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Unser Dorf liest

Arbeitskreis "Unser Dorf liest"

Die wöchentliche Kolumne von Martin Drebs

(frühere Kolumnen finden Sie im  Archiv)

 


Das unbeschriebene Blatt
950. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 23.1.20

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Dagmar Wicke grüßt literarisch mit einem kleinen Gedicht zur Weisheit!: „Ich bin ein unbeschriebenes Blatt, die Zeichen, die du auf mich setzt, ich will sie alle tragen. Und mögen sie auch dunkel sein, so werden sie zu allerletzt von meiner Weisheit sagen.“


Literarische Jahresvorschau
949. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 15.1.20

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Und hier nun die versprochene literarische Jahresvorschau: klar es gibt wieder jede Menge Neuerscheinungen und Messen und Preise. Auch „Bordenau liest: wird Anfang Oktober einladen, diesmal zum 21. Jubiläum, und wir planen, einen oder eine große Vorleser/in einzuladen, Eva Mattes haben wir schon angeschrieben, es könnte aber auch Matthias Brandt werden. Im wirklichen Sinne kann niemand über das neue Jahr etwas Zutreffendes aussagen, doch die Literatur selbst hat sich immer wieder mit der Zukunft beschäftigt, in Fantasieromanen oder sozialen Utopien wie Thomas Mores UTOPIA, Francis Bacons NEU-ATLANTIS oder Tommaso Campanellas SONNENSTAAT. Auch George Orwells „1984“ gehört zu den sozialen Science-Fiction-Romanen, die die Überwachung der Gesellschaft darzustellen versuchen. In neuerer Zeit hat das die zeitgenössische Autorin Juli Zeh mit ihrem Gesundheitsstaat CORPUS DELICTI gewagt. Zwei Neuerscheinungen, die sich besonders mit den neuen technologischen Möglichkeiten beschäftigen, seien dennoch herausgestellt. Michael Meisheit „Wir sehen dich sterben“: Berlin: An einem Dezembersonntag soll MyView der Weltöffentlichkeit präsentiert werden. Bei dem geheimen Projekt wurde eine bahnbrechende Technologie entwickelt: Mithilfe eines Chips im Sehnerv kann das Blickfeld eines Menschen live auf einen Bildschirm übertragen werden. Einen Tag vor der Präsentation entdeckt die junge Wissenschaftlerin Nina Kreutzer Videostreams, die durch die Augen von sechs ihr unbekannten Menschen blicken lassen. Menschen, die offensichtlich nicht wissen, dass ihnen ein Chip implantiert wurde – und die jetzt einer nach dem anderen ermordet werden. Zusammen mit dem Polizisten Tim Börde beginnt für Nina ein Wettlauf gegen die Zeit …und das Buch von Ian McEvan, „Maschinen wie ich“: Charlie ist ein sympathischer Lebenskünstler Anfang 30. Miranda eine clevere Studentin, die mit einem dunklen Geheimnis leben muss. Sie verlieben sich, gerade als Charlie seinen 'Adam' geliefert bekommt, einen der ersten lebensechten Androiden. In ihrer Liebesgeschichte gibt es also von Anfang an einen Dritten: Adam. Kann eine Maschine denken, leiden, lieben? Adams Gefühle und seine moralischen Prinzipien bringen Charlie und Miranda in ungeahnte - und verhängnisvolle - Situationen.


