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Unser Dorf liest

Arbeitskreis "Unser Dorf liest"

Kolumnen - Archiv 2018


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"Während der WM sollten die Waffen schweigen!"
899. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 13.6.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Es geht wieder los – trotz allem kommerziellen Drum und Dran: wir freuen uns, wenn die Völker der Welt wieder nur miteinander spielen, also stellvertretend die jeweiligen Mannschaften. Ein bisschen nationalistisch ist es ja dann schon noch, sind doch die Mannschaften der nationalen Ligen längst mit Spielern aus aller Herren Länder „durchmischt“. Das nennt man „Internationalisierung des Fußballs“, wenn Bayern München in Shanghai ein Sportgeschäft eröffnet. Und trotz aller politischen Streitigkeiten hat unsere sportliche Regierung – leicht vom Zen-Buddhismus eines gewissen Yogis beeinflusst – entschieden, dennoch  nach Russland zu gehen und dabei auch unser türkeideutschen – übrigens eine sprachliche Parallelbildung zu russlanddeutschen - Sportskameraden mitzunehmen. Doch die Zeiten, wo irre Fans den dunkelhäutigen Spielern Bananen hinterher warfen, sind wohl vorbei, oder? Im Übrigen bin ich der Meinung: während der WM sollten ähnlich wie bei Olympia die Waffen schweigen! Wenigstens dann mal! Und das Erfreuliche: im Vorfeld fanden viele kleine simulierte WM-Turniere statt, in Düsseldorf spielten sogar Imame gegen Pfarrer mit einem jüdischen Schiedsrichter (Die „Rheinische Post“ berichtete  in ihrer Ausgabe vom 12.Mai 2018 darüber) Da dieser nicht konnte, sprang der Düsseldorfer OB Thomas Geisel ein und wird in dem Artikel von Sebastian Kalenberg mit den Worten zitiert: „ Es ist für mich eine große Ehre, bei dieser Veranstaltung dabei sein zu dürfen. Dieses Fußballspiel steht sinnbildlich für unsere Gesellschaft. Jeder kämpft mit Fairplay für seine Sache und respektiert dabei den anderen Glauben.“ Das Spiel endete übrigens 4 zu 4 und Schirmherr Mesut Özil sponsorte drei signierte Trikots seines Verein Arsenal London für eine wohltätige Versteigerung. Hoffen wir also auf friedliche und heitere Spiele, und dass es bei vielen kuriosen  Paarungen zu ähnlichen Respektsbezeugungen kommt, zum Beispiel bei „Polen gegen Senegal“ oder „Iran gegen Spanien“. Und nicht, wenn Russland das Auftaktspiel gegen Saudi-Arabien verlieren sollte, dass Putin seine militärische Präsenz in Tschetschenien verstärken wird. Und wer wird Weltmeister? Ich glaube, wir brauchen das diesmal nicht, auf jeden Fall nicht massenpsychologisch, meine ich.


Wir denken an die Opfer von Eschede
898. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 3.6.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

In diesen Tagen wird an das große Zugunglück in Eschede erinnert. Hier in dieser Zeitung erschien am 10.6.1998 die Kolumne von „Bordenau – Unser Dorf liest“: „Hochverehrte Leserschaft! Die Freude über den Beginn der Fußballweltmeisterschaft wird überschattet von dem furchtbaren Zugunglück, aber auch erhellt von der Erkenntnis, wie Menschen bei Katastrophen zusammenhalten. So meldete die HAZ in ihrer Ausgabe vom 5.Juni 1998 unter der Überschrift ÄRZTE VON HILFSBEREITSCHAFT BEEINDRUCKT:“…Neben etwa 200 Blutspendern, die vom Celler Krankenhaus abgewiesen werden mussten, fand sich auch ein etwa 13jähriger Junge, der den verletzten Kindern vorlesen wollte, um sie von den schrecklichen Erlebnissen abzulenken…“ Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen. Am liebsten möchten wir diesen Jungen mit einem fiktiven Literaturpreis ehren, den derjenige erhält, der Literatur in außergewöhnlichen Situationen zum Wohle anderer einsetzt.“ In dem diesjährigen Bericht über Eschede wird er nicht mehr erwähnt. Wir aber erinnern uns wohl und wollen jetzt diesen heute 33jährigen Menschen finden, um zu erfahren, was Gutes aus ihm geworden ist und um ihn erneut zu ehren. Dafür wird diese Kolumne auch als Leserbrief nach Hannover gehen, mit der Bitte, diesen besonders im Celler Raum zu veröffentlichen. Bitte melden Sie sich unter www.Bordenau.de bei Martin Drebs, immer noch Autor hiervon. Dafür verschieben wir die Datenschutzbestimmungen noch für ein paar Tage. Und der deutschen Fußballmannschaft wünschen wir natürlich eine erfolgreiche Titelverteidigung, die schon deshalb gelingt, weil Yogi Löw immer seine letzten Testspiele verloren lassen geht.


