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Unser Dorf liest

Arbeitskreis 
"Unser Dorf liest"

Kolumnen - Archiv 1.1.2004 - 31.3.2004


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Kino-Nachlese 
342. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 31.3.2004

Hochverehrte Leserschaft!

Zwei Nachlesen zum „Kino der Liebenden“ letzte Woche: Erich Frieds „Inschrift“: „Sag, in was schneide ich deinen Namen? In den Himmel? Der ist zu hoch. In die Wolken? Die sind zu flüchtig. In den Baum, der gefällt und verbrannt wird? Ins Wasser, das alles fortschwemmt? In die Erde , die man zertritt und in der nur die Toten liegen? Sag, in was schneide ich deinen Namen? In mich und in mich und immer tiefer in mich.“ Und Kurt Tucholsky „Warum wird beim Happy-End immer abjeblendt?“: Es wird nach einem happy end im Film jewöhnlich abjeblendt. Man sieht blos noch in ihre Lippen den Helden seinen Schnurrbart stippen - da hat sie nu den Schentelmen. Na, un denn - ? Denn jehn die beeden brav ins Bett. Na ja ... dißis ja auch janz nett. A manchmal möcht man doch jern wissn: Wat tun se, wenn sie sich nich kissn? Die könn ja doch nich imma penn ... ! Na, un denn - ? Denn säuselt im Kamin der Wind. Denn kricht det junge Paar 'n Kind. Denn kocht sie Milch. Die Milch looft üba. Denn macht er krach. Denn weent sie drüba. Denn wolln sich beede jänzlich trenn ...Na, un denn - ? Denn is det Kind nich uffn Damm. Denn bleihm die beeden doch zesamm. Denn quäln se sich noch manche Jahre. Er will noch wat mit blonde Haare: vorn doof und hinten minorenn ...Na, un denn - ? Denn sind se alt. Der Sohn haut ab. Der Olle macht nu ooch bald schlapp.Vajessen Kuß und Schnurrbartzeit - Ach, Menschenskind, wie liecht det weit! Wie der noch scharf uff Muttern war, det is schon beinah nich mehr wahr ! Der olle Mann denkt so zurück: wat hat er nu von seinen Jlück? Die Ehe war zum jrößten Teile vabrühte Milch und Langeweile. Und darum wird beim happy end im Film jewöhnlich abjeblendt.

Kino der Liebenden 
341. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 24.3.2004

Hochverehrte Leserschaft!

Im CINEMA LUX in Paris treffen die beiden jungen Leute Marine und Matthieu aufeinander und beginnen sich zu verlieben, noch ohne sich gleich zu erkennen....Als sie sich später bei ihm zu Hause treffen, kommt es zur Offenbarung. Er: „Marine, die Sache, die ich dir gestehen muss,“ er zögert, „nein die zwei Sachen ...sind nicht einfach zu sagen. Es ist so, die eine Sache macht mich unheimlich froh, aber wegen der zweiten bin ich verzweifelt. Also, ich möchte dir sagen, dass...“ Sie: „Fang mit der schwierigen Geschichte an, wenn du willst, ich mache es auch so, und dann sehen wir weiter.“ Er: „Ja dann sehen wir weiter, wenn du meinst...“ Sie: „Wie schade, dass wir uns so belastende Dinge sagen müssen, wo es doch so schön sein könnte und ich so gerne unbekümmert wäre und lachen würde. Anstatt zu reden, würde ich dich lieber küssen, das ist alles.“ Ihre Stimme bricht ab. Obwohl er gerührt ist, witzelt er. „Also küssen wir uns zuerst und reden dann, oder umgekehrt?“ Sie rückt von ihm ab: „Wir reden zuerst. Im Kino ist der Kuss immer erst am Ende...“ Was werden sie sich erzählen? Die ganze Wahrheit am Freitag, dem 26. März 2004, um 20.00 Uhr im Kinosaal des Leineparks an der Löwenbrücke. Dort treffen Frauke Hoberger, Peter Mürmann und Martin Drebs zu der Szenischen Lesung „Kino der Liebenden“ im CINEMA LUX zusammen, einem kleinen unscheinbaren Kino in Paris...