Literaturnobelpreise
948. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 11.1.20

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Nun haben wir sie wieder, die Jahresrück- und -vorschaun. Halten wir uns im engeren Sinne ans Wort. In letztem Jahr wurden zwei Literaturnobelpreise verliehen. Der eine ging an die engagierte polnische Schriftstellerin Olga Tokarczuk, der andere an den deutschsprachigen Autor Peter Handke aus Österreich mit slowenischen Wurzeln - für sein Gesamtwerk mit einigen umstrittenen Werken zum Jugoslawienkrieg. Dadurch bekam er Ärger mit einem anderen Deutschen Buchpreisträger 2019, nämlich Saša Stanišić aus Bosnien-Herzegowina, der seit 1992 in Deutschland lebt. Mit seiner Neuerscheinung „Herkunft“ steht er momentan auf den Spiegelbestsellerlisten: ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden und was danach kommt. Nach seinen erfolgreichen Büchern „Wie der Soldat das Grammophon repariert“ und „Vor dem Fest“ schildert „Herkunft“ hochliterarisch und dennoch realistisch die gelungene Integration in die deutsche Sprache und den mitteleuropäischen Verfassungsraum mit seinen besonderen Möglichkeiten. Nächste Woche geht es weiter mit einer literarischen Jahresvorschau!


Vielen Dank, liebe Lesende.
947. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 19.12.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Nun neigt sich das Jahr seinem wohlverdienten Ende zu. Und wir möchten einfach mal Danke sagen für all Ihre Aufmerksamkeit beim Lesen dieser kleinen Kolumnen am Rande des Blätterwaldes. Seit über 20 Jahren liefern wir, bald ist es die 1000. Kolumne und wir wollen uns auch damit ans Guinness-Buch der Rekorde wenden. Das nennt man kulturelle Nachhaltigkeit, die auch nur durch die Konstanz der Neustädter Zeitung möglich wurde. Immerhin lesen nach einer privaten Erhebung ca. Zweidrittel der Leser auch die Kolumne, das ist ein höherer Bekanntheitsgrad als …ach, wir brauchen keinen Vergleich. Und wir schreiben noch ein Bisschen weiter, wenn Sie mögen, solange noch jemand vorliest, kann die Welt nicht untergehen!


"Der Wind im Winterwalde"
946. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 4.12.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Rainer Maria Rilke taucht uns in den klassischen Advent, auch wenn der Schnee nicht mehr so häufig ist, innerlich schneit er einfach weiter:
„Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird.
Und lauscht hinaus: den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.“


Herbstende
945. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 27.11.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

„Lass den Herbst nicht dafür büßen, dass es Winter werden wird“, heißt es bei Erich Kästner.
Barbara Weißköppel weiß Rat:
„HERBSTENDE
DER BIRKEN BLATTGOLD
ERGLÄNZT IN HERBSTLICHEN
FLUREN.
GESTELLT SIND DIE SONNENUHREN
IHRE ZEIGER EILEN
ÜBER DAS ZIFFERBLATT
DER WELT.
DAS LICHT DER SONNE
WIRD MATT.


Wahrheiten zum Frieden am Volkstrauertag
944. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 20.11.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Hier noch ein kleiner wichtiger Nachtrag zum Volkstrauertag. Vor der Feierstunde in Bordenau gestalteten die Konfirmanden den Gottesdienst mit, indem sie der Gemeinde das Wort FRIEDEN vorhielten und zu den einzelnen Buchstaben eigene kleine, wohl einfache, aber sehr wesentliche Wahrheiten mit auf den Weg gaben:
F wie Freiheit: Ich möchte gern tun dürfen, was mir gefällt. Den anderen möchte ich dabei natürlich nicht behindern, denn dann ist der ja nicht mehr frei.
R wie Ruhe: Die geht nur, wenn ich keine Angst haben muss. Sonst habe ich immer nur die Bedrohung im Sinn.
I wie Integration: Alle gehören dazu. Wenn jemand ausgegrenzt wird, entsteht ein Konflikt. Das ist die Vorstufe zum Krieg.
E wie Einheit: Gemeinsam können Menschen vieles schaffen. Sogar mit Kerzen und Gebeten!
D wie Danken: Das fördert einen positiven Blick auf das, was gut ist und was möglichst so bleiben sollte.
E wie Einigung: Das ist mehr als Waffenstillstand!
N wie Neuanfang: Wir leben ja nicht im Himmel. Es wird immer Konflikte geben. Wie gut tut es doch, danach zu versuchen, es – beim nächsten Streit – gemeinsam besser hinzubekommen.


