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Arbeitskreis "Unser Dorf liest"

Kolumnen - Archiv 1.1.2001 - 31.3.2001

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Karin Meyer
185. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 29.3.2001

Hochverehrte Leserschaft!

Lesen will gelernt sein und Schreiben auch! Neben und nach den Fertigkeiten zum Schreiben, die wir in der Schule lernen, geht es dann im Leben unterschiedlich weiter: der eine verlernt es wieder, der andere versucht sich als Dichter. Zwischendrin lesen wir in verschiedenen Zeitungen immer mal wieder bestimmte Anzeigen sogenannter Schriftstellerinstitute, bei denen man in ein paar Jahren mit Hilfe kompetenter Partner das Schriftstellern lernen könnte und Kontakte zu Verlagen hergestellt werden, um seine Texte schließlich veröffentlichen zu können. Lauter laute lautere Werbesprüche: „Lernen Sie schreiben mit uns! In zwei Jahren zum Dichter! Wir haben alle klein angefangen“ locken uns an und doch haben wir es immer übersehen, überblättert. Wir wollten nicht wahrhaben, dass wir es damit endlich schaffen könnten! Wir glaubten nicht, dass irgendwer anders, wenn nicht wir selbst, uns den entscheidenden Geistimpuls eingeben könnte! Wir haben uns nicht getraut. Eine, die die Traute hatte, das nun endlich einmal zu probieren und die in ihrem Unruhestand genug Zeit dafür zu haben glaubt, ist Karin Meyer aus Bordenau. Sie wird uns am Montag, dem 2.April 2001, ab 20.00 Uhr im Seminarraum der Scharnhorstschule in Bordenau über ihre Erfahrungen und Erlebnisse berichten, welche Aufgaben sie gestellt bekommt, wie ihre eingeschickten Texte von namhaften Autoren korrigiert werden, wie sie sich dabei fühlt, was sie schon gelernt hat und wie es weitergeht. Eine Auswahl beispielhafter Schreibübungen können wir dabei in unserer Schreibwerkstatt mühelos nachvollziehen: Tempus- und Perspektivenwechsel, Texte verdichten, Wortfeldübungen usw.. Gäste sind herzlich willkommen, besonders jene, die auch ohne gleich auf den Nobelpreis schielen, wissen: auch Schreiben will gelernt sein!

Haushofer
184. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 21.3.2001

Hochverehrte Leserschaft!

In unserer Reihe bedeutender Schriftstellerinnen des 20.Jahrhundert stellen wir heute die österreichische Autorin Marlen Haushofer vor, die in dieser Woche vor 31 Jahren 50jährig an Krebs gestorben ist. Sie spricht über die Quellen ihrer Geschichten: „Ich schreibe nie über etwas anderes als über eigene Erfahrungen. Alle meine Personen sind Teile von mir, sozusagen abgespaltene Persönlichkeiten, die ich recht gut kenne. Kommt einmal eine mir wesensfremde Figur vor, versuche ich nie in sie einzudringen, sondern begnüge mich mit einer Beschreibung ihrer Erscheinung und ihrer Wirkung auf die Umwelt.“ Erst mit der Wiederveröffentlichung ihres Romans „Die Wand“ 1983 wurde Haushofers literarische Bedeutung allgemein anerkannt. Man las das 1963 erstmals erschienene Buch, für das seine Autorin damals den Arthur-Schnitzler Preis erhalten hatte, im Gefolge der Friedensbewegung als eine frühe Warnung vor der Neutronenbombe, im Gefolge der Frauenbewegung als ein frühes Manifest feministischer Kulturkritik. Die Wand aber, die der Ich-Erzählerin dieses Romans als Isolation von außen wie von innen niedergeht, ist keine politische Chiffre, sondern die radikale Konsequenz ihrer Erfahrungen als Frau im engen Kreis gesellschaftlicher Sozialisation. Die Wurzeln der Daseinstrauer, des klaustrophobischen Eingeschlossenseins, des Wegdenkens  von allen Menschen – Züge, die in den meisten Erzählungen und Romanen Haushofers wiederkehren,  liegen biografisch in ihrer Kindheit. Die schreckliche Erkenntnis, dass einer nie wieder in seine Kindheit zurückkehren könne, mit diesem Bild schließt der Roman „Himmel, der nirgendwo endet“ 1966, in dem Haushofer ihre ersten 10 Lebensjahre beschrieben hat. So ist es auch kein Zufall, dass  sie mehrere überaus erfolgreiche Kinderbücher verfasste.