Oskar Negt in Neustadt
897. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 29.5.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Oskar Negt kommt mit seiner Lebensgefährtin Christine Morgenroth nach Neustadt. Ja gut, doch wer ist Oskar Negt? 1934 geboren gilt er als einer der bedeutendsten Sozialwissenschaftler Deutschlands, Student bei Max Horkheimer, Promotion bei Theodor W. Adorno und Assistent von Jürgen Habermas. Während der Studentenbewegung von 1968 trat er als Wortführer der „Außerparlarmentarischen Opposition“ auf und war von 1970 bis 2002 Professor für Soziologie in Hannover. Jetzt wird am Freitag dem 22.Juni 2018, ab 17.00 Uhr im Philosophischen Cafe Neustadt, Mittelstraße 5 in Neustadt, seine autobiografische Spurensuche „ÜberLebensGlück“ vorgestellt. Dieses Buch fragt nach den Voraussetzungen, die nötig sind, um trotz widriger, dramatischer Umstände einer Flucht das zu erreichen, was man ein gelungenes Leben nennt. Oskar Negt schreibt dazu: „Wer die Grunderfahrung von Flucht und Vertreibung einmal gemacht, der arbeitet ein Leben lang an dem Problem der Ich-Findung und der Orientierungssicherheit…Diese wieder herzustellen oder neu zu gründen, ist ein wesentliches Aufbauelement einer Gesellschaft, die den Menschen ein Stück Macht über die eigenen Verhältnisse zurückgeben kann.“ Oskar Negt kommt über seine individuelle Geschichte zu grundsätzlichen Fragen bis in unsere Zeit: über das autobiografische Schreiben, über gesellschaftliche Orientierung und persönliche Identität. Identitätsfragen, die uns alle angehen. Nach der Lesung steht Oskar Negt für Fragen und Diskussion mit dem Publikum zur Verfügung Um Anmeldung wird gebeten bei www.philocafe-neustadt.de. Bei großer Nachfrage kann sich der Veranstaltungsort dankenswerterweise noch ein paar hundert Meter weiter zur Sparkasse Hannover ergeben. Der Eintritt ist frei, will doch das „Philosophischen Cafe“ die Bevölkerung eingeladen, sich kostengünstig mit philosophischen Fragen zu beschäftigen. Kleinste Leseprobe: „Die Autobiografie ist eine literarische Form der individuellen Selbstentäußerung, in der das gelebte Leben die Schwerkraft der vergeblichen Mühe verliert; wer sich darauf einlässt, muss damit rechnen , dass die Verletzlichkeit wächst.“


„aleu menchen verden brudeur“!
896. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 13.5.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Als Nachlese zum diesjährigen Partnerschaftsbesuchs aus La Ferté-Macé am letzten Wochenende zitieren wir hier aus der Chortextvorlage des Chores „Oléna“ aus La Ferté-Macé, der mit den anderen Chören – dem Gemischten Chor Hagen, dem Chor Leine-Lerchen aus Neustadt und dem Canora-Chor Hagen, gemeinsam das Finale des Konzertes am Freitag in der Liebfrauenkirche gestaltete. Die Frage ist dabei nur, um welches gemeinsame Schlusslied es sich handelt: „ Froeilde cheuner Gueuterfounken, torter aous Elusioum, vir betretonne feuillertrounken Himmlische daine Haieligtoum. Daineu tsaoubeur binden viedeur vas di Modeu chtrainguetailt, aleu menchen verden brudeur, vo dain zanfteuer flugueul wailt“. Haben Sie die vielstimmige Völkerverständigung in Neustadt am Rübenberge erkannt? Richtig, es handelt sich um eine französische Art lautmalerische Fassung der „Ode an die Freude“, der sogenannten Europahymne; der Text ist von Friedrich Schiller, die Musik von Ludwig van Beethoven. Und neben der Begrüßung am Himmelfahrtstag, dem Besuch von Helstorf mit Schmiedemuseum, Kirche und Kutschfahrt sowie dem kulinarischen Festmahl am Abend in Schneeren war der Partnerschaftsbesuch sehr erfolgreich. In diesem Sinne: „aleu menchen verden brudeur“!