WDR Literaturmarathon
340. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 17.3.2004

Hochverehrte Leserschaft!

Ja machen die denn einem alles nach? War nicht der „Bordenauer Faust“ schon lang genug? Nein, der Westdeutsche Rundfunk veranstaltet ein Literaturmarathon: von 22.05 Uhr des 19.März bis zum Abend des 20. März lesen Prominente und die Sprecher des WDR-Sprecherensembles 24 Stunden lang Passagen aus ihren Lieblingsbüchern vor. Begleitet werden sie dabei von Musik und Gesprächen mit Literaturfans aus ganz Nordrhein-Westfalen. Das Ganze findet im Rahmen des Literaturfestivals „Lit. Cologne“ statt. Gelesen wird aus Büchern, die inspirieren, neue Einsichten vermitteln oder einfach nur spannend sind: u.a. Selim Özdogan: Trinkgeld vom Leben | Siegfried Lenz: Fundbüro | John von Düffel: Ego | Herrmann Bote: Till Eulenspiegel| Véronique Olmi: Meeresrand | Alexandre Dumas: Die drei Musketiere | Albert Camus: Der Fremde | William Shakespeare: Sonette | John R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe | Ken Follett: Die Säulen der Erde | James Joyce: Ulysses | NualaO’Faolain: Nur nicht unsichtbar werden | Nick Hornby: 31 Songs. Weltliteratur pur , eine Fundgrube für jeden Deutschlehrer zum Mitschneiden, denn das gesamte Ereignis wird über große Strecken in WDR 5 übertragen und kann auch im Internet live verfolgt werden. Die Moderation liegt bei Roger Willemsen. Allso reinhören! Wir halten`s etwas kürzer , etwa anderthalb Stunden mit unserer Szenischen Lesung „Kino der Liebenden“ am Freitag, dem 26. März, um 20.00 Uhr im Kinosaal des Leineparks an der Löwenbrücke. Dort treffen Frauke Hoberger, Peter Mürmann und Martin Drebs im CINEMA LUX zusammen, einem kleinen unscheinbaren Kino in Paris. Beim Vorübergehen könnte man es glatt übersehen oder es auf Grund seiner rot gestrichenen Türen für ein chinesisches Restaurant halten. Monsieur Piot, gleichzeitig Besitzer, Kassierer, Platzanweiser und Filmvorführer, wirkt mindestens ebenso verstaubt wie sein „Tempel der siebten Kunst“. Hier treffen die beiden jungen Leute Marine und Matthieu aufeinander und beginnen sich zu verlieben, noch ohne sich gleich zu erkennen....

Literarische Busreisen
339. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 10.3.2004

Hochverehrte Leserschaft!

Bei der Vorbereitung unserer literarischen Busreise im Herbst 2004 „Auf den Spuren von Thomas Manns, Günter Grass, Barbara Weißköppel und Alfred Andersch“ kam es in der vorigen Woche in Lübeck zu einem bedeutenden Zwischenfall. Als wir nämlich ins Grass-Haus kamen, um die Führung durch die Ausstellung und weitere Programmpunkte zu besprechen, wurde uns ein Besuch des Sekretariats nicht ermöglicht, es hieß, der Meister sei selbst im Hause und arbeite die Post ab. In dieser aber lag bereits die Video-Dokumentation von Klaus Detering und Peter Breitenstein über unsere Szenische Lesung „Im Krebsgang“ von Günter Grass im letzten Jahr. So baten wir zumindest um die freundliche Übergabe an den Literaturnobelpreisträger und dem wurde sehr gerne entsprochen. Wir respektierten den Wunsch nach geschützter Privat- und Arbeitssphäre. Wie oft zerrt die Öffentlichkeit über Gebühr an den Menschen, das wollten wir nicht mitmachen! Dann setzen wir uns schon lieber in den neuen Reisebus, der ein Gedicht an komfortablen Service und erhabener Übersicht bietet, und fahren ins Buddenbrooksche Lübeck, um von der versierten Kunsthistorikerin Heike Aumann auf einem literarischen Spaziergang begleitet zu werden. Neben dem Grass-Haus wollen wir auch an der Mecklenburgischen Küste entlang u.a. zu Texten von Fritz Reuter die herrliche Landschaft genießen. Bei einem Abstecher auf die Insel Poel wird die Wunstorfer Lyrikerin Barbara Weißköppel ihren gleichnamigen Gedichtzyklus über diese Perle der Ostsse vorstellen. Im gleichfalls bisher unentdeckt beeindruckenden Ostseebad Rerik können wir die Schauplätze des Romans „Sansibar oder der letzte Grund“ von Alfred Andersch in Augenschein nehmen. Vier kulturelle Tage im Oktober voll mit Literatur, Theater und Musik, geführt von Literat Martin Drebs. „Man schaut sich um, und guckt, wer mitgenießt.“

