den Verliebten?
In einigen Schweizer Kantonen gewissen Schutzheiligen? Gar Josef, dem Arbeiter?
Gehört er den Maiglöckchen? Den Gartenbauern? Den „ausschlagenden“ Bäumen?
So viele Fragen! Klar ist:
Er gehört zu uns! Und er ist der erste Tag des Rests unserer Leben. Genießen wir dankbar den schönen Tag, und dass wir lesen können und dass diese Zeitung uns dazu den Mut macht!


1087. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 21.4.2023

Bleiben Sie am Lesen!
So verabschiedet Thea Dorn immer ihre Gäste beim „Literarischen Quartett“. Ob das nun richtiges Deutsch ist oder nicht, lassen wir mal dahingestellt. Jetzt hat auch die „Apotheken-Umschau“ in ihrer Ausgabe vom 15. März das Thema aufgegriffen mit dem Titel: „Lesen, weil´s gesund macht!“ Die Recherche von Vincent Suppé und Laura Patz ergab, wofür wir uns schon seit Jahrzehnten starkmachen. Hier einige Zitate daraus: „Lesen ist für viele nur ein Hobby. Doch der Blick ins Buch, Magazin oder auf das Tablet beeinflusst unsere Gesundheit…Lesen gegen Demenz. Das Demenzrisiko der Lesenden betrug nach 14 Jahren nur noch 54 Prozent vom Demenzrisiko der Nicht-Leser…Kindern bitte vorlesen! So positiv wirkt Vorlesen auf die Entwicklung von Kindern: mehr Empathie, besserer Wortschatz, bessere Konzentration und Lernkompetenz, bessere Beziehung zwischen Vorlesenden und Kindern.“ Die Autoren wissen, wovon sie reden; schließlich haben sie nach eigenen Angaben 17,8 Millionen Leser monatlich. Doch die Mediadaten der „Neustädter Zeitung“ sind auch gut. Und in Bordenau haben wir viele Lesehelfer, die auch noch den Förderpreis der Stiftung Bordenau erhalten haben. Ach ja, und es gibt in Bordenau sogar unsere „Bücherbude". Da kann man Bücher leihen und vieles mehr! Ja, wo ist die denn? Na, in der Bordenauer Apotheke, wo denn sonst! Lesen was gesund macht. Also beim nächsten Mal, wenn Sie ein Rezept einlösen und die „Apotheken-Umschau“ mitnehmen, schnell mal einen Blick in die Bücherbude!


1086. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 14.4.2023

Wir lesen weiter!
„Bordenau - unser Dorf liest“ am 3.Oktober 2023
aus dem Buch von Florian Illies „Liebe in Zeiten des Hasses: Chronik eines Gefühls 1929–1939“, kombiniert mit Gedichten und Originalzitaten der ausgewählten Künstler, unter anderem Mascha Kaleko, Bertolt Brecht und Erich Maria Remarque. Ferdinand von Schirach meint dazu: »Lesen Sie bitte dieses Buch, es ist hinreißend. Ich habe so viel Neues erfahren, über die Liebe, die Kunst und das Grauen.« In einem virtuosen Epochengemälde erweckt Florian Illies die dreißiger Jahre, dieses Jahrzehnt berstender politischer und kultureller Spannungen, zum Leben. Als Jean-Paul Sartre mit Simone de Beauvoir im Kranzler-Eck in Berlin Käsekuchen isst, Henry Miller und Anaïs Nin wilde Nächte in Paris und »Stille Tage in Clichy« erleben, F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway sich in New York in leidenschaftliche Affären stürzen, fliehen Bertolt Brecht und Helene Weigel wie Katia und Thomas Mann ins Exil. Genau das ist die Zeit, in der die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland ergreifen, Bücher verbrennen und die Gewalt gegen Juden beginnt. 1933 enden die »Goldenen Zwanziger« mit einer Vollbremsung. Florian Illies führt uns zurück in die Epoche einer politischen Katastrophe, um von bekannten Liebespaaren der Kulturgeschichte zu erzählen: In Berlin, Paris, im Tessin und an der Riviera stemmen sich die großen „Geister“ der Zeit gegen den drohenden Untergang. Eine mitreißend erzählte Reise in die Vergangenheit, die sich wie ein Kommentar zu unserer verunsicherten Gegenwart liest: Liebe in Zeiten des Hasses.