Fake News aus Bordenau
895. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 9.5.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Was würden Sie sagen, wenn Sie folgende Meldung läsen: „Seltener Juchtenkäfer am Steinweg entdeckt! Edeka-Markt kann noch nicht bauen!“. Okay, das darf doch nicht wahr sein. Ist es auch nicht. Die Meldung ist erfunden, gelogen, ein Fake-News (sprich: Fähk Njus). Das hätte auch von Lügenbaron Münchhausen sein können, dem Meister der Lügengeschichten. Er erfand phantastische Erzählungen, bei denen die Naturgesetze aufgehoben scheinen. Und genau darum geht es: „Was du nicht kennst, das, meinst du, soll nicht gelten, du meinst, dass Phantasie nicht wirklich sei? Aus ihr allein erwachsen künft´ge Welten. in dem, was wir erschaffen, sind wir frei.“ (Michael Ende). Okay, dabei geht es mehr um Utopien. Doch Anfang Oktober haben wir uns „Münchhhausen in Bordenau“ vorgenommen. Beispiel gefällig? Gisela Oberheu erzählt:“ Die Geschichte von dem Bordenauer Bürgermeister, Wegener hieß er, glaube ich. Man erzählte im Dorf, er wäre gestorben. Die Nachbarn kamen schon mit Kränzen. Aber er war noch ganz lebendig. Damit alle das merkten, ließ er sich, Zigarren rauchend, in einer Kutsche durchs Dorf fahren.“ So wollen wir Bordenauer Geschichten mit Münchhausen verbinden. Erich Kästner schreibt dazu in „Münchhausen, Wien 1951“: „Und was an den Geschichten ist denn nun so erstaunlich? Sie stecken voll der tollsten Lügen! Mitten in Berichten über Reisen, die er wirklich gemacht, und Kriege, an denen er wirklich teilgenommen hat, tischt Münchhausen uns Lügen auf, dass sich die Balken biegen! Durch Lügen kann man also berühmt werden? Freilich! Aber nur, wenn man so lustig, so phantastisch, so treuherzig und so verschmitzt zu lügen versteht wie Münchhausen, nicht etwa, um die Leser zu beschwindeln, sondern um sie, wie ein zwinkernder Märchenerzähler, mit ihrem vollen Einverständnis lächelnd zu unterhalten.“ Und so zeigen wir neben der Lesung zusammen mit dem Cinema Neustadt wohl auch den Münchhausen-Film, zu dem Erich Kästner 1943 noch unter Pseudonym das Drehbuch geschrieben hat. Das alles bei den Münchhausen-Festspielen Anfang Oktober in Bordenau. Und das stimmt nun aber auch! Bleibt „wachsam“!


Welttag des Buches
894. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 24.4.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Montag war ja Welttag des Buches“, klar, wissen doch alle, zum Geburtstag von Cervantes und Shakespeare, Schlauberger! Und da überschlagen sich die Lobeshymnen: Das Buch als Kulturgut, undsoweiter bla,bla bla. Doch was ist das Buch wirklich noch wert? Und wozu nutzt es? Gehen Sie doch mal wochentags zum Recyclinghof, was da so weggeschmissen wird an Büchern. Oder verramschen Sie Ihre ohnehin staubfängerische Wohnzimmerbibliothek im Internet. Zwölf oder fünfzehn Cent sind drin. Ist das jetzt der Papiermaterialweltmarktpreis oder der Restwert der Druckerschwärze? Okay, der Trend zum Zweitbuch hält an in bücherfernen Schichten, das Buch als Medium hat sich gehalten zwischen all dem Elektrokrams, doch für die Überproduktion, die keiner mehr lesen kann, zahlt die EU keine Vernichtungsprämie beziehungsweise keinen Brachliegezuschuss. Und was ist aus dem Volk der Dichter und Denker geworden? Eins muss dazu klar gesagt werden: das Buch gehört zu Deutschland! Lesen wir doch alle vierzehn Tage, was gesund macht! Doch das Buch selbst ist out! Wenn schon was zum Welttag gemacht wird, dann ist Matthäus am letzten. So ist der 23.April auch „Tag des deutschen Bieres“, und das wird auch immer schneller einverleibt. Oder „Tag des Lärms“, „Tag der linkshändigen Ameise“ oder „Tag des Lachens“. Dass ich nicht lache! Nur die sturen Bordenauer lesen weiter. Auch wenn der letzte „Lies-nix-Tag“ vergangen ist. Oder stützen zumindest einen Schrank mit einem Buch! Geht doch!