'Kino der Liebenden' im Leinepark
338. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 3.3.2004

Hochverehrte Leserschaft!

Die VHS-Hannover Land und „Bordenau – Unser Dorf liest“ laden gemeinsam in den Kinosaal im Leinepark, nicht um sich eine Film anzuschauen, sondern um einer besonderen Szenischen Lesung zu lauschen: „Kino der Liebenden“, eine bezaubernde Liebesgeschichte der französischen Autorin Janine Teisson: Einmal in der Woche zeigt Monsieur Piot, Besitzer eines kleinen Pariser Kinos, Klassiker der Filmgeschichte. Auch Marine und Mathieu fehlen mittwochs nie. Mathieu ist begeistert, nicht nur wegen der Filme. Denn neben ihm sitzt Marine, deren aufregendes Parfüm ihm nicht aus den Sinn geht. Beide ahnen nicht, dass ein Geheimnis sie verbindet. Ein Geheimnis, das zum Symbol wird für uns alle, in dem Bemühen, einander wirklich zu erkennen und zu lieben versuchen. Ein Geheimnis, des sen Auflösung und Erklärung sich nur durch die Lesung erhören lässt. So verspricht die Szenische Lesung zu einem besonderen literarischen Leckerbissen zu werden. Mitwirkende sind Frauke Hohberger, Peter Mürmann und Martin Drebs aus Neustadt. Die drei bekannten und erfolgreichen freiberuflichen Künstler wirkten unter anderem im Jahr 2000 bei der Aufsehen erregenden Szenischen Lesung des „Bordenauer Faust" an exponierter Stelle mit sowie bei Sandor Marai „Die Glut“. Carola Faber schrieb über die Uraufführung: „Sensibel vorgetragen und feinste Nuancierungen beachtend, bereitete die Lesung Janine Teissons „Kino der Liebenden" für das emotional gefesselte Publikum einen außergewöhnlichen literarischen Augenblick.“ Im Kinosaal des Leineparks wird der Raum selbst zum Mitspieler! Das Ganze am Freitag dem 26. März 2004, ab 20.00 Uhr. Lassen Sie sich verzaubern und mitreißen von einer gelungenen Liebesgeschichte, bei der die Zuhörer zwar mitbangen, aber dennoch verliebt ins Gelingen sind!

Faust in Langenhagen
337. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 25.2.2004

Hochverehrte Leserschaft!

