Logo_50.jpg (1474 Byte)
Unser Dorf liest

Arbeitskreis 
"Unser Dorf liest"

Kolumnen - Archiv 1.6.2000 - 30.9.2000

Übersicht 
Archiv
anzeigen

Manja Chmièl


146. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 28.6.2000

Hochverehrte Leserschaft!

Durch eine Bordenauer Schülerin von ihr wurde sie auf das lesende Dorf aufmerksam und begeisterte sich für die vielen Aktivitäten. Nun kommt sie selbst, vitaler Mythos ihrer eigenen faszinierenden Geschichte: Manja Chmièl, 78jährige Tänzerin und Pädagogin aus Hannover. Am Dienstag dem 11. Juli 2000 wird sie ab 20.00 Uhr in der Scharnhorstschule ihre Autobiografie vorstellen, die demnächst in einem Hildesheimer Verlag erscheinen wird: „Ich wählte den Tanz“, so der Titel des erzählten Lebens. Die ehemalige Wigmanassistentin bezeichnet ihren Tanz nicht als Ausdruckstanz. “Ich stelle weder Gestalten dar, noch deute oder veranschauliche ich emotionale Vorgänge oder stoffliche Inhalte. Meine Tänze sind in bestimmte Ordnungen gebrachte Bewegungen, die ihre eigene Realität haben und dem Zuschauer als optisch dynamisches Bild zufließen sollen.“  Neben Videobeispielen wird sie aus ihrer Autobiografie lesen. Wir bringen einen Ausschnitt aus dem Nachwort: „Der letzte Satz meines Buches ist geschrieben – ich glaube nicht, dass ich etwas wichtiges vergessen habe. Aber da taucht eine Frage in mir auf. „Wie hab ich den Tanz für mich entdeckt? Es hätte ja nichts in der Welt gegeben, das mir den Tanz hätte ausreden oder ersetzen können. Nicht, dass mir nicht manches Mal Zweifel kamen. Noch in der Schule wollte ich später Physik studieren (aber da kannte ich den Tanz noch nicht). Natürlich wollte ich einmal ein Kind zur Welt bringen – welche Frau will das nicht? Als Göre prahlte ich, ich wolle mindestens 10 Kinder haben – eine ganzen Kindergarten! Und gelegentlich wollte ich einfach die Frau eines Mannes sein. Einem Mädchen wurden schon früh solche Bilder eingepflanzt von Eltern, Lehrern und von zahlreichen patriarchalen Inhalten früher Literatur. Wir nennen sie in Naivität „Ideale“ und in Bitterkeit „Illusionen“ – wir müssen ein Leben lang hart daran arbeiten, sie wieder loszuwerden.“

Treckerfahrten
145. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 21.6.2000

Hochverehrte Leserschaft!

Am 24. Juni 2000 laden die Bordenauer Landfrauen und Landwirte ganz herzlich zu einer Feld- und Waldrundfahrt ein. Treffpunkt ist ab 13.00 Uhr am Dorfteich. Gutgepolsterte Anhänger fahren hoffentlich gut beladen und bei sonnigem Wetter bis 14.00 Uhr halbstündig ab. Ein Trecker freut sich schon besonders auf die Fahrt und erzählt: „Ich werde mein Fahrgäste zuerst die Bordenauer Strasse entlang fahren, um dann in den Alten Torfmoorweg einzubiegen. Nun tuckere ich weiter bis zum Bauern Tegtmeier. Nah! Hier wohnt doch Marita, die so toll Theaterspielen kann! Weiter geht es dann die Rinderwurststrasse entlang bis zum Risch, nun biege ich rechts ab, fahre dann gerade aus über eine Kreuzung, den Schünemannskampweg entlang, dann eine scharfe Linkskurve und schon sind wir im Haspelweg. Hier öffnet sich dann – oh Wunder – eine sonst verschlossene Schranke, die allen anderen die Durchfahrt versagt, bis ich auf die Frielingerstrasse gelange, von hier aus sind es dann nur ein paar hundert Meter, dann fahre ich mit euch durch Bordenaus Ortsteil Osterberg. Aber mehr will ich euch nicht verraten. Denn nun zeige ich allen meinen Fahrgästen einen wunderschönen Wald. Manchmal habe ich das Gefühl, es sei der schönste Wald, den ich bisher gesehen habe. Aber eines muss ich euch doch schon sagen: mitten in diesem Wald haben die Bordenauer Landfreuen eine Kaffetafel aufgebaut und hier gibt es wie zu Grossmutters Zeiten, ganz leckeren Zuckerkuchen und dazu köstlichen Kaffe; nah!, ist das nichts? Anschließend fahre ich alle wieder zum Dorfteich zurück. Während der Fahrt erklärt euch einer meiner Untertanen alles über angebaute Kornsorten und vieles mehr. Euer liebenswerter Trecker!“

Scharnhorst
144. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 14.6.2000

Hochverehrte Leserschaft!

