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Unser Dorf liest

Arbeitskreis "Unser Dorf liest"

Die wöchentliche Kolumne von Martin Drebs

(frühere Kolumnen finden Sie im  Archiv)

 

Margaret Atwood erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
876. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 18.10.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Heute schauen wir weit über den Neustädter Tellerrand nach Frankfurt am Main. Dort erhielt zum Abschluss der Buchmesse 2017 die kanadische Schriftstellerin, Essayistin und Dichterin Margaret Atwood den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Margaret Atwood, geboren am 18. November 1939 im kanadischen Ottawa, gilt als wichtigste und erfolgreichste Autorin Kanadas. Ihr Werk, bestehend aus Romanen, Kurzgeschichten, Essays, Lyrik, Theaterstücken, Drehbüchern und Kinderbüchern ist mittlerweile in mehr als 30 Sprachen erschienen. Sie lebt mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Graeme Gibson, in Toronto. In der Begründung des Stiftungsrats heißt es: „Die kanadische Schriftstellerin, Essayistin und Dichterin zeigt in ihren Romanen und Sachbüchern immer wieder ihr politisches Gespür und ihre Hellhörigkeit für gefährliche unterschwellige Entwicklungen und Strömungen. Als eine der bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit stellt sie die sich wandelnden Denk- und Verhaltensweisen ins Zentrum ihres Schaffens und lotet sie in ihren utopischen wie dystopischen (Gegenteil von utopisch) Werken furchtlos aus. Indem sie menschliche Widersprüchlichkeiten genau beobachtet, zeigt sie, wie leicht vermeintliche Normalität ins Unmenschliche kippen kann. Humanität, Gerechtigkeitsstreben und Toleranz prägen die Haltung Margaret Atwoods, die mit wachem Bewusstsein und tiefer Menschenkenntnis auf die Welt blickt und ihre Analysen und Sorgen für uns so sprachgewaltig wie literarisch eindringlich formuliert. Durch sie erfahren wir, wer wir sind, wo wir stehen und was wir uns und einem friedlichen Zusammenleben schuldig sind.“ In ihrem 1985 (deutsch 1987) erschienenen dystopischen Roman „Der Report der Magd“ beschreibt sie in der Tradition George Orwells eine totalitäre Gesellschaft, in der Frauen als Gebärmaschinen benutzt und unterdrückt werden. In ihrer Endzeit-Trilogie „Oryx und Crake“ (2003), „Das Jahr der Flut“ (2009) und „Die Geschichte von Zeb“ (2013, deutsch 2014) entwirft sie eine postapokalyptische Welt, durch die sie die ökologischen Auswirkungen und gefährliche Strömungen in der Gesellschaft ins Auge nimmt. Ihr Essay „Payback. Schulden und die Schattenseiten des Wohlstands“ (2008) thematisiert die Voraussetzungen und Folgen der weltweiten Finanzkrise. In ihrer Dankesrede gab sie allerdings eine gewisse Orientierungslosigkeit zu, als sie sagte: „Wir wissen nicht genau, wo wir sind. Wir wissen auch nicht mehr genau, wer wir sind.“ Hoffen wir alle, dass wir in schwierigen Zeiten die Orientierung behalten!


Dankesrede
875. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 6.10.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Wir haben am Dienstag die Luther-Bibel im Original vorgelesen. Und noch bevor uns die Kritiken erreichen, hören wir mal in die kleine Abschlussfeier der Initiative hinein, da haben Ulla Domke und Sabine Rohe eine kleine Dankesrede gehalten, die mit Luther-Zitaten (im Folgenden immer kursiv! )so gespickt war, dass es eine helle Freude ist: „Liebe Annegret, lieber Martin, lieber Andreas! Wieder einmal haben wir es mit eurer Hilfe alle zusammen geschafft, eine wunderbare Lesung zu gestalten. Lasst uns ein wenig Rückschau halten: „Wo kein Wagnis, da kein Gewinn“, so sagte es sich schon einst der große Martin Luther, und Martin Drebs nahm sich dieses Wort zu Herzen. Aus der Erkenntnis , „die Heilige Schrift ist ein Fluss, in dem ein Elefant schwimmen muss und ein Lamm gehen kann“, leitete er für sich den Mut ab, der „Initiative Bordenau liest“, vorzuschlagen, aus der Bibel Martin Luthers von 1545 – vorzulesen. Unsere Anfänglich nicht geringe Skepsis legten wir dann aber dank Luthers Ermutigung ab: Sollen die Werke gut sein, so muss zuvor der Mann gut sein, der sie tut, denn wo nichts Gutes inne ist, da kommt nichts Gutes raus. …und, dass du, Martin, gut bist, das wussten wir ja aus vielen vorherigen Erfahrungen. Und so nahmen wir uns Folgendes zu Herzen: Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man Vertrauen zu ihm habe, und begannen, uns– nach dem Motto: „Nicht viel lesen, sondern gut Ding viel und oft lesen macht fromm und klug“ mit der Bibel vertraut zu machen. Für den einen oder die andere ein recht fremdes Terrain, aber, was sagte schon weiland Luther: Wir sind immer auf dem Wege und müssen verlassen, was wir kennen und haben, und suchen, was wir noch nicht kennen und haben. Im Laufe der Monate sammelte sich sehr viel Lesestoff an, denn jeder von uns entdeckte dann doch etwas im Buch der Bücher, das ihn oder sie überraschte, interessierte, das er für lesenswert hielt. Aber: Wortgeklingel verdrießt mehr, als dass es erbaut. Mit Wenigem viel sagen, das ist die Kunst; die größte Torheit aber ist's, viel zu reden und doch nichts zu sagen.… und getreu diesem Lutherwort begannen Annegret Scholz und Martin unserer Sammlung eine Ordnung und ein Gesicht zu geben, und fast jeder von uns musste seinen Text gewaltig kürzen, denn „Ihr könnt predigen, über was ihr wollt, aber predigt niemals über vierzig Minuten.“ Denkt euch nur, auch für ängstliche LeserInnen hatte Luther einen tröstlichen Rat: Tritt fest auf, mach's Maul auf, hör bald auf. Das Gelingen unserer Lesung wäre aber sicher gefährdet gewesen, wenn es nicht euren fürsorglichen Beitrag für unser Leibeswohl gegeben hätte, - ihr wisst ja, auch Luther war ein guter … Ich lobe eine reine, gute, gemeine Hausspeise. …und begeisterter Esser. Und zwischen unseren Beiträgen lauschten wir wieder einmal begeistert und voller Andacht der wunderschönen Musik, die Andreas Hagemann mitgebracht hat. Es fließt mir das Herz über vor Dankbarkeit gegen die Musik, die mich so oft erquickt und aus großen Nöten errettet hat. Diese Zwischenspiele eigneten sich aber auch besonders gut zur Besänftigung eventuell enttäuschter oder erboster Zuhörer, denn Luther sagt: Musik ist eine halbe Disziplin und Zuchtmeisterin, so sie die Leute gelinder und sanftmütiger, sittsamer und vernünftiger macht. …und noch ein Wort der Wittenbergische Nachtigall Die Musik ist eine Gabe und Geschenk Gottes, die den Teufel vertreibt und die Leute fröhlich macht. Uns übrigens auch! In dieser Art könnten wir jetzt noch eine ganze Weile so weitermachen, aber auch wir wollen uns an Luther halten: Eines guten Redners Amt oder Zeichen ist, dass er aufhöre, wenn man ihn am liebsten höret.Was wir eigentlich sagen wollten: Martin, Annegret, Andreas, lasst euch von Herzen für euren Einsatz danken! (Text und Zitatenauswahl: Ulla Domke)


Luther-Lesung am Tag der deutschen Einheit
874. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 27.9.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Wir möchten Sie für nächsten Dienstag, dem 3.Oktober 2017 ab 16.00 Uhr, ganz herzlich zu unserer Lesung von Auszügen aus der Original-Luther Bibel aus dem Jahre 1545 in die St.Thomas-Kirche nach Bordenau einladen. Durch seine sinnhafte und dichterische Qualität hat Luther die deutsche Schriftsprache wesentlich geprägt. Und für unser lesendes Dorf ist neben den großen deutschsprachigen Poeten und Schriftstellern und Sprachforschern eben dieses Buch eine besondere Grundlage unserer Lesetätigkeit. Oder wie Heinrich Heine meinte: „Wer über neuere deutsche Literatur reden will, muss mit Luther beginnen.“ Wir verfolgen damit das Ziel, unseren Zuhörern den Genuss zu verschaffen, Sprache von damals und heute zu vergleichen. Und wir lesen traditionell am 3.Oktober, dem „Tag der deutschen Einheit“, wohlgemerkt „der deutschen Einheit“, die auch durch die gemeinsame Sprachentwicklung sinnhaft und möglich wurde. Sicher, Luther war auch Antisemit, was leider einige in den letzten Jahrhunderten falsch verstanden haben. Jedoch zu einer guten Sprache, einer Sprache des Humanismus, zu Einigkeit und Recht und Freiheit gehört auch, sich mit diesen Quellen zu beschäftigen. Dazu treten entsprechende historische Musikdarbietungen aus der Lutherzeit: Andreas Hagemann als versierter Kenner mittelalterlicher Musik wird auf einer altertümlichen Gitarre spielen. Und wir singen gemeinsam einen Choral von Luther – begleitet durch die Orgel mit Dorle Hedderich! Der Eintritt beträgt acht Euro; Ablassbriefe, mit denen man sich von seinen Wahlsünden freikaufen kann, geben wir nicht mit aus!