Der „Bordenauer Faust“ geht auf Wanderschaft, genauer gesagt nach Langenhagen und zwar am Donnerstag, dem 26.2.2004, ab 10.00 Uhr in der dortigen Volkshochschule gegenüber vom Rathaus.. Gut drei Jahre nach diesem außergewöhnlichen Ereignis vom 3. Oktober 2000 präsentiert „Bordenau – Unser Dorf liest“ per Videodokumentation und Lesungspartien wieder einmal deutsche Weltliteratur. Und da dürfen wir uns gerne erinnern, wie früh morgens die über 70 aktiven Leser aus allen Ecken des Dorfes der Sporthalle zuströmten, in der schon fast hundert Besucher den Beginn der fünfzehnstündigen Szenischen Lesung erwarteten. Im Laufe des Tages und bis 22 Uhr sollten es kaum zählbare über Tausend gewesen sein. „Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten...“ : Frauke Hohberger als facettenreiche Mephisto, Peter Mürmann als vollkommen überzeugender Faust und ab Mittag im zweiten Teil schritt Alexander May als Kaiser im Stück und als Meister seines Fachs herein! Von der einfühlsamen Kirsten Stecker als Gretchen, der Hexe Vera Urich nicht nur in der Domszene über die vom Poggenhagener Dorftheater gestaltete Klassische Walpurgisnacht bis hin zur bezaubernden Andrea Korte als Helena, deren Göttergatte Klaus Detering im visionierten Schattenspiel gleich den schönen Paris gab, Bärbel Lampe als künstlicher Homunkulus usw. usf.. Alles ist noch so nah! Die Neustädter Zeitung berichtete bereits am darauffolgenden Tag (!) : „ Anders als Peter Steins Expo-Faust, der die Faustfigur gegen den übermächtigen Gründgens-Mythos des 20. Jahrhunderts stärken wollte, hält die Bordenauer Drebs-Inszenierung die Balance zwischen Gut und Böse, denn Frauke Hohberger als weiblicher Mephisto hatte wenig Dämonisch-Nihilistisches, sondern gab ihn lebendig-heiter-vielschichtig. Peter Mürmann als Faust überraschend klassich-faustisch, und eben immer präsent-glaubwürdig.“ Nur durch das leidenschaftliche Engagement von Filmemacher Klaus Detering war es möglich, dieses Ereignis auf Video festzuhalten inklusive Besucherinterviews, Dia-Bühnenbilder der Radierungswerkstatt Bordenau und Kompositionen von Daniel Kosmalski sowie dem NDR-Film über das gesamte Projekt. Jetzt werden Ausschnitte daraus morgen in Langenhagen gezeigt, einige wenige Exemplare sind noch über www.Bordenau.de zu haben. Und Klaus Detering sowie Peter Mürmann werden mit dabei sein! Wandern Sie mit und genießen Sie!

Immanuel Kant
336. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 18.2.2004

Hochverehrte Leserschaft!

Zwar hat der Arbeitskreis unseres lesenden Dorfes die Lektüre von Immanuel Kants Buch „Zum ewigen Frieden“ vorerst zurückgestellt, das wir vielstimmig vielsagend auch durch unsere ausländischen Mitbürger in deren Mutter- und Vatersprache hätten vortragen lassen wollen. Doch in unserer Reihe „Wichtige Philosophen“ fragt Gastkommentator Karl-Ludwig Baader: Kennen Sie überhaupt Kant? „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne“ soweit Kants Spruch. Was für eine Verantwortung! Was für ein Anspruch: der Mensch, will uns Kant mit seinem „kategorischen Imperativ“ sagen, muss sich immer fragen, ob er wollen kann, dass alle so handeln wie er jetzt. Mehr noch: Kant bürdet dem Menschen die Pflicht auf, das, was er als vernünftig ansieht, auch zu verwirklichen. Und „vernünftig“ ist, was allgemein für die Menschheit als gut gelten kann. So weit das einschüchternde Ideal. In unserem gewöhnlichen moralischen Alltag setzen wir eher auf ein Minimalprogramm, das von Kant so weit weg ist wie der Waffenstillstand vom ewigen Frieden. Wir appellieren nicht an die Vernunft und die hohe moralische Pflicht, sondern an die Schlauheit und den Vorteil, der durch intelligenten Egoismus zu erzielen ist. Kurzum: wir setzen auf das Prinzip der Gegenseitigkeit. Als flotte Marktmaxime „do ut des“ (ich gebe, damit du geben mögest) beherrscht es unsere Geschäftsmoral. Im Zwischenmenschlichen klingt das aktivistische „Wie du mir, so ich dir“ eher bedrohlich und lässt überdies wenig Zeit zur Abwägung der Risiken und Nebenwirkungen des Handelns. Beruhigender ist die sanfte und fürs Poesiealbum formulierte Version „Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“ (vgl. Lukas 6,31) In dieser Form fordert das Prinzip unsere Phantasie heraus und ist gleichwohl von einer geradezu sinnlichen Evidenz – wird sein Sinn bei Nichtbefolgung doch unmittelbar spürbar. Deshalb ist die Regel absolut kindergartentauglich. Auf das Schmerzempfinden ist als (Negativ-) Motivation Verlass. Aber gilt dies in gleicher Weise für die Belästigung unseres Geruchsorgans? Es ist die Deutsche Bahn, die uns seit langem mit der ambitionierten Schrumpfversion des kategorischen Imperativs konfrontiert: „Verlassen Sie diesen Ort so, wie Sie ihn vorzufinden wünschen.“ Diese ist zwar alltagstauglich, weil leicht nachvollziehbar, aber durchaus anspruchsvoll: Denn der Mensch ist im Moment der Entscheidung einsam, ohne Aufsicht, fern des sozialen Drucks, der sonst für Wohlverhalten sorgt. Allein mit seinem Gewissen. Dass viele diese Situation überfordert, stinkt nicht nur Moralaposteln.