Er fühlte sich „nicht zum Soldaten gemacht; ohne Schwierigkeiten ertrage ich die Gefahr, aber der Anblick der unschuldig jammernden Menschen im Blute neben mir, das Feuer der brennenden  Dörfer, von Menschen zum Vergnügen angelegt, die übrigen Gräuel der allgemeinen Verwüstung bringen mich in Wut und in eine mir unerträgliche Stimmung.“ so Generalleutnant Gerhard von Scharnhorst in seinen ganz privaten Briefen, die im Mittelpunkt einer Veranstaltung des Kulturkaleidoskops in Bordenau stehen- Beginn: 20.45 Uhr in der Thomaskirche. Der empfindliche und ehrgeizige Bordenauer soll in seiner Privatheit und seiner Menschlichkeit sowie in seiner großen Familienliebe gezeigt werden. Musikalisch kommentiert das Fredmann-Quartett aus Neustadt mit „Herrn Rat Goethes Hausmusik“ die Briefe an seine Frau und Tochter, die vom Scharnhorstkomitee kurz historisch eingeordnet werden. Zu diesen Veranstaltungen am 3o. Juni und 1. und 2.Juli werden überregionale Gäste erwartet, die ein reichhaltiges Rahmenprogramm des DRK geboten bekommen: den vorzüglichen „Scharnhorst- Eintopf“ und Bauerntänze durch den DRK-Tanzkreis. Eine Besichtigung des Scharnhorst-Geburtshauses ist ebenfalls möglich. Den interessierten Neustädtern werden ermäßigte Karten angeboten, nicht nur um ihnen die Teilnahme am Kulturprogramm zu ermöglichen, sondern um auch mit unseren Gästen ins Gespräch zu kommen. Vielleicht entwickelt sich ja die eine oder andere Brieffreundschaft! „Adieu, meine liebe Kläre“, schreibt  Scharnhorst am Schluss eines Briefes,“ ich bitte Euch, schreibt viel, aber klein, denn das Postgeld ist allzu hoch. Adieu, schreibt mir auch etwas von dem Garten. Dein Dich zärtlich liebender Gerhard.“

Pfingstfest
143. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 7.6.2000

Hochverehrte Leserschaft!

Den eigentlichen Geburtstag feiert Bordenau erst im August; doch schon jetzt finden viele Veranstaltungen zum 1111ten Jubiläum statt. Ein Höhepunkt wird das Fest am gesamten Pfingstsonntag mit Gottesdienst, Gospelchor, Oldieparty, mit buntem Nachmittag und abends dann Lieder aus „My Fair Lady“ sein. Versuchen wir dieses Ereignis mit einer angemessenen Hymne zu würdigen, betten Bordenau dabei in Neustadt ein: „Neue Städte gibt es viele zwischen den Bergen und dem Meer; doch keine klingt so wie diese und verspricht noch ein bisschen mehr: denn das ist Neustadt am Rübenberg, an schöner Leine festgemacht, hier gehen freie Menschen zu Werk, hier wird neben Mühen viel gelacht. Fast mittendrin liegt Bordenau und das seit 1111 Jahren; ebenfalls Leine und Himmel oft blau, auch als wir noch Germanen und Franken waren. Ob nun als Bauern, Ritter, Pfaffen, bei uns gibt`s immer was zu gaffen: Hochwasser, Pferde, Goethe bis Gates, auch ohne Steg finden wir den Weg hier stets.“ ( Mit Gates ist die vorzüglich gepflegte Homepage Bordenaus im Internet gemeint). Nun , das Ganze wirkt noch ein bisschen holprig, deshalb kommen Sie bitte alle zum Fest und beteiligen Sie sich am Hymnenwettbewerb!  

Pausewang 2
142. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 31.5.2000

Hochverehrte Leserschaft!