"Abel steh auf..."
943. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 14.11.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Am morgigen Sonntag begehen wir im Neustädter Land den Volkstrauertag. Hierzu der Anfang eines besinnlichen Gedichtes von Hilde Domin, das nach dem Anfang allen Streits unter den Menschen fragt: "Abel steh auf /Es muß neu gespielt werden /Täglich muß es neu gespielt werden /täglich muß die Antwort noch vor uns sein /die Antwort muß ja sein können /Wenn du nicht aufstehst Abel /wie soll die Antwort /diese einzig wichtige Antwort sich je verändern /wir können alle Kirchen schließen und alle Gesetzbücher abschaffen /in allen Sprachen der Erde /wenn du nur aufstehst /und es rückgängig machst /die erste falsche Antwort /auf die einzige Frage /auf die es ankommt /steh auf /damit Kain sagt /damit er es sagen kann /Ich bin dein Hüter /Bruder /wie sollte ich nicht dein Hüter sein /Täglich steh auf /damit wir es vor uns haben dies Ja ich bin hier /ich dein Bruder."


FAUST oder NATHAN DER WEISE?
942. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 31.10.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Nun steht er also wieder zur Debatte, der olle Goethe mit seinem FAUST. Wenn es nach einigen Kultusministerien ginge, würde man stattdessen lieber den facettenreichen NATHAN DER WEISE von Lessing vorziehen, übrigens das erste nach dem 2.Weltkrieg in Deutschland gespielte Theaterstück! Ach so ja, kurz die Inhalte, zitiert nach Anna-Lena Scholz aus der ZEIT vom 10.10.2019: „Die Handlung ist so lala. Älterer promovierter Herr (Dr.Heinrich Faust), so gebildet wie gelangweilt (Midlife-Crisis), schließt einen großen Deal mit dem Teufel. Er tauscht sein Seelenheil gegen jugendliche Manneskraft. Schwängert junges Mädchen aus bildungsfernem Milieu (MeToo), das am Ende stirbt. Der Doktor schlägt sich fortan voller Schuldgefühle mit Hexen und Göttern herum (Faust II)….Lessings Aufklärungsdrama NATHAN DER WEISE (1779)… besticht dagegen durch Aktualität. Hier treffen ein Jude, ein Christ, ein Muslim aufeinander. Die Handlung ist verwickelt, denn nach und nach stellt sich heraus, dass alle irgendwie miteinander verwandt sind oder einander adoptiert haben. Eine Patchwork-Geschichte mit Happy End, die jeder nationalstaatlichen und religiösen Vorherrschaft den Boden entzieht: „Unter stummer Wiederholung allseitiger Umarmungen fällt der Vorhang“. Eine Regieanweisung, wie man sie für die globale Weltgemeinschaft des 21.Jahrhunderts herbeisehnt.“ Um den „Lehrplan des Abendlandes“, so der Titel von Josef Dolch (1953) wurde schon immer heftig gerungen. So erinnert sich die Bordenauerin Marita H. an eine Podiumsdiskussion 1968 mit dem Titel: „Ist Faust noch zeitgemäß?“. Marita H.: „Ich war die einzige Befürworterin. Wir waren in der Klasse alle begeistert von den vielen umfassenden und existentiellen Fragen: Liebe, Glaube, Wissenschaft, Gesellschaft. Und das traf auch unseren rebellischen und gleichsam sehnsuchtsvollen Nerv: da steh ich nun, ich armer Tor oder Verweile doch Augenblick, du bist so schon oder zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust. So haben wir unserer tollen Deutschlehrerin vorgeschlagen, auch noch Faust II zu lesen, was dann doch etwas anstrengend war.“ Daraus wird ja nun nichts mehr, und Max Moor freute sich in seinem Fernsehkommentar darüber, dass ein Teil der Weltliteratur aus den Schulen verbannt wird, weil es dann auch keine schülerhafte Auflehnung mehr gegen verordnete Schullektüre geben kann. Ach übrigens: es gibt ein europäisches Kulturdorf, das schon sowohl Faust (2000) und Lessings NATHAN (2005), hieraus besonders die Ringparabel, vorgetragen hat: Bordenau!