1085. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 7.4.2023

Dann lasst uns aufstehen!
Der engagierte Schweizer Pfarrer und Schriftsteller Kurt Marti hat bereits 1970 ein ambitioniertes Ostergedicht geschrieben:
1. Das könnte den Herren der Welt ja so passen,
wenn erst nach dem Tode Gerechtigkeit käme,
erst dann die Herrschaft der Herren,
erst dann die Knechtschaft der Knechte
vergessen wäre für immer,
vergessen wäre für immer.
2. Das könnte den Herren der Welt ja so passen,
wenn hier auf der Erde stets alles so bliebe,
wenn hier die Herrschaft der Herren,
wenn hier die Knechtschaft der Knechte
so weiterginge wie immer,
so weiterginge wie immer.
3. Doch ist der Befreier vom Tod auferstanden,
ist schon auferstanden und ruft uns nun alle
zur Auferstehung auf Erden,
zum Aufstand gegen die Herren,
die mit dem Tod uns regieren,
die mit dem Tod uns regieren.


1084. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 24.3.2023

Nun ist er endlich kommen doch! Dank Theodor Fontane!
„Nun ist er endlich kommen doch
in grünem Knospenschuh.
»Er kam, er kam ja immer noch«,
die Bäume nicken sich's zu.
Sie konnten ihn all erwarten kaum,
nun treiben sie Schuss auf Schuss;
im Garten der alte Apfelbaum
er sträubt sich, aber er muss.
Wohl zögert auch das alte Herz
und atmet noch nicht frei,
es bangt und sorgt: »Es ist erst März,
und März ist noch nicht Mai.«
O schüttle ab den schweren Traum
und die lange Winterruh',
es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag's auch du!“


1083. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 10.3.2023

Feder trifft Farbe!
Zwei Neustädter Autoren wirken seit Jahren mit in der Wunstorfer Textschmiede. Und die hat sich in den letzten Wochen reichlich mit der Bildenden Kunst beschäftigt. So besuchte die Gruppe eine Schreibwerkstatt im Sprengel-Museum und schrieb beeindruckende Texte zu den Bildern von Bernd M. Langers Ausstellung im Rosenkrug in Neustadt. Jetzt traf sie sich mit der Künstlergruppe um Simone Albrecht in Blumenau, um eine weitere Kooperation von Literatur und Kunst auf Augenhöhe auszuloten. Dabei drehen unsere Dichter den Spieß einmal um und beschreiben wortmalerisch ein Bild, das später von den Künstlern gemalt werden soll. In der Kurzgeschichte von Wilfried Benthin aus Neustadt „Ich versuche ein Bild zu malen“ springen einen die Elemente förmlich an, es gerät ein Schiff in Seenot und man hört sogar etwas: „Wir Menschen sehen die Welt in allen Farben, also nehme ich meine Farbpalette zur Hand. Noch erscheint die Leinwand in einem nichtssagenden Weiß. Der Wind lässt das halboffene Fenster in meinem Zimmer klappern, und ich habe eine Idee. Ich male dunkle Wolken, die fast bedrohlich die obere Hälfte des werdenden Bildes einnehmen. Wie von Geisterhand wandert der Pinsel darüber hinweg und gestaltet es noch intensiver. Nun überlege ich nicht lange und beginne mit dem Rest, eine durch den Sturm hoch aufgetürmte See zu malen. Im Vordergrund überschlagen sich die Wellen, und die weißen Schaumkronen sprühen ihre Gischt förmlich aus dem Bild heraus. In der Ferne sind die Decksaufbauten eines Schiffes zu erkennen, das um sein Dasein kämpft. Ich trete zwei Schritte zurück, betrachte mein Werk und meine, „Dit-dit-dit, daaa-daaa-daaa, Dit-dit-dit“ im Hintergrund zu hören.“ Und jetzt gucken wir mal, welches Bild daraus - gemalt - entsteht! Wir berichten weiter!


1082. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 3.3.2023

Alle Jahreszeiten wieder!
Johanna Korte leitet mit Engagement und Empathie den Literaturzirkel „Jahres-Zeiten-Poesie“ für an Literatur interessierte und begeisterte Frauen und Männer in der "Dorfwerkstatt“ in Bordenau im Birkenweg! Einmal im Monat montags von 14.45 - 16.15.Uhr. Und eben am nächsten Montag, dem 13.März 2023, auch wieder. Der Gesprächskreis wurde vor drei Jahren schon eingerichtet, dazwischen kamen einige Krisen, jetzt kommen die Jahreszeiten doch wieder, wie die zum Beispiel von Hoffmann von Fallersleben:
„Oh, wie ist es kalt geworden
und so traurig, öd und leer!
Rauhe Winde wehn von Norden,
und die Sonne scheint nicht mehr.
Schöner Frühling, komm doch wieder,
lieber Frühling, komm doch bald.
Bring uns Blumen, Laub und Lieder,
schmücke wieder Feld und Wald!“