Bundestagswahl 2017
873. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 23.9.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Morgen steht eine große Wahl an, die Bundestagswahl 2017. Wie immer sie ausgehen mag, wir wünschen uns doch eine hohe Wahlbeteiligung. Wer bisher zu wenig zu Wort gekommen ist, ist der sogenannte Nichtwähler. Hier bringen wir die „Bekenntnisse eines Nichtwählers“, in der Hoffnung, den einen oder die andere doch noch zu bewegen mit zu wählen: „Ich wähle nicht, weil ich meine, es bringt nichts, weil eine Stimme sowieso nichts verändern wird, weil ich den Politikern nicht die Rechtfertigung geben möchte, ich hätte ja mitgestimmt. Ich wähle nicht, weil ich mich nicht verantwortlich fühle für Straßen, Krankenhäuser, Kindergärten, Hundesteuer, weil ich nicht mitmachen will, weil ich diese Demokratie nicht für die beste aller Verfassungen halte, weil ich mich nicht für die Gestaltung der Welt interessiere, weil sie mir zu groß und unübersichtlich scheint, weil ich keine Zukunft sehe, weil ich lieber den Mund halte als anzuecken, weil ich lieber ein Untertan sein möchte, der gerne bevormundet werden möchte, weil ich bei den Parteien nicht mehr durchblicke, weil ich den Wahl-o-mat nicht spielen will, „undsoweiter- undsoweiter“, der nun schweigt und schweigt, bis sich alles Düstere erfüllt….“



Leni Höyns

872. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 7.9.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Wir sind alle etwas älter geworden in unserer Initiative „Bordenau – Unser Dorf liest“. Jetzt hat uns ein Gründungsmitglied für immer verlassen: Leni Höyns. Sie war vor zwanzig Jahren von Anfang an mit dabei und hat die kleinen und großen Lesungen mitgestaltet, machte beim Bordenauer FAUST von Goethe mit und entwickelte unser Kabarett, den „Bordenauer Stammtisch“. Dabei hat sie immer auch die lokalen Geschichten miteingebracht und uns im Dorf bekannter gemacht. Wir gedenken ihrer mit Freude, sie kennengelernt zu haben, ihre ruhige und doch heitere Art, ihre Möglichkeiten ausgleichend zu wirken. Und ihre große Leidenschaft für die Literatur stand dabei über allem. In den letzten Jahren war es ruhiger um sie geworden. Wir sind in Gedanken bei der Familie und winken Leni mit Joseph von Eichendorffs „Mondnacht“ nach:

„Es war, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt'.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.“


„ … und hätte der Liebe nicht“ - Martin Luther und die deutsche Sprache!
871. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 30.8.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Wer hat die folgenden Ausdrücke in die deutsche Schriftsprache eingeführt: geistreich, im Dunkeln tappen, auf Herz und Nieren prüfen, recht und schlecht, die Hände in Unschuld waschen, langmütig , die Zähne zusammen beißen, das eigene Licht (nicht) unter den Scheffel stellen, sein Herz ausschütten, jemandem das Maul stopfen, Gewissensbisse haben, einen Denkzettel verpassen, aus seinem Herzen keine Mördergrube machen, kein Wolf im Schafspelz sein, auf Felsen, nicht auf Sand bauen, auf eigene Faust, keine Perlen vor die Säue werfen, Lückenbüßer, Lästermaul, Feuertaufe, Machtwort, Judaslohn, Lockvogel sein , Stein des Anstoßes, ein Herz und eine Seele, Feuereifer, Herzenslust, Barmherzigkeit, für immer und ewig, jemanden auf Händen tragen? Nun, wer war das? Richtig: Martin Luther in seiner Bibelübersetzung. Aus der Originalfassung von 1545 lesen wir am 3.Oktober 2017 ab 16.00 in der St.Thomas Kirche in Bordenau . Sozusagen als Vorgeschmack auf die Lesung gibt es einen Fachvortrag von Pastor Steffen Marklein am Dienstag, dem 26.9.2017, ab 19.00 Uhr im Gemeindehaus der St.Thomas-Kirche Neustadt-Bordenau, Am Kampe: „ … und hätte der Liebe nicht“ - Martin Luther und die deutsche Sprache!“ Der Eintritt zum Vortrag ist frei, schließlich sollt ihr richtig Deutsch lernen, doch für die Lesung verkaufen wir Ablassbriefe, mit denen ihr euch von euren Sünden freikaufen könnt. Oder ihr lest zur Strafe selbst!


20 Jahre Kolumne "Unser Dorf liest"
870. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 16.8.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Diese kleine Rubrik jährt sich in diesen Wochen zum 20. Mal. Oder anders gesagt: seit 20 Jahren erscheint fast jede Woche eine kleine literarische Kolumne unter dem Titel: „Bordenau – Unser Dorf liest“ in unserer Neustädter Zeitung. Seit 20 Jahren! Hätte man nicht gedacht, dass sich da so viel rumschreiben lässt! Übrigens hat es aus verschiedenen Gründen auch nur ganz wenige Wiederholungen gegeben. Und unsere allgemein verbindlichen Texte wurden selten angegriffen. Waren wir zu brav? Zu literarisch? Auch die Copyrights waren durchgehend geklärt, sonst haben wir gleich selbst die Texte erfunden. Und mit „Wir“ meine ich, Martin Drebs, der namenlose anonyme Ghostwriter, die vielen Mitmenschen, denen eine Chance zur Veröffentlichung geboten wurde, heimatlichen Dichtern genauso wie Denis Scheck zum Beispiel. Aus der Tagesschau war eine Transkription von Marcel Reich-Ranicki dabei! Denn die Kolumne bietet gewisse künstlerische Freiheiten, so waren manche Gastkommentare verdeckte Pseudonyme von mir!! Und ich wurde von den Redakteuren der Neustädter Zeitung aufs Vorzüglichste journalistisch betreut: da fehlte schon mal ein Komma, was sie ergänzten, oder auch die Rückfrage: willst du das wirklich so schreiben? Immer in grundsätzlichem Respekt! Einmal auch mit Foto, als beim Osterfeuer unser Garagenschild „Freiheit aushalten“ zerbrochen ward. Danke jedenfalls an die Neustädter Zeitung für 20 Jahre Kooperation! Was als PR-Aktion für „Bordenau – Unser Dorf liest“ begann, hat sich als längste Spezialsparte in unserer Zeitung ohne jegliche Honorarleistung bewährt; letzte Bemerkung auch als Info fürs Finanzamt. Und seit 1999 sind alle diese Kolumnen auch auf www.Bordenau.de dokumentiert. Dank dafür an den Betreiber der Heimatseite Klaus Detering, meinen niemals alten Freund; ich wollte im Jahre 2000 nach Goethes FAUST schon aufhören, doch Klaus sagte, schreib weiter, sprich weiter, denk weiter, und so sind schon wieder siebzehn Jahre dazugekommen. Tja, und jetzt gilt es zu feiern: kulturelle Nachhaltigkeit. Vielleicht mit einer Festschrift: die 20 schönsten Kolumnen der letzten 20 Jahre! Und die Leser wählen sie mit aus!


Mediapolis
869. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 9.8.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Jedes Buch hat seine Geschichte und sein Schicksal. Das Buch „Mediapolis. Augenblicke einer Jugend“ von Paul FF. Cornelius ist zwar schon 2005 im Rübenberger Verlag von Tanja Weiß in Neustadt erschienen, und die Buchbesprechung, die wir hier bringen, ist 2013 von Simone W. auf der Seite literatur-begeisterte-fee.@blogspot.com veröffentlicht worden, hat aber auch heute noch nichts von ihrer Aktualität verloren. Ein junger Mann namens Phil erkrankt durch die Bilderflut eines übermäßigen Fernsehkonsums. Man liefert ihn in eine Anstalt, die jedoch mit Heilung nichts zu tun hat - im Gegenteil: Man erforscht hier, wie Bilderfluten auf den Menschen wirken und führt Versuche an den Probanden durch, die an finsterstes NS-Regime/totalitäres System erinnern. Marie, eine aufstrebende junge Journalistin besucht diese Anstalt, um einen Artikel darüber zu schreiben. Wird sie Phil helfen können oder lässt sie sich von der Macht verführen? Simone W. schreibt dazu: „Allem voran muss ich sagen, dass mir die Story sehr gut gefallen hat. Sie stellt die Problematik des "Sehens" mit all seinen Facetten in einen Zusammenhang mit der Medienindustrie, die ohnehin mit der Werbung manipulativ in unseren Köpfen die Realität "zusammenzimmert". Hier stellt sich die Frage, wer eigentlich der "Kranke" ist: Phil oder die, die in der Anstalt grausame Experimente an ihm durchführen. Der Leser wird aus seinem Schonraum gerissen, denn Medien umgeben uns nahezu überall. Schnell ist ein Smartphone überwacht und der Email-Account gehackt, und was der Dieb dann in den Händen hält, ist nicht mehr und nicht weniger als unser gesamtes digitales Leben! Realität fließt ins Virtuelle - heute mehr als je zuvor. Manche User sind bei Facebook "dauer-online" und verschwinden in kleinen kostenlosen Spielen, die sie teuer mit ihren sozialen Daten bezahlen. Der Autor beschwört hier ein "Medien-1984" herauf, das uns gar nicht schmecken dürfte. Je nach Blickwinkel verändert sich die Realität. Nur das, worauf die Bilder verweisen, nämlich unsere Sehnsucht nach dem "Wahrhaftigen Erleben", kann man niemandem nehmen. Die Handlung setzt beim gealterten Phil an, der einem Reporter von Marie erzählt und ihm die Geschichte als Manuskript anvertraut. Von dort wird die Vergangenheit als gelebte Gegenwart aufgearbeitet und dann chronologisch bis zum Ende erzählt. Möglicherweise hätte man auch direkt mit Phils " Fernsehschädigung" beginnen können, denn diese Szene ist sehr intensiv. Von dort an gewinnt das Buch kontinuierlich an Spannung. Der Autor vermischt in diesem Buch verschiedene Textarten zu einer, wie er es selber nennt, "Bilder-Collage". Es treffen trockene journalistische Passagen auf lyrische Elemente, zitierte Einschübe und sachliche Analysen. Mir persönlich wog das "lyrische Element" zu schwer, aber das ist Geschmackssache. Zudem stellte sich mir die Frage nach der Zielgruppe, denn der Autor, selbst sehr belesen, verwendet sowohl gerne Fremdwörter als auch wissenschaftliche Theorien aus Politik und Philosophie. Ohne Vorwissen mag es für den weniger Belesenen schwieriger werden. Allerdings sind die Zitatpassagen mit einer Quelle versehen und es ist dem Leser durchaus zuzumuten, mal nachzuschlagen und die Passagen im Original zu lesen. Inhaltlich sind die Dialoge tief, aber manchmal mit der typischen Einleitung "Er sagte:" versehen. Besonders haben mir die Figuren gefallen. Sie sind liebevoll ausgestaltet und scheuen sich nicht vor einem Blick in die Tiefe menschlicher Schwächen und Unzulänglichkeiten. Wer bis jetzt alles verfolgt hat weiß, dass ich von diesem Buch begeistert bin, weil es eine Message hat und handwerklich gut gemacht ist. Ich lege es euch an Herz! Manche Kritik holt uns bereits ein und wir stecken fest im Sumpf aus Bildern und multiplen inneren virtuellen Realitäten. Dieses Buch tritt den Beweis an, dass sich Qualität auch im Kleinverlag finden lässt! Fazit: Unbedingt lesen!