"Die Angst des Tormanns beim Elfmeter"
941. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 16.10.19

Liebe Leserin! Lieber Leser! Liebe Sportsfreunde!

Warum fallen nur so viele Tore im Fußball beim Elfmeterschießen? Peter Handke, frischgekürter Literaturnobelpreisträger, wusste darauf schon im Jahre 1970 mit seinem Roman "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" schon eine Antwort: „Ein Elfmeter wurde gegeben. Alle Zuschauer liefen hinter das Tor. „Der Tormann überlegt, in welche Ecke der andere schießen wird“, sagte Bloch. „Wenn er den Schützen kennt, weiß er, welche Ecke er sich in der Regel aussucht. Möglicherweise rechnet aber auch der Elfmeterschütze damit, dass der Tormann sich das überlegt. Also überlegt sich der Tormann weiter, dass der Ball heute einmal in die andere Ecke kommt. Wie aber, wenn der Schütze noch immer mit dem Tormann mitdenkt und nun doch in die übliche Ecke schießen will? Und so weiter, und so weiter.“ Bis das Tor dann doch fällt.


„Es war kein Zuhören, es war ein Miterleben!“
940. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 10.10.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Lesen ist schön, Vorlesen ist schöner und am schönsten ist es, wenn man vorgelesen bekommt, zum Beispiel abends im Bett, und man kann so schön einschlafen; denn solange noch jemand liest, ist die Welt nicht untergegangen. Unsere lesendes Dorf hat jetzt auch vorgelesen: Kempowski, ECHOLOT. Hier einige Publikumsreaktionen: „Gratulation zu dem sehr gelungenen ersten Teil Ihrer Lesung aus dem Echolot von Walter Kempowski. Die Art der Präsentation war berührend. Der Rahmen im Gemeindehaus war ja beinahe familiär. Schön, dass so viele Besucher an der Veranstaltung teilgenommen haben. Es handelt sich ja um ein sehr ernstes Thema. Einige Texte ziehen einem förmlich die Schuhe aus.“ „Es war kein Zuhören, es war ein Miterleben!“ „Ich danke Euch und allen, die mit Euch diese Tage erarbeitet haben, für die „Vielstimmige Lesung mit Musik“, die Begegnung mit dem Dorf, das liest, mit den Lesenden - mit Euch! Ich bewahre diese Herz-Seele-Geist-Stärkung“. „Großartig – ein Geschenk“. „Ich möchte Ihnen nochmals meine Anerkennung für das Projekt Abgesang aussprechen, das mich sowohl vom Inhalt wie auch von der gestalterischen Ausführung beeindruckt hat. Da haben sie doch Beachtenswertes auf die Beine gestellt!“ Sehen Sie, lesen Sie, so schön kann´s sein. Doch nur Mut und Kopf hoch: Vorlesen kann man bei vielen Gelegenheiten. Weil ein Münchener Friseur selbst nicht zum Lesen kam, lässt er sich jetzt von seinen Kunden vorlesen, besonders von jungen Lesern, und ein Ravensburger Kinderbuchverlag unterstützt die Aktion. Da ist doch noch mehr möglich: Vorlesen ginge auch im Wartezimmer, im Bus, beim Zahnarzt. Oder gleich im Reisebüro Reisegeschichten oder in der Sauna undsoweiter. Und demnächst wieder klassisch in Bordenau. Einfach hinsetzen und miterleben.