May und Oppermann
183. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 14.3.2001

Lesung: am 18.3.2001, 19.30 Uhr, im Café Mandelsloh 

Hochverehrte Leserschaft!

Die “Grafen von Bordenau" wolle er um Einbürgerung ersuchen, hat Alexander May während einer Pause zu den Faust-Proben geäußert. Dem ehemaligen hannoverschen Schauspielchef gefällt es offensichtlich an der Leine, er trägt wieder Kultur in die Region. Am nächsten Sonntag, 18. März, will er zusammen mit Christoph Oppermann ab 19.30 Uhr Gedichte und Briefe von Ludwig Christoph Heinrich Hölty lesen ­ nicht zur eigenen Erbauung, sondern laut, öffentlich und das im Café Mandelsloh. “Weit hat er es wirklich nicht gebracht", schreibt Oppermann in einem kürzlich erschienenen Beitrag über den Lyriker aus Mariensee. “Weder nach Maßstäben des ausgehenden 20. Jahrhunderts ist die Biografie Höltys eine Erfolgsstory, noch war sie es nach Kriterien, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Gültigkeit hatten." Dennoch lohne eine Auseinandersetzung mit Werk und Vita Höltys, meint der Wunstorfer Journalist und Verleger, dafür gebe es mehrere gute Gründe. In der Region gab und gibt es keine unendlich große Zahl kreativer, Kultur schaffender Menschen. Und noch übersichtlicher ist die Schar derer, die über die Grenzen Neustadts und des hannoverschen Umlands hinaus auf sich aufmerksam gemacht haben. Doch deshalb ist diese Region keine kulturelle Einöde, ganz gewiss nicht. Bemerkenswertes und Beachtliches gibt es zu erleben: Mutige Ausstellungsformen des Neustädter Kunstvereins, rührige und höchst erfolgreiche Initiative “Unser Dorf liest" nicht nur in Bordenau und nicht zuletzt ein Angebot mannigfaltiger Veranstaltungen, die das Kulturamt des Landkreises im Schloss Landestrost organisiert. Und zusätzlich zu diesen Kulturträgern gab und gibt wir eine Reihe interessanter Kulturschaffender im Raum Neustadt, sie verdienen mindestens ebensolche Aufmerksamkeit wie Organisatoren kultureller Veranstaltungen. Einer von ihnen ist der Lyriker Ludwig Christoph Heinrich Hölty. Seine Verdienste um deutsche Literatur als stilbildender Lyriker sind gewiss interessant, auch manche Betrachtung wert, doch wohl eher eine Angelegenheit für Gelehrtendispute. Doch Hölty hat weit mehr zu bieten als nur interessante Anlässe für literaturtheoretische Diskussionen. Eine der schönsten Zeilen deutscher Lyrik hat er geschrieben, leicht, und doch nicht belanglos, brillant bisweilen in der Stilistik. Und eingedenk der kurzen, wenig glücklichen Biografie Höltys, gewinnen vor allem seine Frühlingslieder und Mai-Gedichte an Reiz. Welche Lebensfreude muss ein Mensch empfunden haben, der, schwer krank und den Tod vor Augen, in seiner “Aufmunterung zur Freude" solche Zeilen schreiben konnte: “ ... O wunderschön ist Gottes Erde, / Und werth darauf vergnügt zu sein; / Drum will ich, bis ich Asche werde, / Mich dieser schönen Erde freun!" Der ehemalige Wunstorfer Schulleiter Peter Bertram, ein profunder Kenner Höltys Werden und Werken, hat für Alexander May und Christoph Oppermann ein erlebenswertes Programm von Gedichten und Briefen des aus unserer Nachbarschaft stammenden Lyrikers, der sich wohl kaum von seiner Herkunft gelöst haben kann, zusammengestellt. Eine Passion für Literatur oder ein Examen im Fache Germanistik sind gewiss nicht erforderlich, um am nächsten einfach Freude daran zu haben, wenn Meistermime May und Medienmensch Oppermann aus Höltys Werken vortragen. Freuen wir uns auf schöne Lyrik und ein Wiedersehen mit Alexander May. Wir sollten ihn nicht von der Leine lassen.