Wie können wir unsere Kinder auf diese Welt richtig vorbereiten? Wie viel Realität muten wir ihnen zu? Haben wir eigentlich diese Welt verstanden? Diese und ähnliche Gedanken mögen 1988 das Familienministerium bewogen haben, die Veröffentlichung der Preisträger zum deutschen Jugendbuchpreis zurückzuhalten. Und damit die unabhängige Jury aus pädagogischen und literarischen Fachleuten zu brüskieren. Es ging konkret um das vorgeschlagene Buch von Gudrun Pausewang „Die Wolke“, in dem die schrecklichen Auswirkungen eines großen Atomunfalls in Deutschland literarisch aufgezeigt wurden. In den 32 Jahren seit der ersten Verleihung dieses einzigen deutschen Staatspreises kam es bisher nicht vor, dass ein Buch vom Ministerium abgelehnt wurde. Dazu der erste Redeentwurf von Familienministerin Rita Süssmuth: Es gebe „Defizite in Gudrun Pausewangs Text“, er vertrete eine Radikalposition, er sei „in verschiedener Hinsicht nicht geeignet, Probleme und Zusammenhänge erkennen zu lassen, sie besser zu verstehen oder verstehen zu lernen“. In der gesprochenen Rede hieß es dann doch: „ Wir brauchen die Entwürfe derjenigen, die über unsere gegebene, uns oft einengende und den Blick nicht mehr freimachende Realität hinausgehen“. Gudrun Pausewang erhielt schließlich den Preis für das damals schon viel gekaufte Buch, und die Jury ging gestärkt aus diesem nicht eigentlichen Zensurfall hervor. Die große alte Dame der engagierten Literatur kommt auf Einladung der Stadtbibliothek nach Neustadt und zwar am Donnerstag, dem 22.Juni 2000, ab 16.00 Uhr im Schloss. Sie wird sich bei ihrer Lesung nach den anwesenden Kindern und Jugendlichen richten und selbst auch wieder die Balance suchen: was mute ich ihnen zu, wie bereite ich sie auf diese Welt vor?

Gummibärchen
141. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 24.5.2000

Hochverehrte Leserschaft!

Heute berichtet Dr. humoris causa Cornelius über das Ursulus elasticus vulgaris, auch bekannt als gemeines Gummibärchen: „Für den menschlichen Genuss bestimmt, wird es in großem Maßstab industriell geklont – von in freier Wildbahn lebenden Exemplaren ist nichts bekannt. Gleichwohl sind angesichts dieser identischen Lebensumstände die drei vorherrschenden Hautfarben weiß, gelb und rot (in einer hellen und dunklen Ausprägung) noch erklärungsbedürftig – vielleicht sogar als Indiz für eine nicht-domestizierte Vorgeschichte der Gattung zu werten. Auch das Aussterben einer zuletzt Anfang der 80er Jahre beobachteten grünen Varietät legt die Vermutung nahe, dass hier Bedingungen der Gefangenschaft nicht standgehalten wurde. Es fristet sein Leben – bis es es lassen muss – in Populationen von weniger als zehn bis zu Großverbänden von über hundert erwachsenen Individuen ohne Ansehung der Hautfarbe und des Geschlechts in transparenten Tüten. Entgegen früheren Annahmen lassen sich aus den dort aufgedruckten Haltbarkeitsangaben keine gesicherten Rückschlüsse auf die möglichen Lebenserwartung ziehen, die vielmehr noch eingehender Untersuchungen bedarf. Gefressen, wecken sein süßlicher Geschmack und seine gallertige Konsistenz im Munde des Hominiden die wilde, unzähmbare Gier nach mehr – so zieht er, unschuldig schuldig geworden, seine Brüder nach sich in den Tod.

Neues vom FAUST
140. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 17.5.2000

Hochverehrte Leserschaft!