Starkes Deutsch
868. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 2.8.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Sozusagen als Vorgeschmack auf unsere Lesung „Starkes Deutsch – Lutherbibel im Original“ am 3. Oktober 2017 haben wir für Sie einen entsprechenden Fachvortrag zur Vorinformation: Am Dienstag, dem 26.9.2017, wird ab 19.00 Uhr im Gemeindehaus der St.Thomas-Kirche Bordenau, Neustadt am Rübenberge , Pastor Steffen Marklein, Referent für Bibelarbeit der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und Theologischer Studienleiter der Hannoverschen Bibelgesellschaft e.V. einen abwechslungsreichen Vortrag mit Gespräch halten: „ … und hätte der Liebe nicht“ - Martin Luther und die deutsche Sprache! Kein anderes Buch hat die deutsche Sprache mehr beeinflusst als die Bibelübersetzung Martin Luthers. Sprachbilder, Satzkonstruktionen und neue Wortschöpfungen sind tief in die Entwicklung einer gemeinsamen hochdeutschen Sprache eingegangen. In der Alltagssprache sind Worte wie zum Beispiel Lückenbüßer, Barmherzigkeit, Feuereifer oder wetterwendisch bis heute gebräuchlich. Nachgezeichnet werden Stationen der Hochschätzung und auch Kritik dieser Wirkungsgeschichte. Sie reichen weit über den Rahmen des kirchlichen Gesprächs hinaus. Literatur, Kunst, Musik und Philosophie greifen die Diskussionen in eigenen Fragestellungen auf. Es öffnen sich facettenreiche Perspektiven. Im Geheimnis der Sprachbildung berühren sie unser Leben tiefer als wir für gewöhnlich glauben. Der Eintritt zum Vortrag ist frei. Herzliche Einladung !


Die Lutherbibel von 1545 wird gelesen
867. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 26.7.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Mitten in diesem Sommer dürfen wir Ihnen unser neues literarisch-musikalisches Projekt für den Herbst vorstellen: Am 3.Oktober 2017 möchten wir in einer besonderen kulturellen Veranstaltung in der St.Thomas Kirche in Bordenau ab 16.00 Uhr Auszüge aus der Original-Luther Bibel aus dem Jahre 1545 lesen! Die im Oktober 2016 erschienene Ausgabe ist eine weitere Übersetzung nach über 400 Jahren; diese soll wohl wieder näher an Luther kommen, wir lesen aus dem Original von 1545! Durch seine sinnhafte und dichterische Qualität hat Luther die deutsche Schriftsprache wesentlich geprägt. Und für unser lesendes Dorf ist neben den großen deutschsprachigen Poeten und Schriftstellern und Sprachforschern eben dieses Buch eine besondere Grundlage unserer Lesetätigkeit. Oder wie Heinrich Heine meinte: „Wer über neuere deutsche Literatur reden will, muss mit Luther beginnen.“ Wir verfolgen damit das Ziel, unseren Zuhörern den Genuss zu verschaffen, Sprache von damals und heute zu vergleichen. Jeder unserer Vorleser hat sich ein oder zwei Stellen aus der Bibel ausgewählt und dann in der Originalfassung einstudiert. Wir werden sie in bewährt-lebendiger Qualität vortragen. Dazu treten entsprechende historische Musikdarbietungen aus der Lutherzeit, die eventuell durch die Orgel in der Kirche, oder durch historische Instrumente gespielt werden. Angefragt ist Andreas Hagemann als versierter Kenner mittelalterlicher Musik auf der Gitarre und Laute - Luther liebte Laute! Und wir singen gemeinsam ein Lied von oder über Luther! Herzliche Einladung ! In der nächsten Woche informieren wir Sie über einen Fachvortrag zum Thema „Luther“.


Arno Surminski
866. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 13.7.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Poggenhagen ist ja noch kein Vorort von Bordenau; dennoch springt der literarische Funken immer wieder über, denn es ist schon was Besonderes, wenn am Sonntag , dem 16. Juli 2017, ab 16.00 Uhr der 82jährige Arno Surminski im Landgasthaus Meyer Geschichten aus seiner ostpreussischen Heimat vorstellt. Arno Surminski  wurde 1934 in Jäglack bei Drengfurth/Ostpreußen geboren und  ist ein deutscher Schriftsteller und Journalist. Er ist nicht so bekannt wie Siegfried Lenz, dennoch genauso produktiv. Und er wurde einem größeren Publikum durch seine Novelle - erzählt nach einer wahren Begebenheit - von 2008 bekannter: „Die Vogelwelt von Ausschwitz“.  Im Klappentext heißt es dazu: „Als der Gefangene Marek zum Skizzenmaler für den KZ-Wachmann Hans Grote bestimmt wird, um ihm bei der Erkundung der Vogelwelt des Lagers zu assistieren, glaubt er sich bald in Freiheit, bei seiner Verlobten Elisa in Krakau. Er irrt. Um zu überleben, wird er lernen müssen, klein zu denken: zeichnen, tote Tiere präparieren, nicht über die Weichsel schwimmen, den Gestank der Krematorien riechen, die Wiegenlieder der Frauen auf dem Weg in die Kammern hören, keine Fragen stellen, Geduld haben. Und vor allem: niemals krank werden. Arno Surminski zeichnet dabei ein erschütterndes Psychogramm zweier Männer, die sich vor dem unvorstellbaren Grauen des Vernichtungslagers in eine Scheinidylle flüchten. Die alltäglichen, lapidar geschilderten Bilder des Schreckens treffen seine Protagonisten nicht, aber uns - mitten ins Herz.“ Am nächsten Sonntag  nun wird Surminski aus den Erzählungen  „Als der Krieg zu Ende ging“, „ Die Reise mit der masurischen Eisenbahn“  und „Im Garten des Schönen“ vorlesen. Und auf Surminskis Heimatseite  liest man zu diesen Erzählungen Hinweise wie „Masuren gehört dem lieben Gott. Wir sind nur seine Gäste“ und „Da war noch etwas gutzumachen, eine Kleinigkeit wiederherzustellen, die der Lauf der Weltgeschichte verrückt hatte …“. Wir dürfen uns auf diesen besonderen literarischen Zeitzeugen freuen. Die Lesung findet statt im Rahmen der Ostpreußen-Reisegruppe, die bereits ab 15.00 Uhr Reiseerlebnisse austauschen will.  Und es sind auch jene Heimatvertriebenen, die sehr genau wissen, was das Wort bedeutet und die dann den neuen Flüchtlingen erst recht haben helfen wollen. Herzliche Einladung also!


1954: Ankunft in Bordenau
865. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 28.6.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Sie gilt als Bordenauer Urgestein, und ist doch selbst eine Zugezogene, wenngleich schon Anfang der 1950er Jahre. In ihrem jetzt erschienenen Buch „Geboren 1940 – Erinnerungen, Gedanken und Geschichten“ schildert Gisela Oberheu, wie sie nach Bordenau kam: „Am ersten Juni 1954 radelte ich das erste Mal Richtung Bordenau. Das kleine Bauerndorf lag auf der anderen Seite der Leine. Doch zuerst führte mein Weg durch die Wunstorfer Innenstadt, dann am Blumenauer Schloss vorbei Richtung Liethe und schließlich immer geradeaus, bis rechter Hand die Bordenauer Brücke aus den Wiesen auftauchte. Kurz vor der Brücke lag links das Bordenauer Fährhaus, während sich auf der rechten Straßenseite eine merkwürdige Holzkonstruktion entlang zog, die vom Fährhaus bis zur Brücke führte. Es war der Hochwassersteg. Doch an diesem 1. Juni 1954 ahnte ich noch nicht, wie wichtig er für mich einmal werden würde. Gleich hinter der Brücke kamen die ersten Häuser des Ortes. Im rechten Haus war das Gemeindebüro untergebracht, danach folgte Pastorenhaus und der Lebensmittelladen von Friedrich Scharnhorst mit vielen ansprechend platzierten Obst- und Gemüsekisten vor der Tür. Links lagen die Gastwirtschaft Sprengel mit der Post, danach folgte der Hof von Bauer Heinrich Ostermeier und schließlich erhob sich die St. Thomas Kirche auf der linken Straßenseite. Doch ich musste noch viel weiter, vorbei an kleinen Höfen mit schönen Backsteinhäusern. In den Stallungen muhten die Kühe, die man aber nur hören und nicht sehen konnte. Dafür entdeckte ich viele Hühner, die auf dampfenden Misthaufen standen und scharrten. Vor dem Gasthaus Klages standen schon früh morgens Autos und Trecker vor der Tür. Hier waren wohl die ersten Gäste schon beim Frühschoppen. Für mich ging es aber weiter an Elektro-Pelz und Gas-Lohmann vorbei Richtung Beekebrücke. Mein Weg war menschenleer. Nur an der Ecke zur Frielinger Straße, die damals allerdings nur so hieß und in Wirklichkeit ein Schotterweg war, lehnte ein Mann an der Mauer seines Hofes. Bienen-Grahle war mein erster Bordenauer Mensch. Ich radelte auf der Ricklinger Straße bis zu Bauer Beplat. Dann schien die Welt zu Ende. Rechts und links nur noch Felder, während sich am Horizont ein Wald erhob. Meine zweite Bordenauer Begegnung war Nomen Wieschen. Sie kam gerade vom Heuwenden, trug eine Holzharke in der Hand, während ihr Gesicht von einer Stoffhaube beschattet wurde. Ich hielt bei ihr an und fragte sie nach dem Haus der Familie zu Dohna und von Winterfeld. „Da bist du richtig, Kind“, sagte Nomen Wieschen und riet: „Fahr hoch bis zum Wald, dann kannst du das Haus schon sehen“. Soweit Gisela Oberheu für heute – Fortsetzung folgt!