Eroberung Ricklingen
182. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 7.3.2001

Lesen Sie hier: 'Scharnhorstbriefe in Bordenau'  

Hochverehrte Leserschaft!

Das ist ja wohl eine Meldung wert: Scharnhorst erobert Schloß Ricklingen. „Nicht nur als General..“, sondern auch mit der Kraft der gesprochenen Worte, erobert Generalleutnant Gerhard von Scharnhorst aus Bordenau am kommenden Sonntag, dem 11.3.2001, ab 11.30 Uhr die Barockkirche in Schloß Ricklingen. Mit eindringlichen Worten bekennt er seine Schwierigkeiten mit dem Kriegshandwerk und sucht nach einem großen vernunftorientierten Gegenentwurf zur Schlechtigkeit der Welt. Der Heimatbund unter Leitung von Veronika Heinemann lädt zu dieser heimatliebenden humanistischen Eroberung ein, mit von der Partie als historischer Reporter Klaus Jürgen Kortmann, Präsident des Scharnhorst-Komitees, der in friedliebender Absicht die von Martin Drebs gelesenen Scharnhorst-Briefe an seine Frau und seine Tochter zeitgeschichtlich einordnet und kommentiert. Von Garbsener Seite ziehen Kirsten Hake mit Querflöte und Musikschulleiter Uwe Witte in das Gotteshaus ein, wahrhaftig wenig Trommel und Kriegsgeschrei, eher jammert die Flöte das von ihr erkannte Leid heraus und die Gitarre, ferne Verwandte hermetischer Leier, sendet vernehmbar  leise, gottausgesandte Utopien. „ Wie oft habe ich die Zeit  und die Umstände berechnet, unter denen ich Dich und Euch alle wiedersehen könnte,“ so schreibt Scharnhorst nach Hause,“ nicht selten habe ich mich in den Träumen ganz verloren; dann sind wir glücklich, dass Ihr nicht in dem Kriegstheater seid. Die Verwüstung des Landes ist mir schrecklicher als der Krieg selbst.“ Der Außenminister des Schloß Ricklingen umgebenden Deutschlands hat wegen der zu pazifistischen Tendenz der musikalisch-literarischen Veranstaltung seine Teilnahme abgesagt, wurde aber dennoch über dem Dorf in zwei  Flugzeugen von und nach Hannover gesichtet.

Hänel
181. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 28.2.2001

Der Text wurde gekürzt. Sie können aber auch die  Langfassung lesen. 

Hochverehrte Leserschaft!