Es gibt Neues vom „Bordenauer Faust“: über 60 Menschen aus Bordenau, dem Neustädter Land, dem Landkreis und der Stadt Hannover beteiligen sich zur Zeit intensiv an der Vorbereitung des BORDENAUER FAUST am 3. Oktober 2000. Die Probe-Lesungen gehen nach und nach durch den gesamten Text und werden sich bis zur Lesung entsprechend vervollkommnen. Das Dorftheater Poggenhagen unter Leitung von Rosemarie Pietzsch hat als Ensemble die Klassische Walpurgisnacht im zweiten Teil übernommen. Die örtliche und überregionale Presse sowie der NDR berichteten ausführlich über unser Projekt des Friedrich-Bödecker-Kreises. Als Sponsoren konnten bisher die Stiftung Bordenau, das Kulturamt des Landkreises Hannover und die Kreissparkasse Hannover gewonnen werden. Kontakte zum Kommunalverband laufen noch. Die Stadt Neustadt am Rübenberge hat die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen; Bürgermeister Heidemann ist eingeladen, im FAUST II den Kanzler mitzulesen. Der Neustädter Musikschullehrer Daniel Kosmalski komponiert derzeit an den ersten Teilen der FAUST-Musik, die teils programmatisch unterlegt, teils als Überleitung zwischen den Szenen eingespielt werden sollen. Der freie Fotograf Frank Nikolaus bereitet die einzublendenden Projektionen vor; teilweise sollen die FAUST-Radierungen von Andreas Schäfer, Mitglied der Werkstatt Bordenau, verwendet werden. Der Vorverkauf für die Unterstützerkarten hat unter dem Motto: „Goethe für alle“ bereits begonnen: für 10,-DM – bei postalischer Zustellung 11,11 DM, weil Bordenau 1111 Jahre alt wird – kann die Lesung den ganzen Tag über besucht werden. Von den festen Sitzplätzen unmittelbar an der Lesebühne sind bereits zehn Prozent vorbestellt. Hierbei ist die gesamte Lesung in fünf Teile aufgeteilt. Na, auch Lust bekommen ?

Unser Dorf hat Zukunft
139. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 10.5.2000

Hochverehrte Leserschaft!

Nächste Woche, am 17.Mai zwischen 9.00 und 10.30 Uhr besucht eine hochkarätige Jury unser Bordenau, um – im Rahmen des Dorfwettbewerbs auf Bezirksebene - über die zukunftsträchtige Perspektive unseres Dorfes zu urteilen; Wir spielen dabei sozusagen in der 2.Liga! Kommen Sie zahlreich ins Dorfgemeinschaftshaus und winken Sie dem Bus der Jury freundlich zu. Sicher werden sich die Mitglieder für die nachhaltige Gestaltung des Dorfes, den Kirchplatz, das Zentrum am Dorfteich mit Grundschule, Kindergarten, Sportplatz und Sporthalle, Dorfgemeinschaftshaus, Bouleplatz und Inline-Skaterbahn sowie das umgestaltete Lübbertsche Haus in der Bäckergasse interessieren. Das alles ist gut und richtig. Hier sei eine andere Art der Anmerkung zur Zukunft unseres Dorfes erlaubt: Der Begriff des Dorfes ist in sich schon mehrdeutig, auch nach den Kriterien des Wettbewerbs werden wir als gemischte Dorfform mit hohem Wohnanteilen eingeschätzt. Unserer Meinung entsteht Zukunft aber besonders durch das Zusammenwirken der Menschen in einem Dorf, aus ihrer gemeinsamen Einsicht in die schöne Notwendigkeit des Zusammenwirkens. Und da gibt es sehr viele Beispiele in unserem Dorf, wo die Mitbürger über den Tellerrand der eigenen Vorlieben und Bequemlichkeiten schauen. Nur wenige können hier Erwähnung finden: die Stiftung Bordenau, die freiwillige Feuerwehr, das Vater-Kind-Zelten, das Osterfeuer, die Verkehrlotsen, der Kanusport, die Altennachmittage und und und. Hier herrscht ein Gefühl für die gemeinsamen Belange über alle tagespolitischen Dinge hinaus. Und um es mit Marie Luise Kaschnitz zu sagen: Ehe noch des Unheils Ende und ein neuer Stern erschien, muss im Herzen sich die Wende, muss ein Wille sich vollziehn; nur Geglaubtes lässt sich finden, nur Gewissheit wird den Stein Heil`ger Kräfte neu entbinden; Stund´um Stunde sind verkettet, ehe uns die Zukunft rettet, müssen wir die Zukunft sein.

Beermann die zweite
138. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 3.5.2000

Hochverehrte Leserschaft!