Reiselektüre“
864. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 21.6.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Hier unser Kurzroman als Reiselektüre für kurzweilige Leser: „Er erhob sich am Tisch. Gleich würde sich die Tür öffnen, er ginge hindurch ins Freie. Vor ihm läge der Hafen mit seinem Schiff, das ihn weit, weit weg brächte bis ans Ende der Welt. Er wollte alles hinter sich lassen, die Mühen, die Hektik, diese knappe Zeit für Gespräche am Gartenzaun, wo man lang schon nicht mehr Samstagsabend sauber gebadet zufrieden den Sonntag erwartete. Und so geschah es, dass er einstieg, die Segel blähten sich und trugen das Schiff über die friedlichen, end- und erdlosen Weiten, wo nachts die Sterne leuchteten und den Menschen in dem Licht erscheinen ließen, das ihm von der Schöpfung zugedacht war: ein winziges Auge, in dem sich das Universum spiegelte. Zwar war ihm etwas bange vor der Fremde, dem Fremden, den Fremden, aber als er in der Südsee mit seinem Schiff durch einen Sturm auf einer Insel strandete, rettete ihn eine dunkelhäutige Familie, trug ihn in ihr Haus und pflegte ihn, bis er gesundete. Mittlerweile hatte er sich in das Eiland verliebt und genoss die lächelnden Mitmenschen, deren Sprache er nach und nach erlernte. Und dabei hörte er das Wort „Tschallaballuwolli“, was ins Norddeutsche so viel bedeutet wie: Alles wird gut! Oder auch: Alles ist gut! Oder auch: Es hätt´ noch immer gutgegangen. So fühlte er sich wohl und zufrieden und war endlich angekommen bei sich! Nur die Neustädter Zeitung vermisste er ein wenig und diese kleinen literarischen Kolumnen, die sich irgendein Kobold ausdachte, um die Menschen aufzuheitern!“ (zitiert aus dem Reiseroman von Paul FF. Cornelius, Ich bin so frei, Stöckenbdrebber, 1878, Seite 45)


„Der Moorhennies“
863. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 2.6.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Freilichtbühnen allenthalben, besonders bei dem schönen Wetter; an den beiden nächsten Wochenenden stellt sich eine neue mobile Bühne im Neustädter Land vor, mit „Der Moorhennies“, ein Open-Air Spektakel, eine szenische Reise in sieben Stationen und mehreren Zwischenspielen auf dem Weg quer durch Poggenhagen. In der Legende vom Moorhennies, dem Robin Hood aus dem Neustädter Land, dreht sich alles um Liebe, Mord, Rache und Eifersucht, ist halb „Räuberpistole“ halb „Liebesromanze“: die guten Räuber kämpfen gegen die bösen Räuber und am Ende siegt die Hoffnung und die Liebe. Und wer sind die bösen Räuber? Die Kumpanen vom „bösen“ Räuber Nemes aus Bordenau, so steht es in der Vorlage von Wilhelm Sicius Erzählung „Der Moorhennies“, Anfang des vergangenen Jahrhunderts erschienen. Alles nur Fiktion! Alles nur, um die Bordenauer schlecht zu machen! Und so führt das Theater „fensterzurstadt“ zu Scheunen, Plätzen, Parks, Wiesen und Feldern durch Poggenhagen und seiner Umgebung, wo sich die Geschichte, so oder ähnlich, in den Wirren des dreißigjährigen Krieges vor gut 400 Jahren zugetragen haben soll. Aber eben nur durch Poggenhagen! Weil man sich mit der ganzen Wahrheit nicht nach Bordenau traut. Wir werden sehr genau die Vorstellungen verfolgen, die am 10. (Premiere) ,11., 17. und 18. Juni in Poggenhagen stattfinden. Startpunkt ist jeweils um 15:00 Uhr am Landgasthof Meyer direkt gegenüber dem Bahnhof Poggenhagen. Wenigstens hat der Landgasthof Bordenauer Wurzeln! Und wenn die Anhänger des guten Moorhennies und des angeblich bösen Bordenauers Nemes miteinander kämpfen wie gegnerische Fanlager, dann wissen wir, auf welcher Seite wir stehen und gehen, auch wenn es vier Kilometer sein werden und das Ganze dreieinhalb Stunden dauert. Bordenauer bleibt stark! Und den Eintritt von 15 €, ermäßigt 10 €, Kinder bis 12 Jahre 5 € werden wir uns schon gebührend kosten lassen!


Vattertag
862. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 24.5.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Leute, morgen ist Vattertag. Aufgepasst! Da feiern wieder viele, die es noch werden wollen. Wilhelm Busch mahnt: „Vater werden ist nicht schwer,/Vater sein dagegen sehr./Ersteres wird gern geübt,/Weil es allgemein beliebt./Selbst der Lasterhafte zeigt,/Dass er gar nicht abgeneigt;/Nur will er mit seinen Sünden/Keinen guten Zweck verbinden,/Sondern, wenn die Kosten kommen,/Fühlet er sich angstbeklommen./Dieserhalb besonders scheut/Er die fromme Geistlichkeit,/Denn ihm sagt ein stilles Grauen:/Das sind Leute, welche trauen. –/So ein böser Mensch verbleibt/Lieber gänzlich unbeweibt. –/Ohne einen hochgeschätzten/Tugendsamen Vorgesetzten/Irrt er in der Welt umher,/Hat kein reines Hemde mehr,/Wird am Ende krumm und faltig,/Grimmig, greulich, ungestaltig,/Bis ihn dann bei Nacht und Tag/Gar kein Mädchen leiden mag./Onkel heißt er günst'gen Falles,/Aber dieses ist auch alles./Oh, wie anders ist der Gute!/Er erlegt mit frischem Mute/Die gesetzlichen Gebühren,/Läßt sich redlich kopulieren,/Tut im stillen hocherfreut/Das, was seine Schuldigkeit,/Steht dann eines Morgens da/Als ein Vater und Papa/Und ist froh aus Herzensgrund,/Daß er dies so gut gekunnt.“ Also Leute, entscheidet euch!!


„F(r)eie(r)Tage“
861. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 3.5.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Die Bordenauer Dichterin Christine Köpcke und ihre Freundin Elke Horaitis haben ein besonderes Gedicht für die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten erdichtet. Es heißt: „F(r)eie(r)Tage“: „Ach, Ostern nun vorüber ist/der Leidensweg des heiligen Christ//die Auferstehung, Vergebung der Sünden/man glaubt daran, aus verschiedenen Gründen/der eine, weil in dieser Welt/das "Gute" ihn am Leben hält/der andre, weil - ich sag's mal platt/die Feiertage gern er hat./Und noch ein andrer schimpft: Nanu/jetzt sind ja alle Läden zu!/Verhungern werd´ ich, das ist klar./Ich merk mir das fürs nächste Jahr!/Ein jeder pflegt doch seinen Spleen/und wär verloren ohne ihn./Ich kann dir aber eins schon sagen,/es kommt bestimmt in ein paar Tagen/das nächste Fest, was Pfingsten heißt/schon wieder alles zu, Du weißt!/Sorg also vor und deck Dich ein/im Supermarkt mit Fleisch und Wein/mit DVDs und Lesestoff,/sonst gibt’s in der Familie Zoff./Dicht zugepackt die freie Zeit/Genuss nach Plan – bist Du bereit?/Ist dann die schöne Zeit vorüber/sagt Dein Gewissen: So, mein Lieber,/was hast Du eigentlich geschafft?/Die vielen Pläne, die gemacht/sind nur zur Hälfte abgehakt/Dein Schweinehund brummt ganz verzagt:/Das ist wohl wahr, ich bin ´ne Niete/auf ganzer Breite der Gebiete/nicht mal Vergnügen kann ich richtig./Wann dämmert`s mir, was ist denn wichtig?/Jetzt weiß ich’s! Mir ist’s klar! Hier – bitte:/Auf einer Alm will ich ´ne Hütte/mit einer braun gefleckten Kuh/die mich erfreut mit ihrem Muuuuhhh./Und Heidi ist die Nachbarin/Das Echo ruft mich zu ihr hin/Wir tanzen fröhlich Ringelreihn/im Dirndl und mit nacktem Bein/Den Seppels mit dem Lederschurz/gefallen wir – ich mach’s mal kurz:/Wir lieben alles in Natur./Mehr braucht es nicht – nur Liebe pur!“