Zeitzeugen
939. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 25.9.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Dieser Tage bietet ein namhaftes Warenhaus – das mit den tollen Ideen – eine museumreife Ausstellung für Zuhause an: „Authentische Zeugen der Zeitgeschichte: Aus dem Wrack der TITANIC wurde das Kohlestück geborgen. Mit SPACE SHUTTLE im Orbit war einst das Materialteil der Discovery-Raumfähre.“ Ein Setzstein vom Pariser Eiffelturm ist dabei und ein Steinchen aus dem legendären Liverpooler Club der Beatles, eine Requisite von James Bond sowie ein Fragment vom Kupfermantel der Freiheitstatue. Echtheitszertifikate und ein Buch über die spannenden Geschichten hinter den Exponaten werden mitgeliefert. Das Ganze zum stolzen Preis von über eintausend Euro. Wenn Sie´s preiswerter und lebendiger haben wollen, dann kommen Sie Anfang Oktober nach Bordenau ins Dorfgemeinschaftshaus. Hier hören Sie die Stimmen von MENSCHLICHEN ZEITZEUGEN, von Jugendschaftsführern, US-Kriegsberichterstatter, Geschäftsleuten, Soldaten, Zwangsarbeitern, Matrosen, Schriftstellern, Ärzten, Jugendlichen, Rotarmisten und vielen anderen mehr aus Walter Kempowskis „Echolot – Abgesang ´45, ein kollektives Tagebuch“.


Echolot. Abgesang ´45
938. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 4.9.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

„Es ist totenstill und finster, nur die Bäume rauschen manchmal im Wind. Vorübergehend kann man die Vorstellung verlieren, dass ringsum eine Katastrophe ihren Lauf nimmt, wie man sie allenfalls aus Geschichtsbüchern gekannt hat. Ich bin nicht im geringsten mit all dem fertig, was passiert. Ich kann es in Wirklichkeit überhaupt nicht fassen. Es ist aus mit Deutschland, das ich so sehr geliebt habe. Denn das ist nicht nur ein Krieg, der verlorengeht. Das ist viel umfassender und endgültiger, ein Verlust von aller vorstellbaren Zukunft. Ich weiß nur eins, dass ich überleben will. Ich bin neunzehn Jahre alt. Eigentlich müsste alles erst anfangen“ Diesen Text schreibt der junge Dieter Wellershoff. Er ist einer von Hunderten von Texten aus dem Buch „Echolot. Abgesang ´45. Ein kollektives Tagebuch von Walter Kempowski. „Dieses Buch ersetzt eine ganze Bibliothek zum Thema Kriegsende“, schreibt Frank Schirrmacher. „Bordenau liest“ wird eine von Kempowskis Frau autorisierte Kürzung dieser ergreifenden Briefe, Tagebücher und Autobiografien vom 3. bis 6.Oktober, jeweils ab 15 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Bordenau vortragen. Begleitet von Musik und Trommeln versuchen die Lesenden den Zeitzeugen eine Stimme zu geben, ihre eigene Betroffenheit auszudrücken und es für die Zuhörer interessant „rüberzubringen“. Ein Teil der Stimmen wird als Radiobeiträge eingespielt, die Bühne wird zum Studio und das Dorfgemeinschaftshaus sieht aus wie ein Volksempfänger. Und eine Stimme kommt dabei aus Frankreich und liest Charles deGaulle. Als regionalgeschichtliche Vorbereitung auf die Lesung wird der Historiker Dr. Werner Besier eine Rede halten zu den letzten Kriegswochen in Bordenau und Neustadt am Samstag, dem 28.9.2019 ab 16 Uhr im evangelischen Gemeindehaus. Am Dienstag, dem 1.Oktober, ab 19.00 Uhr zeigt das Cinema Neustadt den Fernsehfilm von "Tadellöser & Wolff", daran erinnern sich noch viele. Zum Abschluss der Kempowski-Tage zeigen wir am Sonntagnachmittag die Rede von Richard v. Weizsäcker vom 8.Mai 1985, sozusagen als gelungene und versöhnende Kommentierung der historischen Ereignisse und Probleme und Chancen. Jetzt kann keiner mehr sagen, er hätte von nichts gewusst. Weitere Informationen auf www.Bordenau.de.