1081. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 24.2.2023

Woher kommt unsere Liebe zum Meer und die ewige Sehnsucht nach einer Insel?
Die Fähre braucht vom Festland eine Stunde auf die kleine Nordseeinsel, manchmal länger, je nach Wellengang. Hier lebt in einem der zwei Dörfer seit fast 300 Jahren die Familie Sander. Drei Kinder hat Hanne großgezogen, ihr Mann hat die Familie und die Seefahrt aufgegeben. Nun hat ihr Ältester sein Kapitänspatent verloren, ist gequält von Ahnungen und Flutstatistiken und wartet auf den schwersten aller Stürme. Tochter Eske, die im Seniorenheim Seeleute und Witwen pflegt, fürchtet die Touristenströme mehr als das Wasser, weil mit ihnen die Inselkultur längst zur Folklore verkommt. Nur Henrik, der Jüngste, ist mit sich im Reinen. Er ist der erste Mann in der Familie, den es nie auf ein Schiff gezogen hat, nur immer an den Strand, wo er Treibgut sammelt. Im Laufe eines Jahres verändert sich das Leben der Familie Sander von Grund auf, erst kaum spürbar, dann mit voller Wucht. Klug und mit großer Wärme erzählt Dörte Hansen vom Wandel einer Inselwelt, von alten Gesetzen, die ihre Gültigkeit verlieren, und von Aufbruch und Befreiung, alles in ihrem neuen Buch „Zur See“. Und das in einer Sprache, die ihren treffenden Witz aus ihrem Buch „Altes Land“ und die stimmungsvolle Wehmut aus „Mittagsstunde“ in eine dralle, raue Weise überhöht, die uns mitreißt!


1080. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 17.2.2023

Neustadt Helau! Rübenberge Alaaf!
Nu is et widder Karneval /Da lache und scherzen se widder all /
Doch bleibt dat Lachen im Halse stecken, /et jibbt ja kaum noch richtige Jecken.
Wo Fastnachtswitz mit feinem Stift / Verspritzt sonst parodistisch lustig Jift,
Da haut die Zimmermann mit gröbstem Scherz / Auf unsern humorlos trock´nen Merz.
Da wartet mancher, dat die Quote kütt, / und verliert sich nuhr in seiner Bütt.
Dä Schröder schreddert Rübenberge,
Oliver welkt so vor sich hin,
und Jan böhmert sich durch sein Investigativ,
so fällt der kleine Mann janz, janz tief:
Nach Pandemie, Klima, Krieg und solche Sache,
hat der ja nich mehr viel ze Lache.
Ja Neustadt, an schöner Leine festgemacht,
hier wird neben den Mühen sonst auch viel gelacht.
Doch wenn einer will sein Haus verkaufen für teures Jeld
Dann „Augen auf“. wem dat ins Auge fällt!
Hier werden Brücken eingerissen noch und nöcher,
über fertige darf man nich: sind da noch Löcher?
Gemeinwohlökonomie muss sich extra gründen,
Um Verfassungsansprüche neu zu erfinden.
Und sprachlich sitzen wir auf Regions Rändern
Und können ohne Melissa jetzt alleine gendern.
Da fällt et wirklich schwer, noch laut zu lachen – gemeinsam oder alleine
Am Wasserfall, vorm Schreibtisch oder an unserer schönen Leine.


1079. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 10.2.2023

„Man gab mir einen Körper“!
Das Gedicht stammt aus der Feder des russischen Dichters Ossip Mandelstam (1891 – 1938):
„Man gab mir einen Körper — wer
Sagt mir, wozu? Er ist nur mein, nur er.
Die stille Freude: atmen dürfen, leben.
Wem sei der Dank dafür gegeben?
Ich soll der Gärtner, soll die Blume sein.
Im Kerker Welt, da bin ich nicht allein.
Das Glas der Ewigkeit — behaucht:
Mein Atem, meine Wärme drauf.
Die Zeichnung auf dem Glas, die Schrift:
Du liest sie nicht, erkennst sie nicht.
Die Trübung, mag sie bald vergehn.
Es bleibt die zarte Zeichnung stehn.“


1078. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 3.2.2023

Wir lesen weiter!!
Nach der Absage der letzten großen Lesung zum „Tag der Deutschen Einheit“ war es lange nicht klar, wie es mit unserem lesendem Dorf weitergehen könnte. Jetzt hatten die Leiter Annegret Scholz und Martin Drebs viele der aktiven Vorleser zu einem Konzeptionsgespräch eingeladen. Der Tenor der Einladung war noch etwas scheu und unsicher: „Wir sind alle älter geworden - reifer? - und die Kräfte reichen oft nicht mehr hin. Junge Nachfolger sind noch nicht in Sicht. Dies` Schicksal teilen wir uns mit vielen anderen Einrichtungen, und vielleicht soll es ja auch zu Ende gehen: würdig, heiter und poetisch!“ Aber Pustekuchen! Es geht weiter! Wir lesen weiter! Und haben uns schon ein Buch ausgewählt – dazu demnächst mehr. Und das wollen wir in Auszügen auch gerne wieder am 3. Oktober vorlesen. Bestens vorbereitet wie immer, besonders aufs gute Vorlesen, aber nicht mehr mit dem ganzen Drumherum: Die Kunstsporthalle abdunkeln, das Orchester aufbauen, die Lichtanlage aussteuern und vieles andere mehr. Dabei wünschen wir uns, dass unser verehrtes Publikum wiederkommt und es zu schätzen weiß, wenn wir aus dem Lesbaren das Lesenswerte auswählen.