„Tag der Arbeit“
860. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 27.4.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Nicht nur zum kühlen Frühlingsbeginn („Nun aber, da es Blüten schneit/Nun ist es kalt, trotz alledem!“), sondern auch zum kommenden Tag der Arbeit passt genau das vertonte Gedicht von Ferdinand Freiligrath "Trotz alledem", dessen Anfang und Ende wir hier zitieren. David Robb und Eckhard John schreiben darüber 2008: „Das sozialkritische Lied "Trotz alledem" ist eines der am meisten rezipierten Lieder der 1848er Revolution. Ferdinand Freiligrath (1810–1876) hat den Text Anfang Juni 1848 geschrieben und knüpfte mit dem Anfang "Das war 'ne heiße Märzenzeit" unmittelbar an die revolutionären Ereignisse an. Freiligraths Gedicht knüpfte an seine Umdichtung des schottischen Liedes "For a' that, an' a' that" von Robert Burns (1795), welches er bereits 1843 ins Deutsche übertragen hatte, an. Die Wendung "Trotz alledem und alledem" ist in der Folge in der deutschen Arbeiterbewegung zu einem einflussreichen Motto geworden, das im Zuge der neuen sozialen Bewegungen der 1970er Jahre verstärkt wieder aufgegriffen wurde und neue Umdichtungen mit politischen Aktualitätsbezug hervorbracht hat“, und damals auch von Hannes Wader gesungen wurde: „Das war 'ne heiße Märzenzeit/Trotz Regen, Schnee und alledem!/Nun aber, da es Blüten schneit/Nun ist es kalt, trotz alledem!/Trotz alledem und alledem –/Trotz Wien, Berlin und alledem –/Ein schnöder scharfer Winterwind/Durchfröstelt uns trotz alledem!... Und wenn der Reichstag sich blamiert/Professorhaft, trotz alledem!/Und wenn der Teufel regiert/Mit Huf und Horn und alledem –/Trotz alledem und alledem/Es kommt dazu, trotz alledem/ Dass rings der Mensch die Bruderhand/Dem Menschen reicht, trotz alledem!“ Und wenn der DGB jetzt auch keine roten Nelken als Fahrtkarten zu den Feiern mehr für 50 Cent verkaufen darf, weil ihm das Finanzamt das Recht auf Personenbeförderung untersagt hat, werden sicher wieder viele Menschen am Montag feiern. Und wenn der 1. Mai mal wieder auf einen Sonntag fallen sollte, dann sollte Montag auch frei sein, fordern einige!


Feiertage
859. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 19.4.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Sicher kennen Sie ein paar bedeutende Feiertage. Doch auch sonst irgendeinen besonderen Themen- oder Aktionstag? Früher war das ja noch einfach, da gab es den Muttertag, den Weltspartag und schließlich war schon wieder Weihnachten! Jetzt hat sich in den letzten Jahren jedoch so etwas wie eine Flut von Thementagen „eingeschlichen“: Okay, Welt-Aids-Tag ist wichtig, aber ein Weltlachtag, gilt international am 1.Mai – lacht da jemand über den Tag der Arbeit? Deutscher Mühlentag am Pfingstmontag, lassen wir gelten, aber Tag der Sonne am 3.Mai, Kinder, ich bitte euch! Oh, an dem Tag ist auch Tag der Internationalen Pressefreiheit, auch nicht schlecht! Aber dann: Tag der verlorenen Socke (am 9.Mai!), alles auf der Liste „Deutschland-feiert.de“. Aber einen Tag finden wir gut: Den Tag des Buches, am 23.April, übrigens auch der Geburtstag von Shakespeare und Cervantes. Wer sind die nun wieder? Nachlesen, sag ich, beziehungsweise nachgooglen! Und wie sollen wir den Tag verbringen? Lesend vielleicht? Bücher gucken? Der Trend zum Zweitbuch ist ja ungebrochen! Bücher stapeln? Bücher suchen? Wie die verlorenen Socken auch? Ach so, da ist auch Tag des Bieres. Jetzt haben wir´s: wir trinken ein paar Bierchen und dann gucken wir mal, ob wir dann noch lesen können. Und nächstes Jahr feiern wir dann den Tag der grundlosen Nettigkeiten (17.Februar) oder den Tag der essbaren Bücher (1.April) oder sogar am 1. Juli den internationalen Witzetag!


„Gerhard von Scharnhorst aus Bordenau“
858. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 29.3.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Am Freitagabend, dem 31.März 2017, wird ab 20.00 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Bordenau auf einer abwechslungsreichen Veranstaltung ein neues Buch über „Gerhard von Scharnhorst aus Bordenau“ von Klaus Jürgen Kortmann vorgestellt (die Neustädter Zeitung berichtete). Wir dürfen vorab hier schon ein kurzes Stück aus Scharnhorsts Brief an seine Frau von 1793 zitieren: „Liebe Kläre – liebe beste Frau! Ich bin nicht zum Soldaten gemacht: Ohne Schwierigkeit ertrage ich die Gefahr, aber der Anblick der unschuldigen, jammernden Menschen im Blute neben mir, das Feuer der brennenden Dörfer, von Menschen zum Vergnügen angelegt, die übrigen Greul der allgemeinen Verwüstung bringen mich in Wut und in eine mir unerträgliche Stimmung.“


Frühling bei Rilke“
857. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 15.3.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Nun kommt er, der Frühling; das Warten und die Geduld haben sich gelohnt. Ein Meister der Geduld ist Rainer Maria Rilke; er schreibt in einem Brief an den jungen Dichter Franz Xaver Kappus: “Man muss den Dingen die eigene, stille, ungestörte Entwicklung lassen, die tief von innen kommt und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann, alles ist austragen – und dann gebären...Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht, ohne Angst, dass dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch! Aber er kommt nur zu den Geduldigen, die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge, so sorglos, still und weit...Man muss Geduld haben mit dem Ungelösten im Herzen, und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben, wie verschlossene Stuben, und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Es handelt sich darum, alles zu leben. Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken, eines fremden Tages in die Antworten hinein.“


Literaturkreis widmet sich Robinson Crusoe
856. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 1.3.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Der Literaturkreis der VHS trifft sich ab nächsten Montag, dem 6.März, wieder 14tägig in der Goethestraße 11 ab 16.00 Uhr unter der Leitung von Martin Drebs. Nach der Lektüre von Lutz Seilers „Kruso“ über die letzten Jahre der DDR auf der Insel Hiddensen widmen sich die Teilnehmer jetzt dem Original von Daniel Defoe – auf Deutsch versteht sich: „Robinson Crusoe“. Doch bevor der junge Mann unruhig und unaufhaltsam auf Weltreise gehen will und da landet, wo wir die Geschichte alle kennen, muss er sich erst noch die Standpauke und Mahnung des sorgenden Vaters anhören: „Was für andere Gründe können dich bewegen, Vaterhaus und Heimat verlassen zu wollen, wo du dein gutes Unterkommen hast und bei Fleiß und Ausdauer in ruhigem und behaglichen Leben dein Glück machen kannst. Nur Leute in verzweifelter Lage, oder solche , die nach großen Dingen streben, gehen außer Landes auf Abenteuer aus, um sich durch Unternehmungen empor zu bringen und berühmt zu machen, die außerhalb der gewöhnlichen Bahn liegen…. Du gehörst in den Mittelstand, in die Sphäre, welche man die höhere Region des gemeinen Lebens nennen könnte. Die aber ist, wie mich lange Erfahrung gelehrt hat, die beste in der Welt, in ihr gelangt man am sichersten zu irdischem Glück. Sie ist weder dem Elend und der Mühsal der nur von Händearbeit lebenden Menschenklasse ausgesetzt, noch wird sie von dem Hochmut, der Üppigkeit, dem Ehrgeiz und dem Neid , die in den höheren Sphären der Menschenwelt zu Hause sind, heimgesucht….“ Liest sich wie ein Plädoyer für die Wahrheit des Mittelstandes! Doch Robinson zieht los, und Sie sind eingeladen mitzulesen.


Thomas Stolte
855. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 1.2.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Bordenau ist schon – wie so viele andere auch – ein Dorf, in dem vor Ort viel Kultur losgemacht wird. Es gibt jedoch auch Bordenauer, die wirken weit über Bordenau hinaus im Neustädter Land, in der Region und sogar in Niedersachsen. Einer von ihnen ist der gebürtige Bordenauer, Ratsherr der Stadt Neustadt, dort auch im Kulturausschuss, langjähriger Vorsitzender des „Vereins zur Pflege internationaler Beziehungen“ und seit einigen Jahren im Kulturausschuss des niedersächsischen Städtetages, und das jetzt als ständiges Mitglied: Thomas Stolte. Was macht man eigentlich in so einem Ausschuss? Stolte: Dort treffen sich verschiedenen Vertreter verschiedener Städte in Niedersachsen, meist im Herbst und behandeln Themen wie Bibliotheken, Theater, Gedenkstätten und allgemeine kulturellen Angebote. Wir besprechen die aktuelle Lage dieser Einrichtungen. Können Sie ein Thema konkretisieren? Stolte: Die Bibliotheken sind eine große bedeutsame Anlaufstelle für die Bevölkerung, die sie auf vielfältige Weise nutzt, sind aber auch Kulturstätte, auch für Flüchtlinge und Migranten, die hier bleiben möchten; dort werden sie aufgenommen und können in verschiedenen Gruppen lesen und lernen, was ist deutsche Kultur. Die Bibliotheken sind also ein wichtiger Anlaufpunkt. Der Ausschuss informiert sich über deren Lage und stellt die besondere Bedeutung heraus. Wie kann der Ausschuss etwas durchsetzen? Stolte: Fordern kann man viel, man bearbeitet das und gibt das dann weiter an den Vorstand des niedersächsischen Städtetages und der bearbeitet beziehungsweise entscheidet das dann weiter. Gibt es herausragende Aktivitäten? Stolte: Gute Frage! Es ist für jede Stadt wichtig, dass sie sich dem Ausschuss präsentiert: das können wir bieten, diese Highlights haben wir an kulturellem Leben, ob es in Syke war oder Braunschweig oder Osnabrück, jede Stadt hat ihre kulturellen Merkmale. Was können Sie mit diesem niedersächsischen Blick über Neustadt sagen? Stolte: Die Bibliothek ist gut aufgestellt, soll demnächst noch größere Räume bekommen, der Theater- und Konzertkreis macht mit vielen Ehrenamtlichen ein tolles Angebot und sollte von der Bevölkerung mehr angenommen werden. Gut ist auch unsere Musikschule, so ist Neustadt ganz vorne! Was ist für Sie Kultur überhaupt? Kultur ist Bereicherung für jeden Menschen, einmal aus seinem „alltäglichen Alltag“ herauszutreten, um sich durch Musik und andere Darstellungen, sei es Museen, Galerien oder Ausstellungen beschenken zu lassen. Eigentlich sollte jeder Mensch sagen: mach doch mal was, nutze die kulturellen Gelegenheiten.
(Das Gespräch führte Martin Drebs)