Kurzgeschichte
893. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 9.4.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Die Kolumne kommt diese Woche in einem etwas anderen Format.


„Osterzweifel“
892. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 30.3.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Zum Osterfest erreicht uns anonym das Gedicht „Osterzweifel“: „Wir wollen uns ja dem Neuen anvertrauen/ gemeinsam in eine fröhliche Zukunft schauen./ Doch hast du dich mit deinem Leben/ nicht vergeblich dem Tod ergeben?/ Seit ewig hauen sie sich hinieden/ in immer 30jährigen Kriegen./ So stirbt das Lächeln an zu vielen Orten/ und wir sind geborgen nur in deinen Worten./ Doch sollen wir das Leben hassen?/ Warum hast du deine Welt verlassen?/Wir suchen weiter nach der wahren Auferstehung,/ nicht nur als in sich selbst verlöschende Hoffnung.“ In diesem Sinne: Fröhliche Ostern!


„Gänseblümchen“ von Sieglinde Bohle
891. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 21.3.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Unsere Wochen der Bordenauer Schriftstellerinnen setzen wir heute mit dem Gedicht „Gänseblümchen“ von Sieglinde Bohle fort: „Mitten im Januar sah ich auf der Wiese/Ein paar Gänseblümchen steh´n./Sie blühten in der rauhen Brise/rosaweiß und wunderschön./Schon lange ist der Sommer fort,/doch die Natur ist weise,/schenkte uns an diesem Ort/kleine, helle Blütenkreise./Wie hat Mutti sie geliebt/und gern geseh´n,/auch ich freue mich, dass es sie gibt/und sie sogar jetzt auf der Wiese steh´n./Ihre sehr kurzen Stiele/pflücke ich ganz geschwind/mit dem einzigen Ziele,/sie zu stellen neben Muttis Bild./Jetzt müssen sie still und bescheiden/unter der dicken Schneedecke bleiben./Doch bald schon sind sie wieder da,/dann ist der Frühling schon ganz nah.“ Dieses kleine Gedicht schrieb Sieglinde Bohle im Andenken an ihre liebe Mutter im Januar 2010. Sie schreibt uns: „ Sie (die Mutter) liebte die kleinen, bescheidenen Gänseblümchen ganz besonders, gefolgt von Veilchen. Gänseblümchen hatte sie das ganze über in einer Minivase in der Küche stehen. Bei meinen Spaziergängen begegnen sie mir jetzt auch schon oft. Dann kann ich nicht anders, als sie zu pflücken und sie an ihr Bild zu stellen. Später folgt dann ein Väschen mit Veilchen.“


33. Bordenauer Scharnhorstlauf
890. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 12.3.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Am nächsten Sonntag, dem 18. März 2018, findet wieder der Bordenauer Scharnhorstlauf statt, im Jahr 2018 bereits im Frühjahr. Dann freuen sich die Veranstalter auf die 33. Austragung des Bordenauer Scharnhorstlaufs und hoffen wie in den Jahren zuvor auf viele aktive Teilnehmer und natürlich auch auf zahlreiche Zuschauer. Der Scharnhorstlauf ist auch 2018 wieder ein Wertungslauf im Sparkassen-Laufpass der Region Hannover. Jeder wird belohnt. Wir belohnen uns hier jetzt schon mit einem Blick in das Jahr 1957, als die Leine-Zeitung am 11. /12. Mai 1957 meldete: „Auf den Spielfeldern des Kreises Neustadt herrscht am Sonntag Pflichtruhe. An diesem Tag beherrscht der traditionelle Lauf zum Scharnhorstdenkmal in Bordenau das Sportgeschehen im Kreise. Die Leichtathleten, und hoffentlich auch Mannschaften der Rasensport treibenden Vereine, starten um 15 Uhr an der Blumenauer Straße in Wunstorf. Nachdem die vorjährige Veranstaltung etwas überschattet war von dem Unmut darüber, daß der siegreiche TSV Neustadt seine englischen Vereinsmitglieder mit in der Staffel eingesetzt hatte, möchten wir ganz besonders einen harmonischen Verlauf der Veranstaltung wünschen, so wie es fast immer war in der langen Reihe der Scharnhorstläufe.“ Das wünschen wir natürlich auch. Und vor allem harmonisches Wetter!