Der erste Schnee
335. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 12.2.2004

Hochverehrte Leserschaft!

Leopold Friedrich Günther von Göckingk, Zeitgenosse von Goethe, freut sich aus der Sicht eines Mädchens: 
"Als der erste Schnee fiel"

Gleich einem König, der in seine Staaten zurück als Sieger kehrt, empfängt ein Jubel dich! Der Knabe balgt um deine Flocken sich, wie bei der Krönung um Dukaten. Selbst mir, obschon ein Mädchen und der Rute lang nicht mehr untertan, bist du ein lieber Gast; denn siehst du nicht, seit du die Erde hast so weich belegt, wie ich mich spute? Zu fahren, ohne Segel, ohne Räder, auf einer Muschel, hin durch deinen weißen Flor, so sanft, und doch so leicht, so schnell, wie vor dem Westwind eine Flaumenfeder. Aus allen Fenstern und aus allen Türen sieht mir der bleiche Neid aus hohlen Augen nach; selbst die Matrone wird ein leises Ach! und einen Wunsch um mich verlieren. Denn der, um den wir Mädchen uns oft stritten, wird hinter mir, so schlank wie eine Tanne, stehn und sonst auf nichts mit seinen Augen sehn, als auf das Mädchen in dem Schlitten.

Arbeitskreisbericht Januar 2004
334. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 4.2.2004

Hochverehrte Leserschaft!

Nahezu vierzig Teilnehmer des Arbeitskreises von „Bordenau – Unser Dorf liest“ haben am letzten Sonntag mit überwältigender Mehrheit der neuen Jahresplanung zugestimmt. Herausragender Programmpunkt wird natürlich wieder die Lesung am 3. Oktober 2004 sein. Dafür planen wir , das Buch „Der Zimmerspringbrunnen“ von Jens Sparschuh gemeinsam mit dem Autor zu lesen: ein ostdeutscher Arbeitsloser beginnt als Handelsvertreter für ein westdeutsches Zimmerspringbrunnen-Unternehmen mit firmeneigener Philosophie. Da ist so ein Springbrunnen nicht nur Raumbefeuchter, sondern wird als Erlebnisbrunnen zum Ort spiritueller Erfahrung. Und Firmenchef Boldinger zitiert Conrad Ferdinand Meyers „Römischen Brunnen“: „Aufsteigt der Strahl und fallend gießt er voll der Marmorschale Rund, die, sich verschleiernd, überfließt in einer zweiten Schale Grund; die zweite gibt, sie wird zu reich, der dritten wallend ihre Flut, und jede nimmt und gibt zugleich und strömt und ruht.“ Nichts kann den unaufhaltsamen Aufstieg von Hinrich Lobek mehr bremsen: Der ehemalige Angestellte der Ostberliner Kommunalen Wohnungsverwaltung stolpert in seinem neuen Metier von Erfolg zu Erfolg – als nämlich sein vernachlässigter Hund das Wasser im Modell „Jona, der Walfisch“ aussäuft, baut er diesen zum DDR-Erinnerungsmodell „Atlantis“ um und hat damit einen Riesenerfolg, wovon die Westfirma allerdings nichts weiß. Unser Held durchlebt dabei alle komischen und tragischen Seiten der Ost-West-Begegnung. Brillant und witzig, schlitzohrig und selbstironisch nimmt Jens Sparschuh in diesem burlesken Gegenwartsroman deutsche Befindlichkeit aufs Korn. Das Thema ist mit „Goodbye Lenin“ immer noch aktuell und könnte geschickt unsere erlesene Revue „Vielstimmigkeit der Deutschen“ von 2002 ergänzen. Also Termin vormerken, die Plätze werden knapp und bringen Sie einen schönen Zimmerspringbrunnen mit. Außerdem suchen wir Menschen aus dem „Bereich der ehemaligen „DDR“, die mitlesen möchten. Sigrun Vetter aus Meißen war am Sonntag schon dabei und genoss nicht nur den herrlichen Kuchen von Leni Höyns und Johanna Korte, sondern beteiligte sich auch an der daraus entstandenen Sammlung für die neuen Rollos im Musikraum der Schule, die immerhin 80 Euro ergab und gleich montags schon dem Förderverein der Schule überreicht wurde. Weitere Berichte aus unserer „Parlamentssitzung“ folgen demnächst!