Kabarettistischer Kochkurs mit Matthias Schlicht
854. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 15.1.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Werner Schmidt hat uns informiert: „Es ist angerichtet! Der Pastor der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Matthias Schlicht, bittet im Dorfgemeinschaftshaus in Bordenau zu Tisch. Im kabarettistischen Kochkurs auf Evangelisch bereitet der Satiriker Schlicht das Mehrgänge-Menü GLAUBENSPFEFFER zu. Köstlichkeiten kommen auf den Tisch, manche beschwingt und gut bekömmlich, bei anderen kann einem der Bissen zuweilen im Halse stecken bleiben. Geschmacklich wird der Gast an religiösen u. gesellschaftlichen Missständen zu kauen haben. Ein Menü mit Biss, ein Potpourri - Glaubenskrise, demokratischer Wandel, Politik, weltfremde Geistlichkeit, die menschliche Abstammung, Frauen mit Jugendsünden-Tattoo – mal ernsthaft, mal direkt, mal augenzwinkernd. Interessant in der Speisenfolge, süß oder sauer, mild oder scharf, Haute Cuisin oder Hausmannskost. Gespannt darf man auch auf die Parallele zwischen Beichtstuhl und Baumarkt - in humorvoller und kritischer Betrachtung - sein. Fragen stellen sich dem Zuhörer, der Kabarettist verspricht Auflösung, nagelt er eventuell seine Thesen, seine kabarettistischen Rezepte, an die Eingangstür des Dorfgemeinschaftshauses? Wäre im Lutherjahr durchaus angebracht! Nicht auszuschließen ist, dass auch die eine oder andere Speise mit einem deftigen Lutherzitat gewürzt wird. Im Vorwort seines literarischen Erstlingswerks ( 2/16; Gütersloher Verlag ) sagt Frau Margot Käßmann, wörtliches Zitat: „ Der Glaube ist von Haus aus keine lustige Religion. Das Lachen ist nicht gerade eine Hauptbeschäftigung des biblischen Gottes. Allerdings: Wir glauben an den Auferstandenen und nicht an einen Toten! Deshalb versuche ich bei Predigten immer etwas einzubringen, was die Gemeinde zum Schmunzeln bringt “. Also: Kabarettistisch essen, lachen, lachen mit Matthias Schlicht, am Samstag, 11. Februar 2017 um 19:30 im Dorfgemeinschaftshaus in Bordenau. Eintrittskarten, nicht Speisekarten gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen.“


Die Grundrechte
853. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 11.1.2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Wir freuen uns, dass Gastkommentator Anselm Deusgen (der richtige Name ist der Redaktion bekannt) uns wieder eine Grußadresse schreibt: „Mit jedem ausgesprochenen oder auch geschriebenen Wort treten wir heraus aus dem vollendeten Bewusstsein des Lebens, in dem wir bis dahin uns alle innerlich ganz und gar fast unversehrt als wahrhaft Wissende hätten fühlen können; wir treten ein in die Welt, den Diskurs, das Gespräch, in dem der andere wieder zu komplettieren sucht, was wir scheinbar wirklich herausgerissen haben aus der Gesamtheit des Wissens, was droht verloren zu gehen an der ganzen Wahrheit. Das ist nun gewiss kein Plädoyer fürs Schweigen und schon gar nicht die natürliche Grenze der Demokratie; doch bekennen wir: Die Babylonische Vielspracherei ist unser menschliches Schicksal, auch wenn für Wilhelm von Humboldt alle Sprachen der Welt zusammen genommen Ausdruck einer universellen Weltsprache darstellten, so hält doch jeder von uns nur einen sprachlichen Zipfel der Offenbarung in Händen – am Abgrund unserer Einsamkeiten. Verzweifelt ringen wir um die Gemeinsamkeiten der Religionen, um den Kampf der Kulturen in einen tragfähigen Prozess zu führen. Neben der allgemeinen Transzendenz, dem Glauben an etwas Übernatürliches, gibt es eben auch jene, nicht nur von Altkanzler Helmut Schmidt herausgestellte Gemeinsamkeit: „Was du nicht willst, was man dir tue, das füge auch keinem anderen zu“. Ein Satz, der uns zum Respekt vor dem Andersartigen nötigt? Mitnichten! Nehmen wir den Streit in der Knesset zwischen einem weltlichen Juden und einem religiösen Orthodoxen um die Einhaltung des Sabbat in Israel; da hören wir den an den universellen Menschenrechten - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - geschulten Redner: „Ich schreibe Ihnen ja auch nicht vor, in die Synagoge zu gehen“. Mit anderen Worten: Die unveräußerlichen, also grundsätzlichen, grundgesetzlichen Rechte, dass alle Menschen vor dem Gesetz, dem Leben, also letztlich vor Gott gleich sind, sind die größte Offenbarung des Schöpfungswillens. Bilden wir uns nach diesem Bilde! Und achten wir unsere Unterschiedlichkeit, in ihr sind wir gleich. Mit den besten Grüßen an alle Ihre Leser für die nächsten Jahre! Ihr Anselm Deusgen“


Neujahrsgrüße
852. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 28.12.2016

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Die Bordenauerin Susanne Oberheu, Tochter der Ziegeleibesitzer, bietet Reisen nach Kappadokien in der Türkei an, und schickt uns einen ambitionierten Gruß zum Jahreswechsel: „Es scheint, als ob die Welt sich in die falsche Richtung bewegt......Nicht mehr Freiheit wollen die Menschen, sondern mehr Sicherheiten und Zäune. Nicht das Gemeinsame suchen sie, sondern das Trennende…Das ist für Reisende, wie Ihr es seid und ich es bin, sehr beunruhigend! Beunruhigend eben für uns neugierige Menschen, die sich über Grenzen hinweg bewegen und dabei das neue Unbekannte als Teil eines großen Ganzen verstehen wollen. Was wir Reisenden wollen ist genau das Gegenteil: Keine Grenzen und mehr Kontakt! Liebe Reisenden, meine Gäste in Avanos und Freunde auf der ganzen Welt! Rückblickend bin ich sehr dankbar, dass ich in den letzten acht Jahren so viele interessierte und interessante Menschen wie euch kennenlernen und die faszinierende fremde Welt von Kappadokien zeigen durfte! Es war eine intensive und schöne, manchmal aufregende und auch nachdenkliche Zeit mit euch; auf jeden Fall hatten wir viel Spaß zusammen! Aber die Welt bleibt eben nicht stehen und verlangt ständig nach Veränderung! Doch in welche Richtung? Wie es aussieht, werde ich nächstes Jahr kaum mehr genügend „mutige Gäste“ nach Kappadokien locken können, um mein Leben dort aufrecht zu erhalten. Ich versuche durchzuhalten, wie alle gerade in der Türkei…Wir können aber nur abwarten und unsere Mitmenschen beschwören, nicht den Demagogen dieser Zeit, ob nun den Journalisten, Politikern oder verblendeten Fanatikern Gehör und Aufmerksamkeit zu schenken. Hören wir nicht darauf, dass die Welt nur schlecht und bedrohlich sein soll! Denken wir so, dann ist sie auch so! Statt uns verängstigt einzusperren, sollten wir hinausgehen, mutig, hoffnungsvoll und warmherzig und die Angstmacher ignorieren. Die Welt ist immer noch wunderschön, und die meisten Menschen darin sind freundlich und friedlich! So wie wir die Welt wahrnehmen, wird sie auch mehr und mehr sein! Die Antwort auf unsere Wahrnehmung ist immer unser Lebensgefühl und dieses wiederum verändert das Lebensgefühl unserer Mitmenschen! Angst zeugt Angst, Mut zeugt Mut, Misstrauen zeugt Misstrauen und Freude erzeugt Freude! Gähnen lässt andere ebenfalls sofort nach Luft schnappen, genauso wie ein herzhaftes Lachen mitreißend, eben echt ansteckend ist…. Also sollten wir uns für eine schöne Welt entscheiden, und dort, wo sie nicht so schön ist, sie schön machen! Auf den Blickwinkel kommt es an... und den Mut, sich nicht unterkriegen zu lassen! In diesem Sinne sende ich euch meine herzlichsten Grüße zum Jahreswechsel! Es scheint, der alte Hippie-Slogan hat noch lange nicht ausgedient: „P e a c e a n d L o v e“! Eure Susanne Oberheu mit lieben Grüßen auch von Micha.“


"Adventsleuchten"
851. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 14.12.2016

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Paul Cornelius schickt uns die Geschichte vom „Adventsleuchten“: „Am Ende des Jahres kurz vor Weihnachten war der Himmel tagelang bedeckt. Es war düster und nass. Die Stimmung entsprechend runter. Es naht das Ende der Welt. Die Kälte kroch in die Glieder, und über die Seele legte sich Dunkelheit. Da legte sich der alte Mann zum Sterben unter einen Baum und schlief ein. Als er erwachte, merkte er, dass er nicht gestorben war, sondern an diesem frühen Abend geschah etwas Seltsames. Dem alten Mann, der die Augen geschlossen hatte, kam es merkwürdig vor, dass durch die geschlossenen Augenlider ein besonders schönes, rötliches Licht drang, sodass er erst glaubte, seine Augen hätten sich mit hellem warmen Blut gefüllt, und er dachte schon, das sei der Tod: sanft, mild und ganz einfach, und er dachte noch daran, wie seine Kinder mit ihm gespielt hatten, und er auf der Wiese herumgetollt war und wie er glücklich war, wenn er ohne Gefahr einschlafen konnte. Doch das rötliche Strahlen ging nicht weg, sondern changierte immer wieder auch in hellere gelbe Farben, sodass er den Mut fasste, die Augen zu öffnen. Und was er dann sah, das war unbeschreiblich schön: Der ganze Himmel war in ein einmaliges Abendrot getaucht, die Wolken trieben wie rosa Wattebäuschchen am Firmament und zur untergehenden Sonne hin wurde es immer heller und goldiger. Ein Teil der Wolken hatte sich aufgetürmt und trieb an seinen Rändern immer neue Blüten hervor, die leuchteten ihn an. Da beschloss er aufzustehen und den Menschen von dem Adventsleuchten zu berichten….“


"Barbarazweige"
850. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 7.12.2016

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Barbara Weißköppel aus Kleinheidorn schickt uns diesmal

„BARBARAZWEIGE“.
DES JAHRES ENDE - ES IST NICHT MEHR FERN.
AM HIMMEL GLÄNZT SCHON DER WEIHNACHTSSTERN.
ER GLITZERT FREUNDLICH - DURCHFUNKELT DIE NACHT.
EIN HOFFNUNGSLICHT. ES VERSPRICHT WÄRME, EINEN
ENGEL, DER DIR DIE HÄNDE REICHT, DER
DIR ZEIGT, WIE EIN DÜRRER ZWEIG,
DEN DU ZÖGERND IN WARMES
WASSER GESTELLT, SCHÜCHTERNE BLÜTEN TREIBT.