Renate Beermanns Buch „Wenn die fremde Frau kommt“ geht jetzt in die zweite Auflage. Herzlichen Glückwunsch! Die Autorin machte auf ihren zahlreichen Lesungen immer wieder die Erfahrung, wie unterschiedlich Literatur wirken kann. „Nun komme ich endlich dazu, Ihnen meine Gedanken und Gefühle zu schildern, die mich bei meinen Lesungen begleiten, und die Sie den Lesern der Neustädter Zeitung in Ihrer Kolumne mitteilen wollten.  Am Anfang mochte ich gar nicht daran denken, vor einem  kritischen Publikum zu stehen, um eigene Geschichten vorzutragen. Immer wieder sah ich im Geiste Loriots Autorenlesung in dem Film „Papa ante Portas“ vor mir, und die Angst, selber mit einem Schluckauf kämpfen zu müssen überkam mich. Heute, ein Jahr später, ist diese Scheu verflogen und wundere ich mich darüber, dass ich den Kontakt zu den Besuchern suche und genieße. Dankbar spüre ich in den Gesichtern jede positive Reaktion, die mich dann umso mehr anspornt, möglichst auch das zwischen den Zeilen versteckte durch Gestik und Mimik zu vermitteln. Natürlich freue ich mich nach einer Lesung über die vielen liebevollen Rückmeldungen, von denen ich Ihnen einige schildern möchte. Ein junger Mann sagte mir, er habe das Buch in einem Zuge durchgelesen. Dann habe er es zugeklappt und spontan gesagt, dass er nun keine Angst mehr vor dem Alter habe. Eine alte Dame aus Brelingen sagte mir: „Frau Beermann, ich habe eine sehr schwere Zeit hinter mir. Mein Mann ist vor kurzem nach einer langen Krankheit gestorben. Die letzten Wochen waren schrecklich. In dieser Not habe ich gerade die traurigen Geschichten in Ihrem Buch wieder und wieder gelesen. Sie waren mein Trost und ich habe mich daran festgehalten.“ Oft ist es aber gerade das fröhliche „Mitgehen“, das mich noch lange nach einer Lesung beglückt. Ich möchte mich bei allen Lesern für die liebe Aufnahme meines Buches bedanken und hoffe, dass noch viele Menschen Freude und Trost durch mein Buch erfahren.“

Messias
137. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 26.4.2000

Hochverehrte Leserschaft!

Der über 80jährige Schweizer Dorfpfarrer und Poet Kurt Marti schreibt uns zum ausklingenden Osterfest noch ein nachdenkliches Gedicht „Du: der Messias?“: „Du: der Messias“ soll Simon in einem Augenblick der Erleuchtung gesagt haben  damals, und wie lange ist seither dein Reich gepredigt worden? Gewaltiger noch als durch Worte mit Feuer und Schwert, mit Kapital und Gewalt: Ströme von Tränen von Blut bis heute, da sich die Völker - gigantisch doch ratlos – bedrohen mit absoluter Vernichtung. „Du: der Messias“ – und wir: die Apokalypse unserer selbst? Sollen wir die letzten oder die vorletzten Menschen gewesen sein auf diesem Planeten? Wozu dann aber willst du noch wieder kommen? Wozu – wenn dein Reich der Freiheit der Liebe keine Menschen mehr vorfinden wird? „Du: ein Messias, der Gebirge der Meere der Winde nur noch? Archäologe des Himmels vielleicht auf zu später Suche nach Spuren des dann erloschenen Ebenbildes Gottes?“

Kleiner Hase
136. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 19.4.2000

Hochverehrte Leserschaft!

Der Kleine Hase wollte nicht in den Kindergarten gehen! Erst fanden ihn die Haseneltern nicht, denn er hatte sich unter dem Bett versteckt, dann vermissten sie seine Anziehsachen, die waren plötzlich weg, dann lies  er sich kaum anziehen und drehte sich immer wieder mit großer Kraft zur Seite, dann fand Papa Hase seine Brille nicht, das Telefon klingelte und schließlich musste ja Mama Hase los zur Arbeit. Papa Hase brachte den Kleinen Hasen nun zum Kindergarten, vielmehr er versuchte es, und es dauerte auch ewig, da der Kleine Hase mit seinem Hasendreirad noch einen Umweg machen  wollte. Dann wollte er überhaupt nicht in den Kindergarten hinein, die anderen kleinen Hasen schienen ihm alle doof, die Spielchen zu langweilig und gefrühstückt hatte er auch schon. Papa Hase hatte Mühe sich loszureißen, aber irgendwann musste ja auch er ins Büro. So ging der Tag dahin und als Mama Hase ihren Kleinen Hasen vom Kindergarten abholen wollte, saß er mit anderen kleinen Hasen in einer Ecke und bemalte bunte Eier... und wollte gar nicht mit nach Hause kommen, so gut gefiel es ihm jetzt da!