Am Aschermittwoch ist alles vorbei, sagt man; doch wir lesen weiter, dazu noch den heiteren Gastkommentar des Autors Wolfram Hänel, der am 13.März für unsere Kinder lesen  wird. Er schildert uns die durchaus berechtigten und längst überfälligen Forderungen eines Kinder- und Jugendbuchschriftstellers: Es gilt, diesen Autoren endlich die zum Überleben unter den heutigen Marktbedingungen dringend notwendige finanzielle Rückendeckung zu verschaffen. Dazu müssen sie zum allgegenwärtigen Bestandteil des öffentlichen Lebens werden, dürfen nicht mehr wegzudenken sein aus Fernsehprogrammen, Hochglanz-Illustrierten und Tschibo-Shops; mit Hilfe der bekannten Maßnahmen sollten sie innerhalb kürzester Zeit als neue Kult- und Megastars etablieret sein. Ich fordere deshalb: Gut bezahlte Auftritte in Talk- und Game-Shows - in jeder Talkrunde muss mindestens ein Kinder- und Jugendbuchschriftsteller Präsenz zeigen, Mario Giordano äußert sich zum Problem des Hundekots in den Hamburger Docks, ich selber bin gern bereit, vor laufenden Kameras genauso dürftig Fußball zu spielen wie viele Fußballspieler dürftige Sätze stottern... Ganzseitige Hochglanz-Interviews und regelmäßige Erwähnung in der Boulevardpresse sowie in entsprechenden Small-Talk-Spalten - Ulli Schubert beim Sektempfang mit Prinzessin Caroline. Inhaltslose Fernseh-Werbeauftritte für viel Geld -, Jürgen Banscherus zeigt Christa Zeuch die längste Praline der Welt, Regelmäßige Glossen und Kolumnen in Zeitschriften - Cornelia Franz über die Warteschlange an der Supermarktkasse, Kirsten Boie über den Kindergeburtstag bei McDonalds, der in die Hose gegangen ist . Regelmäßige VIP-Auftritte in Vorabendserien und Soap-Operas - Anne Steinwart als Taxifahrerin in GZSZ. Verschiedene Sofort-Maßnahmen zur Image-Verbesserung wie die Benennung von Straßen, Wegen und Plätzen in bevorzugter Wohnlage nach Kinder- und Jugendbuchautoren - Weitere Maßnahmen wie Autorenporträts auf Litfasssäulen und Linienbussen, auch eine Art „Deutsche Sportlerhilfe“ für Kinder- und Jugendbuchautoren wäre grundsätzlich erwägenswert...

Wolfram Hänel

AkProt
180. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 21.2.2001

Hochverehrte Leserschaft!

Was haben wir denn da wieder geschafft, wir Ritter von der Absichtslosigkeit? Eine wunderbare Arbeitskreissitzung von „Bordenau – Unser Dorf liest“. Zwanzig Teilnehmer aus Bordenau und Umgebung, darunter viele Mitwirkende am Bordenauer FAUST, konnten sich für das neue literarische Jahresprogramm  einfach etwas wünschen. Wie in der Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat! Wie wäre es mal mit Märchen für Erwachsene? Bedenke, worum du bittest, es könnte dir gewährt werden! Oder „Deutschland – ein Wintermärchen“ von Heinrich Heine und das zum 3.Oktober 2001, dem Tag der poetischen Wiedervereinigung? Oder die Reden der Bundespräsidenten aus fünf Jahrhunderten? Da könnte man vielleicht feststellen, so ein Teilnehmer, wie die voneinander abgeschrieben haben. Als wäre das „Haus ohne Hüter“ so Böll, auch ein Wunsch einer Teilnehmerin. Kritisch könnte es auch werden , bei Hubert Briedens zeitgenössischen Krimis „Totes Moor“ und „Schweineherz“. Aber wer seine Heimat liebt, darf sie auch schelten. Neben dieser Einladung steht schon fest, dass wir im Mai eine kurze Nacht der Poesie mit Stephanie Jans, Poetin aus Bordenau, im Ristaurante Roma feiern wollen mit Chansons  von Frauke Hohberger. Beim Ferienpass sollen Kinder das Internet lesen lernen, und das mit Hilfe unseres Internetbürgermeisters Klaus Detering. Überhaupt die Jugend! Die interessieren sich doch nicht für uns Grufties! Doch, wir laden ein zu Texten und Autoren der Hip-Hop-Bewegung in der Reihe „Besondere Kulturen im eigenen Land“. Und wir wollen auch die Geschichten des Junglehrers Friedrich Bödecker noch mal hören, der in den Zwanziger Jahren auf dem Lande lebte und dort einiges Kuriose erlebte. Dazu die Aufzeichnungen des Bordenauer Lehrers Grelle aus den Dreißiger Jahren! Im Vordergrund soll aber weiterhin das Lesevergnügen stehen. So haben wir Schmetterlinge im Bauch und Rosinen im Kopf, wer hilft uns, beides im glühenden Herzen zusammenzubringen? Und das vielleicht am Tag des Lesenden Dorfes im Literaturhaus in Hannover!