Die Leserförderin
333. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 28.1.2004

Hochverehrte Leserschaft!

Heute gilt es eine besondere Lese- und Leserförderin zu ehren! Der geneigte Leser beachtet wohl das „R“ bei „Leserförderung“, denn der Begriff Leseförderung ist ziemlich klar: alles, was Lehrer und Eltern – auch und gerade Großeltern – tun, um das Lesen beim Heranwachsenden zu fördern: Bücher schenken, Geschichten vorlesen, Phantasie fördern. Leserförderung hingegen meint noch mehr: den kleinen Menschen auf allen nur erdenklichen Wegen mit Büchern in Verbindung zu bringen, vor allem auch so, dass er sich die Bücher selbst aussuchen kann, die ihn interessieren. Dafür gibt es viele Möglichkeiten: die Freiburger Kinderbuchhandlung „Fundevogel“ veranstaltete z.B. vorbereitete Bücherausstellungen in Kindergärten und Grundschulen, bei denen die Kinder nach ihren Lieblingsbüchern befragt wurden, die dann auch in der Ausstellung präsent waren. In Bordenau ab 1974 wurde gleich eine ganze, am Anfang noch ganz kleine öffentliche Bücherei eingerichtet und in den Schulalltag der Scharnhorstschule eingebunden – als Vorbild für das gesamte Neustädter Land. Und Alltag hieß da Feiertag, Büchereitag! „Stolz wie Oskar“ strömen die Schüler mit unserer Leserförderin freundlich strahlend voraus in die Bücherei, meist schon mit geliehenen, oft nicht ganz gelesenen, aber doch „voll“ interessanten Bücher. Jetzt wird geguckt, geschmökert und schließlich ein neues, lustiges, spannendes, informatives Buch ausgeliehen. Wie selbstverständlich gehört das Buch dazu wie eben auch die vergnügliche Lesestunde durch unsere Leserförderin. Und glauben sie wohl, das war immer so gut, dass die Kinder mit Freude wiederkommen. Diese Leserförderung hat seit nun 30 Jahren wunderbar gelungen Karin Glade ausgefüllt. Ihre erfolgreiche Arbeit war auch Auslöser für „Bordenau – Unser Dorf liest“! Nun geht sie und bleibt doch noch, sie lässt uns nicht alleine zurück, denn montags Nachmittag ist sie immer noch da! Zwischen Abschied und Halten-Wollen schwanken wir dahin, jetzt müssen wir selbst etwas mehr tun, damit unsere Kinder dran bleiben. Dann heißt Leserförderung auch, den jungen Menschen ganz annehmen und seine Lesefreude unterstützen. Liebe Karin, wir werden es versuchen! Und dir alles Gute! Und viel Zeit zum Lesen!

Literarische Genüsse
332. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 21.1.2004

Hochverehrte Leserschaft!