Sommerpausenpoesie
937. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 29.8.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Paul Cornelius hat aus seiner Sommerpausenpoesie wieder ein kleines Kunststück mitgebracht; ein bisschen erinnert das an Ringelnatz. Doch lesen Sie selbst: „Augenblicke“. „Auf ihrem Weg zum Lebensglücke/trafen sich zwei Augenblicke./ Der eine wollt´ nach innen sehn,/der andere bloß mal giecken gehen. /Nu steh´n se beede uf der Brücke/und wissen nich vor und nich zurücke.“


Beziehungskiste
936. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 22.8.19

Liebe Leserin!

Ja, Sie haben richtig gelesen:  Liebe Leserin! Denn diese Einladung gilt einmal nur Frauen. Frauen lesen, was sie geschrieben haben, und zwar vor und für Frauen: „Amelia – Augenblicke des Lebens“ und „zeitumstellung“ werden Ina Paulus-Mehlberg, Entspannungspädagogin und Yoga-Lehrerin aus Berlin, und Gesa Elsner, Neustadt, am Samstag, den 31.08.2019 um 17:00 Uhr in der Kanzlei Machulla, Theodor-Heuss-Straße 27, lesen. In der Pause wird es die Möglichkeit zum (Ideen-)Austausch bei Kaffee und Kuchen geben. Der Eintritt ist frei. Es wird um Spenden für die Frauenberatungsstelle Neustadt gebeten. Anmeldungen bitte bis zum 27.08.2019 unter 05032 – 94020. Und ein erstes Gedicht von Gesa Elsner gibt es hier auch schon aus dem Zyklus „beziehungskiste“:
„begriffsbildung geschieht
in den ersten sekunden
der ersten begegnung
mache ich mir
einen begriff
was hast du mir voraus
den anfang aller anfänge
zu wissen
ich habe dich
und habe dich
bereits verloren
ewige wunde
und heilung bist du
worte
werfe ich dir nach“


Liebesbrief an eine Mücke
935. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 8.8.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Die VHS Hannover-Land lockt mit Reisen ins Grüne…Endlich Sommer, endlich Zeit zum Draußen sein, um im Garten zu sitzen oder eine Reise zu machen. Für all diejenigen, die nicht verreisen können, bietet die VHS eine wundervolle Alternative. Am Montag. 12.08.2019, 19:00-21:15 Uhr knüpft sie „Grüne Bande“ in einem Garten der geheimen Freundschaft. In ihrem Buch über Gartenfreundschaften nehmen Ariane Kaths und Christiane Büch – zwei langjährige Gartenfreundinnen – Sie mit auf eine Reise zu Gärten und ihren Menschen, in Gärtnereien, auf Pflanzenmärkte und Seminare. Was verbindet Menschen beim Besuch von fremden Gärten? Und welche Rolle spielen eigentlich die Pflanzen selbst? Die Autorin Ariane Kaths und Ingrid Kober lesen in einem Privatgarten in Mandelsloh aus dem für den Gartenbuchpreis nominierten Buch „Grüne Bande“. Es erzählt von gärtnerischen Leidenschaften, von Dornröschen am Süllberg, von Rittersporn-Liebe, von Gruschtelgärten und Klackermatsche. Der genaue Ort in einem Privatgarten in Mandelsloh wird bei Anmeldung bekannt gegeben! Bringen Sie zwölf Euro mit, dann gibt´s auch was zu trinken. Anmeldungen erbeten per E-Mail: wetzel@vhs-hannover-land.de