Literaturgesprächskreise
179. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 14.2.2001

Hochverehrte Leserschaft!

Die Literaturgesprächskreise der KVHS haben begonnen: am 13.2.2001 in Garbsen und am kommenden Montag ab 18.00 Uhr in Neustadt am Rübenberge; und vielleicht entsteht ein solcher Lesekreis ja auch bald wieder in Bordenau: gemeinsam werden Bücher ausgewählt, getrennt dann durchgelesen und auszugsweise gemeinsam gelesen, besprochen und durch Informationen zu Autor, Leben, Werk und Wirkung ergänzt. Jeder und jede schildert seine Erlebnisse und Gedanken bei der Lektüre, es stellen sich erste  Beurteilungen und Bewertungen heraus, die jeweils mehr oder weniger psychologisch oder politisch gefärbt sind. Aber zwei Dinge sind klar: jeder liest dieses besondere Buch auf seinem persönlichen  sprachlichen- und literarischen Erfahrungshintergrund und komplettiert die überindividuelle Sprache mit seinen inneren Bildern, weshalb ja auch Literaturverfilmungen immer anders sind als die inneren Bilder unzähliger Leser. Und das kommt eben auch daher, dass wir alle unterschiedliche Leseerfahrungen haben, so individuell wir sind, so hat niemand von uns die gleichen Bücher gelesen, auch Professoren und Literaturkritiker schaffen jeweils nur ihr Pensum. Weshalb denn auch die Auswahl des gemeinsam zu lesenden Buches schon eine spannende Klippe darstellt: gibt es so etwas wie einen allgemeingültigen Kodex: das müsste man gelesen haben! Es gibt ihn nicht! Schon Goethe sah eine Weltliteratur heraufziehen, die die nationalen und nationalsprachlichen Grenzen überschreitet und mit weltumspannenden Themen und Literaturarten unseren Globus umkreist, nicht nur unser globales Dorf Bordenau! Und wenn wir erst die deutschsprachigen Autoren und Dichterinnen auflisten würden, die man wenigstens dem  Namen nach kennen sollte, wäre man schnell bei einem überlangen Lexikon. Und die zeitgenössischen kommen noch dazu! Dennoch, wir werden aus dem Lesbaren das Erlesene herauszufinden versuchen. Kommen Sie doch einfach dazu! Nur mal kurz reinschnuppern, geht auch.

Kino der Liebenden
178. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 8.2.2001

Hochverehrte Leserschaft!