Wir laden immer noch gerne zum für alle zugänglichen Arbeitskreis von „Bordenau – Unser Dorf liest“ am Sonntag, dem 25. Januar 2004, um 15.00 Uhr in die Scharnhorstschule in Bordenau. Sagten wir Arbeitskreis? Das klingt nach Arbeit, ist es aber nicht: es werden literarische Genüsse sein! Denn wir erwarten nicht nur die Wunstorfer Lyrikerin Barbara Weißköppl mit ihren herrlichen lyrischen Miniaturen, sondern auch Malte Möller, jungerwachsener und junggebliebener HipHop- Spezialist mit seinen Texten und Liedern in der Reihe „Fremde Kulturen im eigenen Land“. Wir freuen uns auf einen intensiven Video-Ausschnitt von der Grass-Lesung im Oktober 2003, wir hören ein Stück west-ost-deutscher Situationskomik aus Jens Sparschuhs „Zimmerspringbrunnen“ – vielleicht der leichtsinnige Textvorschlag für den diesjährigen 3.Oktober. Und wir freuen uns auf Peter Marggraf, Bildhauer und Drucker aus Bordenau, mit dem wir im Herbst eine gemeinsame Veranstaltung rund um Ingeborg Bachmanns Gedichtesammlung „Anrufung des großen Bären“ planen. Bachmann! –Kenn Sie nicht? Hier ein erster Eindruck mit dem Anfang des Gedichtes „Erklär mir, Liebe“: „Dein Hut lüftet sich leis, grüßt, schwebt im Wind, dein unbedeckter Kopf hat`s Wolken angetan, dein Herz hat anderswo zu tun, dein Mund verleibt sich neue Sprachen ein, das Zittergras im Land nimmt überhand, Sternblumen bläst der Sommer an und aus, von Flocken blind erhebst du dein Gesicht, du lachst und weinst und gehst an dir zugrund, was soll dir noch geschehen – Erklär mir, Liebe!...“ Bei gewohnt köstlichem Kaffee und Kuchen – der Erlös geht diesmal an den Förderverein der Schule zwecks Finanzierung der neuen Rollos im neu gestalteten Seminarraum – werden wir`s uns erlesen-gemütlich machen. Und es gilt eine hervorragende langjährige Lese- und Leserförderin zu ehren, die nun ein bisschen reduziert und privatiert – verdientermaßen! Also kommen Sie und gestalten Sie den literarischen Jahresplan mit!

Montaigne
331. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 14.1.2004

Hochverehrte Leserschaft!

Da haben wir nach fast sieben Jahren in unserer kleinen sympathischen Rubrik am Rande des Blätterwaldes noch kaum über die NDR-Kultur-Radiosendung „Am Morgen vorgelesen“ geschrieben. Bis gestern las Peter Lühr aus E.T.A. Hoffmanns „Goldenem Topf“, ab Mittwoch, dem 14.1.2004, liest Frank Arnold aus den „Essais“ ( hier auf französisch ) des französischen Philosophen Michel de Montaigne (Sendetermine: 14. bis 28. Januar, 8.30 bis 9.00 Uhr auf NDR Kultur, das ganze Programm zu Montaigne hier ). Sie gehören zu den größten Werken der Literaturgeschichte. Sie sind eine Sammlung von in sich abgeschlossenen Betrachtungen zu einem bestimmten Themengebiet. Dabei stellen sie eine Fundgrube der Lebensphilosophie für jeden Interessierten dar. Die Fülle der nützlichen Informationen und Weisheiten ist beinahe endlos und es ist phänomenal, Montaigne präsentiert sich offen, das macht ihn gerade so sympathisch, denn "nichts, was einem Menschen widerfährt, kann unmenschlich sein". Michel de Montaigne wurde 1533 auf Schloss Montaigne im Perigord geboren. Der Sohn einer reichen und spät geadelten Kaufmannsfamilie erhielt eine Erziehung, die sich ganz an humanistischen Prinzipien orientierte. Nach dem Studium der Rechte wurde Montaigne Parlamentsrat in Bordeaux. Hier traf er das junge Genie Etienne de la Boetie, dessen Denken sein Leben nachhaltig beeinflusste. Dem früh verstorbenen Freund widmete er sein Lebenswerk, die Essais. Nach dem Tod seines Vaters 1571 zog sich Montaigne aus dem Trubel der Welt auf sein Schloss zurück. Im mit gut tausend Büchern ausgestatteten Bibliotheksturm des Schlosses nahm er die Arbeit an seinen Essais auf, die als Versuch einer Selbstfindung begannen und zu einer monumentalen Reflexion über den Menschen schlechthin wurden. Nachdem er die ersten beiden Bände verfasst hatte, reiste Montaigne 1580 - 81 durch Frankreich, die Schweiz, Deutschland und Italien. Er starb 1592. Friedrich Nietzsche schrieb über ihn:
»Dass ein solcher Mensch geschrieben hat, dadurch ist wahrlich die Lust, auf dieser Erde zu leben, vermehrt worden. Mir wenigstens geht es seit dem bekannt werden mit dieser freiesten und kräftigsten Seele so, dass ich sagen muss, was er von Plutarch sagt: "Kaum habe ich einen Blick auf ihn geworfen, so ist mir ein Bein oder ein Flügel gewachsen." Mit ihm würde ich es halten, wenn die Aufgabe gestellt wäre, es sich auf der Erde heimisch zu machen.«. Also hören Sie mal rein!