Liebesbrief an eine Mücke
934. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 3.8.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Die Bordenauer Dichterin Christine Köpcke und ihre Freundin Elke Horaitis haben allerlei Gedanken gedichtet zu einem „Lebensreigen“. Dabei werden in Zeiten des Klimawandels und des Artenschwindens besonders heiter die Tiere berücksichtigt beziehungsweise verschont! Heinz Ehrhardt hätte seine poetische Freude daran. Lesen Sie selbst Elke’s Liebesbrief an eine Mücke:
„Pieks - und batsch? Nein!
He, Mücke, grad hab ich dich doch gehört,
nein, nein, du hast mich nicht gestört;
dein helles Summen in der Nacht
mir immer wieder Freude macht!!
Ich weiß, du brauchst für deine Brut
ein Tropfen süßes, leck’res Blut.
Nimm was du brauchst, ich gönn es dir,
du kleiner winziger Vampir!
Ich kratze gern, weil ich dich mag,
den lieben langen Sommertag!!“


„Auf und davon – eine phantastisch-literarische Urlaubsreise“
933. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 20.7.19

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Wunstorf-Luthe liegt ja Bordenau genau gegenüber. Und hier sollte man auf den zauberhaften Hof Stille am Samstag, dem 3. August, ab 17.00 Uhr hinreisen, wenn es da heißt. „Auf und davon – eine phantastisch-literarische Urlaubsreise“. Dabei reichen die Erzählungen von A wie Lorenz Auler, der wohl zu den bedeutendsten deutschen Reiseschriftstellern gehört, bis Z wie Miroslav Zikmund, dem tschechischen Ingenieur, der Mitte des letzten Jahrhunderts abenteuerliche Reisen in verschiedenen Kontinenten unternahm. Historisch spannt sich der Bogen noch weiter von Homer mit seinem Epos der „Odyssee“, den oft ähnlichen Abenteuern von „Sindbad dem Seefahrer“ über die Berichte des Handlungsreisenden Marco Polo bis zur Reise „In 80 Tagen um die Welt“ von Jules Verne – eben mit ganz unterschiedlichen Stilen: Phantasiegeschichten mit Symbolgehalt, Erfahrungen und Abenteuer wie bei Thor Heyerdahl, aber auch die Gestaltung als Roman von der kraftvollen Prosa eines Rudyard Kipling bis zum existenzialistisch oder praktischen geprägten Stils eines Ernest Hemingway oder Antoine de Saint-Exupery. Der „Baedecker“ liest sich dagegen scheinbar nur wie eine Gebrauchsanweisung der Welt. Bei diesem Angebot der VHS Hannover Land sind folgende Bücher im Visier: Mit Roger Willemsen bis an „die Enden der Welt“ reisen, nachschlagen im „Atlas eines ängstlichen Mannes“ von Christoph Ransmayr oder „Luftsprünge“ machen auf einer literarischen Reise durch Europa! Den Kurs, die Ziele, die Geschichten bestimmen die Teilnehmer selbst, der Bordenauer Reiseführer Martin Drebs wird sie Ihnen vorlesen, ob mit Seume „Zu Fuß nach Syracuse“ oder durch „Reisebilder von Gerstäcker bis Fontane“. Bringen Sie ihre Reiselust mit! Bei dieser ökologisch zertifizierten Phantasiereise sparen wir uns das Schweröl der Kreuzfahrtschiffe, um mit den Abenteuern des Geistes zu segeln. Es kann aber doch sein, dass ein von Ökostrom getriebenes Modellschiff hupend und tutend an uns vorbei fährt. Im Reisepreis ist etwas Reiseproviant all inklusive. Anmeldungen erbeten bei der Agentur wetzel@vhs-hannover-land.de. Die Teilnehmerobergrenze liegt bei 2.500. Die Teilnahme an den Werbeblöcken ist obligatorisch. Für eventuelle geistig-literarische Abstürze kann keine Haftung übernommen werden.


Martin Drebs, Initiator von "Unser Dorf liest" 

(mehr Infos zu Martin Drebs)

Tel. 05032-1426, FAX 05032-915202
E-Mail: Unser Dorf liest@Bordenau.de


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