Wir sprechen heute über literarische Geheimnisse oder darüber wie Literatur wirken kann. So teilen sich Gedichte mit, geben sich aber nicht preis. Es bleibt ein Rest von unverstandenem Geheimnis, das vielleicht nicht einmal der Dichter kennt. So geht es auch Geschichten. Einige von ihnen sind so einfach herrlich realistisch, dass man sie ohne weiteres verfilmen kann. Es gibt aber auch besondere Geschichten, in denen sich die eigentümliche Wirkung des Lesens oder Vorlesens erst im Leser bzw. Zuhörer einstellt und ergibt. Eine dieser besonderen Geschichten ist „Kino der Liebenden“ von Janine Teisson: Es ist die Geschichte der beiden jungen Menschen Marine und Mathieu, die sich in dem kleinen Pariser Kino von Monsieur Piot kennen zu lernen beginnen. In diesem Kino werden einmal die Woche Klassiker der Filmgeschichte gezeigt. Die zärtliche Annäherung der beiden ist überschattet von rätselhaften Anspielungen, die sich beide machen und die sich erst aufklären, als sie sich bei Mathieu zu Hause treffen. Wir erleben sie mit ihren inneren Gedanken und Überlegungen, ihrer Vorsicht, ihrem Mut, Marine wirkt scheinbar verzweifelter, während Mathieu immer so gut drauf ist, wie auch seine Freunde sagen. Beide ahnen nicht, dass ihre Geheimnisse sie verbinden. Die vorsichtig zärtliche Liebesgeschichte liest sich angenehm in einer Zeit ansonsten hektischer Überstürzung. Frauke Hohberger und Peter Mürmann, beide aus dem Bordenauer Faust an exponierter Stellung bekannt, geben Marine und Mathieu ihre Lebendigkeit, Martin Drebs fungiert dabei als Erzähler. Und die Art ihrer Annährung wird zum Symbol der möglichen Nähe zwischen Menschen überhaupt. Sehen Sie, jetzt wurde hier kaum was verraten! Dennoch neugierig geworden? Dann kommen Sie doch am Samstag, dem 17.2.2001,um 20.00 Uhr ins Cafe Mandelsloh oder am Sonntag, dem 18.2.20001, um 16.00 Uhr ins Dorfgemeinschaftshaus Bordenau!

Arbeitskreis 2001
177. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 1.2.2001

Hochverehrte Leserschaft!

Nun ist es wieder soweit: Am Montag, dem 12.Februar 2001, trifft sich ab 20.00 Uhr in der Scharnhorstschule in Bordenau der Arbeitskreis von „Unser Dorf liest“. Das ist so etwas ähnliches wie ein Parlament, in dem besprochen wird, was wir in diesem Jahr so alles schöne Literarische und Angrenzende machen können. Alle Mitbürger sind dazu herzlich eingeladen, an diesem Programm mitzuwirken: neben den ersten schon feststehenden Terminen, wie etwa die Übernahme der Leitung der KVHS-Literaturkreise in Neustadt und Garbsen durch Martin Drebs sowie die Lesungen  von „Kino der Liebenden“ mit Frauke Hohberger , Peter Mürmann und Martin Drebs am Samstag, dem 17.2.2001, 20.00 Uhr in Mandelsloh und am Sonntag, dem 18.2.2001, 16.00 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Bordenau, und der literarisch-musikalischen Präsentation von Scharnhorstbriefen am 11.3. 11.30 Uhr in Ricklingen stehen uns alle literarischen Wege offen: die Lesung eines zeitgenössischen Autors oder Autorin eingeladen durch den Friedrich-Bödecker-Kreis, unseren Schutzpatron, oder laden wir Hubert Brieden vom Neustädter Arbeitskreis Regionalgeschichte ein mit seinen engagiert zeitkritischen Kriminalromanen „Totes Moor“ und „Schweineherz“, veranstalten wir im Ristaurante „Roma“ eine kurze Nacht der Poesie mit der Poetin Stephanie Jans aus Bordenau und und und. Mit allen „Fäustlingen“, den Mitwirkenden am Bordenauer FAUST, geht der Blick natürlich nach vorn auf den Tag der poetischen , äh! Äntschuldigung deutschen Wiedervereinigung: was wollen wir diesmal lesen? Die Frage ist ganz ernst gemeint, denn diesmal sollen die Interessierten den zu lesenden Text mit auswählen bzw. vorschlagen. Also, nichts wie hin zum Arbeitskreis am 12.2.; dabei erwartet uns sicher wieder eine besondere Überraschung und sei es „nur“  die Präsentation des viertelstündigen FAUSTapplauses!

Alfred Beermann
176. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 24.1.2001

Hochverehrte Leserschaft!