"Geboren 1940 – Erinnerungen, Gedanken und Geschichten“
889. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 28.2.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Die Wochen der Bordenauer Schriftstellerinnen beginnen heute mit Gisela Oberheu: Sie gilt als Bordenauer Urgestein, und ist doch selbst eine Zugezogene, wenngleich schon Anfang der 1950er Jahre. In ihrem im letzten Jahr erschienenen Buch „Geboren 1940 – Erinnerungen, Gedanken und Geschichten“, das auf großes Interesse gestoßen ist, schildert Gisela Oberheu ihr Leben. Und da sie in diesen Wochen im sonntagsvormittags mit kleinen Geschichten auch über Radio Leinhertz 106.5 zu hören ist, haben wir hier das Radio -Kapitel ausgewählt. „In unserer Küche stand ein kleines Radio. Das Radio spielte eine große Rolle in unserer Familie. Außer der Zeitung war es die einzige Verbindung zur großen weiten Welt. Gegründet wurde unser Sender von den Engländern 1945. Zu Anfang hieß er NWDR. Ab 1956 gab es zwei Sender, den WDR und unseren NDR. Jede volle Stunde gab es Nachrichten. Vormittags brachte der Rundfunk Schulfunk. Den habe ich gerne gehört. Zum Einstimmen wurde ein Stück aus der „Kleine Nachtmusik“ gespielt. An den Naturfreund, der uns Vogelstimmen vorstellte, erinnere ich mich. Oder „Geschichten vom Bauernhof“, „Neues aus Waldhagen“ mit Bauer Piepenbrink und Bauer Frühauf, Opa Negenborn, Krämer Schnack und Bürgermeister Kienappel. Es gab Berichte über die Arbeitswelt, zum Beispiel über den Bergbau. Am Nachmittag gab es als fortlaufende Serie „Wir lesen vor.“ Ganze Romane haben wir da zu hören bekommen. Dazwischen hörten wir die unterschiedlichsten Musiksendungen. Sonntagmorgen brachten sie zum Beispiel „Hafenkonzert“ vom Schuhlauer Fährhaus. Auch an „Wunschkonzerte“ und „Geburtstagsgrüße“ erinnere ich mich. Sehr bewegend waren Weihnachten die „Grüße von hoher See“, wo vom Matrosen bis zum Kapitän, die Männer, die mit ihren Schiffen über die Weltmeere fuhren, ihre Familien in der Heimat grüßen konnten. Sonntagvormittag haben wir immer sehr gerne „Zwischen Hamburg und Haiti“ gehört. Das waren Berichte von Menschen, die die Welt bereisten und uns erzählten, wie es in der übrigen Welt aussah. Das war immer spannend. Am Sonntagnachmittag brachte der Rundfunk Hörspiele für unsere Kinder. Daran erinnere ich mich gerne. Ein Hörspiel, weiß ich noch, hieß „Kalle Blomquist, der Meisterdetektiv.“ Das Hörspiel gab es in Serie an mehreren Sonntagen. Und dann kamen die endlos langen Suchmeldungen. Frauen suchten ihre Männer, die im Krieg in Gefangenschaft geraten waren, Männer, die entlassen waren und ihre Familie nicht mehr fanden, weil sie geflüchtet oder ausgebombt waren. Als Kind fand ich es immer bedrückend wenn Eltern ihre Kinder suchten, weil sie sie auf der Flucht verloren hatten. Zum Abschluss dieser Sendung wurde für alle, die in Gefangenschaft waren, der Gefangenenchor aus Nabucco gespielt. Regelrechte Straßenfeger waren Hörspiele wie „Gestatten, mein Name ist Cox“ oder „Paul Tempel“. Der Sender kam aus Hamburg. Deshalb mussten wir uns jeden Morgen die „Wasserstände“ anhören. Es wurde auch über den Rundfunk bekannt gegeben, welche Schicht im Hafen zur Arbeit musste. Mit zunehmendem Straßenverkehr hörten wir auch den „Straßenverkehrsbericht“, aber die Staus in Hamburg interessierten uns nicht weiter. Wir waren froh, dass wir den Sender hatten. Trotzdem freuten wir uns als in den achtziger Jahren in Hannover ein Funkhaus gebaut wurde und unsere Rundfunksendungen jetzt regional aus Hannover kamen.“

Und jetzt gibt es auch noch den Bürgerfunk Radio Leinehertz 106.5.