Carolin Emcke
849. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 29.11.2016

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Carolin Emcke, 1967 in Mülheim an der Ruhr geboren, ist eine deutsche Autorin und Publizistin. Im Jahr 2016 wurde sie mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet, einem der bedeutendsten Preise in unserem Land. In der Begründung des Stiftungsrats heißt es: „…Carolin Emcke…, die mit ihren Büchern, Artikeln und Reden einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Dialog und zum Frieden leistet. Ihre Aufmerksamkeit gilt dabei besonders jenen Momenten, Situationen und Themen, in denen das Gespräch abzubrechen droht, ja nicht mehr möglich erscheint. Carolin Emcke setzt sich schwierigen Lebensbedingungen aus und beschreibt – vor allem in ihren Essays und ihren Berichten aus Kriegsgebieten – auf sehr persönliche und ungeschützte Weise, wie Gewalt, Hass und Sprachlosigkeit Menschen verändern können. Mit analytischer Empathie appelliert sie an das Vermögen aller Beteiligten, zu Verständigung und Austausch zurückzufinden. Das Werk von Carolin Emcke wird somit Vorbild für gesellschaftliches Handeln in einer Zeit, in der politische, religiöse und kulturelle Konflikte den Dialog oft nicht mehr zulassen. Sie beweist, dass er möglich ist, und ihr Werk mahnt, dass wir uns dieser Aufgabe stellen müssen.“ Ihre Laudatorin war ihre Doktormutter Seyla Benhabib. Ihre Dankesrede erfuhr sowohl wohlwollende Zustimmung als auch starke Kritik. So lobte Patrick Bahners in der FAZ Emckes „eindringliches und empathisches“ Bemühen, um die „Wiedergewinnung des sozialen oder inneren Friedens, den die Demokratie zur Voraussetzung hat“, während Thomas Schmid und Adam Soboczynski Emcke die „Wiederholung von Banalitäten“ und die „notorische Unterschlagung von Zuwanderungsproblemen“ vorwerfen. In dem autobiographischen Buch „Wie wir begehren“ (2013) beschreibt Emcke die Entdeckung ihrer Homosexualität, wobei sie ihre Wünsche formuliert, aber auch die soziale Ausgrenzung als Ergebnis ihres Coming-out diskutiert. Im Januar 2014 führte sie für „Die Zeit“ ein Interview mit dem Fußballer Thomas Hitzlsperger über dessen Coming-Out, eine Seltenheit im Profi-Fußball. Nehmen eigentlich Preisverleihungen an Humanisten immer dann zu, wenn draußen die Welt in Barbarei zu versinken droht?


„Der Kriegsheld oder eine verhinderte Vater-Tochter-Beziehung"
848. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 10.11.2016

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Die Bordenauer Autorin Christine Köpcke (u.a. „Lebensabend mit Goldrand“) schickt uns zum Volkstrauertag einen sehr persönlichen Text:

Der Kriegsheld oder eine verhinderte Vater-Tochter-Beziehung
Ich will keinen toten Helden!
Ich will einen lebendigen Vater,
der mich in die Luft wirft und wieder auffängt,
der mir das Lebens zeigt: die kleinen Wunder und die großen Erfindungen,
der mich Geborgenheit und Sicherheit spüren lässt,
der mein erster Übungspartner erfolgreichen Flirtens ist,
der mir sagt, dass ich ganz wichtig bin – so wie ich bin,
der auf all meine Fragen eine Antwort weiß,
der mit mir streitet und sich wieder versöhnt,
für den der Begriff Liebesentzug nicht existiert,
der Respekt für Andersartigkeit vorlebt,
der mich darauf hinweist, dass auch Erwachsene sich mal irren,
für den es keine Schwäche ist, sich für Fehler zu entschuldigen,
der mir die Vor- und Nachteile meines Handelns aufzeigt,
der mir die Notwendigkeit gesellschaftlicher Regeln erläutert,
der mich motiviert, meine Ideen umzusetzen,
der mich loslässt, wenn es Zeit ist,
und dessen Türen jederzeit für mich offen bleiben.
Eine starke Mutter kann vieles davon auch allein, den Vater ersetzen kann sie nicht.


Friedenspreisträgerin Carolin Ehmke
847. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 2.11.2016

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Noch bevor wir über die Friedenspreisträgerin der deutschen Buchhandels, Carolin Ehmke, für ihr engagiertes Eintreten für die Humanität berichten wollen, fragen wir uns heute, was Literatur, was Bücher eigentlich alles so leisten können. Bilden sie die Wirklichkeit wie Fotos ab? Schaffen sie neue Phantasiewelten, in denen wir all unser Sehnen wiederfinden können? Geben sie den Stummen eine Stimme, den Unterdrückten das Vokabular zum Widerstand? Sind eigentlich alle möglichen Lebenssituationen in der Literatur schon beschrieben worden? Das Lächeln einer Mutter über die Lernfortschritte ihres Kindes, der Blick des Kindes zurück zur Mutter mit der Erwartung von Anerkennung? Der Mensch, der durch den Tod seines Partners verlassen zurückbleibt und den Wein zum Freund nimmt? Was ist mit den vielen Menschen, die auf ganz unterschiedliche Arten in den Ruhestand gehen? Gibt es dazu schon genug Geschichten? Eine kennen wir: Es war auf einer Zugreise, und eine mittelalte Frau ging durch den Zug und verteilte Rosen. Sie informierte die Fahrgäste darüber, dass heute ihr Vater als Zugführer diese letzte Fahrt vor dem Ruhestand noch machte und am letzten Bahnhof aussteigt und seine Berufstätigkeit beenden würde. Sie bat die Fahrgäste am Schluss der Fahrt ihrem Vater die Blumen zur Lokomotive zu bringen. Und so geschah es: der Zug hielt an, der Zugführer stieg aus und alle Fahrgäste gingen zu ihm und übergaben ihm die Rosen. Seine Tochter stand ganz am anderen Ende und freute sich weinend.


Kulinarische Lesung
846. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 26.10.2016

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Mitten im Herbst präsentiert der „Büchergarten Bordenau“ die Ernte seiner künstlerischen Bemühungen: Essen wie Literatur sind natürlich beides Lebensmittel, Bücher werden zur geistigen Nahrung und so laden Chefköchin Johanna Korte und Protokollmeister Manfred zum literarischen Fünf-Gänge-Menu. Auf dem Speiseplan stehen: „Die Küche ist das Laboratorium für die Menschheit …“, aus dem „Praktischen Kochbuch von 1923“. Gehen Sie mit auf kulinarische Spurensuche bei Busch, Goethe, Lessing, Luther, Roth, Zuckmayer u.v.m. Genießen Sie fünf Gänge mit satten Texten, köstlichen Gedichten, und reichlich musikalischem Ohrenschmaus! Die unterschiedlichen Speisen reichen Ihnen die reizenden Serviertöchter (schweizerisch) oder auch die „Lecker Määdchen“ (rheinisch) Helene Köhler, Ingrid Dralle, Johanna Korte, Ulla Domke, Vera Urich. Zwischendrin als Pausenbrot gibt es kleine, feine Snacks und echten köstlichen Wein. Die Gastgeber freuen sich auf auf muntere Gäste mit genüsslich-literarischem Appetit. Das Restaurant befindet sich im Haus Nr. 3 bei Familie Korte, Bordenau, Hans-Zühlke-Str. 3 und ist geöffnet am Samstag, dem 29. Oktober 2016 um 17.00 Uhr und am Sonntag, dem 30. Oktober 2016 um 15.30 Uhr. Sichern Sie sich noch heute einen Tisch unter Telefon 05032 4434! Genießen Sie die außergewöhnliche Zutaten, leckere und süße Texte und die wunderbare Atmosphäre, denn „lieber barfuß als ohne Buch“, sagt der Isländer und der Chinese meint, „wenn du keinen Kuchen hast, dann male dir einen!“. Der Büchergarten Bordenau setzt noch ein Sahnehäubchen drauf: „Ohne die Literatur können wir nicht existieren!“ Also kommen Sie und stärken Sie sich!