Am morgigen Donnerstag, dem 25.1.2001, lesen im Cafe Mandelsloh ab 19.30 Uhr die Autorinnen und Autoren des Buches „Allerlei Buntes ut dem Niestädter Land“, u.a. Ingrid Fischer-Kumbruch, Renate und Alfred Beermann  und sogar unser Bürgermeister Wilhelm Heidemann. Wir stellen hier in einer gekürzten Fassung die Geschichte „Goethe möge mir verzeihen“ von Alfred Beermann vor: „Viele werden sich noch daran erinnern, wie schwierig es gleich nach dem Kriege war, in den Schulen Unterricht zu gestalten....Kohle war Mangelware, und es ergab sich für den Winter das Problem, die Klassenzimmer wenigstens so weit zu heizen, dass der Unterricht regelmäßig stattfinden konnte. Besonders engagiert nahm sich Lehrer Sternsdorf dieser Sache an, und so mussten seine Schüler häufig bei der Bereitstellung von Holz und Torf mithelfen.... Und so wunderte sich auch niemand, dass die Jungen aus Lehrer Sterndorfs Klasse auf dem Dachboden ihrer Schule Torf zum Trocknen umschichten mussten....Nun war der Dachboden aber immerhin fünf Stockwerke von den Toilettenräumen entfernt, die sich damals noch hinten außerhalb des Schulgebäudes befanden. Für einen der Schüler ergab sich daraus ein erhebliches Problem: Er hatte nämlich plötzlich solch einen Druck auf der Blase, dass er aus seiner Sicht diesen weiten Weg unmöglich hätte schaffen können. Doch nun nahm das Schicksal seinen Lauf. Der Fußboden war an dieser Stelle wohl nicht besonders aufnahmefähig für Flüssigkeiten, und so erlebten die Schüler in dem direkt darunter liegenden Schulsaal eine Sondervorstellung: Sie übten gerade den Kanon „Bruder Jacob“. Ein bräunliches Rinnsal näherte sich von oben dem großen ehrwürdigen Goethebild, das die Wand an der Stirnseite des Schulsaals schmückte. Respektlos ergriff die Flüssigkeit von dem Symbol deutscher Dichtkunst Besitz und lief direkt über Stirn, Nase und Mund in das Hemd auf seiner Brust....Von diesem Tage an erhielt der kleine Unter-Sich-Lasser den Spitznamen „Goethe“ unter dem ihn noch heute fast alle Neustädter kennen.“

Kändler
175. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 17.1.2001

Hochverehrte Leserschaft!

Am Freitag, dem 19.1.2001, kommt um 20.00 Uhr die berühmte Chansonette Alix Dudel nach Neustadt ins Kulturforum in der KGS. Wir freuen uns, hier einmal Dudels Texter, den frech-liebevollen Wortkünstler Friedhelm Kändler aus Hannover vorstellen zu können. In der Jahrhundertmitte geboren studierte er Pädagogik, visuelle Kommunikation und evangelische Theologie mit Abschluss Lehramt. Neben Tätigkeiten in der Erwachsenenbildung machte er Kindertheater und arbeitete im Reisebüro. Er erhielt für seine schriftstellerische Arbeit verschiedene Stipendien und Preise. Erwin Schütterle schreibt in einem Unvorwort über den „unkonformen Literat“: „Erwartet er möglicherweise, dass mein Vorwort „kaufen!“ lautet; nein, das ist ihm bestimmt zu kommerziell. Da würde ich dem Vorwort „lesen!“ den Vorzug geben. Aber das ist wiederum zu literaturell....Friedhelm Kändlers Texte hinter-, tief- und feinsinnige Texte bringen doppelten Lustgewinn, wenn man sie nicht leise in sich hineinliest, sondern laut vor sich oder anderen hinausliest.“ Aus den vielen poetischen, aphoristischen und heiteren Gedichten seien hier zwei vorgestellt: „Kleine Träumerei“: Ich träumte im Schlaf, ich sei ein Schaf . Der Schäfer hat mich geschoren und ich hab gefroren.  „Besessen“: Nun bin ich verschwunden/Ich hab mich versteckt/Und ungefunden/Wiederendeckt. Von all dem besessen/Was ich nicht besaß/Ich war vermessen/Du warst das Maß. Ich hab mich verlassen/Liegt alles bei mir/Ich will mich fassen/Und greif nach dir. Ich fühl mich zerfressen/Ich habe geliebt/Ich hab vergessen/Dass es mich gibt. – Soweit zu Kändler. Noch eine Bemerkung zur letzten Woche: Gedicht von Eduard Mörike. Da hat doch Klaus Detering auf der  Homepage Bordenaus, auf der diese Kolumne auch veröffentlicht wird, eine Verbindung zu Leben und Werk Mörikes eingerichtet. Da wird das Internet zum Literaturlexikon. Gratulation!