"Geboren 1940 – Erinnerungen, Gedanken und Geschichten“
889. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 28.2.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Die Wochen der Bordenauer Schriftstellerinnen beginnen heute mit Gisela Oberheu: Sie gilt als Bordenauer Urgestein, und ist doch selbst eine Zugezogene, wenngleich schon Anfang der 1950er Jahre. In ihrem im letzten Jahr erschienenen Buch „Geboren 1940 – Erinnerungen, Gedanken und Geschichten“, das auf großes Interesse gestoßen ist, schildert Gisela Oberheu ihr Leben. Und da sie in diesen Wochen im sonntagsvormittags mit kleinen Geschichten auch über Radio Leinhertz 106.5 zu hören ist, haben wir hier das Radio -Kapitel ausgewählt. „In unserer Küche stand ein kleines Radio. Das Radio spielte eine große Rolle in unserer Familie. Außer der Zeitung war es die einzige Verbindung zur großen weiten Welt. Gegründet wurde unser Sender von den Engländern 1945. Zu Anfang hieß er NWDR. Ab 1956 gab es zwei Sender, den WDR und unseren NDR. Jede volle Stunde gab es Nachrichten. Vormittags brachte der Rundfunk Schulfunk. Den habe ich gerne gehört. Zum Einstimmen wurde ein Stück aus der „Kleine Nachtmusik“ gespielt. An den Naturfreund, der uns Vogelstimmen vorstellte, erinnere ich mich. Oder „Geschichten vom Bauernhof“, „Neues aus Waldhagen“ mit Bauer Piepenbrink und Bauer Frühauf, Opa Negenborn, Krämer Schnack und Bürgermeister Kienappel. Es gab Berichte über die Arbeitswelt, zum Beispiel über den Bergbau. Am Nachmittag gab es als fortlaufende Serie „Wir lesen vor.“ Ganze Romane haben wir da zu hören bekommen. Dazwischen hörten wir die unterschiedlichsten Musiksendungen. Sonntagmorgen brachten sie zum Beispiel „Hafenkonzert“ vom Schuhlauer Fährhaus. Auch an „Wunschkonzerte“ und „Geburtstagsgrüße“ erinnere ich mich. Sehr bewegend waren Weihnachten die „Grüße von hoher See“, wo vom Matrosen bis zum Kapitän, die Männer, die mit ihren Schiffen über die Weltmeere fuhren, ihre Familien in der Heimat grüßen konnten. Sonntagvormittag haben wir immer sehr gerne „Zwischen Hamburg und Haiti“ gehört. Das waren Berichte von Menschen, die die Welt bereisten und uns erzählten, wie es in der übrigen Welt aussah. Das war immer spannend. Am Sonntagnachmittag brachte der Rundfunk Hörspiele für unsere Kinder. Daran erinnere ich mich gerne. Ein Hörspiel, weiß ich noch, hieß „Kalle Blomquist, der Meisterdetektiv.“ Das Hörspiel gab es in Serie an mehreren Sonntagen. Und dann kamen die endlos langen Suchmeldungen. Frauen suchten ihre Männer, die im Krieg in Gefangenschaft geraten waren, Männer, die entlassen waren und ihre Familie nicht mehr fanden, weil sie geflüchtet oder ausgebombt waren. Als Kind fand ich es immer bedrückend wenn Eltern ihre Kinder suchten, weil sie sie auf der Flucht verloren hatten. Zum Abschluss dieser Sendung wurde für alle, die in Gefangenschaft waren, der Gefangenenchor aus Nabucco gespielt. Regelrechte Straßenfeger waren Hörspiele wie „Gestatten, mein Name ist Cox“ oder „Paul Tempel“. Der Sender kam aus Hamburg. Deshalb mussten wir uns jeden Morgen die „Wasserstände“ anhören. Es wurde auch über den Rundfunk bekannt gegeben, welche Schicht im Hafen zur Arbeit musste. Mit zunehmendem Straßenverkehr hörten wir auch den „Straßenverkehrsbericht“, aber die Staus in Hamburg interessierten uns nicht weiter. Wir waren froh, dass wir den Sender hatten. Trotzdem freuten wir uns als in den achtziger Jahren in Hannover ein Funkhaus gebaut wurde und unsere Rundfunksendungen jetzt regional aus Hannover kamen.“

Und jetzt gibt es auch noch den Bürgerfunk Radio Leinehertz 106.5.