Carl Zuckmayer
845. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 28.9.2016

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Erinnerungen aus den ersten sechs Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts – Erinnerungen eines Mannes, der gern lebte, obwohl es ihm die Anfeindungen der Bornierten zuweilen schwergemacht haben. In seinem Buch »wird eine gewaltige Welt wach gerufen. Dichter, Schauspieler, Politiker – große Namen und auch namenlose Leute aus dem Alltag, Gewinner und Verlierer ziehen vorüber, bewegt und umhegt von Zuckmayers Temperament: Der Erzähler wird zu einem packenden Zeugen, der mit unvergesslicher Stimme seine Antwort gibt auf unsere so neugierig wie beklommen gestellten Fragen: ›Wie war es denn? Wie ist es dazu gekommen?‹« (Werner Weber) Wir lesen für Sie : Carl Zuckmayer ALSWÄR´S EIN STÜCK VON MIR am Sonntag, dem 2. Oktober, und am Montag, dem 3.Oktober, dem „Tag der deutschen Einheit“, jeweils ab 16.00 Uhr in der St.Thomas-Kirche in Bordenau. Kommen sie bitte!


Förderpreis für Klaus Detering
844. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 21.9.2016

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Auch wir vom lesenden Dorf möchten Klaus Detering zum Förderpreis der Stiftung Bordenau 2016 ganz herzlich beglückwünschen. Und das aus gutem Grund, denn seit dem Bestehen der Internetseite im letzten Jahrtausend hat nicht nur die Neustädter Zeitung unsere literarischen Kolumnen veröffentlicht, sondern auch www.Bordenau.de. Die Stiftung Bordenau ehrte den Webmaster für sein großes Engagement, so die Neustädter Zeitung - die Leinezeitung nannte ihn einen „Pionier des Internets“ und in seiner Laudatio sagte Stiftungsvorsitzender Hanns Stahmer: „Ich will ein Loblied auf unser www.bordenau.de singen! Bordenau.de ist die Informationsquelle unseres Ortes schlechthin! Nicht das NRÜ-Autokennzeichen fördert unsere Bordenau-Identität, und nicht die Postleitzahl. Den Zeitungen gelingt das nur teilweise, und auch das Radio Leinehertz muss über Bordenau weit hinausschauen – wie gut, dass wir da noch unsere Homepage haben! Inzwischen wird sie im Schnitt etwa 500 Mal täglich aufgerufen…. Die Einrichtung unseres Internetauftritts und für dessen ständige Aktualisierung setzt einen Menschen voraus,…der vom Ort und insbesondere von allen Vereinen als vertrauenswürdiger und zuverlässiger Informant geschätzt wird, der die ihm übermittelten Informationen auch redaktionell noch überarbeiten kann, und nicht zuletzt einen Menschen, der von der Sache so überzeugt, wenn nicht gar besessen ist, dass er unser schnelllebiges Internet nicht um eine Eintagsfliege bereichert, sondern mit Ausdauer nachhaltig für Kontinuität und langfristiges Vertrauen sorgt.“ Diese Leistung hat unseren Ort mitgestaltet als Motor, Energie und Richtung, Klaus Detering hat so ein soziales Gedächtnis geschaffen und den kommunikativen Umgang unter uns humanistisch mitgeprägt. Und die Homepage als Heimatseite dokumentiert nun schon über 800 Kolumnen von „Bordenau – Unser Dorf liest“. Lesen Sie mal nach! Und danke Klaus Detering! Übrigens: Das „de“ hinter Bordenau bedeutet nicht „Detering“, sondern steht für Deutschland.


ALS WÄR´S EIN STÜCK VON MIR
843. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 24.8.2016

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Angela Merkel zitierte ihn aus seinem Theaterstück „Des Teufels General“ anlässlich der 70-Jahr-Feier von Nordrhein-Westfalen; darin werden die Rheinländer in ihrer Entwicklung über zwei Jahrtausende als Ergebnis der Begegnung vieler Völker beschrieben. Wir lesen ihn in Auszügen vor: Carl Zuckmayers hochpoetische und ambitionierte Autobiografie ALS WÄR´S EIN STÜCK VON MIR an zwei Tagen. Vor 50 Jahren erschienen, damals ein Bestseller  – jetzt vielstimmig vorgelesen von „Bordenau liest“.  Wir wagen uns in der Textbearbeitung und Regie von Peter Tenge erneut an ein ganzes Buch heran. Am Sonntag, dem 2. Oktober, stellen wir die Jahre 1896 bis 1933 vor und am Montag, dem 3.Oktober, dem „Tag der deutschen Einheit“ gehen wir in die Jahre von 1926 bis 1966. In diesem Jahr ist die St.-Thomas-Kirche am Steinweg unsere Bühne. Aber es wird nicht nur gelesen, sondern es wird auch besondere, von Gerold Wassmann extra für diese Lesung komponierte Musik geboten, die er auch selbst an Klavier und Orgel vorträgt. Sie können beruhigt auch nur einen der beiden Teile besuchen, denn unsere geschickte Auswahl lädt zum Weiterlesen ein: Kindheit und Jugend am Rhein, der erste Weltkrieg, die ersten Jahre in Berlin, das Paradies in Henndorf,  Austreibung und Flucht nach Amerika, Abschied und Wiederkehr nach Europa, die letzte Heimat in der Schweiz. Kommen Sie jeweils um 16.00 Uhr! Der Vorverkauf hat begonnen!


Wettstreit der Nationen
842. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 17.8.2016

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Freuen wir uns in diesen Tagen über den friedlichen Wettstreit der Nationen in Brasilien, bei dem Menschen zusammenkommen, um gemeinsam Sport zu treiben. Dabei möchten wir an den berühmten Satz von Pierre de Coubertin erinnern, den er anlässlich des Streits zwischen britischen und amerikanischen Sprintern über den Sieg im 400-Meter-Lauf 1908 gesagt haben soll: „Das Wichtige an den Olympischen Spielen ist nicht zu siegen, sondern daran teilzunehmen; ebenso wie es im Leben unerlässlich ist nicht zu besiegen, sondern sein Bestes zu geben.“ Wünschen wir uns bei allem Wettstreit weiterhin ein schönes gemeinsames Völkerfest!


Aufmunternder Gruß zum Schulstart
841. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 3.8.2016

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Zum Schulstart erreicht uns ein aufmunternder Gruß von Paul Cornelius: „Ihr jungen Leute! Die Schule geht wieder los! Freut euch, dass ihr was lernen könnt! Seid neugierig auf alle Dinge der Welt! Es gibt so viel Tolles zu entdecken. „Von euren Sinnen hinausgesandt, geht bis an eurer Sehnsucht Rand.“ (R.M.Rilke). „Denkt weiter, erzählt weiter, traut eurer Phantasie, aber lasst sie die Wirklichkeit nicht vergessen!“ (nach P.Härtling). Achtet eure Lehrer, aber achtet auch darauf, ob sie euch achten. Und achtet auf die richtige Mischung zwischen Handy und Bewegung: Raus an die frische Luft, nicht nur bei „Pokemon-Go“, und helft etwas im Haushalt mit. Haltet auch mal inne und ruft einen Freund an. Es ist eure Welt, eure Zukunft. Denn mit jedem neuen Kind geben wir die Unsterblichkeit von Mensch zu Mensch weiter. Und wir Älteren, die wir anfangen, wieder einiges zu vergessen, freuen uns sehr darüber, wenn ihr mit Freude wieder alles lernen wollt!“


"Brasilien - ein Land der Zukunft"
840. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 13.7.2016

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Bei unseren Sommerreisentipps begleiten wir den österreichischen Schriftsteller Stefan Zweig (1881-1942) nach „Brasilien – ein Land der Zukunft“; die Reise unternahm er 1936: „Dann kam die Landung in Rio, einer der mächtigsten Eindrücke, den ich zeitlebens empfangen. Ich war fasziniert und gleichzeitig erschüttert. Denn hier trat mir nicht nur eine der herrlichsten Landschaften der Erde entgegen, diese einzigartige Kombination von Meer und Gebirge, Stadt und tropischer Natur, sondern auch eine ganz neue Art der Zivilisation. Da war ganz gegen meine Erwartung mit Ordnung und Sauberkeit in Architektur und städtischer Anlage ein durchaus persönliches Bild, da war Kühnheit und Großartigkeit in allen neuen Dingen und gleichzeitig eine alte, durch die Distanz noch besonders glücklich bewahrte geistige Kultur. Da war Farbe und Bewegung, das erregte Auge wurde nicht müde zu schauen, und wohin es blickte, war es beglückt. Ein Rausch von Schönheit und Glück überkam mich, der die Sinne erregte, die Nerven spannte, das Herz erweiterte, den Geist beschäftigte, und so viel ich sah, es war nie genug. In den letzten Tagen fuhr ich ins Innere oder vielmehr – ich glaubte ins Innere zu fahren. Ich fuhr zwölf Stunden, vierzehn Stunden weit nach São Paulo, nach Campinas, in der Meinung, dem Herzen dieses Landes damit näherzukommen. Aber als ich zurückgekehrt dann auf die Karte blickte, entdeckte ich, dass ich mit diesen zwölf oder vierzehn Stunden Eisenbahnfahrt nur knapp unter die Haut gekommen; zum ersten Mal begann ich die unfassbare Größe dieses Landes zu ahnen, das man eigentlich kaum mehr ein Land nennen sollte, sondern eher einen Erdteil, eine Welt mit Raum für dreihundert, vierhundert, fünfhundert Millionen und einem unermesslichen, noch kaum zum tausendsten Teile ausgenützten Reichtum unter dieser üppigen und unberührten Erde. Ein Land in rapider und trotz aller werkenden, bauenden, schaffenden, organisierenden Tätigkeit erst beginnender Entwicklung. Ein Land, dessen Wichtigkeit für die kommenden Generationen auch mit den kühnsten Kombinationen nicht auszudenken ist. Und mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit schmolz der europäische Hochmut dahin, den ich höchst überflüssigerweise als Gepäck auf diese Reise mitgenommen. Ich wusste, ich hatte einen Blick in die Zukunft unserer Welt getan.“ Und wir blicken demnächst bei Olympia nach Brasilien!


Martin Drebs, Initiator von "Unser Dorf liest" 

(mehr Infos zu Martin Drebs)

Tel. 05032-1426, FAX 05032-915202
E-Mail: Unser Dorf liest@Bordenau.de


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