Wintermorgen
174. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 10.1.2001

Hochverehrte Leserschaft!

Eduard Mörike schreibt uns zum Jahresanfang an einem Wintermorgen vor Sonnenaufgang: O flaumenleichte Zeit der dunklen Frühe! Welch neue Welt bewegest du in mir? Was ist`s, dass ich auf einmal nun in dir von sanfter Wollust meines Daseins glühe? Einem Kristall gleicht meine Seele nun, den noch kein falscher Strahl des Lichts getroffen; zu fluten scheint mein Geist, er scheint zu ruhn, dem Eindruck naher Wunderkräfte offen, die aus dem klaren Gürtel blauer Luft zuletzt ein Zauberwort vor meine Sinne ruft. Bei hellen Augen glaub ich doch zu schwanken; ich schließe sie, dass nicht der Traum entweiche. Seh ich hinab in lichte Feenreiche? Wer hat den bunten Schwarm von Bildern und Gedanken zur Pforte meines Herzens hergeladen, die glänzend sich in diesem Busen baden, goldfarb`gen Fischlein gleich im Gartenteiche? ... Und welch Gefühl entzückter Stärke, indem mein Sinn sich frisch zur Ferne lenkt! Vom ersten Mark des heut`gen Tags getränkt, fühl ich mir Mut zu jedem frommen Werke. Die Seele fliegt, soweit der Himmel reicht, der Genius jauchzt in mir! Doch sage, warum wird jetzt der Blick von Wehmut feucht? Ist`s ein verloren Glück, was mich erweicht? Ist es ein werdendes, was ich im Herzen trage? – Hinweg, mein Geist! Hier gilt kein Stillestehn: Es ist ein Augenblick, und alles wird verwehn! Dort, sieh! Am Horizont lüpft sich der Vorhang schon! Es träumt der Tag, nun sei die Nacht entflohn; die Purpurlippe, die geschlossen lag, haucht, halb geöffnet, süße Atemzüge: auf einmal blitzt das Auge, wie ein Gott, der Tag beginnt im Sprung die königlichen Flüge!

Hier klicken und Sie erhalten zu Eduard Mörike die Biographie und viele weitere Texte und Gedichte. Vollständiges Gedicht: Hier klicken 
(Achtung: externer Link)

Gute Vorsätze
173. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 3.1.2001

Hochverehrte Leserschaft!

Im Rahmen unseres Leserservice bieten wir Ihnen hier ein Fülle guter Vorsätze, die Sie nur auszuschneiden und jeweils – je nach persönlichen Vorlieben – zu unterstreichen brauchen: Zuhören lernen, Aufhören mit dem Rauchen, weniger Wein, regelmäßig Neustädter Zeitung lesen, mehr Sport, mal wieder für ein Gespräch mit dem Nachbarn stehen bleiben, ein Waisenhaus besuchen, sich politisch mehr interessieren, vielleicht auch engagieren, einen autofreien Tag einführen, einen schönen Spaziergang machen, alte Fotos sortieren, neue Vorsätze für 2002 ausdenken, einem alten Freund schreiben, Zeit nehmen für Kinder, jemandem helfen, eine Kellerecke putzen, Bücher durchgucken, Innehalten und Nachdenken, einfacher werden, überhaupt mehr lesen!

 

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