Der Martin hat seine Schuldigkeit getan
888. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 14.2.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Uns erreichte dieser Tage ein politisches Gedicht, mit dem Titel „Der Martin hat seine Schuldigkeit getan, …“, das dem Karnevalslied von Jupp Schmitz von 1953 nachgebildet ist. Wir wollen es Ihnen nicht vorenthalten:
„Am Aschermittwoch ist alles vorbei.
Die Schwüre von Treue - sie brechen entzwei,
von all deinen Sondierungen - nur noch Erinnerungen
dir wär fast noch das Außen gelungen,
wie schön Europa auch sei, für dich ist es vorbei.
Da hatte der Präsident gesprochen,
und du deine Absicht gebrochen:
aus Staatsräson wieder reingegeben
und in den Wochen nochmal gedreht dein Leben
wie süß Regieren jetzt sei, du bist nicht dabei.
Am Aschermittwoch ist alles vorbei, nicht?
Ein Mensch kann sich ändern, nur die andern nicht?
Jetzt geht´s in Sack und Asche und leerem Blick:
Gedenke, o Mensch, du bist und zum Staube kehrst du zurück
Am Aschermittwoch ist alles vorbei,
Erfolge der Mühen – die brechen entzwei.
Minderheitenregierung wird es nicht geben,
Neuwahlen wollt ihr nicht wirklich erleben,
denn einige arbeiten schon fleißig
an einem neuen Dreiunddreißig.“


Die Blechtrommel in Wunstorf
887. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 7.2.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Nun ist der literarische Funken nach Süden in den Kulturring Wunstorf übergesprungen, denn mit der Dramatisierung der „Blechtrommel“ von Günter Grass, für die Bühne eingerichtet von Volker Kamm in der Inszenierung des Stuttgarter Alten Schauspielhauses gab es den weltbekannten Roman unseres Literaturnobelpreisträgers (1999). Natürlich spielte das hochprofessionelle Ensemble mit dem überragenden Raphael Grosch als Oskar Matzerath, der durch den ganzen Abend wie durch das Stück und die exemplarischen Romanausschnitte führte, mit der ganzen Virtuosität theatralischer Mittel und hat nicht nur vorgelesen wie „Unser Dorf liest“ 2003 „Im Krebsgang“ und bei der „Blechtrommel“-Show mit Ingolf Heinemann im Schloss. Dennoch gab es genug Trommel und Aale und Brausepulver in diesem zwar historischen, doch noch immer lesenswerten Roman. Allein die Skatspielerszene bei der Beschießung der Westerplatte ergriff das leider nur halbvolle Haus. Nun geht es weiter in der Klassiker-Reihe, mehr mit echten Theaterklassikern wie Gerhard Hauptmanns „Die Ratten“ am 13.März mit dem „Theater für Niedersachsen“ und am 5.Juni 2018 mit Lessings „Nathan der Weise“. Dieses Angebot ist diesmal wohl schon ausverkauft, auf Grund des hohen Publikumsinteresses plant der Kulturring eine weitere Vorstellung. Ausverkauft waren auch wir mit unserem „Nathan – Die Ringparabel“ (2005), die wir zu weltreligiöser Musik rund ums Mittelmeer auf Aramäisch, Arabisch, in Gebärdensprache und auf Deutsch vortrugen, damit auch der Letzte es noch begreift: Kultur will noch immer bilden, um die vermeintlich barbarische Natur des Menschen humanistisch und aufklärerisch zu binden, was zunehmend schwerer wird.


Literaturnobelpreis für Kazuo Ishiguro
886. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 1.2.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Wir haben Sie noch gar nicht darüber informiert, wer Ende 2017 den Literaturnobelpreis erhalten hat. Die Auszeichnung ging an den britischen Autor Kazuo Ishiguro. Der britische Schriftsteller japanischer Herkunft habe Romane von großer emotionaler Kraft geschrieben, begründete die Schwedische Akademie ihre Wahl. "Kazuo Ishiguro hat in Romanen von großer emotionaler Kraft den Abgrund unter unserer vermeintlichen Verbundenheit mit der Welt bloßgelegt." International bekannt ist er für seine Romane wie "Was vom Tage übrig blieb"- 1993 mit Anthony Hopkins verfilmt!-, "Als wir Waisen waren" oder "Alles, was wir geben mussten". Er wurde 1954 in Nagasaki geboren und kam schon 1960 mit seiner Familie nach Großbritannien. Seine ersten beiden Bücher spielen in seiner japanischen Geburtsstadt, später verlegte er den Schauplatz seiner Texte in seine neue Heimat. "Ich sehe zwar japanisch aus, bin aber ein britischer Schriftsteller", hat Ishiguro im vergangenen Jahr der japanischen Tageszeitung "Mainichi Shimbun" gesagt. „Was vom Tage übrig blieb" behandelt die melancholisch-bitteren Geschichte vom Leben eines Butlers in der Vor- und Nachkriegszeit und seinem in den Nationalsozialismus verstrickten Dienstherren. Der Roman erschien 1989. Wir haben ihn noch gar nicht gelesen, doch Daniel Kehlmann, Deutschlands bekannter Schriftsteller („Die Vermessung der Welt“, „Tyll“) sagt über ihn: "Er ist ein ganz würdiger Nobelpreisträger, und ich erlebe an dem Tag, da er den Nobelpreis bekommen hat und an den Tagen danach etwas ganz Bemerkenswertes: Alle möglichen Bekannten und Freunde schicken mir SMS darüber, dass sie sich so freuen. Sie freuen sich, weil dieser Autor sie zu verschiedenen Momenten ihres Lebens so gepackt und berührt und bewegt hat. D.h., man merkt plötzlich, das ist ein Schriftsteller, der eine sehr starke emotionale Wirkung auf viele Menschen ausgeübt hat." Und anders als Bob Dylan 2016 hat er sich den Preis in Stockholm auch selbst abgeholt. Also lesen wir einfach lassen wir uns anrühren!