1077. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 27.1.2023

Der alte Mann und das Mehr
Am Samstag, dem 18. Februar 2023, um 20 Uhr gibt es ein Poetry-Slam-Show mit Klaus Urban im Gymnasium Neustadt. Mit dem Auftritt des Ehepaars Verena und Klaus Urban bietet der Abend einen weiteren, besonderen Leckerbissen. Denn die Ehepartner treten auch im Team auf und setzen ihre Beiträge gekonnt im Duett in Szene: „Der alte Mann und das Mehr“ - unter diesem Namen performen Verena und Klaus Urban ihre Beiträge. Wir dürfen hier vorab schon auf den Wortwechsel schauen; dabei sind die Texte farbig unterlegt: Blaue Teile werden gemeinsam gesprochen, schwarz spricht der alte Mann und Rot ist „Das Mehr“.


1076. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 20.1.2023

Wachen? Träumen?
Schon Shakespeares Hamlet war sich nicht ganz sicher, ob das Leben vielleicht nur ein Traum sei. Mir träumte, ich sei ein Schmetterling, und jetzt weiß ich nicht mehr, bin ich ein Mensch, der von einem Schmetterling geträumt hat oder umgekehrt. Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum, hieß es in bewegten Zeiten. Karoline von Günderrode (1780 bis 1806), eine deutsche Dichterin der Romantik, spürte sogar einen „Kuss im Traume“:
„Es hat ein Kuss mir Leben eingehaucht,
Gestillet meines Busens tiefstes Schmachten.
Komm, Dunkelheit! mich traulich zu umnachten,
Dass neue Wonnen meine Lippe saugt.
In Träume war solch Leben eingetaucht,
Drum leb' ich, ewig Träume zu betrachten,
Kann aller andern Freuden Glanz verachten,
Weil nur die Nacht so süßen Balsam haucht
Der Tag ist karg an liebesüßen Wonnen,
Es schmerzt mich seines Lichtes eitles Prangen
Und mich verzehren seiner Sonne Gluthen.
Drum birg dich Aug' dem Glanze ird'scher Sonnen!
Hüll' dich in Nacht, sie stillet dein Verlangen
Und heilt den Schmerz, wie Lethes kühle Fluten.“


1075. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 13.1.2023

Albert Einstein hat das Wort!
Auch er kommt bei der Konzertlesung am 19.1.23 im Ratskeller zu Wort. Er hat nicht nur die Physik geprägt, sondern auch die Weltanschauung der Menschen beeinflusst. Mit seinem moralischen Feingefühl äußerte er sich in vielen Zitaten auch über die hässlichen Seiten der Menschheit und über Kriege: „Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen. Was mich erschreckt, ist nicht die Zerstörungskraft der Bombe, sondern die Explosionskraft des menschlichen Herzens zum Bösen. Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle konstruieren. Die Rüstungsindustrie ist eine der größten Gefährdungen der Menschheit. Es ist einfacher, radioaktives Plutonium zu entsorgen als das Böse im Menschen. Heldentum auf Kommando, sinnlose Gewalt und die leidige Vaterländerei, wie glühend hasse ich sie, wie gemein und verächtlich erscheint mir der Krieg; ich möchte mich lieber in Stücke schlagen lassen, als mich an einem so elenden Tun beteiligen!“


1074. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 6.1.2023

Ein neues Lied, ein besseres Lied!
Lasst uns das Jahr mit Heinrich Heines Gedicht „Deutschland – ein Wintermärchen“ beginnen:
„Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.
Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.
Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.
Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.
Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
So wollen wir euch besuchen
Dort oben, und wir, wir essen mit euch
Die seligsten Torten und Kuchen.
Ein neues Lied, ein besseres Lied!
Es klingt wie Flöten und Geigen!
Das Miserere ist vorbei,
Die Sterbeglocken schweigen.
Die Jungfer Europa ist verlobt
Mit dem schönen Geniusse
Der Freiheit, sie liegen einander im Arm,
Sie schwelgen im ersten Kusse.
Und fehlt der Pfaffensegen dabei,
Die Ehe wird gültig nicht minder -
Es lebe Bräutigam und Braut,
Und ihre zukünftigen Kinder!“


Martin Drebs, Initiator von "Unser Dorf liest" 

(mehr Infos zu Martin Drebs)

Tel. 05032-1426, FAX 05032-915202
E-Mail: Unser Dorf liest@Bordenau.de


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