(Weitere Infos zu Montaigne z.B. auch in der informativen WELTCHRONIK
Das Jahresprogramm des NDR von "Am Morgen vorgelesen" ist als PDF-Datei verfügbar. )

Haiku
330. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 7.1.2004

Hochverehrte Leserschaft!

Wer dieser Tage auf der Bordenauer Heimatseite im Gästebuch nachschaut, der findet dort einen wunderschönen Text von Stephanie Jans aus Bordenau: „Sternschnuppen im Feld, gesammelt. Hoffnungen abgeschickt - portofrei. DEZEMBERNACHT". Sie nennt dieses Gedicht ein japanisches Haiku, eine besondere Form japanischer Literatur: es wird seit ältesten Zeiten nicht bloß von Literaten gepflegt, sondern vom ganzen Volke. Vom Kaiser bis zum Bauern, vom Universitätsprofessor bis zum Volksschüler gibt es kaum einen Japaner, der nicht schon ein Gedicht gemacht hätte. Das wird dadurch ermöglicht, dass die Form, das Schema der japanischen Lyrik so einfach ist. Man kennt eigentlich nur zwei Versformen, den einunddreißig-silbigen Fünfzeiler, Tanka, auch Waka genannt, und den siebzehnsilbigen Dreizeiler, das Haiku. Dass das japanische Gedicht auf Silbenzählung aufgebaut ist, hat seinen Grund darin, dass die japanische Sprache weder den Wortakzent kennt noch den Reim. Anfangs ein bloßer Versuch, das Gedicht noch kürzer, noch prägnanter zu machen, wurde im Laufe der Zeit eine bestimmte künstlerische Wirkung erzielt - die des Unvollendeten, Unausgesprochenen, Angedeuteten. Die Blütezeit des klassischen Haiku fallt mit der Blütezeit des Zen-Buddhismus im 17. und 18. Jahrhundert zusammen. Viele des bekanntesten Haiku-Dichter waren Zen-Mönche und Maler. Denn wie die Zen-Schule lehrt, dass jeder Gegenstand der Außenwelt eigentlich nur eine bloße Erscheinungsform des allein Wirklichen, nämlich Buddhas, ist und daher in jedem kleinen, unscheinbaren, vergänglichen und scheinbar unwichtigen Dinge gleichnishaft das tiefste Wesen des Alls geschaut werden kann, so soll der Künstler mit wenigen Pinselstrichen oder einem vollendeten Dreizeiler das Wesen der Welt darzustellen versuchen. Als Haiku im engeren Sinne werden nur solche siebzehnsilbigen Dreizeiler angesehen, die eine Naturstimmung beinhalten. Dabei muss sich jedes Haiku auf eine der vier Jahreszeiten beziehen, deren entsprechende Kennzeichen - Naturerscheinungen, Bräuche, Pflanzen, Tiere usw. - genannt werden müssen. Hingegen soll die persönliche, subjektive Stimmung des Dichters oder der Dichterein nicht ausgedrückt werden, was doch immer ein bisschen aufscheint durch die Wahl der Worte. Sehen Sie, und in diesem Sinne lesen wir gerne das Haiku von Stephanie Jans. 
Probieren Sie doch einmal selbst ein kleines Gedicht! Viel Vergnügen dabei!

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