“Eigentum"
885. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 20.1.18

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Noch zum erweiterten Jahresbeginn hat uns Johann Wolfgang von Goethe seine kurzen Gedanken zum „Eigentum“ mitzuteilen:
„Ich weiß, dass mir nichts angehört
Als der Gedanke, der ungestört
Aus meiner Seele will fließen,
Und jeder günstige Augenblick,
Den mich ein liebendes Geschick
Von Grund aus lässt genießen.“


“Ihre ID bitte ..."
884. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 2.1.2018

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Im neuen Jahr geht es bei aller Gemütlichkeit doch um unsere elektronische Überwachung, um den „gläsernen Menschen“. Was so alles schon über uns bekannt ist, zeigt sich, wenn wir eine Pizza bestellen wollen; so ging es letztens meinem Kumpel Matze fiktiv.
-Danke, dass Sie Pizza XXX angerufen haben. Kann ich Ihre …Matze: Hi, ich möchte etwas bestellen.-Kann ich bitte erst Ihre NIDN haben? Matze: Meine Nationale ID Nummer, ja, warten Sie, die ist 6102049998-45-54610. - Vielen Dank, Herr Schwan. Sie wohnen in der Rosenstraße 25 und Ihre Telefonnummer lautet 89 568 345. Ihre Firmennummer bei der Allianz ist 74 523 032 und Ihre Durchwahl ist -56. Von welchem Anschluss aus rufen Sie an? Matze: Hä? Ich bin zu Hause. Wo haben Sie alle diese Informationen her? - Wir sind an das System angeschlossen. Matze: Oh, natürlich. Ich möchte zwei von Ihren Spezial- Pizzen mit besonders viel Fleisch bestellen. -Ich glaube nicht, dass das gut für Sie ist. Matze: Wie bitte??! - Laut Ihrer Krankenakte haben Sie einen zu hohen Blutdruck und extrem hohe Cholesterinwerte. Ihre Krankenkasse würde eine so ungesunde Auswahl nicht gestatten. Matze: Verdammt! Was empfehlen Sie denn? - Sie könnten unsere Soja-Joghurt-Pizza mit ganz wenig Fett probieren. Sie wird Ihnen bestimmt schmecken. Matze: Wie kommen Sie darauf, dass ich das mögen könnte? - Nun, Sie haben letzte Woche das Buch 'Sojarezepte für Feinschmecker' aus der Bücherei ausgeliehen. Deswegen habe ich Ihnen diese Pizza empfohlen. Matze: Ok, ok. Geben Sie mir zwei davon in Familiengröße. Was kostet der Spaß? - Das sollte für Sie, Ihre Frau und Ihre vier Kinder reichen. Der Spaß, wie Sie es nennen, kostet 45 Euro. Matze: Ich gebe Ihnen meine Kreditkartennummer. - Es tut mir leid, aber Sie werden bar zahlen müssen. Der Kreditrahmen Ihrer Karte ist bereits überzogen. Matze: Ich laufe runter zum Geldautomaten und hole Bargeld, bevor Ihr Fahrer hier ist. - Das wird wohl auch nichts. Ihr Girokonto ist auch überzogen. Möchten Sie noch etwas? Matze: Nein, danke. Oh doch, bitte vergessen Sie nicht, die beiden kostenlosen Liter Cola einzupacken, die es laut Ihrer Werbung zu den Pizzen gibt. -Tut mir leid, aber die Ausschlussklausel besagt: keine Softdrinks für Diabetiker!


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