Regenbogen
135. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 12.4.2000

Hochverehrte Leserschaft!

Am Donnerstag, dem 13.April, veranstaltet der Arbeitskreis Flüchtlinge und AusländerInnen ein internationales Fest unterm Regenbogen. Gibt es literarische Hinweise darauf, was ein Regenbogen für ein solches Fest bedeutet? Wir befragten dazu Regenbogenkundler Dr.Cornelius: „Der Regenbogen mit seiner Farbenpracht galt von jeher als Symbol der Schöpfung überhaupt. Treffen doch in ihm das Licht der Sonne, das sich in den Regentropfen wie in einem Prisma bricht, und die Vielfalt des universellen hellen Lichts, die sich in vielen Farben zeigt, als ein Abbild  des Lebens zusammen. Übrigens muss man die Sonne im Rücken haben und an seiner Bogenhaftigkeit erkennt man die Kugelform der Sonne, der Erde und des Auges. Am Ende des Regenbogens steht nach alter Überlieferung einen Schatz von Gold, den man nie erreicht. „Am farbigen Abglanz haben wir das Leben“, heißt es bei Goethe nicht nur am kommenden Samstag bei der FAUSTprobe. Die Harmonie des Zusammenspiels der Farben wurde aber dereinst gestört: Die Farben gerieten in Streit darüber, welche Farbe wohl die schönste und bedeutendste sei. Allerlei fremde Farben mischten sich unter die Grundfarben des Lebenslichtes, manch` Grau und Braun ward gesehn, das sich nun so kokett gab und die anderen Farben zu verachten begann., besonders das scheinbar farblose Schwarz. Die anderen Farben fühlten sich natürlich beleidigt und fingen an, sich gegen soviel falschen Übermut zu wehren, und es kam zum ersten großen Regenbogenkrieg. Darüber wurde die Sonne ganz traurig und verdunkelte mit dicken Tränen ihr leuchtendes Angesicht. Die Menschen dachten jeden Tag, dass mit ihrem Untergang auch die Welt zu Ende ginge. Sie beschworen die Farben doch zusammenzuhalten. Denn alle Farben des Regenbogens gehören zum Leben dazu, niemand darf wegen seiner Art benachteiligt oder missachtet werden. Das hat der Regenbogen mit diesem Fest zu tun!“

Bücherautomaten

134. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST mit der Neustädter Zeitung vom 5.4.2000

Hochverehrte Leserschaft!

„Ich geh mal eben ein paar Zigaretten ziehen“, heißt es heute. Vor 87 Jahren holten sich die Bürger den literarischen Genuss aus dem Automaten. „Ich geh mal kurz `nen Goethe ziehen“: verführerisch waren sie schon, die Reclam-Buchautomaten, gestaltet von einem der Begründer der deutschen Moderne, dem Architekten Peter Behrens. Der umtriebige Verleger Philipp Reclam jun. wollte der Schundliteratur den Kampf ansagen und die vertrieblichen Aktivitäten seines Verlages erweitern. In Cafés, Strandbädern, Krankenhäusern und Bahnhöfen wurden die Apparate aufgestellt. Sie waren ausgestattet mit kleinen handlichen Heften, die für ein paar Pfennige gezogen werden konnten. Reclam pries seine Universalbibliothek als „schlichte, aber inhaltreiche Bände, die ebenso in den prunkvollen Bücherschränken der Reichen und Mächtigen wie in der einfachen Wohnung des Fabrikarbeiters zu finden sind“. Das Sichtfenster des Automaten gab den Blick auf zwölf Titel frei. Insgesamt wurde eine Auswahl von 80 verschiedenen Büchern geboten. Bis 1917 waren fast 2000 Automaten in Betrieb. Der Absatz, zunächst jährlich etwa 1,5 Millionen Bändchen, geriet allerdings in den zwanziger Jahren ins Stocken. 1940 musste das Automatengeschäft eingestellt werden, und Goethe war wieder im Laden. 

 

E-Mail an den Webmaster  -  Zur Startseite Bordenau-Aktuell  -  Impressum
Copyright "Bordenau im Internet" - Stand: 23. Juni 2009